Mercedes-Benz schickt im GLC seine neueste Generation der Brennstoffzellen-Technologie an den Start, – nun mit einem völlig neu entwickeltem Brennstoffzellensystem das nunso kompakt ist, dass es erstmals vollständig im Motorraum untergebracht und an identischen Aufhängungspunkten – wie bislang ein konventioneller Motor – montiert werden kann. Wir haben mit dem neuen GLC F-CELL eine erste kurze Ausfahrt rund um Stuttgart unternommen.


Der GLC F-CELL ist dabei ein Plug-In-Hybrid, denn er kombiniert erstmalig die Brennstoffzellen- und Batterietechnik zu einem gemeinsamen Antriebssystem. Während der Fahrt ist aus dem Mix der Systeme für den Fahrer jedoch nichts zu merken. Für einen direkten Unterschied benötigt man schon einen direkten Blick in das Fahrzeug-Menü des Multimediasystems, um zu erkennen, ob gerade Batterie – oder Wasserstoff als “Kraftstoff” genutzt wird.

Kraftvoll: 211 PS und 365 Nm

Insgesamt geht es – was die Technik betrifft – absolut unspektakulär zur Sache. Das Fahrerlebnis ist dafür aber um so größer! Während unserer ersten Testfahrt zeigte sich der SUV mit hoher Dynamik und das, obwohl der GLC mit samt der Antriebstechnik kein Leichtgewicht darstellt.  Die E-Maschine leistet dazu kraftvolle 211 PS und bringt ein maximales Drehmoment von 365 Nm auf die Straße. Als typisches Elektrofahrzeug schiebt der GLC vor allem aus dem Stand mächtig an, der Durchzug ist dabei bis etwa 120 km/h in jeder Situation spür- und abrufbar. Steht man – insbesondere bei zügig gefahrenen Kurven – ein bisschen mehr auf dem Fahrpedal, bekommt das Heck des Fahrzeuges –  da es sich beim GLC F-CELL um kein 4MATIC handelt – auch mal ein bisschen Schlupf und Dynamik an den hinteren Reifen. Zugunsten von Verbrauch und Reichweite wird das Fahrzeug bei 160 km/h elektronisch bei der Höchstgeschwindigkeit begrenzt.

Der F-CELL GLC bietet – wie bei jeder Plug-In-Hybrid aus dem Hause Mercedes – vier unterschiedliche Betriebsmodi: HYBRID, F-CELL, BATTERY und CHARGE. Idealerweise fährt man im Hybrid-Modus, um die maximalen Vorteile  zu nutzen, wobei das Fahrzeug seine Leistung aus beiden Energiequellen parallel bezieht. Leistungsspitzen deckt dabei die Batterie ab, während die Brennstoffzelle im optimalen Wirkungsgradbereich betrieben wird.

Verschiedene Rekuperationsfunktionen im GLC

Spannend beim Fahren mit dem alternativ angetriebenen GLC ist besonders die Rekuperationsfunktion. Neben dem positiven Nutzen, Energie beim Bremsen und beim Ausrollen zurückzugewinnen, lässt sich damit der GLC im innerstädtischen Verkehr fast ohne großartige Nutzung des Bremspedals bewegen. Die Rekuperationswirkung kann mittels Wippen am Lenkrad beeinflusst werden – erkennbar über die Anzeige “D-” oder “D+” im digitalen Kombiinstrument.

Standardmäßig ist eine mittlere Rekuperation beim Rollen lassen und leichten Bremsen vorhanden und auch spürbar. Zieht man dabei an der Minus-Wippe, wird die Rekuperationswirkung deutlich erhöht und der Tritt auf das Bremspedal – um z.B. an einer roten Ampel zu halten – nahezu unnötig macht. Maximal für den letzten Meter bis zum Stillstand ist ein kurzer Tritt auf das Bremspedal notwendig. Betätigt man die Plus-Wippe dazu einmalig, wechselt das System wieder in den gemäßigten Standard-Rekuperationsmodus zurück. Zieht man ein weiteres Mal an der Plus-Wippe, wird die Rekuperation nahezu komplett aufgehoben: Jetzt segelt der GLC praktisch ohne Verzögerung auf ebener Strecke locker durch die eigene Schwungmasse dahin und spart sinnvoll Energie. Hat man als Fahrer das Gefühl für die unterschiedlichen Rekuperationsstufen, macht die Fahrt mittels “einem Pedal” sogar Spaß.

Gute Gewichtsverteilung und positives Fahrverhalten

Der Fahrkomfort des GLC F-CELL ist identisch zum Verbrennermodell.  Mit der Kombination von Schraubenfedern an der Vorderachse und einer Ein-Kammer-Luftfederung mit integrierter automatischer Niveauregulierung an der Hinterachse, geht man keine negativen Kompromisse auf Grund der Antriebstechnik ein. Im Fahrtest zeigt das Modell dabei ein gutes Abrollverhalten auf schlechter Straße und geringer Wankneigung in der Kurve.

Der GLC folgt den Impulsen des Fahrers über die leichtgängige Lenkung direkt und präzise. Die ausgeglichene Gewichtsverteilung zwischen beiden Achsen – Brennstoffzelle vorne und Batterie/E-Motor hinten – plus den zentralen Wasserstofftank mittig im Fahrzeug anstelle der Kardanwelle –  tragen zum positiven Fahreindruck bei. Das Modell fährt sich in der Summe neutral, wobei man das Gefühl hat, “satt” auf der Straße zu liegen.

GLC F-CELL ist flüsterleise

Immer wieder beeindruckend ist die Ruhe im Innenraum eines Autos mit E-Antrieb – und auch hier macht der Brennstoffzellen GLC keinerlei Ausnahme.  Von der Brennstoffzellen-Technik ist nichts zu vernehmen, obwohl für die chemische Reaktion ständig – mittels elektrischem Kompressor – Luft in das System eingebracht werden muss. Im Fahrbetrieb bleibt es dazu ruhig und ohne störende Geräuschentwicklung. Flüsterleise verrichtet das Antriebsaggregat dabei seine Arbeit und an der Ampel ist, – wenn überhaupt – nur das leise summende Gebläse der Klimaanlage/Lüftung für den Fahrer hörbar. Der Elektromotor an der Hinterachse ist dabei optimal entkoppelt, und selbst das “Straßenbahn-Geräusch” gibt es im GLC F-CELL nicht. Also genau so, wie man es sich wünscht.

Der GLC F-CELL hat zwei im Fahrzeugboden verbaute karbonfaserummantelte Tanks mit einem Fassungsvermögen von 4,4 kg Wasserstoff. Bei einem Wasserstoffverbrauch von etwa 1 kg auf 100 km schafft das Modell so rund 420 wasserstoffbasierte Kilometer – im Hybridmodus kommen mittels Batterie – als zusätzliche Energiequelle für den Elektromotor – noch einmal bis zu 51 km per Batterie dazu.Die Lithium-Ionen-Batterie verfügt über eine Bruttokapazität von 13,5 kWh.

Im Rahmen unserer Testfahrt bei noch spätsommerlichen Wetterverhältnissen mit inner- und außer-städtischem Verkehr konnten wir im groben die Reichweiten so ebenfalls bestätigen und denken, das im Mix aus beiden Antriebsarten die 450 Kilometer durchaus realistisch erreicht werden können.

Kofferraum mit minimaler Stufe

Der GLC F-CELL ist komplett Alltagstauglichkeit. Bis auf eine minimale Stufe im Kofferraum – auf Grund der verbauten Batterie – ist das Modell nahezu unverändert und stellt ausreichenden Stauraum zur Verfügung. In der Fondsitzreihe geht es auch nahezu ohne Einschränkungen zur Sache, lediglich die Rücksitze sind leicht höher angebracht – um Platz für den Wasserstofftank zu machen. Es bleibt aber dabei: die Sitzfreiheit ist weiterhin gut und die Mitfahrt für die Fondpassagiere bleibt bequem.

Das GLC F-CELL Modell wird nicht frei käuflich angeboten. Für knapp 800 Euro pro Monat bietet Mercedes-Benz dabei das Modell an ausgewählte Kunden als Komplett-Paket mit Wartung und Versicherung an. Noch im Oktober rollen erste Modelle an Kunden in Deutschland, wobei der Schwerpunkt der Markteinführung vor allem Regionen mit bereits gut ausgebautem Wasserstofftankstellen-Netz, wie Berlin – Düsseldorf – Hamburg – Frankfurt sowie Stuttgart, München und Köln sind.

GLC F-CELL zeigt wie Zukunft geht

Der GLC F-CELL ist dabei – zumindest für unsere Begriffe – auf der Höhe der Zeit und zeigt, wie die Mobilität in Zukunft funktionieren kann. Die Reichweite, Nutzbarkeit sowie der Komfort stimmen und bieten – gegenüber dem Serienmodell – nahezu keinerlei Einschränkungen. Dank der 700 Bar Tanktechnologie ist das Fahrzeug innerhalb von rund 3 Minuten aufgefüllt – also grob so schnell, wie man es beim Verbrenner gewohnt ist.

Wäre da nicht das geringe Wasserstoff-Tankstellennetz von derzeit insgesamt 51 aktiven Stationen in Deutschland, könnten viel mehr Fahrer mit diesem Modell bzw. einer identischen Antriebstechnik auf der Straße unterweg sein.  Immerhin soll bis Ende 2018 das Netz an Wasserstofftankstellen auf 100 Stationen anwachsen, ein Schritt in die richtige Richtung. Als langfristiges Ziel – bis in das Jahr 2030 – sieht man ein Netz von bis zu 400 Wasserstofftankstellen in Deutschland vor. Chancen hat der Wasserstoff als Kraftstoff allemal, zumal er bereits heute aus dem schon vorhandenen Überangebot bei den regenerativen Energien – wie beim Wind – herstellbar ist.

Bilder: ©Philipp Deppe / MBpassion.de sowie Daimler AG / Andreas Lindlahr