Mercedes-Benz Trucks bringt den vollelektrischen eActros auf die Straße – passend dazu haben wir vorab eine erste Mitfahrt mit dem emissionsfreien Schwerlast-Lkw auf der Einfahrbahn im Werk Untertürkheim unternommen.

eActros – erste Innovationsflotte startet mit 10 Modellen

Der eActros rollt in Kürze als kleine Testflotte von 10 Fahrzeugen an ausgewählte Kunden. Ziel des zwei Jahre dauernden Projekts ist das Sammeln von Daten im Rahmen einer Erprobung im Betriebsalltag. Der Elektro-Lkw geht dazu als Zwei- und Dreiachser-Variante an Kunden.

Um die Handlichkeit bei der Dreiachser-Variante zu verbessern, verfügt dieser zusätzlich über eine gelenkte Nachlaufachse.

Umbau des Actros aus Wörth

Um aus einem Actros einen eActros zu machen wird dieser ganz normal im Werk in Wörth auf der Montagelinie produziert und in einem zweiten Schritt dann mit den Komponenten für den batterie-elektrischen Antrieb umgebaut. Somit bildet der Rahmen des bewährten Actros mit Verbrennungsmotor das Grundgerüst für die innovative eActros-Variante und ermöglicht auch den Einsatz von vielen serienreifen bzw. seriennahen Teilen.

Lautloser e-Antrieb im LKW

Das spannendste ist aber zweifelsohne der Fahreindruck –  und dieser unterscheidet sich grundlegend. Nach dem Starten per Knopfdruck passiert erstmal nichts – außer stille…. es fehlt das gewohnte Arbeitsgeräusch des mächtigen Verbrennungsmotors. Was man beim Pkw mit e-Antrieb bereits teils gewohnt ist, erwartet man im Schwerlastbereich bislang noch nicht.

Nach dem Einlegen der Fahrstufe rollt der eActros  dann ebenso still los, nicht mal das kleinste surren der zwei Elektromotoren – die sich nahe den Radnaben an der Hinterachse befinden – , ist in der Fahrerkabine zu hören.

2 x 125 kW E-Motoren mit jeweils 11.000 Nm Drehmoment

Die zwei E-Maschinen mit jeweils 125 kW Leistung schieben den eActros mühelos und kraftvoll an. Vor allem das satte Drehmoment, was durch eine spezielle Übersetzung generiert wird und pro Elektromotor 11.000 Newtonmeter beträgt, lässt wenig Unterschiede zu einem Diesel-Lkw erkennen. Die Fahrleistungen sind voll alltagstauglich und durch den kraftvollen Antrieb müssen so auch keine Einschränkungen bezüglich der Nutzlast befürchtet werden.

In der Mitfahrt hatten wir sogar das Gefühl, das der eActros sogar noch ein wenig besser zieht, als die Verbrennungsmotor-Variante. Deutlich erlebbar sind vor allem das Fehlen der Schaltunterbrechungen des Getriebes, stattdessen beschleunigt der e-LKW wie “an der Schnur gezogen” bis zu den Lkw üblichen Fahrgeschwindigkeiten von maximal 80-90 km/h.

Was fällt noch auf? Auch bei maximal Geschwindigkeit bleibt es absolut leise in der Fahrerkabine des schweren Lkws, das lauteste sind die Windgeräusche oder das verbaute Radiogerät. Ungewohnt – aber auch überraschend positiv. Durchaus vorstellbar,  dass insbesondere das geringe Geräuschniveau den Fahrer hinter dem Lenkrad deutlich angenehm anspricht.

200 Kilometer Reichweite – 240 kWh Batterie

Mit bis zu 200 Kilometer, die auch bei schwerer Beladung möglich sein werden, hat der eActros eine Reichweite, die für Tagestouren im Verteilerverkehr völlig in Ordnung gehen. Die Energie kommt dabei aus insgesamt elf Lithium-Ionen-Batterie-Paketen mit insgesamt 240 kWh. Drei Batterieeinheiten befinden sich im Bereich des Rahmens, die anderen acht Einheiten sind seitlich montiert.

Damit auch alles im Crashfall geschützt ist, sind die Batteriepakete von Stahlgehäusen umgeben, dessen Halterungen im Fall eines Aufpralls nachgeben und die Energie an den Batterien vorbei leiten, ohne diese zu beschädigen. Vollständig aufgeladen werden kann der eActros – je nach Ladeinfrastruktur – innerhalb von drei bis elf Stunden.

Rekuperation für Reichweitensteigerung

Der elektrische Actros erzeugt im Fahrbetrieb durch Rekuperation selbst Strom und speichert diesen in den Batterien. Das Rekuperieren macht einen nicht unerheblichen Anteil zur Reichweitensteigerung aus, wie wir in der Mitfahrt selbst feststellen konnten. Obwohl bereits eine kleine Strecke von mehreren Kilometern zurückgelegt worden ist, konnten wir durch geschickte Energierückgewinnung die im Kombiinstrument angezeigte Reichweite sogar auch wieder ein wenig steigern.

Beachtlich, wie kräftig der eActros während der Fahrt die Bremsleistung der Rekuperation nutzt.  Nutzt der Fahrer die Rekuperation – wie beim normalen Actros den Retarder – dann muss der Fuß kaum auf das Bremspedal für die konventionelle Bremse bewegt werden, um zu verzögern.

Bremsleistung von 2 x 90 kW

Im unteren Geschwindigkeitsbereich war es mit entsprechend vorausschauender Fahrweise sogar problemlos machbar, den schweren Lkw bis in den Stand nur durch die Rekuperationleistung zu bremsen. Die Motorbremsleistung beträgt dabei pro E-Motor maximal 90 kW (technische Daten hier).

Die Fahrleistungen des eActros konnten bereits auf der Mitfahrt überzeugen. Faszinierend ist dabei das lautlose und die lokal schadstofffreie Fahrt.

Während andere Hersteller es noch bei Ankündigungen belassen, hat es Mercedes-Benz Trucks bereits geschafft,  einen echten und heute schon nahezu serienreifen Elektro-Lkw auf die Straße zu stellen. Dazu wird in den nächsten Monaten die Testflotte von zehn Fahrzeugen bereits wertvolle Erkenntnisse für die Alltagstauglichkeit sammeln, die dann später in den geplanten Serienanlauf des eActros im Jahr 2021 einfließen werden.

Eine ausführliche Video-Vorstellung des eActros gibt es auch bei Kollege Jan von Ausfahrt.tv
Die Kollegen vom E-Mobilitäts Blog berichten ebenfalls rund um den elektrischen Actros.

Bilder + Video: ©Philipp Deppe