Seit Dezember 2018 steht optional der Zugriff auf Fahrzeug-Fehlercodes unabhängigen Drittanbietern im Sinne der Europäischen Typgenehmigungsvorschriften zur Verfügung. Hierbei stellt Daimler den unabhängigen Drittanbietern alle Fehlercodes aus den verbauten Steuergeräten für den Use Case „ Remote Diagnostic Support“ (RDS) zur Verfügung, wodurch diese eine Ferndiagnose für vernetzte Mercedes-Benz Fahrzeuge erstellen können.

Die Zustimmung des Mercedes-Benz Kunden über den verwendungszweck- gebundenen Datenzugriff eines unabhängigen Drittanbieters ist grundsätzlich zwingend für die Nutzung der neuen Datendienste und erfolgt über die jeweiligen Portale, wie zum Beispiel Mercedes me für digitale Dienstleistungen im Pkw-Bereich oder Mercedes Pro für digitale Van-Dienstleistungen. Es werden lediglich die Daten übertragen, welche für die Ferndiagnose notwendig sind und von den Kunden ausdrücklich zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Zustimmung zur Datenübertragung kann der Mercedes-Benz Kunde in den jeweiligen Portalen dazu jederzeit widerrufen. Somit hat der Kunde jederzeit Transparenz darüber, welchem Drittanbieter er für welchen Verwendungszweck Zugang zu spezifischen Fahrzeugdaten gewährt hat und kann seine Meinung jederzeit ändern.

Mercedes-Benz Data ermöglichen Innovationen und neue Geschäftsmodelle

Völlig neu und erstmals seit Dezember 2018 sind weitere Dienste mit spezifischen Fahrzeugdaten über eine Schnittstelle für Mercedes-Benz Datenprodukte verfügbar. Diese Datenprodukte von Mercedes-Benz Data sind grundsätzlich für jeden Drittanbieter, der auf Basis fahrzeuggenerierter Daten Services anbieten möchte, verfügbar. Das gewährleistet einen fairen Wettbewerb unter allen Marktteilnehmern rund um das Thema Services. Gleichzeitig werden neue Geschäftsmodelle und Innovationen für den Kunden ermöglicht. Bei diesem neuen Angebot hat der Mercedes-Benz Kunde ebenfalls stets Entscheidungshoheit und Transparenz darüber, welchem Drittanbieter er für welchen Verwendungszweck Zugang zu seinen Fahrzeugdaten gewährt. Er kann jederzeit den Zugang und die Verwendung seiner Daten steuern, indem er Zugriffe von Dritten genehmigen und jederzeit wieder entziehen kann.

Die Bereitstellung der fahrzeuggenerierten Daten erfolgt über das so genannte Extended Vehicle-Konzept. Es erfolgt kein direkter Zugriff Dritter auf das Fahrzeug, sondern ausschließlich über den Backend Server des Fahrzeugherstellers. Das trägt der Verkehrs-, Fahrzeug- und Datensicherheit sowie dem Datenschutz umfassend Rechnung.

Die Datenprodukte von Mercedes-Benz Data werden über eine standardisierte Schnittstelle nach und nach veröffentlicht. In einem ersten Schritt erhalten die Nutzer der Mercedes-Benz Daten-Schnittstelle von Daimler die Daten zu folgenden Use Cases, sofern die jeweiligen Fahrzeughalter sich gegenüber Daimler damit einverstanden erklärt haben:

  • Pay-as-you-drive Insurance: Das Datenpaket beinhaltet den aktuellen Km-Stand der vernetzten Mercedes-Benz Pkw.
  • Fuel Status: Das Datenpaket gibt Auskunft über den Tankfüllstand und die verbleibende Fahrzeugreichweite.
  • Vehicle Status: Das Datenpaket enthält Informationen zum Status von (nicht) offenen Türen, offenen Fenstern oder Schiebedach.
  • Vehicle Lock Status: Im Datenpaket sind Informationen über den Schließstatus des Fahrzeugs (verriegelt/nicht verriegelt) sowie dessen Ausrichtung mittels einer Kompassfunktion enthalten.
  • Electric Vehicle: Das Datenpaket ist ausschließlich für Elektrofahr-zeuge konzipiert und enthält den Batterieladezustand und die verbleibende Fahrzeugreichweite.
Neutrale Server als weitere Datenbezugsquelle

Darüber hinaus werden die erwähnten fünf Use-Cases seit Dezember 2018 zusätzlich über so genannte „Neutrale Server“ angeboten. Mit dieser weiteren Datenbezugsquelle setzt Daimler als erster OEM das Extended Vehicle- und Neutraler Server-Konzept in vollem Umfang um, das von VDA (Verband der Automobilindustrie) und ACEA (European Automobile Manufacturers Association) vereinbart wurde. Ziel der Vereinbarung ist die Ermöglichung eines freien Wettbewerbs zwischen unabhängigen Drittanbietern und den Fahrzeugherstellern.

Neutrale Server werden dazu von unabhängigen Unternehmen betrieben, die eine vertragliche Vereinbarung mit einer Tochtergesellschaft für digitale Dienste der Daimler AG haben. Im Vertrag verpflichten sich die Betreiber der Neutralen Server unter anderem, dass ihre Datenverarbeitung in Europa allen Anforderungen der Datenschutzgrundverordnung genügt. Auf Wunsch des Kunden sowie dessen Einverständniserklärung gegenüber Daimler und dem Drittanbieter werden Zweck- und Use Case-bezogene Datenpakete vom Backend Server über die Neutralen Server den Drittanbietern verfügbar gemacht. Diese Daten werden vom Neutralen Server lediglich durchgeroutet, ohne dass eine Speicherung oder andere über den Zweck hinausgehende Verarbeitung der Daten vorgenommen wird. Dabei sind Daimler und der Daimler-Tochtergesellschaft die Drittanbieter und deren Geschäftsmodelle nicht bekannt, sondern nur den Betreibern der Neutralen Server.

Auch für Neutrale Server gilt: Der Zugang zu Kundendaten erfolgt ausschließlich über Schnittstellen im Daimler-Vehicle-Backend – ein direkter Zugriff auf Daimler-Fahrzeuge ist nicht möglich. Durch diese geschlossene Verbindung zwischen Fahrzeug und Backend-Server des Herstellers lassen sich Risiken für Verkehrs- und Fahrzeugsicherheit vermeiden.

Datenzugriff für Dritte realisiert und Schutzinteressen der Kunden gewahrt

Mit den beiden Angeboten über die Mercedes-Benz Datenprodukt-Schnittstelle und über Neutrale Server erfüllt der Daimler-Konzern die Selbstverpflichtung aus dem VDA und ACEA Positionspapier. Mehr noch: Die Daten werden nicht-diskriminierend in Zeit und Qualität zur Verfügung gestellt. Die Daimler AG wird zukünftig weitere Datenpunkte verfügbar machen und damit die Umsetzung von Geschäftsideen von Drittanbietern ermöglichen. Oberste Prämisse bei der Umsetzung haben allerdings immer die Schutzinteressen der Kunden.

Quelle: Daimler AG