Der Forschungscampus ARENA2036 hat sich im Kontext der Digitalisierung in der Automobilindustrie zu einem Leuchtturm für die Themen Produktion und Arbeit sowie Mobilität der Zukunft entwickelt. ARENA2036 ist der weltweit größte und führende Forschungscampus zur wandlungsfähigen Produktion inklusive funktionsintegriertem Leichtbau. Rund ein Jahr nach Bezug des modernen Gebäudekomplexes und gut fünf Jahre nach ihrer Gründung präsentiert ARENA2036 auf der zweitägigen Veranstaltung „überMORGEN“ am 22. Februar 2018 die bisher erzielten Ergebnisse und Visionen: Auf Einladung von Prof. Wolfram Ressel, Rektor der Universität Stuttgart, und Markus Schäfer, Mitglied des Bereichsvorstands Mercedes-Benz Cars, Produktion und Supply Chain, diskutieren Politiker, Vertreter der Automobilindustrie und der Wissenschaft mit Experten verschiedener Disziplinen über die Produktion und Mobilität der Zukunft. Dazu gehören unter anderem Günther H. Oettinger, EU-Kommissar Haushalt und Personal, Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars, Dr. Michael Bolle, Leiter der Forschung und Vorausentwicklung der Robert Bosch GmbH, und Bernd Becker, Chief Technology Strategist des Automobilzulieferers FARO. Im Anschluss daran gewährt ARENA2036 einen Einblick in die vier Forschungsbereiche Produktion2036, Arbeit2036 und Mobilität2036 sowie in das Querschnittsthema Digitalisierung2036. Am zweiten Tag, dem 23. Februar, ist die Ausstellung in der Forschungsfabrik für die Öffentlichkeit geöffnet.

„ARENA2036 stärkt die Region Stuttgart und den Industriestandort Deutschland nicht nur durch seine interdisziplinäre Forschung, sondern auch durch das innovative und wegweisende Modell der Zusammenarbeit unter einem Dach für den optimalen Technologietransfer. Es ist schön zu sehen, dass so viele Gäste in unsere Forschungsfabrik der Universität Stuttgart kommen, um die Erfolge der ersten fünf Jahre gemeinsamer und faszinierender Arbeit mitzuerleben“, sagte Rektor Prof. Wolfram Ressel auf der Veranstaltung mit Blick auf die positiven Erfahrungen und Ergebnisse der ersten Phase der Verbundprojekte.

„Gottlieb Daimler und Carl Benz haben mit ihren Innovationen auf der ganzen Welt eine Revolution der Mobilität gestartet. In Baden-Württemberg haben wir großartige Voraussetzungen für Innovationen mit einem einzigartigen Cluster aus Spitzentechnologien, das in der Welt seinesgleichen sucht: Zulieferer, Technologieunternehmen und Automobilproduzenten. Heute sind tiefgreifende Veränderungen nicht zuletzt durch die Digitalisierung rasend schnell. Somit braucht die globale Automobilindustrie starke und unkonventionelle Antworten auf die visionären Fragen der Mobilität und der Zukunft der Arbeit. Eine davon ist ARENA2036“, erklärte Markus Schäfer, Mitglied des Bereichsvorstands Mercedes-Benz Cars, Produktion und Supply Chain, sowie Schirmherr der ARENA2036.

Große Bedeutung für Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Deutschland

In der ARENA2036 vereinen 31 Partner unter einem Dach auf dem Campus Vaihingen der Universität Stuttgart wissenschaftliche Grundlagenforschung mit industrieller Anwendung. Auf einer Fläche von 10.000 qm2 arbeiten sie an vorwettbewerblichen Lösungen, die jeder Partner für eigene Anwendungen weiter nutzen kann. Das Zusammenspiel unterschiedlichster Disziplinen und Kompetenzen schafft Freiraum für innovative Ideen. Die Veranstaltung „überMORGEN“ bietet einen einmaligen Einblick in Themen und Projekte der Partner.

„Die ARENA2036 zeigt in vorbildlicher Weise, wie die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen universitären Forschungseinrichtungen und der Automobilwirtschaft innovative Antworten auf die Herausforderungen an die Mobilität der Zukunft über Branchengrenzen hinweg finden kann“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann. „Die Politik kann hierbei Anreize für technologische Entwicklungen und zukunftsträchtige Netzwerke setzen. Aus diesem Grund hat die Landesregierung beispielsweise auch den Strategiedialog Automobilwirtschaft ins Leben gerufen, um ihren Anteil an der Gestaltung der Zukunft auf dem Mobilitätssektor beizusteuern“, so Kretschmann.

Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesforschungsministerium lobt die an der ARENA2036 gelebte enge und langfristige Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft als beispielgebendes Innovationsmodell: “Wir fördern mit der Forschungscampus-Initiative einen neuen Typ strategischer Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft an ausgewählten Standorten in Deutschland. Hier in Stuttgart ist eine Forschungsfabrik entstanden, in der die gesamte Wertschöpfungskette des volldigitalisierten Fahrzeugs neu konzipiert und umgesetzt wird. Die Zukunft von Mobilität und Produktion sollen so grundlegend neu gedacht werden. Wir halten dieses Modell für wegweisend und werden es auch zu anderen Themen ausbauen.”

ARENA2036-Forschungscampus: Rasante Entwicklung in der ersten Projektphase

ARENA2036 wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms „Forschungscampus – öffentlich-private Partnerschaft für Innovationen“ gefördert. Das BMBF unterstützt den Forschungscampus, der von einer unabhängigen Jury ausgewählt wurde, mit bis zu zwei Millionen Euro jährlich über einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren.

Gegründet wurde ARENA2036 bereits im Jahr 2013 gemeinsam mit sieben Gründungsmitgliedern: die Universität Stuttgart, das Deutsche Institut für Textil- und Faserforschung Denkendorf, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Daimler AG, die BASF SE sowie die Robert Bosch GmbH. Inzwischen ist die Zahl der Partner auf 31 angestiegen – vom Zulieferer über IT-Dienstleister bis hin zum Automobilhersteller und verschiedenen Forschungseinrichtungen. Unter dem Dach von ARENA2036 arbeiten Wissenschaft und Wirtschaft Hand in Hand und inspirieren einander gegenseitig. Entsprechend dem Motto „Industry on Campus“ heißt es für die Partner von ARENA2036 „ join.create.move.“.

Seit 2013 hat sich das Forschungsportfolio rasant entwickelt. Während dieser ersten Förderphase wurden ca. 90 Forschungsvorhaben initiiert. Derzeit forschen Expertinnen und Experten der Partner im Gebäudekomplex in einem hochmodernen Arbeitsumfeld. Die Bausumme von ca. 30 Millionen Euro für den Forschungscampus wurde je zur Hälfte von der Universität Stuttgart und aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) der Europäischen Union finanziert. Noch in diesem Jahr startet ARENA2036 in die zweite Projektphase. Einen ersten Ausblick darauf zeigen die Themeninseln.

Themenwelten – ARENA2036 erforscht die Bereiche Mobilität, Produktion, Arbeit und Digitalisierung

Peter Froeschle, Geschäftsführer von ARENA2036, führte die Gäste schließlich in die Zukunft – dargestellt in den vier Themeninseln Produktion2036, Arbeit2036 und Mobilität2036 mit der Digitalisierung2036 als Querschnittsthema. Diese sind miteinander verknüpft und haben projektbezogene Schnittpunkte. Der Austausch von Projektergebnissen und die Interaktion führen innerhalb der einzelnen Forschungsbereiche zur Entwicklung neuer Konzepte, Technologien und Folgeprojekte. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Erforschung und Entwicklung moderner Industrie 4.0-Anwendungen und intuitiver Technologien, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen.

Der Forschungsbereich Mobilität2036 stellt neuartige Technologien rund um das Fahrzeug in den Fokus – von der Entwicklung funktionsintegrierter und intelligenter Bauteile über zukunftsweisende Materialien bis hin zur Konnektivität für den Kunden. Fahrzeuge werden in Zukunft leichter, verbrauchen weniger Energie und bestehen aus weniger Bauteilen. Strukturen, Funktionen und Design ändern sich. Die Bedürfnisse des Nutzers stehen dabei stets im Mittelpunkt. Aktuelle Technologiethemen wie Konnektivität, autonomes Fahren, Sharing-Dienste und elektrische Antriebe sind der Ausgangspunkt für die zukünftigen Forschungsaktivitäten von ARENA2036 im Bereich Mobilität2036. Die Grundlagenforschung bildet zudem eine Basis für die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte.

Ein weiterer Forschungsbereich von ARENA2036 beschäftigt sich mit der durchgängigen Digitalisierung der Prozessketten und deren Simulationen. Von der Bauteilentwicklung über alle Produktionsschritte bis hin zur Nutzung eines Fahrzeugs durch den Kunden werden alle Schritte digital abgebildet. Hierdurch können Daten der einzelnen Prozessschritte automatisch übermittelt und somit für Optimierungen genutzt werden. In Zukunft kommunizieren also intelligente Bauteile mit Produktionsmaschinen, den Mitarbeitern und den Kunden – dadurch sind in der Produktionsumgebung von übermorgen alle Komponenten, Maschinen und Mitarbeiter miteinander verbunden. Ziel ist es, schneller bevorstehende Herausforderungen vorhersagen zu können und die Qualität von Prozessen und Produkten zu optimieren. Digitalisierung und Big Data werden auf diese Weise zum Treiber für Innovationsaktivitäten.

Die Kommunikation zwischen Menschen und Maschinen – miteinander und untereinander – wird im Forschungsbereich Arbeit2036 angesprochen. Künstliche Intelligenz wird die Schnittstelle, die beide Welten mit ihren unterschiedlichen Sprachen zusammenbringt und bei der Verständigung unterstützt. Mit der Erforschung semantischer Zusammenhänge kann das Wissen der Menschen mit Datenbanken der ganzen Welt verknüpft werden. Künstliche Intelligenz wird den Menschen bei der Selektion, Transformation und Implementierung insbesondere branchenfremder Informationen in die Mobilitäts- und Produktionsforschung unterstützen. Ein weiterer Forschungsaspekt des Bereichs Arbeit2036 beschäftigt sich mit der Art und Weise der Zusammenarbeit – interaktiver, internationaler und kreativer.

Der Bereich Produktion2036 zeigt mögliche Perspektiven für innovative Fertigungsverfahren von übermorgen. Die Idee: In der Industrie 4.0 hat die Produktion einen modularen Aufbau mit unterschiedlichsten Arbeitsstationen, die durch Sensoren intelligent miteinander vernetzt sind. Innerhalb der Arbeitsstationen kann der Mitarbeiter sich verschiedene Maschinen flexibel zusammenstellen. Er gestaltet auf diese Weise seine Produktionsumgebung selbst. Er kann die Werkzeuge, Roboter und Maschinen gemäß seines eigenen Bedarfs und des permanent wechselnden Produktionsprogramms anordnen. Der Arbeitsplatz der Zukunft wird dadurch flexibel und bedarfsgerecht. Intelligente Bauteile kommunizieren mit Produktionsmaschinen und den Mitarbeitern –Komponenten, Maschinen und Mitarbeiter tauschen in einem virtuellen Netzwerk Informationen aus.

Quelle: Daimler AG