Mit dem A 35 4MATIC+ zum Grundpreis von 47.796,35 Euro bietet Mercedes-AMG bereits einen sehr performanten Kompakten mit satten 225 kW / 306 PS sowie 400 Nm Drehmoment an. Ob sich dabei der Sprung zum Topmodell der Baureihe mit 387 bzw. 421 PS – als A 45 4MATIC+ bw. A 45 S 4MATIC+ überhaupt noch lohnt? Wir sind den „kleineren“ Sportler von AMG genauer probegefahren.

A35 4MATIC Fahrtest

Eines vorweg: mit dem A 35 4MATIC bietet Mercedes-AMG ein Modell an, welches für viele Leute der Vorgängerbaureihe und Fahrer des bisherigen A 45 4MATIC+ Modells mit dessen 381 PS sich durchaus als Alternativmodell anbietet. Zwar bot das bisherige Topmodell der A-Klasse mit 450 Nm einen beeinflussenden Beschleunigungswert von 4,6 Sekunden auf 100 km/h, den der A 35 4MATIC mit seinen 4,7 Sekunden aber nahezu toppen kann. Nahezu nicht vergleichbar sind hier entgegen der Werte des neuen Topmodells, der mit seiner 2 Liter Motorisierung bis zu 421 PS sowie 500 Nm bietet und die A-Klasse innerhalb von 3,9 Sekunden auf die 100 km/h Marke schiebt.

Die 400 Nm des A 35 4MATIC liegen übrigens zwischen 3.000 und 4.000 u/min an, die 480 Nm beim A 45 4MATIC+ erst zwischen 4.750 und 5.000 u/min, beim A 45 S 4MATIC+ bei 5.000 und 5.250 Nm.

Fraglich bleibt jedoch, ob die technischen Daten im Alltag in der Summe überhaupt einen Unterschied machen – oder gar nur beim direkten Rennstreckeneinsatz. Ob sich der Aufpreis auf das Topmodell – vom Grundpreis des A 35 auf den A 45 bzw. A 45 S 4MATIC+ mit 56.227,50 Euro oder 61.820,50 Euro also effektiv lohnt?

A35 4MATIC Fahrtest

Optisch wenig Unterschiede zur Topmotorisierung der Baureihe

Optisch unterscheiden sich der A 35 4MATIC zum A 45 4MATIC zumindest wenig, zumal beide Modelle auf Basis der AMG Line Exterieur für die A-Klasse aufbauen. Im direkten Vergleich muss sich das kleinere A 35 Modell aber gefallen lassen, dass dieser optisch weniger stark aufträgt als die größere Motorisierung aus Affalterbach. Vor allen am Frontdesign zeigt sich das A 35 4MATIC Modell durch den fehlenden „Panamericana-Grill“ an der Front deutlich weniger aggressiv. Für uns wäre hier wohl Nachbesserungsbedarf, was man aber spätestens mit der Modellpflege der A-Klasse optisch auch angleichen wird. Am Heckdesign und der verbauten Abgasanlage gibt es hingegen wenig, was wir vermissen – optisch passt das hier (für uns) durchaus. Die vier Finnen des Heckdiffusors tragen übrigens beide Varianten der A-Klasse.

A35 4MATIC Fahrtest

AMG Aerodynamik Paket auch für den A 35 4MATIC bestellbar

Wer das jeweilige Modell übrigens aerodynamisch aufhübschen will: das AMG Aerodynamik Paket ist sowohl für den 35er, als auch für den 45er optional ab Werk erhältlich und bietet an der Front nicht nur einen vergrößerten Frontsplitter, sondern auch die bekannten Zusatz-Flics vorne sowie den AMG Heckflügel und Diffusor Blade am Heck. Zusätzlich sind die seitlichen Strömungsabrisskanten mit optischen Luftauslässen der Heckschürze umrahmt. Optionen, die übrigens auch nachrüstbar sind – aber dann nur gegen Mehrkosten.

Beim Außengeräusch des A 35 liegt das Modell bei 81,2 dbA im Stand, bzw. bei 70 dbA im Fahren, wobei der A 45 bzw. A 45 S lediglich im Stand mit 82,6 dbA minimal lauter ist.

A35 4MATIC Fahrtest

Unterschiede beim Rohbau: zusätzliche Versteifungsmaßnahmen

Beim Rohbau erhalten beide Varianten zusätzliche Rohbau-Versteifungsmaßnahmen, sowie als Highlight ein sogenannten Schubfeld in Alu-Leichtbau unter dem Motor. Zusätzlich reduzieren Streben die Verwindungen des Vorderwagens, wobei das 45er Modell zusätzliche Versteifungen erhält, u.a. sorgen Streben hinten am Unterboden für eine Reduktion des Rohbaus.  Dabei bekommt jedoch ausschließlich das 45er Modell eine Domstrebe an der Vorderachse sowie eine sogenannte „Shotgun“ als verstärkte Verbindung der Längsträger.

Bei den Bremsen erhält der A 35 sowie der A 45 (mit A 45 S)  eine identische 4-Kolben Festsattel Bremsanlage mit 350 x 34 mm Bremsscheibe auf der Vorder-, sowie eine 1-Kolben Faustsattel Bremse mit 330 x 22 mm Bremsscheibe auf der Hinterachse – jeweils innenbelüftet und perforiert. Nur das S-Modell erhält einen 6-Kolben Festsattel mit 360 x 36 mm zusätzlich an der Vorderachse, zumal nur dieses Modell mittels serienmäßigen AMG Performance Package immer bis 270 km/h läuft (optional für das 45er Modell bestellbar).

A35 4MATIC Fahrtest

A 35 4MATIC muss mit sieben Automatik-Gängen (DCT) auskommen

Beim Schaltgetriebe setzt man beim A 35 4MATIC auf das AMG Speedshift DCT 7G Automatikgetriebe, wobei das kleinere AMG-Modell auf einen zusätzlichen Gang verzichten muss: die Topmodelle der Baureihe erhalten hier in Serie das AMG Speedshift DCT 8G.

Mit dem A 35 4MATIC will man in Affalterbach nicht nur preislich den Einstieg in das AMG Modellangebot niedrig halten, sondern hier bereits Kunden der Konkurrenz ansprechen, die sonst auf einen Audi S3 oder BMW M 140 i wechseln würden. Das 45er Modell zielt sogar auf Fahrer des Audi RS 3 sowie BMW M2 Competition.

A35 4MATIC Fahrtest

A35 4MATIC Fahrtest

Fahrtest im A 35 4MATIC

Wer die kleinere Motorisierung aus Affalterbach wählt, kann – muss aber nicht zwingend dezent unterwegs sein. Dabei kann der A 35 nicht nur optisch mit einem dynamischen Design punkten, sondern ist auch bei der Fahrt agil und parallel passt das akustische Umfeld. Hier zeigt sich, dass das Gesamtpaket des Fahrzeuges durchaus stimmig durchdacht ist.

Im Fahrtest zeigte sich so das automatische Getriebe mit seinen sieben Gängen mehr als passend abgestimmt, zumal die Gänge problemlos und schnell in jede Richtung gewechselt werden. Passt es einmal nicht in die jeweilige Situation, kann man jederzeit mittels Schaltpaddel am Lenkrad direkt eingreifen und den Gangwechsel manuell betätigen. Das lässt einen zusätzlichen Gang verschmerzen, auch wenn eine feinere Übersetzung durchaus noch von Vorteil wäre.

Dabei zeigt sich das Modell auf kurvigen Strecken gut zuhause, wie auch bei schnellen Zwischensprints auf Bundesstraßen oder Autobahnabschnitten. Selbst in die Richtung der Maximalgeschwindigkeit zeigt das 306 PS starke kleine Performance-Modell von einer guten Seite. Von der Charakteristik zeigt der A35 gar eine saugmotorähnliche Performance, ohne Spitzen und Dellen. Die Performance des A 35 4MATIC ist mehr als fundiert.

A35 4MATIC Fahrtest

A35 4MATIC Fahrtest

Gut abgestimmtes Fahrwerk – schnell regelndes ABS

Das gut abgestimmte Fahrwerk -mit Reserven in der Längs- und Querdynamik- in Verbindung mit der elektro-mechanischen Sport-Lenkung, die ein gutes Feedback an den Fahrer zurückgibt, machen die Fahrt hier schnell zum Genuss.  Dabei zeigt die leichtgängige Lenkung eine spür- und sichtbare Steifigkeit in der Anbindung. Richtungsänderungen setzt das Modell dabei schnell um, womit man schön in die Kurve eindrehen kann.   Dank des variablen Allradantriebes lässt sich das Modell parallel sehr lange neutral fahren. Im Slalom zeigt sich das Modell gar fest auf der Linie und hat das Herausbeschleunigen aus Kurven mit seiner Vorderachse gut im Griff.

Beim Fahrwerk hatte der Testwagen des aufpreispflichtige Fahrwerk mit adaptiver Verstelldämpfung verbaut, was auch im Komfortmodus durchaus noch straff orientiert war. Die üblichen Unebenheiten schluckt die Federung jedoch weiterhin problemlos weg, wobei in Sport und Sport Plus die Abstimmung deutlich härter ausfällt und dann nahezu alles an den Fahrer weitergibt, was man auf der Fahrbahn so vorfindet.

Bei der Verzögerung hat der A 35 jedoch schnell leichtere Probleme durch die Regelung des ABS, welches stark abregelt – das hätte man sicherlich besser in den Griff bekommen können.

 

Spritverbrauch: große Bandbreite – 9 Liter im Alltag machbar

Beim Spritverbrauch des A 35 4MATIC – der mit 7.4-7.3 Litern auf 100 km angegeben ist, muss man sich in der A-Klasse übrigens keinerlei Hoffnung machen, dass man hier großartig günstiger wegkommt als beim Topmodell mit 1 Liter Mehrverbrauch laut Werksangabe. Wer Leistung abruft, muss hier entsprechend auch hier seinen „Express-Zuschlag“ an der Tankstelle entrichten, der sich im Allrad nahezu an den Verbrauch des Topmodells annähert. Jedoch ist die mögliche Spannweite durchaus weit: von unter 7 bis über 15 Litern ist durchaus alles möglich, je nach örtlicher Gegebenheit und Fahrstil. Im normalen Mix kommt man aber i.d.R.  auf 9 Liter – Super Plus Benzin natürlich.

A35 4MATIC Fahrtest

Fazit:

Mit dem A 35 bekommt man ein Gesamtpaket aus Affalterbach, was für uns im Grunde gar kein direkter Nachfolger der bisherigen „Sport“-Modelle der Vorgängerbaureihen ist, sondern nahezu ein würdiger Nachfolger der 45er Modelle des Vorgängers mit dessen 381 PS. Dazu passt irgendwie alles: vom Fahrgefühl, von der Lautstärke, von der Beschleunigung – keinerlei Kritik. Die 4MATIC+ mit Drift-Modus der Spitzenmotorisierung benötigt hingegen wohl nur eine kleine Anzahl von Nutzern, wenn überhaupt.

Obwohl, zurückkommend auf die Ausgangsfrage, ob der A 35 4MATIC für den Alltag ausreichend ist: dies kann man eigentlich nur bejahen, auch wenn die Performance der 45er Modelle die Messlatte noch ein wenig höher legen: ohne Rennstrecke vor der Haustür und für Kunden, die sich mit der leicht anderen Optik des Modells anfreunden können: hier raten wir klar zum 306 PS Modell.

Und ja: selten geben wir einen Testwagen so ungern ab, wie das kleine Performance-Modell der A-Klasse, der sich als guter, bequemer kleiner Sportler uns jederzeit gut zur Seite gestanden hat. Auf die Gelbe Farbe könnten wir aber wohl verzichten, zumal es im Sommer schnell fliegende Insekten anlockte.

A35 4MATIC Fahrtest

Was uns aufgefallen ist:

  • Tief montierte Performance Sitze mit guten Seitenhalt (jedoch unbequemeres Ein- & Aussteigen zum Standardsitz).
  • AMG Speedshift DCT 8G sowie AMG Silver Chrome Paket nur für die 45er Modelle
  • Rote Bremssättel nur für A 45 S in Serie, für A 35 optional
  • AMG TRACK PACE und AMG Menü in MBUX sowie AMG Lenkradtasten auch für das 35er Modell
  • 4,7 Sekunden auf 100 km/h für den A 35 – A 45 mit 4,0 bzw. A 45 S mit 3,9 Sekunden
  • DRIFT-Modus nur für die Topmotorisierung der A-Klasse

Was uns positiv aufgefallen ist:

  • Fahrzeug problemlos im Alltag nutzbar
  • AMG Aero Paket optional auch für das 35er Modell bestellbar
  • Akustikkulisse passt (gefühlt im Testwagen sogar mehr als beim A 45 S)

 

Was uns negativ aufgefallen ist:

  • AMG Lenkradtasten zuerst ungewohnt und durchaus anfangs auch versehentlich bedienbar
  • Gelbe Farbe je nach Jahreszeit anlockend für allerlei Insekten

 

Ausstattungensoptionen des Testfahrzeuges A 35 4MATIC (sonnengelb uni Code 914)

  • Fahrassistenz-Paket 1.796,90 Euro
  • AMG TRACK PACE 297,50 Euro
  • Polster Leder zweifarbig titangrau pearl / schwarz 0,00 Euro
  • Sidebags im Fond 446,25 Euro
  • AMG RIDE CONTROL Fahrwerk 1.178,10 Euro
  • DAB Digitales Radio 238,00 Euro
  • Adapter Fernlicht-Assistent PLUS 0,00 Euro
  • MULTIBEAM LED 1.487,50 Euro
  • AMG Lenkradtasten 0,00 Euro
  • PRE SAFE System 0,00 Euro
  • AMG Performance Lenkrad in Mikrofaser DINAMICA schwarz 999,60 Euro
  • AMG Leder Paket 0,00 Euro
  • Park Paket mit 360 Grad Kamera
  • Licht & Sichtpaket 0,00 Euro
  • Spiegel-Paket 476,00 Euro
  • Navigation Premium Paket 1.541,05 Euro
  • AMG Night Paket 892,50 Euro
  • Media Interface Kabel Kit 59,50 Euro
  • ENERGIZING Paket Plus 2.153,90 Euro
  • AMG Performance Sitz Paket High End 5.259,80 Euro
  • 19“ AMG Leichtmetallfelgen im Vielspeichen-Design (RVL) 1.130,50 Euro
  • MBUX Augmented Reality für Navigation 297,50 Euro
  • Scheibenwaschanlage beheizt 136,85 Euro
  • Sitzklimatisierung für Fahrer- und Beifahrer 714,00 Euro
  • Smartphone Integration 357,00 Euro

Gesamtpreis inkl. Ausstattungen: 68.050,15 Euro inkl. 19 % MwSt.


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