Mercedes-Benz hat uns erstmals die neue Generation der E-Klasse – als Limousine – rund um Lissabon fahren lassen. Eigentlich war es jedoch eher eine “Erfahrung” für uns, da wir eher vom Fahrzeug gefahren wurden, dank der neuen intelligenten – aktiven – Fahrsysteme des Stuttgarter Herstellers.

Markteinführung ab 09. April 2016
Bereits in der Vergangenheit war die E-Klasse oft Vorreiter am Markt, wie in der Vorgängerbaureihe 212 von 2009 bis 2015 mit dem ersten 9-Gang Automatikgetriebe für den Längseinbau im Premiumsegment, im W211 als E 320 BlueTEC mit mehrstufiger BlueTEC Technologie zur Abgasreinigung, oder im W210 mit Sidebags und Gurtkraftbegrenzer, oder aber im W110 mit der ersten Sicherheitsfahrgastzelle mit Knautschzone. Die Stuttgarter Limousine tritt ab 09. April 2016 gegen den Audi A6 an, sowie gegen 5er BMW und Lexus GS.

Äußerlich präsentiert sich die neue E-Klasse gezielt als eine Mischung zwischen der Baureihe 205 sowie 222, also der neuen C-Klasse und S-Klasse. Wenn auch der optische Abstand zwischen den beiden Modellen gering ist, zeigt sich der Unterschied schnell im Detail, zumindest bei der technischen Ausstattung bz. Funktionen sowie der neuartigen Innenraumgestaltung.

Im Vergleich zur Vorgängerbaureihe 212 zeigt sich das neue Modell 4.3 Zentimeter länger, parallel wuchs der Radstand auf 2.93 Meter. Im Innenraum gab es eine Veränderung von 6.5 Zentimeter.

Testfahrzeug mit neuer OM 654-Motorisierung
Als Testfahrzeug war uns eines am wichtigsten: es sollte die neue Diesel-Motorisierung werden, die man werksintern als OM 654 bezeichnet und welche man als Nachfolgegeneration des OM 651 4-Zylinder-Dieselmotors schrittweise später in die verschiedenen Baureihen von Mercedes-Benz finden wird. Ob man in der kompletten Neuentwicklung die lauten Geräusche des Vorgängers beseitigt hat, – und wie der Ersteindruck auf uns wirkt, sollte der Fahrtest im E 220 d ebenso aufzeigen, wie einen ersten Eindruck der neuen Assistenzsysteme sowie das neue Interieur der Business-Limousine.

Das neue Vollaluminium-Triebwerk im E220 d leistet 194 PS und 400 Newtonmeter maximales Drehmoment (welches bereits ab 1.600 Umdrehungen anliegt), der Sprint wird mit 7.3 Sekunden auf 100 km/h angegeben, die V-Max liegt bei 240 km/h. Der neue 4-Zylinder Motor verfügt über einen CO2-Ausstoß – nach NEFZ-Norm – von rund 100 Gramm pro Kilometer.

In Kombination mit der 9G-TRONIC Automatik und der optionalen Luftfederung wird das Fahrzeug mit 194 PS teils bereits zur regelrechten Sänfte.

Unser Fahrtest im E 220 d mit 194 PS
Für unseren Fahrtest hat uns Mercedes-Benz nach Lissabon eingeladen, um die neue Business-Class-Limousine erstmals fahren zu können. Interessant war für uns der Vergleich die neue OM 654 – Motorisierung zum bekannten OM 651 der bisherigen E 220 BlueTEC-Variante. Die Baureihe 213 bietet hier zum Marktstart den E 220 d mit 194 PS an, wobei die PS-Zahl zwar mehr geworden ist, das Drehmoment von 400 Nm doch früher anliegt. Die Ausstattungslinie des Test-Fahrzeuges war bei uns zweitrangig, unsere Lieblings-Ausstattung EXCLUSIVE mit Stern auf der Haube war jedoch verfügbar, wenn auch die weiße Lackierung nicht unser direkter Wunschkandidat war.

Der Ausstattungsumfang des Fahrzeuges, als Presse-Testfahrzeug, zeigte sich gewohnt umfangreich: nicht nur durch die Zahl der Assistenzsysteme, auch ein kurzer Blick in den Innenraum auf die 2 großen 12.3 Zoll Bildschirme mit COMAND Online Navigation bestätigte dies schnell.

Das Geräuschniveau der neuen Diesel-Motorisierung
Das Geräuschniveau des Fahrzeuges zeigte sich – nicht nur in den geringeren Drehzahlen – deutlich ruhiger, als je zuvor. Das bisherige Diesel-Nageln der Vorgänger-Motorisierung OM 651 ist hier nahezu Vergangenheit. Nur bei genaueren Hinhören hört man noch ein leichtes Nageln, was aber nicht weiter stört. An der Akustik hat man also klar nochmals gezielt Hand angelegt, nicht nur durch zahlreiche schalldämpfenden Kunststoffteilen im Motorraum, – auch die Common-Rail-Einspritzung mit bis zu 2.500 bar dürfte hier nicht ganz unschuldig an der Laufruhe des Triebwerks bzw. Gesamtfahrzeuges sein.

Abgasrückführung über das gesamte Kennfeld bis zur Vollast
Die SCR-Abgasreinigung wird in der OM654-Motorisierung erstmals in den Motorraum integriert, wodurch die Abgasnachbehandlung schneller auf Betriebstemperatur kommen kann und den neuen 2-Liter Vierzylinder parallel kompakter und effizienter macht. Mercedes macht sich hier bereits auf, sich auf die künftigen Abgasmessungen im Real Drive Emissions Verfahren (RDE) des Laborzyklus WLTP ab 2017 vorzubereiten, wo die Emissionen im realen Verkehr nicht mehr viel höher sein dürfen, als auf dem Prüfstand. Die Abgasrückführung erfolgt nun über das gesamte Kennfeld bis zur Vollast, da bereits bei der Verbrennung im Motor weniger Stickoxide entstehen, was die Last auf das Abgassystem reduziert. Das zur NOx-Bekämpfung verwendete AdBlue wird dazu im 25-Liter-Tank mitgeführt, wobei auf 1.000 km wohl rund 1 1/2 Liter verbraucht werden sollten.

Wird das Gaspedal im E 220 d einmal ein wenig forscher betätigt, bemerkt man jedoch schnell die bessere Elastizität des Fahrzeuges und das durchaus gute Zusammenspiel mit der 9-Gang-Automatik, welche meist zügig und unauffällig schaltet. Der OM654-Motor wiegt zusätzlich nun rund 46 Kilo weniger, als der Vorgänger – wohl auch ein Teil des Gesamtbildes, was das Fahrzeug noch dynamischer rollen lässt. Leistungsmangel somit Fehlanzeige, die vorhandenen Kräfte wirken so harmonisch und durchzugsstark auf die Antriebsräder im Heck.

Die Lenkung der neuen E arbeitet präzise mit angenehmer Unterstützung, die mit “Agility Control” verbundenen 4 Fahrprogramme lassen die Lenkunterstützung und das Schaltverhalten ebenso beeinflussen, wie die Federung oder die Gaspedalkennlinie. Im komfortablen Modus kommt es durchaus zu leichten Wank- und Nickbewegungen, wobei das Fahrzeug im Sport+-Modus dies nahezu vollständig unterbindet.

Das Platzangebot der 10. E-Klassen-Generation
Die neue E-Klasse verfügt im Interieur über 7 cm mehr Raum gegenüber der Vorgängerbaureihe 212. Während das Platzangebot für Fahrer und Beifahrer sich Richtung S-Klasse-Niveau orientieren, fehlt es – zumindest gefühlt – für die Fondpassagiere, sodass die Knie dort schnell einmal an den Vordersitzen anstoßen können. Dafür ist das Ambiente des Innenraumes umso höher angesiedelt.

Der Kofferraum umfasst nun mit 530 Liter 10 Liter weniger Volumen, bleibt aber weiterhin in der Klasse als nicht zu klein geraten.

Blick auf die Assistenzsysteme
Auf der Autobahn bedient man den Tempomaten gewohnt, wo der DRIVE PILOT durch zweimaliges Ziehen am Hebel aktiviert wird. Das Fahrzeug beschleunigt so auf die aktuell geltende Höchstgeschwindigkeit, wo neben den Navigationsdaten auch die Verkehrszeichenerkennung mit einfließt. Die gesteuerten Lenkvorgänge erfolgen nun flüssiger, als beim Vorgänger – für eine beeindruckende lange Zeit von aktuell 30 Sekunden. Wird die Straßenmarkierung schwächer, folgt die E-Klasse dem Vordermann – wobei der Fahrer die Vorgänge weiterhin überwachen sollte. Drückt man den Blinker 2 Sekunden nach unten, erfolgt der Einsatz der automatischen Überholfunktion – zumindest sobald der Totwinkelassistent freie Bahn meldet: die E-Klasse schert blinkend aus und wechselt selbstständig die Spur. Dabei erfolgt der Lenkeinschlag für uns sehr sanft, was die notwendige freie Fahrbahn für den geplanten Überholvorgang vergrößert. Sicherheit geht bei Mercedes vor, sodass ein Spurwechsel eher gemächlich und langsam erfolgt.

DRIVE PILOT in der neuen E-Klasse
Der DRIVE PILOT fungiert dabei zur Entlastung des Fahrers, warnt bei zu wenig Abstand, hält die Spur, oder überwacht auch das komplette Umfeld um das Fahrzeug als eine Art virtueller Begleiter. Das System reagiert mit 360 Grad um das Fahrzeug und reagiert bis 210 km/h. Der Verantwortliche bleibt jedoch der Fahrer, der weiterhin die Obergewalt über das Fahrzeug hat – und auch haben soll. Die Entscheidungen bleiben weiterhin dem Menschen überlassen. Übrigens: Erfolgt keine regelmäßige Rückmeldung des Fahrers, ob am Lenkrad oder am Touchpad am Volant, bremst das System das Fahrzeug ab und unter 60 km/h schaltet sich zusätzlich die Warnblinkanlage ein, bevor E Klasse komplett auf der Fahrbahn angehalten wird.

Neu ist auch die Notbremsfunktion, die bis 100 km/h den Unfall verhindern kann und bis zu 130 km/h stark abmildert, ebenso können Kollisionen mit Querverkehr vermieden werden (nun auch mit Car-to-Car-Kommunikation). Die E-Klasse unterstützt parallel beim Ausweichen bei rechtzeitiger Erkennung von querenden Fußgängern auf der Fahrbahn.

Eine durchaus sehr angenehme Funktion ist der Einparkassistent von Mercedes-Benz, der nun in der Baureihe 213 erstmals verfügbar ist: das System übernimmt nicht nur das Gas und die Bremse, sondern selbst die Schaltung. Längs und Querparken erfolgt in der E-Klasse auf Wunsch automatisch, wobei das Ein- sowohl das Ausparken vom System übernommen werden kann (mit Auswahl der jeweiligen Fahrtrichtung). Ausweichen vor Hindernissen und Querverkehr (mit Halt) inklusive. Das Ausparken und Einparken in Parklücken oder in die Garage erfolgt ebenso automatisch, auch außerhalb vom Fahrzeug mittels Mobiltelefon. Im Test durchaus beeindruckend, wenn auch die Parkgeschwindigkeit nicht an das meist manuelle Parken herankommt.

Das neue Infotainment in der E-Klasse
Die 2 neuen 12.3 Zoll-Displays mit virtuellen Cockpit des Widescreen Cockpits wirken auf den ersten Blick überfrachtet, doch die grafische Umsetzung überzeugt schnell. Zur Wahl stehen3 verschiedene Cockpits-Designs, die teils eine Art Umgewöhnung für den Fahrer – aber auch für die Insassen bedeuten. Modern ja, die Bedienung über die neuen Touch-Panels am Lenkrad bedürfen jedoch einige Zeit, bis sich der Fahrzeugführer darauf eingestellt hat. Wohlfühl-Ambiente aus der S-Klasse, wie Flächenheizung oder Massage mit Hot-Stone-Funktionalität halten in der Baureihe 213 nun ebenso Einzug. Vom Sitzgefühl her gibt es keinerlei Punkte, die bemängelt werden müssten, der Seitenhalt ist vorhanden, die Bequemlichkeit ist mehr als gegeben. Angenehm auffallend war dabei für uns die Kopfstütze, die gar für ein recht weiches Abstützen des Kopfes ermöglicht.

Kostenloser Datentransfer über das eigene KOM-Modul
Überraschend bietet man in der neuen E-Klasse nun übrigens erstmals einen eigenen Hotspot an, der mittels eingebauten KOM-Modul und eSIM (von Vodafone) kommuniziert. Besitzer des COMAND Online Systems erhalten so – bis auf Widerruf – aktuell sogar eine kostenlose Möglichkeit, europaweit in das Netz zu gehen. Updates der Kartendaten erfolgen ebenso mobil. Gegen Aufpreis ist der Hotspot selbst LTE-fähig, sonst kommuniziert er lediglich via UMTS.

Unser Fazit zur neuen E-Klasse
Die neue E-Klasse ist ein Sprung in die richtige Richtung – nach vorne. Das Infotainment ist gekonnt nahezu perfekt, die Bedienung mittels der neuen Touchpanels erfolgen intuitiv problemlos. Dass die Lautstärketasten sich jedoch jetzt links am Lenkrad befinden, erscheint uns noch recht ungewohnt.

Fahrtechnisch macht der OM654-Motor eine sehr gute Vorstellung, das “Nageln” des Vorgängers erscheint hier Geschichte zu sein, das eher zur Verfügung stehende Drehmoment wirkt angenehm, die Mehrleistung auf neue 194 PS für den E 220 d – der E 200 d folgt Mitte 2016 – ist mehr als Vorteilhaft. Das 9G TRONIC Automatikgetriebe schaltete meist unbemerkt, ab und an wohl aber einen Tick zu langsam.

Für uns: Überdacht bis ins Detail
Die Stuttgarter haben sich jedoch Gedanken gemacht, aus Fehlern gelernt – und platzieren das neue Modell so gekonnt an die Spitze im Segment, bevor die Mitbewerber wohl ab 2017 erneut versuchen, hier nachzuziehen. Die zahlreichen neuen und überarbeiteten Assistenzsysteme (die nicht bevormunden möchten, sondern angenehm hilfreich zur Unterstützung zur Seite stehen) der “neuen E” und das gebildete Gesamtpaket aus Fahrzeugdesign, Technik und Fahrverhalten des neuen Fahrzeuges mit Stern bildet jedoch eine sehr gute Ausgangslage, am Markt noch länger die Sperrspitze halten zu können. Glückwunsch nach Stuttgart !

Die Ausstattungen unseres Testfahrzeuges im Überblick:

E 220 d mit 194 PS / 400 Nm- Grundpreis: 47.124,00 in designo diamantweiß bright

  • Lackierung Aufpreis diamantweiß bright 1.963,50
  • 18 Zoll 5-Doppelspeichen-Design 1.309,00
  • EXCLUSIVE Exterieur 1.249,50
  • EXCLUSIVE Interieur 2.975,00
  • Polster Leder Nappa nussbraun / espessobraun 2.618,00
  • MULTIBEAM LED 2.320,50
  • AIR BODY CONTROL 2.261,00
  • KEYLESS-GO Paket 1.439,90
  • Servoschließen 654,50
  • Spiegel-Paket 654,50
  • Akustik-Komfort-Paket 1.309,00
  • Fahrassistenz-Paket Plus 2.856,00
  • Park-Paket 1.725,50
  • Fondsicherheits-Paket 702,10
  • AIR-BALANCE Paket 398,65
  • Klimatisierungsautomatik THERMOTRONIC 1.011,50
  • Wärme-Komfort-Paket 940,10
  • Memory-Paket 1.487,50
  • Aktiv-Multikontursitz-Paket 2.320,50
  • Sitzklimatisierung für Fahrer und Beifahrer 1.309,00
  • Panorama-Schiebedach 2.106,30
  • COMAND Online 3.272,50
  • Digitales Radio (DAB) 487,90
  • Kommunikationsmodul (LTE) 178,50
  • Burmester High-End 3D-Surround-Soundsystem 5.831,00
  • Head-up-Display 1.178,00
  • Widescreen Cockpit 1.011,50
  • Digitaler Fahrzeugschlüssel im Smartphone 119,00
  • Kabelloses Ladesystem für mobile Endgeräte 238,00
  • Kraftstofftank mit größerem Volumen 66 l 59,50
  • Reifen mit Notlaufeigenschaften 333,20
  • Einstiegsleisten beleuchtet 178,50
  • Fußmatten Velours 113,05
  • Ablage-Paket 101,15
  • Media Interface Kabel Kit 59,50

Der Gesamtpreis des Testfahrzeuges beläuft sich mit genannter Ausstattung somit auf 93.896,85 Euro inkl. MwSt.

Bilder: Daimler AG / MBpassion.de


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