Vorab der IAA 2018 im September in Hannover stellte Mercedes-Benz Busses heute den eCitaro vor, der mittels e-Antrieb und 243 kWh Akku bis maximal 250 km völlig emissionsfrei unterwegs sein kann.

eCitaro übernimmt teilweise Design des Future Buses

Als Teil der Gesamtstrategie von Mercedes-Benz zeigt der eCitaro im eigenständigen Design – als Weiterentwicklung des Future Bus Designs des Jahres 2016 – die Zukunft für einen völlig emissionsfreien und fast geräuschlosen Personentransport in der City.

Grundsätzliche Plattform für den eCitaro ist dabei der normale Citaro. Zentrale Punkt des Exterieur-Designs ist der 28 cm große Stern, von wo Zierelemente nach links und recht strahlen. Die Elemente sind dabei aus transparentem Material und sind rückseitig chrombedampft, was – je nach Blickwinkel und Sonneneinstrahlung – unterschiedliche Lichteffekte erzeugt. Die Front ist dabei in einer hochglänzenden schwarzen Frontplatte einlassen, worin auch die LED Einzelscheinwerfer integriert sind. Der blaue Modellschriftzug weist dabei auf den vollelektrischen Antrieb hin.

Ein weiteres klares Merkmal des Stadtbusses ist eine gewölbte Windschutzscheibe, die durch die schwarzglänzende Frontplatte optisch verlängert wird. Eine mehrteilige Dachranderhöhung aus einem Alu-Stangpressprofil verdeckt parallel die Aufbauten. Die Ecksäulen des Hecks münden open mit einer Rundung in der Erhöhung. Die Rückleuten sowie die Heckklappe und Stoßfänger übernimmt der eCitaro vom bestehenden Modellprogramm.

Alle verwendeten Sichtwinkel und Spiegel sind aus dem normalen Modellprogramm, selbst die gewölbte Windschutzscheibe stammt vom Citaro Ü. Die Dachranderhöhung ist seitlich segmentiert und kann in Einzelteilen abgenommen werden.

Im Interieur zeigt der eCitaro bereits das Facelift der Modellfamilie. Neu ist die Design-Innendecke mit einer Kassettendecke über dem Mittelgang sowie geschwungene Dachrandklappen. Hinter ihnen verbirgt sich die neue Luftführung mit Textilkanälen, was entgegen Kanälen aus Kunststoff nochmals weniger Gewicht erzeugen.

Die neuen Technikmodule vereinen die Innenbeleuchtung sowie die Lautsprecher zu einem Element. Hierbei wird die Beleuchtung serienmäßig auf LED umgestellt.

Stromversorgung und Antrieb

Die Stromversorgung übernehmen Lithium-Ionen Batterien mit einer Gesamtkapazität von bis zu 243 kWh, wobei die Batterien sich in maximal zehn Module mit jeweils etwa 25 kWh aufteilen. Neben zwei Fahrzeugbatterien auf dem Dach gehören vier Module im Heck zur Grundausstattung. Je nach Kundenwunsch sind zwei oder vier weitere Module auf dem Dach zusätzlich auf dem Dach hinzufügbar. Die Batterie wird dabei komplett in Europa produziert.

Maximal 10 Batteriemodule

Bei voller Bestückung des eCitaro mit zehn Batteriemodulen wiegt der eCitaro in der Serienausführung rund 13,44 Tonnen, was einem zulässigen Gesamtgewicht von 19,5 Tonnen entspricht. Die Zuladung liegt bei mehr als sechs Tonnen oder rund 88 Fahrgastplätzen.

Ladung mittels Combo 2 Stecker

Zum Serienanlauf erfolgt die Ladung mittels Stecker (Combined Charging System CCS / Combo 2). Der Anschluss befindet sich in Fahrtrichtung rechts über dem vorderen Radlauf. Optional und zur Vergrößerung der Reichweite für eine Zwischenladung ist das Fahrzeug auch per Dachstromabnehmer aufladbar. Der Abnehmer wird dabei in zwei Varianten zur Verfügung stehen: in der Stufe 1 als fahrzeugfester Stromabnehmer auf dem Dach, in der Stufe 2 Ladeschienen auf dem Dach für eine Aufladung mittels ortsfestem Stromabnehmer einer Ladestation. Der Montageraum befindet sich dazu jeweils in der Höhe der Vorderachse.

Der Antrieb nutzt eine Elektroportalachse vom Typ ZF AVE 130 mit Elektromotoren an den Radnaben. Die Peakleistung der Motoren liegt dabei bei 2 x 125 kW, das Drehmoment auf 2 x 485 Nm.

Einen besonderen Augenmerk legten die Entwickler des eCitaro auf den Energieverbrauch, was beim Stadtbus stark durch die klimatischen Verhältnisse und der notwendigen Kühlung bzw. Heizung des Innenraumes beeinflusst wird. Im Vergleich zum normalen Citaro benötigt der eCitaro dabei um 40 % weniger Energie. So sind z.B. alle Wärme abgebenden Komponenten miteinander vernetzt, um den Energieaufwand für dessen Kühlung auf ein Minimum zu halten. Bei vollbesetzten Bus variiert die Leistung von Heizung und Klimaanlage, der Frischluftanteil im Bus wird Anhang der Fahrgastzahl angepasst. Die Auslastung des Busses erfolgt über Achslastsensoren. Die Klimatisierung des Fahrererplatzes erfolgt separat.

Die CO2-Dachklimaanlage wird bei Kälte als Wärmepumpe genutzt, wobei das Fahrzeug auch über eine Vorkonditionier-Funktion verfügt.

Bei der Reichweite rechnet Mercedes-Benz für den eCitaro den erschwerenden Energiebedarf der Nebenverbraucher mit ein. Nach SORT2 erreicht das Fahrzeug so – bei Batterievollbestückung mit 10 Modulen – eine Reichweite von rund 150 km im Sommerbetrieb, unter Idealbedingungen kommt das Fahrzeug auch bis zu 250 km ohne Zwischenladung aus.  Bei den Anforderungen der Verkehrsbetriebe gibt Daimler aktuell eine Abdeckung von rund 30 Prozent ab.

Bis 2022 mit Brennstoffzelle nahezu 100 % Systemabdeckung

In der nächsten Generation verspricht man eine Abdeckung von rund 50 Prozent aller Einsätze, wobei man die weiteren Entwicklungsschritte bereits vorab ankündigt. Ab 2020 möchte man mit der nächsten Batteriegeneration (Lithium-Ion NMC) eine Batteriekapazität von 330 kWh erreichen, was eine systemrelevante Reichweite von 200 km entspricht. Zusätzlich möchte man ab 2020 Feststoff-Batterien mit einer Kapazität von 400 kWh anbieten, was die Reichweite auf 250 km und die Abdeckung auf 70 % steigert, welche jedoch den Nachteil einer langsameren Ladezeit mit sich zieht.

Ab 2020 soll man zusätzlich mit dem Gelenkbuses eCitaro G zwischen NMC oder Feststoff-Batterien wählen können. Ab 2022 kündigt man parallel eine Brennstoffzelle als Range Extender an, dessen Reichweite bei 400 km liegen soll und die Streckenbabdeckung dann auf annähernd 100 % steigert.

Bilder: MBpassion.de / Philipp Deppe