Eines der interessanteste Neuentwicklung der letzten Monate stellt für uns der OM 656 dar – der neue Reihen-Sechszylinder-Diesel, den Mercedes-Benz im Laufe der Zeit in mehreren Baureihen anbieten wird. Wir haben uns die neue Motorenbaureihe angesehen – als S 400 d  in der Kurzversion (W 222) mit 340 PS und 700 Nm Drehmoment.

Mit der stärksten und auch neuesten Diesel-Motorisierung von Mercedes-Benz unterwegs zu sein, hat definitiv  etwas besonderes. Mit der neuen Motorenbaureihe beweist man “beim Daimler”aber nicht nur Ingenieurskunst, sondern setzt auch ein Statement für den Diesel. Sauber, effektiv und leistungsstark – und dabei noch durchaus sparsam unterwegs. Punkte, die wir uns angesehen haben – nicht nur in der Stadt, sondern direkt auch auf der Langstrecke. Und eines vorab: die Schwaben versprechen hier nicht nur, die liefern auch!

Den OM 656 (als OM 656 D 29 SCR) bietet man in der S-Klasse der Baureihe 222 als S 350 d mit 286 PS bzw. 600 Nm – oder als in der von uns gefahrenen S 400 d -Variante mit 340 PS und 700 Nm (jeweils zwischen 1.200 und 3.200 Umdrehungen anliegend) an. Die Option auf 4MATIC Antrieb ist dabei ebenso möglich, wie die Wahl zwischen der Langversion und Kurzversion (W/V 222).

Als Testfahrzeug stand uns der S 400 d in der Kurz-Variante mit 2.925 cm³ Hubraum zur Verfügung, die man ab Werk im kombinierten Verbrauch mit 5.4-5.2 Liter auf 100 km – je nach Ausstattung – angibt. Die CO₂ Emissionen liegen dabei zwischen 155-149 g pro Kilometer. Der OM 656 ist aktuell nach Euro 6d  temp zertifiziert.

Betrachtet man die Leistungsdaten des S 400 d im Detail, beschleunigt das Reihen-Sechszylinder Triebwerk die Kurzversion der S-Klasse innerhalb von 5,4 Sekunden auf die 100 km/h-Marke – wobei die Höchstgeschwindigkeit bei 250 km/h elektronisch begrenzt wird. Für ein Fahrzeug mit einem Leergewicht von 2.005 kg sind das durchaus beachtliche Leistungswerte, erzeugt durch eine beachtliche Ingenieursleistung. Auf den OM 656 waren wir aber auch schon vorab gespannt, zumal man uns das Triebwerk im Rahmen eines kurzen 20-Minuten Fahrtests bereits schon kurz vorgestellt hatte.

OM 656

Blickt man auf den Motor selbst, dessen Kurbelgehäuse und Zylinderkopf aus Aluminium besteht (und dadurch das Motorengewicht auf der Vorderachse signifikant gesenkt werden konnte), setzt man hier nicht nur einen variablen Ventilhub auf der Auslass-Seite ein – die sogenannte CAMTRONIC Technik -, sondern packt dazu nahezu das ganze Know-Hoff mit in die Antriebstechnik: so wird für die Zylinderlaufbahnen das NANOSLIDE Verfahren – u.a. für bessere Schmierung und reduzierter Reibung – eingesetzt, wie auch Hightech-Stahlkolben, die sich bei Wärme weniger ausdehnen und sich so noch perfekter justieren lassen.

Ein zweistufiger Turbolader sorgt dafür für einen sportlichen Antritt des Fahrzeuges (in Reihe geschaltet, der kleine Lader verfügt über eine variable Turbinengeometrie). Ein wassergekühltes Ladergehäuse – in Kombination mit dem Luft-Wasser-Ladeluftkühler – sorgt für mehr Leistung und noch agileres Ansprechenverhalten. Die Common-Rail Direkteinspritzung mittels Piezo-Injektoren sorgen zusätzlich für einen Einspritzdruck von bis zu 2.500 bar und zerstäubt den Kraftstoff feiner und reduziert damit die Rußbildung. Aber auch der Warmlauf und die Geräuschentwicklung profitieren dadurch.

Die motornahe Abgasnachbehandlung im OM 656 ist hingegen identisch, wie in der 4-Zylinder OM 654 Variante   (u.a. in der E  Klasse als E 220 d) – und ist speziell auf den WLTP Zyklus und Real Driving Emissions ausgelegt. Hinter dem Turbolader befindet sich ein Oxidationskatalysator (DOC) sowie ein SCR-Dieselpartikelfilter/SCR Kat. Wenn ein Diesel  sauber ist, dann  ist der OM 656 ganz vorn dabei.

Fahreindruck

Der neue Reihen-Sechszylinder von Mercedes-Benz ist – und soviel sei vorab erwähnt – durchaus nicht verschwenderisch beim Kraftstoff. Aber auch bei der Lautstärke hält sich das Triebwerk sehr stark zurück und lässt meist nur ein leichtes “Seußeln” vernehmen – die typischen Diesel-Geräusche bleiben im Hintergrund und sind im Innenraum rein gar nicht zu vernehmen. Aber auch im Außengeräusch hält sich das Triebwerk zurück und lässt meist gar nicht erahnen, das man es hier doch mit einen Diesel zu tun hat. Ein Diesel, den manche “Umweltorganisationen” gerne verteufeln möchten,  aber dem selbst der ADAC niedrige Stickoxidwerte – auch bei Autobahntempo – bescheinigt.

Der Motor selbst liefert Kraft in Hülle und Fülle, – und das in jeder Situation. Passend dazu zeigt sich eine sehr gute Abstimmung der 9G TRONIC Automatik, dessen Schaltvorgänge für die Insassen meistens unbemerkt bleiben und sorgt für ein ständig niedriges Drehzahlniveau. Der Diesel Reihen-Sechszylinder zeigt sich als mehr als angenehmer Leisetreter, selbst beim Motorstart hört man lediglich ein dezent kerniges Laufgeräusch.

Beim Leistungsabruf zeigt sich der Motor in jeder Lebenslage eindrucksvoll und schiebt nachdrücklich an. Gleichmäßig und akustisch total unaufgeregt wird die notwendig Leistung abgerufen und schiebt das Fahrzeug problemlos auf die 100 – aber auch auf die 200 km/h Marke. Beim Zwischenspurt von 60 auf 100 sind es rund 3,2 Sekunden, von 0 auf 100 geht es problemlos innerhalb von 5,4 Sekunden. Mit dem Fahrzeuggewicht hat der Motor wenig Probleme – wo man bei 340 PS auch nicht von einer Untermotorisierung sprechen kann.

Die Dämmung in der S-Klasse zeigt sich auch im S 400 d vorbildlich und angemessen. Ein Dröhnen oder Brummen gibt es ebenso wenig, wie ein Vibrationsverhalten im Innenraum. Der Fahrer bemerkt hier lediglich die direkte Rückmeldung der Straße.

Gut abgestimmt passt aber auch die 9-G TRONIC Automatik mit dem Reihen-Sechszylinder Aggregat, welches immer den richtigen Gang findet und sorgt immer für ein sehr niedriges Drehzahlniveau. Die Schaltvorgänge erfolgen meist unbemerkt. Angefahren wird hier übrigens weiterhin im ersten Gang.

Auf Langstrecke: von Nürnberg über Leipzig nach Hamburg

Interessant wurde unsere Testfahrt auf der Langstrecke, wobei wir uns die Strecke von Nürnberg über Leipzig und Magdeburg und Hannover nach Hamburg ausgesucht hatten. Rund 650 Kilometer Wegstrecke über die A6, A9 und A14 sowie A2 nach Hannover, bis wir dort auf der A7 Richtung Hamburg wechseln konnten. Beim ersten Tankstopp – auch wenn aufgrund der Reichweite das Fahrzeug problemlos noch weiter fahren konnten – tankten wir in Magdeburg zwischen und kamen bei einem Schnitt von 125 km/h auf  6,8 Litern pro 100 km. Interessant eigentlich gerade deshalb, weil wir nicht auf die Verbrauchsanzeigen geachtet hatten – lediglich vor Magdeburg suchten wir uns über das COMAND Online Display eine kostengünstige Tankstelle aus.

Ein Fahrerwechsel änderte am Verbrauch übrigens ebenso nichts, wobei wir sogar auf die Nutzung von DISTRONIC PLUS komplett verzichtet hatten. Hier ist also durchaus noch Potenzial beim Verbrauch nach unten vorhanden. Angaben über den verbrauchten AdBlue-Verbrauch können wir leider nicht vorlegen.

Bei der Rückfahrt aus der Hansestadt über die Kasseler Berge tankten wir in der Höhe von Bad Hersfeld, – aufgrund von vielen Stopps und Stau auf der A7 vor Hannover stieg der Verbrauch aber schnell auf 7,5 Liter auf 100 km an – wobei die Durchschnittsgeschwindigkeit bei rund 70 km/h lag. In der Summe noch akzeptabel für ein Fahrzeug der Oberklasse und dessen Leergewicht. Bei sparsamen Verbrauch steigt parallel auch die Reichweite des Fahrzeuges, was durchaus nicht zu vernachlässigen ist.

Das man den S 400 d jedoch auch durchaus mit über 10 Litern Verbrauch bewegen kann, “erfuhren” wir auch – doch das muss der Fahrer auch absichtlich genau so wollen und dazu an den unnötigsten Stellen noch Leistung abrufen. Ein normales Alltags-Fahrverhalten sieht hier definitiv anders aus und sorgt auch für entsprechend normale Werte.

Gerade auf Langstrecke bleibt es im S 400 d grundsätzlich schwer, den Verbrauch auf über 8 Liter im Mix hoch zutreiben. Inwieweit das beim optionalen 4MATIC-Antrieb noch gilt, können wir nicht genau angeben, rechnen hier aber lediglich mit rund 0,5 Litern Mehrverbrauch auf 100 Kilometer.

Laufruhe mit genug Leistung in jegliche Situation

Bei der Testfahrt fasziniert das 5,13 Meter lange Fahrzeug aber auch bei der baureihentypischen Laufruhe, wobei die Kraft des Motors in jeglicher Fahrsituation in Hülle und Fülle vorhanden ist. Gerade das Drehmoment von 700 Nm macht sich hier ebenso angenehm bemerkbar, wie die gut arbeitende Luftfederung für die S-Klasse selbst. Die Autobahnpräsenz des großen Modells von Mercedes-Benz tut das Übrige.

Die Dämmung zum Motorraum selbst ist gewohnt bestens, aber auch im Standgeräusch – bei warmen Motor – zeigt sich der Dieselmotor dazu eher unauffällig und sehr ruhig. Wäre am Heck nicht die Typenbezeichnung, käme man nicht so schnell auf den Gedanken, das hier ein Selbstzünder unter der Motorhaube seinen Dienst verrichtet.

Fazit:

Man glaubt es kaum, wie wenig ein Fahrzeug verbrauchen kann, was mit 340 PS und 700 Nm Drehmoment antritt. Trotz der stattlichen Maße – und dessen Leergewicht – kann man das Fahrzeug teilweise sogar sparsamer bewegen, als so manchen Kleinwagen. Dabei schafften die Ingenieure von Mercedes-Benz den Spagat zwischen maximaler Sparsamkeit bei noch guter Leistungsausbeute zu absolvieren. Für uns die Ausgewogenheit in Perfektion, wobei wir dem neuen Diesel-Motor aktuell jeder anderen Motorisierung von Mercedes-Benz gerne dem Vorzug geben. Ein Lobgesang für eine Mega-Motorisierung, – aber nur zurecht!

In der – deutlichen leichteren – E-Klasse der Baureihe 213 ist der OM 656 Motor übrigens nun auch erhältlich,  den Weg in die C-Klasse wird er hingegen nicht finden.

Was uns gut gefallen hat:

  • Erkennung von Personen mittels Nachtsicht-Assistent
  • MAGIC VISION Control Scheibenwischer für freie Sicht – auch beim Wischvorgang.
  • 360 Grad Kamera lässt das Auto manuell auch in engste Lücken rangieren.
  • Bequeme Sitze für die Langstrecke

Was uns weniger gut gefallen hat:

  • Fehlende Massagesitze für vorhandene ENERGIZING Komfortsteuerung
  • Nicht funktionelle Auspuffblenden am Heck.

Testfahrzeug: S-Klasse (W 222) – S 400 d, 340 PS / 700 Nm

Grundpreis: 90.350,75 €, mit Zubehör Gesamtpreis: 123.938,50 € inkl. 19 % MwSt.

Zubehörliste des Testfahrzeuges: S-SK 5353:
  • Lack obsidianschwarz metallic 1.178,10
  • Polster Leder Nappa nussbraun/schwarz 2.261,00
  • Zierelemente AMG Carbon/Klavierlack schwarz 4.641,00
  • Zierelemente-Paket Exklusiv 0,00
  • MULTIBEAM LED 1.999,20
  • Fahrassistenz-Paket 2.737,00
  • Nachtsicht-Assistent Plus 2.618,00
  • Remote Park-Paket 4.343,50
  • KEYLESS-GO Paket 0,00
  • Burmester Surround-Soundsystem 1.309,00
  • Konnektivitäts-Paket Komfort 297,50
  • Head-up-Display 1.392,30
  • Digitales Radio 392,70
  • Multifunktions-Telefonie 559,30
  • Drahtlose Aufladung für Mobiltelefone im Fond 333,20
  • Memory-Paket 892,50
  • Sitzklimatisierung für Fahrer und Beifahrer 838,95
  • EASY ADJUST Komfortkopfstütze 297,50
  • Fondsitze elektrisch einstellbar inklusive Memory-Funktion 1.856,40
  • Beltbag 702,10
  • Sidebags im Fond 452,20
  • AIR-BALANCE Paket 440,30
  • ENERGIZING Komfortsteuerung 238,00
  • Ambientebeleuchtung 476,00
  • Wärme- und geräuschdämmendes sowie Infrarot reflektierendes Verbundsicherheitsglas 1.178,10
  • MAGIC VISION CONTROL 464,10
  • Servoschließen 702,10
  • Vorrüstung für digitalen Fahrzeugschlüssel für Smartphone 214,20
  • Reifen mit Notlaufeigenschaften 416,50
  • Einstiegsleisten mit „Mercedes-Benz“ Schriftzug, beleuchtet 178,50
  • Doppelcupholder 89,25
  • Automatische Beifahrerairbag-Abschaltung 59,50
  • Warnwesten für Fahrer und Passagiere 29,75

Bilder: MBpassion.de