Modern, elegant – und vor allen sportlich und klar ein Spross einer großen Tradition solle er sein: der SL-Roadster von Mercedes-Benz, der im März 1989 erstmals am Genfer Automobilsalon der Weltöffentlichkeit präsentiert wurde. Die vierte SL Generation seit dem legendären Flügeltürer begeistert dazu noch immer.

Der Sportwagen der Baureihe R 129 tritt zunächst mit den Typen 300 SL, 300 SL-24 sowie 500 SL an – und wird in den Folgejahren um mehrere Modelle erweitert – bis hinauf zum exklusiven SL 73 AMG im Jahre 1999.Die SL-Typen der Baureihe 129 begeistern mit technischen Innovationen und einem gut abgestimmten Verhältnis klassischer Elemente zu neuem Design. Darüber hinaus jedoch steht diese Sportwagen-Generation für zwei Änderungen in der SL-Tradition: Erstmals wird ein SL nicht in Sindelfingen gebaut, sondern im Werk Bremen. Zudem wird während der Bauzeit des R 129 die Mercedes-Benz Nomenklatur reformiert. So passt im Sommer 1993 die Stuttgarter Marke die Typenbezeichnungen der offenen Sportwagen der bis heute gültigen Nomenklatur an, die zunächst in der C-Klasse eingeführt wird: Künftig steht das legendäre Buchstabenkürzel „SL“ vor der dreistelligen Zahl, die auf den Hubraum verweist. Aus dem 300 SL wird etwa der SL 300. Somit ist der 300 SL der Baureihe 129 der vorerst letzte Mercedes-Benz Sportwagen, der diese legendäre Typenbezeichnung trägt.

Harmonie kennzeichnet die Einführung moderner Gestaltungselemente: Das Design kommt nun zwar ohne die bisher stets chromumrahmte SL-Kühlermaske aus, mit seiner flüssig gezeichneten Keilform steht der R 129 dennoch klar in der Tradition seiner Vorgänger. Das elegante Design wird vom Konzept des nur im Notfall automatisch ausfahrenden Überrollbügels unterstützt: Normalerweise ist die schützende Stütze nicht in der Silhouette des offenen Wagens zu sehen. Bei einem drohenden Überschlag löst ein Sensor den Verschluss des Bügels elektromagnetisch aus, und die Stütze klappt in nur 0,3 Sekunden hoch. Hydraulisch kann der Bügel auch auf Wunsch des Fahrers aufgestellt werden. Der automatische Überrollbügel des R 129 ist in dieser Form eine internationale Premiere im Automobilbau.

Neben dem Bügel tragen auch die aus hochfestem Stahl konstruierten Säulen der Frontscheibe, die so genannten A-Säulen, der zweischalige vordere Dachrahmen und die mit der Karosserie verklebte Windschutzscheibe zu einem sehr hohen Sicherheitsstandard bei, der auf dem Niveau der Limousinen und Coupés von Mercedes-Benz liegt. Die hohe Formstabilität der Fahrgastzelle erreichen die Ingenieure bei dem offenen Sportwagen durch eine besonders steife Bodenanlage mit hochfesten Blechen und großen Trägerquerschnitten sowie durch biegesteife Übergänge von A-Säulen und Fondseitenteilen zu den seitlichen Längsträgern. Auch die Türen fungieren dank einer besonderen Sickengestaltung ihres Innenteils als drucksteife Verbindung zwischen Vorderwand- und Mittelsäule. Das aus den Limousinen bekannte Vorbaukonzept entwickeln die Ingenieure ebenfalls für die SL-Karosserie weiter, um bei einem versetzten Frontalaufprall für möglichst hohe Sicherheit zu sorgen.

Hohe Ansprüche an Sicherheit und Komfort

Auf den Komfort der Passagiere legen die Entwickler genauso hohen Wert wie auf die Sicherheit. An der Schnittstelle zwischen diesen beiden Zielen stehen die neu entwickelten Integralsitze: Sie bieten eine gute Ergonomie für entspanntes Reisen auf langen Strecken. Wegen ihrer tragenden Struktur mit hoher Quersteifigkeit bieten sie außerdem erhöhten Schutz bei einem Seitenaufprall. Das tragende Sitzgestell besteht aus fünf Magnesium-Druckgussteilen und nimmt das Gurtsystem mit Gurtstraffer, die Gurthöhenverstellung mit gekoppelter Kopfstützenverstellung sowie die vollektrische Verstelltechnik auf.
Komfortabel ist auch das neu konstruierte elektrohydraulische Verdeck: Auf Schalterdruck öffnet oder schließt es sich innerhalb von 30 Sekunden. Bei geöffnetem Verdeck kommt eine weitere Innovation zum Zug: Das so genannte Windschott ist ein luftdurchlässiges Gitter, das sich mit wenigen Handgriffen am Überrollbügel befestigen lässt und Windgeräusche sowie Zugluft auf ein Minimum reduziert. Serienmäßig haben die neuen SL-Typen elektrische Fensterheber und elektropneumatische Zentralverriegelung, die elektrische Lenksäulenverstellung bleibt zunächst dem 500 SL vorbehalten.
Ein Roadster mit Torsionssteifigkeit auf Limousinen-Niveau
Den Fahrkomfort des Roadsters verbessert der Einbau zusätzlicher Diagonalstreben und weiterer Verstärkungen, die das für offene Fahrzeuge typische Schwingungs- und Torsionsverhalten optimieren. Das Resümee der Ingenieure fällt rundum positiv aus: Die Torsionssteifigkeit des neuen Roadsters ist gegenüber dem Vorgängermodell um 30 Prozent verbessert und liegt nun auf dem Niveau einer Limousine.
Das Fahrwerk mit Dämpferbein-Vorderachse und Raumlenker-Hinterachse entspricht grundsätzlich den Konstruktionen in der Kompaktklasse der Baureihe W 201 und der oberen Mittelklasse der Baureihe W 124. Zahlreiche Bauteile sind dabei speziell auf den Roadster angepasst – genauso wie die Achsgeometrie. Auf Wunsch ist ein neu entwickeltes Zusatz-System lieferbar, das den aktuellen Stand der Fahrwerktechnologie markiert. Die drei Teilsysteme umfassen die Niveaueinstellung und -regulierung an Vorder- und Hinterachse, eine automatische geschwindigkeitsabhängige Niveauverstellung sowie das Adaptive Dämpfungs-System ADS. Die SL-Typen rollen serienmäßig auf 16-Zoll-Leichtmetallrädern und haben – einem Sportwagen angemessen – besonders großzügig ausgelegte Bremsen. Erstmals in einem Personenwagen von Mercedes-Benz kommen dabei vordere Festsattel-Scheibenbremsen zum Einsatz, die vier Kolben mit paarweise unterschiedlichem Durchmesser aufweisen. Das Anti-Blockier-System ABS gehört zum serienmäßigen Lieferumfang.
1989: Mercedes-Benz 300 SL eröffnet die Modellpalette
Das Einstiegsmodell im Jahr 1989 ist die Dreiliter-Variante Mercedes-Benz 300 SL mit dem Reihensechszylindermotor M 103 (140 kW/190 PS bei 5700/min, Höchstgeschwindigkeit 228 km/h). Vierventiltechnik bietet der hubraumgleiche, aber deutlich stärkere 300 SL-24 mit dem neu konstruierten Motor M 104 (170 kW/231 PS bei 6300/min, Höchstgeschwindigkeit 240 km/h). Spitzenmodell ist der 500 SL mit seinem V8-Motor M 119 (240 kW/326 PS bei 5500/min). Die Höchstgeschwindigkeit des bei seiner Präsentation leistungsstärksten Mercedes-Benz Pkw wird bei 250 km/h elektronisch abgeregelt. Als neues Topmodell folgt im Jahr 1992 der 600 SL (später SL 600, 290 kW/394 PS bei 5200/min). 1993 werden die beiden Dreiliter-Typen von den neuen Modellen SL 280 (142 kW/193 PS bei 5500/min) und SL 320 (170 kW/231 PS bei 5600/min) abgelöst, während AMG den SL 60 AMG (280 kW/381 PS bei 5500/min) vorstellt.
1995 stellt Mercedes-Benz zur IAA die optisch und technisch aktualisierten SL-Typen vor. Die Modellpflege bringt neue Design-Akzente, eine reichhaltigere Serienausstattung und weiter verbesserte Technik. Unter anderem sind die wenige Monate zuvor in der E-Klasse der Baureihe 210 vorgestellten Scheinwerfer mit Xenon-Gasentladungslampen jetzt auch in der SL-Klasse lieferbar. Mercedes-Benz stattet die Roadster nun auch serienmäßig mit einem neuen Tempomat für Tempo-30-Zonen aus. SL 500 und SL 600 erhalten im September 1995 ein neu entwickeltes Fünfgang-Automatikgetriebe mit Wandler-Überbrückungskupplung, außerdem verbessern die Motorspezialisten Kraftstoffverbrauch und Schadstoff-Emissionen weiter. Das Elektronische Stabilitäts-Programm ESP® steht im modellgepflegten SL 500 auf Wunsch zur Verfügung, der Zwölfzylindertyp SL 600 ist damit serienmäßig ausgestattet. Der Bremsassistent BAS, eine Weltneuheit für die aktive Sicherheit, wird von Dezember 1996 an serienmäßig in alle Typen der Baureihe 129 eingebaut.
1998: Neue Motoren für den R 129
Die zweite Modellpflege der Baureihe 129 im Frühjahr 1998 ist geprägt von einer neuen Motorenpalette und zurückhaltenden Veränderungen im Design. Eine neue Generation von V6- und V8-Motoren löst die bisherigen Aggregate der Typen SL 280, SL 320 und SL 500 ab. Die Maschinen haben Dreiventiltechnik und Doppelzündung, sie verbrauchen bis zu zehn Prozent weniger Kraftstoff als ihre Vorgänger und zeichnen sich außerdem durch geringere Abgas-Emissionen aus. Das Leistungsspektrum reicht von 150 kW (204 PS) im SL 280 über 165 kW (224 PS) im SL 320 bis zu 225 kW (306 PS) im SL 500. Der SL 60 AMG entfällt im Rahmen der Modellpflege und wird 1999 von den neuen Spitzenmodellen SL 55 AMG (V8-Motor mit 260 kW/354 PS) und SL 73 AMG (V12-Motor mit 386 kW/525 PS) abgelöst.
Im Juli 2001 läuft im Werk Bremen der letzte Roadster der Baureihe R 129 vom Band. Insgesamt baut Mercedes-Benz 204 940 Stück dieser vierten SL-Generation. Erfolgreichster Typ ist der 500 SL/SL 500 mit dem Vierventil-V8-Motor M 119. Von der Markteinführung bis ins Jahr 1998 entstehen insgesamt 79 827 Exemplare des Wagens.
Quelle: Daimler AG