Ein spektakuläres Exponat ist vollendet: Mercedes-Benz Classic hat das originale Fahrgestell des legendären Rekordwagens Mercedes-Benz T 80 mit einem authentisch rekonstruierten Gitterrohrrahmen und einem DB 603 Schnittmotor versehen. In dieser Form tritt der Rekord-Riese aus dem Jahr 1939 erstmals in die Öffentlichkeit. Das einzigartige Schaustück gibt umfassende Einblicke in die Konstruktion, die seinerzeit das schnellste Landfahrzeug der Welt sein soll.

Der „Typ 80“ geht auf den Rennfahrer Hans Stuck zurück. Konstruiert wird er ab 1936 im Auftrag der damaligen Daimler-Benz AG von Ferdinand Porsche zunächst für die Zielgeschwindigkeit 600 km/h. Als Antrieb ist ein Mercedes-Benz Flugmotor vorgesehen. Wegen des Zweiten Weltkriegs kommt es nicht zu den für Februar 1940 auf der Autobahn bei Dessau geplanten Rekordversuchen, und der T 80 kann seine Leistungsfähigkeit nie unter Beweis stellen. Der Wagen wird ohne Motor im Juni 1940 eingelagert. Die Originalkarosserie zeigt das Mercedes-Benz Museum seit vielen Jahren. Das Fahrgestell ist nun zum ersten Mal als eigenes Objekt zugänglich.

Mercedes-Benz Classic gewährt faszinierende Einblicke in eines der spektakulärsten Fahrzeuge der Stuttgarter Marke aus den 1930er-Jahren: Die Experten von Mercedes-Benz Classic haben das originale Fahrgestell des Rekordwagens T 80 mit einem authentisch rekonstruierten Gitterrohrrahmen als Unterbau für die Karosserie versehen. So wird das Innere des T 80 nun wieder genau so präsentiert, wie Mercedes-Benz es vor acht Jahrzehnten konstruiert und gebaut hat.

Im April 2017 fällt die Entscheidung für das spektakuläre Projekt: Das Originalfahrgestell des T 80 soll ausstellungsfertig gemacht werden – als reines Demonstrationsobjekt ohne Fahrfähigkeit. Das ist aufwendig genug. Denn rund 80 Jahre sind an Fahrgestell und Antriebsstrang nicht spurlos vorübergegangen.

Auch das komplette Cockpit mit Lederlenkrad, Pedalerie, Instrumenten und dem nach wie vor mit dem originalen Stoff bezogenen Fahrersitz ist erhalten. Die Instrumentierung des T 80 besteht aus einem bis 4.000/min reichenden Drehzahlmesser als Zentralinstrument, einem Öldruckmesser und zwei Temperaturinstrumenten für Öl und Kühlwasser.

Gestartet wird das Fahrzeug mithilfe eines externen Anlassers am Kupplungsgehäuse. Der Zündschlüssel am Armaturenbrett schaltet nur die „Bestromung“ des Zündmagneten ein. Links neben dem Fahrersitz ist das Typenschild der „Daimler-Benz Aktiengesellschaft“ für den „ Typ 80“ angebracht.

Originales Zeitdokument

Um das Fahrgestell als originales Zeitdokument zu erhalten, konservieren die Spezialisten von Mercedes-Benz Classic zunächst sorgfältig alle montierten Teile. Das ist die Grundlage für ein Exponat, das heute eindrucksvoll die Spuren der Zeit zeigt.

Es ist ein Glücksfall, dass die Sammlung des Unternehmens einen Flugmotor DB 603 umfasst. Denn das originale Aggregat des T 80 ist seinerzeit ein Versuchsmotor aus dem Flugmotorenversuch in Untertürkheim. Er gehört dem Reichsluftfahrtministerium und wird von dort für den Rekordwagen zur Verfügung gestellt. Nachdem es wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs nicht zu den geplanten Rekordfahrten kommt, gelangt der Motor zurück in die Flugmotorenabteilung. Dieser Originalmotor des T 80 gilt heute als verschollen.

Der jetzt ins Fahrgestell eingesetzte Flugmotor stammt aus der späteren Serienproduktion des Baumusters. Er hat andere Anschlussmaße als der Versuchsmotor und passt daher am Übergang zur Fliehkraftkupplung des originalen Fahrgestells nicht exakt. Doch Mercedes-Benz Classic entscheidet sich bewusst dafür, mit diesem Motor das Chassis zu vervollständigen: Einerseits macht der DB 603 im Fahrgestell nun wieder die erstaunlichen Gesamtdimensionen des Rekord-Riesen T 80 begreifbar. Zum anderen ist das Sammlungsobjekt ein Schnittmotor. Er ermöglicht tiefe Einblicke in die Technik und rundet so das Demonstrationsobjekt T 80 mit seinem offenen Gitterrohrrahmen als Karosserieunterbau perfekt ab.

Der originale Gitterrohrrahmen des T 80 befindet sich zusammen mit Karosserie und Rädern des Rekordwagens in der Dauerausstellung des Mercedes-Benz Museums. Deshalb schweißen die Spezialisten von Mercedes-Benz Classic für das Fahrgestell einen neuen Gitterrohrrahmen. Auf Basis diverser Originalzeichnungen aus den Archiven sind zudem die sechs Drahtspeichenräder mit profillosen Reifen originalgetreu reproduziert.

Rahmenbau

Der Rahmenbau dauert in der Summe rund drei Monate. Insgesamt werden dabei rund 150 Meter Stahlrohr mit 20 Millimeter Außendurchmesser und 1,5 Millimeter Wandstärke verwendet. Wie einst beim Bau des Originals hängen während der Arbeiten an der Werkstattwand Kopien der Konstruktionszeichnungen: Für den Aufbau stehen die Originalzeichnungen des Gitterrohrrahmens als Quelle zur Verfügung. Insgesamt sind in den Archiven von Mercedes-Benz Classic rund 500 Zeichnungen zum T 80 vorhanden.

Von den Plänen nehmen die Fachleute exakte Maße für die Rekonstruktion des Rahmens ab. Zusätzlich untersuchen sie den originalen Gitterrohrrahmen im Mercedes-Benz Museum. Dabei werden Referenzpunkte für die Aufnahme- und Spannpunkte der Karosserie genommen, aber auch Daten der Innenmaße und der Steckaufnahmen für die Seitenflügel. Weil der Rekordwagen in der Steilkurve des Bereichs „Faszination Technik“ ausgestellt ist, müssen sich die Experten für ihre Vermessungen mit Profi-Bergsteigerausrüstung sichern.

Aus den vorliegenden Daten entsteht in klassischer Handarbeit und unter Zuhilfenahme von Schablonen aus Pappkarton der neue Gitterrohrrahmen. Wie beim Original ist er in Mattsilber lackiert. Und wie früher ist er mit acht Schraub- und Schnellverschlüssen auf dem Fahrgestell befestigt, um für Wartungsarbeiten einen guten Zugang etwa zu Rädern und Motor zu bieten. Eine eingesteckte Seitenflosse – die linke – komplettiert den T 80. Sie ist das einzige Element des Ausstellungsstücks, das zu Demonstrationszwecken mit leichtem Aluminiumblech beplankt ist.

   Die Verbindung aus Fahrgestell und Gitterrohrrahmen macht die gewaltigen Karosseriedimensionen und die dennoch elegante Anmutung des T 80 deutlich: Karossiert ist der Rekordwagen 8.240 Millimeter lang und lediglich 1.740 Millimeter breit (ohne Seitenflossen) sowie rund 1.270 Millimeter hoch. Der für den Wiederaufbau gefertigte Gitterrohrrahmen ist die bisher größte Konstruktion dieser Art, die jemals bei Mercedes-Benz Classic gebaut wurde.

Deutlich zu erkennen ist, wie eng die Karosserie um das Fahrgestell geführt wird. Einige Rohre sind zudem zusätzlich abgeflacht, damit Gitterrohrrahmen und Karosserie noch dichter an den Aggregaten verlaufen: Die Ingenieure verschenken im Sinne bester Aerodynamik keinen Millimeter und gestehen lediglich jene Abstände zu, die für den Fahrzeugbetrieb mit der zuletzt angepeilten Höchstgeschwindigkeit von 650 km/h notwendig scheinen.

Aus dem originalen Fahrgestell des Mercedes-Benz T 80 hat Mercedes-Benz Classic durch das enge Zusammenwirken von Archiven und Werkstatt ein spektakuläres Anschauungsobjekt geschaffen. Es öffnet den Blick in die Technik der 1930er-Jahre – und in eine Epoche legendärer Rekordversuche, getragen vom Innovationswillen und Wagemut der Ingenieure.

Quelle: Daimler AG