In nahezu allen Epochen der Modellgeschichte von Mercedes-Benz gibt es Innovationen die das Parken unterstützen und erleichtern sollen. Optische Orientierungshilfen wie Peilstege und -stäbe haben in Modellen der oberen Mittelklasse und der Oberklasse schon vor über 50 Jahren beim Einparken geholfen. Und der Park-Assistent, der dem Fahrer die Lenkarbeit beim Manövrieren in und aus Parklücken ganz abnehmen kann, feiert am 1.6.2018 bereits sein zehnjähriges Jubiläum.

Einsatz der Servolenkung

Ab März 1958 wurde im Mercedes-Benz 300 das ZF-Saginaw-Servo-Lenkgetriebe als Sonderausstattung angeboten. Voraussetzung dafür war die Ausführung mit Automatikgetriebe. Damit war das als „Adenauer-Mercedes“ bekannte Repräsentationsfahrzeug das erste Mercedes-Benz Automobil mit Servolenkung. Jetzt ließ sich der mächtige Luxuswagen fast federleicht lenken. Das begeisterte nicht nur die professionellen Chauffeure von Staatenlenkern und Unternehmenschefs, sondern auch alle anderen Fahrer. Und so hielt dieses Assistenzsystem nach und nach Einzug in alle Fahrzeuge von Mercedes-Benz.

Heckflossen ? – offiziell Peilstege genannt

Offiziell hatte die 1959 eingeführte Baureihe W 111 nie „ Heckflossen“ – Mercedes-Benz sprach stets von Peilstegen. Die charakteristischen Kanten an den hinteren Kotflügeln waren elegantes Designmerkmal und praktische Rangierhilfe zugleich – nicht nur bei den Oberklasse-Limousinen der Baureihen W 111 und W 112, sondern auch bei den 1961 präsentierten Mittelklassemodellen der Baureihe W 110. Und schnell hatten die Modelle 190 D bis 300 SE deswegen den Spitznamen „Heckflosse“ weg.

1963 bot Mercedes-Benz zum ersten Mal eine Zentralverriegelung für die Langversion des 300 SE an. Dass nicht mehr alle Türen einzeln abgeschlossen werden mussten, erleichterte das Abstellen des Fahrzeugs entscheidend. Im Topmodell Mercedes-Benz 600 war eine solche Anlage serienmäßig. Die Funktionsweise blieb bis 1989 (Einführung der Zentralverriegelung mit Infrarot-Fernbedienung im SL) unverändert: Der Fahrer musste den Schlüssel in das Schloss der Fahrertür einführen und drehen. Anschließend wurden die anderen Türen und der Kofferraumdeckel pneumatisch oder elektromagnetisch ver- oder entriegelt.

Erstes Mercedes Modell mit Fußfeststellbremse statt der zuvor üblichen Stockhandbremse war 1968 der Mercedes-Benz W 114 / W 115 – die als „Strich 8“ bekannte Mittelklasse-Baureihe. Das Lösen der Bremse erforderte keine „ Verbeugung“ mehr, einfaches Ziehen an einem Knopf links im Armaturenbrett genügte.

1979 erhielt das zwei Jahre zuvor vorgestellte T-Modell der Mittelklasse-Baureihe 123 serienmäßig einen Heckscheibenwischer mit Wisch-Wasch-Kombination, der bei Regen auch die Sicht nach hinten verbesserte. Sein Nachfolger S 124 (ab 1985) verfügte über ein weiteres Komfortdetail: War der Scheibenwischer der Frontscheibe eingeschaltet und wurde der Rückwärtsgang bzw. die entsprechende Fahrstufe eingelegt, erfolgte ein automatischer Wischgang über die Heckscheibe.

Peilstäbe in der Baureihe 140

Viel diskutiert in der Öffentlichkeit wurde ein Konstruktionsdetail der Mercedes-Benz S-Klasse der Baureihe 140 anno 1991: Um bei rückwärtsgerichteten Rangiermanövern den Abstand zu Hindernissen besser abschätzen zu können, waren im Fahrzeugheck rechts und links in den Kotflügeln ausfahrbare Peilstäbe eingebaut. Die 65 Millimeter langen verchromten Stäbe wurden zwei Sekunden nach Einlegen des Rückwärtsgangs pneumatisch nach oben gefahren und acht Sekunden nach dem erneuten Gangwechsel wieder eingefahren. Zudem besaß diese S-Klasse Außenspiegel, die sich per Knopfdruck elektrisch abklappen ließen und so Park-Platz sparten – ein Detail, das seinen Siegeszug inzwischen quer durch alle Fahrzeugsegmente angetreten hat.

Mai 199: Ultraschall Einparkhilfe PARKTRONIC optional lieferbar

Ab Mai 1995 war in der S-Klasse Baureihe 140 auf Wunsch die Ultraschall-Einparkhilfe PARKTRONIC lieferbar. Dort errechnete ein elektronisches Steuergerät mit Hilfe von Ultraschallsignalen, die vom Hindernis reflektiert werden, den Abstand zu einem Hindernis. Sender und Empfänger der Ultraschallsignale saßen in den vorderen und hinteren Stoßfängern. Die Schutzfunktion der Stoßfänger wird dadurch nicht beeinträchtigt. Die Einführung der PARKTRONIC war gleichzeitig das Aus für die Peilstäbe in den hinteren Kotflügeln. Heute sind frühe 140er-Modelle mit Peilstäben in Youngtimer-Kreisen besonders begehrt.

Mit Radarsensoren ermöglichte die 2005 in der S-Klasse (Baureihe 221) eingeführte Parkführung zentimetergenaues Einparken. Zur Seite gerichtete Sensoren am vorderen Stoßfänger erfassten beim Vorbeifahren (bis 35 km/h) die Länge einer Parklücke und zeigten im Cockpit-Display an, ob der Platz zum Einparken ausreicht. Nachdem der Rückwärtsgang eingelegt war, erschienen auf dem Display im Kombi-Instrument Hinweise für das Einparken. Ab der E‑Klasse der Baureihe 212 (ab 2009) wurden die Radar- durch Ultraschallsensoren ersetzt. Alternativ unterstützte eine ebenfalls auf Wunsch erhältliche Rückfahrkamera den Fahrer beim Einparken. Farbige Hilfslinien im Kamerabild wiesen den genau berechneten Weg in die Parklücke.

Aktiver Parkassistent

Noch einen Schritt weiter ging am 1. Juni 2008 der in der A- und B-Klasse eingeführte Aktive Parkassistent: Der Autofahrer musste lediglich noch Gas geben und die Bremse bedienen. Denn anhand der Sensorsignale berechnete ein Steuergerät die bestmögliche Einfahrspur in die Parklücke und versorgte mit diesen Informationen die elektromechanische Servolenkung. Deren Elektromotor nahm selbsttätig die notwendigen Lenkbewegungen vor. Als Park-Pilot mit PARKTRONIC ist diese Funktion heute quer durch die Baureihen verfügbar. Ebenfalls in vielen Mercedes-Benz Pkw-Baureihen erhältlich ist die 2012 eingeführte 360°-Kamera, die beim Rangieren in unübersichtlicher Umgebung unterstützt. Vier Kameras im Front- und Heckbereich sowie in den Außenspiegelgehäusen liefern die Bildinformationen, aus denen das System in Echtzeit eine Vogelperspektive des Fahrzeugs und seiner Umgebung errechnet.

Quelle: Daimler AG