160 Fahrzeuge und insgesamt 1.500 Exponate präsentiert die vielfältige Dauerausstellung des Mercedes-Benz Museums. Ein besonderer Bestandteil sind die „33 Extras“: Sie lassen am Beispiel oft überraschender Details Mobilitätshistorie und Automobilkultur lebendig werden. Die Newsletter-Reihe Mercedes-Benz Museum Inside lenkt den Blick auf die „33 Extras“ und bringt ihre Geschichten auf den Punkt. In der heutigen Folge geht es um den Scheibenwischer.

14/33: Der Scheibenwischer

1 – Freie Sicht: Die Windschutzscheibe macht dem direkten Luftsturm auf die Insassen ein Ende. Doch bei Regen beispielsweise zeigt sich die nächste Herausforderung. Dann nämlich trüben Tropfen auf dem Glas den Blick des Fahrers. Das ist natürlich ein Sicherheitsrisiko. Schon 1903 kündigt sich Abhilfe an: Die Amerikanerin Mary Anderson erhält am 10. November 1903 das US-Patent Nr. 743.801A für ihr „window cleaning device“.

2 – Klare Konstruktion: Der erste Scheibenwischer der Welt hat hölzerne Arme mit daran angebrachten Gummilippen. Die Arme kreisen um einen Befestigungspunkt. Auch der Antrieb ist durchdacht: In der Nähe des Fahrers befindet sich ein Hebel. Zieht er daran, wird eine Feder gespannt, die anschließend den Wischer über die Scheibe gleiten lässt.

3 – Inspiration: Inspiriert zu ihrer Idee wird Anderson bei einer Fahrt durch das winterliche New York mit der Straßenbahn. Sie beobachtet, dass Schnee auf dem Glas den direkten Blick des Fahrers auf die Straße verhindert. Wie damals üblich, klappt dieser daher einen Teil der Scheibe zum klaren Sehen hoch – weshalb Kälte und Wind in die Straßenbahn dringen. Der Scheibenwischer ist die Lösung für dieses Problem.

4 – Pionierin: Die Frau trifft mit ihrer Erfindung ins Schwarze – ist aber zu früh. Sie versucht die Innovation für Komfort und Sicherheit zu vermarkten, doch kein Fahrzeughersteller greift den Scheibenwischer in Serienfahrzeugen auf. Erst nach Ablauf des Patentschutzes setzt er sich ab den 1920er-Jahren durch.

5 – Varianten: Auch andere Erfinder widmen sich dem besseren Durchblick. So erfindet etwa Prinz Heinrich von Preußen, leidenschaftlicher Automobilist und Bruder des deutschen Kaisers Wilhelm II., 1908 den „Henrici-Scheibenreiniger“, ein mit Stoff bezogenes „Abstreichlineal“. Es ist am oberen Scheibenrand befestigt und wird von Hand bewegt – was nur bei offenen Wagen funktioniert. So wird man zwar nass, hat aber wenigstens freie Sicht.

6 – Entwicklung: Über die Jahrzehnte wird der Scheibenwischer immer wieder verbessert. Elektromotoren übernehmen den Antrieb, höhere Fahrgeschwindigkeiten erfordern optimierte Konstruktionen, Elektronik und Sensoren steuern das Wischen, Gummilippen frieren nicht mehr an, scheibenreinigendes Wischwasser wird beheizt und immer gezielter auf das Glas gebracht: Zahlreiche Innovationen begleiten diesen Teil der Technikgeschichte, und viele kommen von Mercedes-Benz.

7 – Alles für den Durchblick: Epochal ist beispielsweise der versenkbare Scheibenwischer für einen besseren Fußgängerschutz, den der Sicherheitsingenieur Béla Barényi 1951 erfindet. Einen Einarmwischer hat erstmals 1970 das Forschungsfahrzeug C 111-II. In Serie kommt er 1982 im „Baby-Benz“ (Baureihe W 201), freilich deutlich modifiziert: Eine aufwendige Kinematik bringt den Arm für ein sehr großes Wischfeld selbst in die oberen Ecken hinein.

8 – Sicht und Licht: Nicht nur für die Windschutzscheibe, auch für Scheinwerfer gibt es Scheibenwischer. In Verbindung mit einer Wischwasserdüse zur Reinigung der Gläser finden sie sich etwa in der S-Klasse der Baureihe 116 oder in den SL/SLC der Baureihe 107. Gute Sicht erstreckt sich eben auch auf das Licht.

Das Mercedes-Benz Museum ist ab 1. September von Dienstag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr geöffnet.
Kassenschluss ist immer um 17 Uhr.

Anmeldung, Reservierung und aktuelle Informationen: Montag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr unter Telefon 0711 17-30000, per E-Mail an classic@daimler.com oder online unter www.mercedes-benz.com/museum.

Quelle: Daimler AG