Der Bushersteller Setra – eine Marke von Daimler Buses – ist seit Jahrzehnten einer der Größen im Reisebus Segment. Jetzt gehen die Neu-Ulmer mit einem brandneuen „Big Player“ an den Start. Der neue Setra TopClass Doppelstockbus S 531 DT rollt nun bereits in der vierten Generation auf die Straße. Wir haben uns im eigenen Fahrerlebnis einmal genauer angesehen, was der neue Reisebus so alles kann und bietet.

Im frühlingshaft warmen und sonnigen spanischen Valencia konnten wir – samt einem gewissen Urlaubs-Feeling auf rund 150 Kilometer an der Küste entlang sowie im umliegenden Bergland – einen ersten Eindruck des neuen Doppeldeckers gewinnen. Fernbusreisen werden schließlich immer beliebter und sind inzwischen bei vielen eine ernstgenommene Alternative zum eigenen Pkw oder dem Flugzeug, um in den Urlaub zu fahren. Kein Wunder, sind die heutigen Busgenerationen doch alles anderes als unmodern oder uncool und bieten neben gesteigerten Sitzkomfort auch Annehmlichkeiten, wie WLAN oder Entertainment.

Der 14 Meter lange und 4 Meter hohe Setra Doppeldecker ist trotz seiner Größe frisch und ansprechend und die Fahrgäste betreten den Bus durch die breiten Einstiege an der vorderen – oder hinteren – Tür. Der neue S 531 DT bietet viel Komfort – und das nicht nur auf den Sitzplätzen, sondern auch im gesamtes Umfeld. Der neue Doppeldecker kann sowohl zum Einsätz für den Reise- oder Linienverkehr genutzt werden.

Wer beim Reisebus übrigens an schlechte Aerodynamik denkt, der irrt: der Luftwiderstandsbeiwert liegt hier bei cw=0,35 und setzt nun den Bestwert im Segment, was natürlich auch die Basis für einen geringeren Spritverbrauch ist. Im Vergleich zum Vorgänger liegt die Diesel-Einsparung bei etwa sieben bis zehn Prozent (was bei den Laufleistungen schnell mehrere tausend Liter Kraftstoff im Jahr entsprechen kann).

Das Thema Sicherheit wird im neuen Setra TopClass auch groß geschrieben. Das neue Notbremssystem Active Brake Assist 4 (ABA 4), kann jetzt mit einer Vollbremsung auf stehende und vorausfahrende Hindernisse reagieren, außerdem neu ist eine Fußgängererkennung mit automatischer Bremsreaktion sowie der Sideguard Assist für den toten Winkel im Bus. Hier überwachen zwei Radarsensoren die Spur rechts neben dem Bus über seine komplette Länge und warnt den Fahrer beim Abbiegen sowie im Kurvenverlauf vor Hindernissen. Außerorts wird hier der Spurwechsel zur Beifahrerseite überwacht.

Die zwei Ebenen des neuen S 513 DT kann man als zwei eigenständige Komfortzonen beschreiben. Das Oberdeck ist aufgrund seiner Lage eine wahre Aussichtsetage. Die beliebteste “Aussichtsplattform” ist hier die erste Reihe mit einem freien Blick durch die große Frontscheibe. Die Frontreihe ist im Stil eines Cockpits gestaltet und bietet neben vier eigenen Becherhaltern auch Platz zum Ablegen von kleineren Gegenständen, wie Smartphones oder Tablets. Zusätzlich besteht hier die Möglichkeit, die Lüftung/Heizung separat zu aktivieren oder mittels Telefon mit dem Fahrer im “Untergeschoss” Kontakt aufzunehmen.

Aber auch auf den folgenden Sitzplätzen hat man aus den großflächigen Seitenscheiben einen tollen erhabenen Blick auf Stadt und Landschaft. Für den Urlaub oder eine Reise also ein optimaler Platz zum Sitzen – wie wir es jetzt rund um Valencia “erfahren” konnten. Das Oberdeck kann dazu über den vorderen oder hinteren Treppenaufgang erreicht werden. Die Treppenstufen sind dabei übrigens beleuchtet. Neu sind hier auch durchgehende Handläufe.

Insgesamt geht es im ersten Stock des Busses sehr luftig und geräumig zu, die Stehhöhe beträgt 1,68 Meter und ist das (optionale) Glasdach TopSky vorhanden – wird der helle und freundliche Eindruck sogar nochmals optisch verstärkt. Die Aufgänge sind zusätzlich von außen verglast und von innen mit lichtdurchlässigem Acryl-Kunststoff verkleidet.

Wer es lieber etwas gemütlicher und kleiner möchte, sucht sich am besten ein Sitzplatz im Unterdeck. Hier stehen zwar  insgesamt weniger Sitze zur Verfügung – jedoch sind hier Sitzgruppen mit Tischen vorhanden, um den kommunikativen Austausch zwischen den Passagieren zu fördern. Eine Runde entspanntes Kartenspiel zu viert sind hier z.B. eine schöne Freizeitgestaltung, während der Bus Kilometer um Kilometer dem (Urlaubs)-Ziel entgegensteuert. Aber manchmal ist auch der Weg das Ziel.

Egal ob man oben oder unten sitzt, jeder Fahrgast genießt einen tollen Sitzkomfort, ohne dass hier ein besonders dickes “Sitzfleisch” benötigt wird. Die Fahrgastsitze werden dazu in eigener Herstellung gefertigt und haben sich bereits in der Vorgängergeneration bestens bewährt. Es sitzt sich angenehm auf dem Bezug, der aus einem Mix aus Stoff und dem Lederfasermaterial Composition besteht. Die Sitze haben ein gefedertes Sitzkissen, sowie eine hohe verstellbare/neigbare Rückenlehne. Der Gangsitz kann zusätzlich für mehr Raum zum Nachbar noch in der Querrichtung verstellt werden. Die Armlehnen sind klappbar und eine gute Beinfreiheit ist ebenfalls gegeben, zusätzlich können die Füße auf einer schwenkbaren Fußstütze und der Kopf auf der optionalen Kopfstütze ruhen.

Aufgrund der neuen Konstruktion kann im Erdgeschoss in Fahrtrichtung rechts auf Wunsch das Podest entfallen, wobei hier zum Beispiel Rollstuhlplätze, Wechselpodest mit Kinderwagenplatz oder Einrichtung für Bistro-Busse platziert werden kann, oder eben doch ein Podest mit klassischen Bestuhlung.

Für den passenden Duft beim Einstieg sorgt nun übrigens optional ein Duftgenerator, was in den wesentlichen Teilen aus der Mercedes-Benz S Klasse übernommen worden ist. Zur Wahl stehen hier sechs Düfte – von sportlich frisch bis lederähnlich schwer. Das System versprüht seinen Duft beim Bedienen der Tür oder beim Einschalten der Zündung.
Zur Stromversorgung mitgebrachter Geräte der Fahrgäste wird der S 531 DT wahlweise mit USB-Anschlüssen oder 230-Volt-Steckdosen pro Sitzreihe ausgestattet. Optional ist der Doppeldecker auch mit WLAN-Router und Mobilfunkantenne ausgestattet. Der sogenannte “Coach MediaRouter” von Setra verfügt über zwei Einschübe für SIM-Karten auf LTE-Basis sowie über zwei USB-Anschlüsse zur Offline-Bereitstellung von Mediainhalten, wie beispielsweise Kinofilmen. Hier kann selbst die längste Busfahrt nicht langweilig werden.

Beim Reise- und Fahreindruck im neusten Setra TopClass Bus ist vom mächtigen 12,8 Liter Reihensechszylinder (OM 471) mit 510 PS und satten 2500 Nm Drehmoment, der im Heck des Buses seinen Dienst verrichtet, vor allem im „Obergeschoss“ fast nichts zu hören. Kaum anders geht es auch im Unterdeck zur Sache, denn auch hier ist vom Leben des Diesels nur minimal etwas zu hören. So lässt es sich angenehm und entspannt reisen und die Gespräche der Mitreisenden sind da deutlich lauter und präsenter, denn auch die sonstigen Fahrgeräusche durch zum Beispiel Wind bleiben dezent und ruhig. In Kombination aus allem entsteht so eine entspannte Atmosphäre im Bus.

Für Reisekomfort auf langen Strecken sorgt auch ein separater  Wasch- und Toilettenraum, welche nun erstmalig ohne eine Stufe über einen ebenen Boden erreichbar ist. Die neue diagonale Anordnung der Einrichtung sorgt für maximale Bein- und Bewegungsfreiheit bei Benutzung der Toilette oder des Waschbeckens. Für das leibliche Wohl während der Fahrt sorgt zusätzlich die kleine Bordküche mit Kaffeemaschine und Kühlschrank im hinteren Bereich des Unterdecks.

Als Fazit nach unserer kleinen Tour mit dem neuen Setra Doppeldecker gilt: Warum eigentlich nicht mal öfter eine Busreise machen? Der S 531 DT hat uns mit jeder Menge von Annehmlichkeiten überzeugt. Wir haben uns während der Reisezeit sehr wohl an Bord gefühlt und vor allem im Oberdeck den sehr guten Überblick am die spanische Landschaft genossen.

Der (Mit-)Fahrkomfort ist hervorragend, obwohl man gute 3 Meter über der Straße thront, ist kein unnötiges wippen oder gar schwanken des Aufbaus während der Fahrt spürbar. Ein Gefühl, auf hoher See unterwegs zu sein, stellt sich definitiv – auch nach Stunden der Fahrt – nicht ein auch wenn durchaus ab und an der Seitenwind spürbar sein kann. Die Sitze im Doppelstock-Bus sind bequem und bieten ausreichend Verstellmöglichkeiten, um es sich auch für eine länge Fahrt gemütlich zu machen. Stromversorgung, Entertainment und WLAN runden das gute Gefühl ebenso ab, wie Snacks oder Getränke aus der Bordbar.

©Philipp Deppe / MBpassion.de sowie Daimler AG