Unserer längster Fahrzeugtest
Im Juli 2015 ist der #MBPolarSun Roadtrip am geplanten Zielpunkt am Nordkap angekommen – und bedeutete für uns eigentlich nur einen Zwischenhalt einer langen und faszinierenden Reise. Am Nordkap angekommen sollte unsere Reise noch ein ganzes Stück weitergehen: zurück nach Stuttgart. Oder anders gesagt: 4.500 Kilometer mit dem rassigen Mercedes-AMG GLE 63 S 4MATIC Coupé (C292).

585 PS und 760 Newtonmeter Drehmoment
Unser Startpunkt in Nord-Norwegen gleicht einer Mondlandschaft, aber auch ein passendes Umfeld für den Start einer Reise, die vom anderen Stern scheint. Eine Begründung liefert das GLE 63 S 4MATIC Coupé mit 585 PS und 760 Newtonmeter Drehmoment, was für uns eine stattliche Ansage ist.

Das in Norwegen ein Mercedes-AMG GLE Coupé aus der Rolle fällt und aus einer anderen Welt zu entstammen scheint, liegt aber auch an der Steuerpolitik des Staates, wo unter anderem aus Fahrzeuggewicht, Motorleistung und CO2-Ausstoß beim Neuwagenkauf eine Art Luxussteuer berechnet und dem Kaufpreis zugeschlagen wird. Im Fall des GLE 63 S Coupés müsste man wohl etwa dreiviertel des Grundpreises an Steuer zusätzlich bezahlen, wobei der Mehrwertsteursatz hier von 25 Prozent auch noch beachtet werden sollte. Das Fahrzeug aus Affalterbach ist vor Ort also ein absolutes Luxusmodell, mehr als er es das bereits in Deutschland selbst schon ist.

Bevor uns nun aber schwindlich wird, werfen wir lieber einen Blick auf das Exterieur des Topmodells der Baureihe C292, welches im US-Werk Tuscaloosa vom Band läuft.

Massige Karosserieform des SUV Coupés mit Stern
Der Eindruck des fast fünf Meter langen AMG GLE 63 S Coupé ist mächtig: Die massige Karosserieform signalisiert bereits im Stand viel Kraft, dieses gilt insbesondere für das respekteinflössende “Gesicht” des AMG GLE Coupés mit typischen A(MG)-Wing in der Frontschürze. Aber auch die großen Lufteintrittsöffnungen prägen die Frontansicht und lassen ansatzweise erahnen, dass unter der maskulinen Motorhaube ein leistungsstarker Motor mit viel Wunsch nach Frischluft steckt. Die LED-Scheinwerfer mit Intelligent Light System (ILS) sind in der GLE Baureihe übrigens bereits Serienumfang, unabhängig der Ausstattung der Motorisierung.

Optik im Exterieur: typische Werte aus Affalterbach
Nicht weniger ausdrucksstark zeigt sich das Heck des Fahrzeuges. Hier fällt uns vor allem die extrem breite Wirkung der kompletten Heckpartie auf, gefolgt von einem mächtigen Diffusor in der Mitte, der von der vierflutigen AMG-Abgasanlage seitlich begrenzt wird. Die schmal geschnittenen Rückleuchten – mit optischem Bezug auf das elegante S-Klasse Coupé – runden den sportlich dominanten Gesamteindruck des SUV Coupé gekonnt ab. Ein weiterer Blickfang sind die serienmäßigen 22-Zöller im AMG Kreuzspeichen-Design und wuchtiger 285er- und 325er-Bereifung. Ungefragt bleibt der erste Gedanke, was ein Ersatz-Hinterreifen oder gar kompletter Radsatz beim Händler wohl kosten würde – dem Käufer eines solchen Fahrzeuges wird das aber vermutlich egal sein.

AMG V8 – Ein Motor wie ein Hurrikan
Noch ganz mit den Gedanken bei den großen Walzen der Hinterachse, steigen wir in das Fahrzeug ein, starten das Kraftwerk aus Affalterbach und werden von jetzt auf gleich vom Inferno des V8 zurück in die Gegenwart geholt. Noch kalt brabbelt das GLE 63 Coupé dank Warmlaufsteuerung bei satten 1.100 Leerlaufdrehzahl-Umdrehungen vor sich hin und vertreibt, an diesem frühen und frischen Juli-Morgen im einsamen Nord-Norwegen, mit einem tief satt/sonoren Sound aus vier Endrohren jegliche Form der Müdigkeit beim Fahrer.

Viel Kraft aus 5,5 Liter Hubraum
Auf gehts – der Weg ist das Ziel, und so nehmen wir die ersten Kilometer unter die Räder. Rasch können wir feststellen, das die Leistungsentfaltung des 5,5 Liter V8 Motors dem Fahrer die ein oder andere Portion Respekt abverlangt. Der Motor ist ein regelrechter Hurrikan und setzt bereits nur das kleinste Zucken im Gasfuß in konsequenten Vortrieb um. Nur gut, das es in Nord-Norwegen noch einsam ist, zumal wir bei einem strikten Tempolimit von 80 km/h außerorts uns öfters extremst zurückhalten müssen. Zurückhaltung und Understatement ist angesagt, so können wir die Zeit nutzen, um auch diese Disziplin im GLE Coupé zu testen. Schwierig, doch den örtlichen Bußgeldkatalog vor Augen, mehr als eine Notwendigkeit.

Nungut: wir stellen das DYNAMIC-SELECT Wahlrad auf Comfort-Modus und die AIRMATIC Luftfederung bügelt so sehr gleichmäßig und harmonisch die meisten Stöße und Schläge der Fahrbahn für uns “glatt”. Das Fahrzeug zeigt sich mit leichter und direkter Lenkung sehr angenehm und bequem, ein guter Mix aus Komfort und Sportlichkeit.

Kilometer um Kilometer geht es so, teils auf sehr kurvenreichen und mit unzähligen Tunneln gespickten Straßen, quer durch Norwegen. Der erste Eindruck: Positiv und dynamisch. Nur selten kann und darf der AMG V8 allerdings dabei sein wahres Leistungsvermögen zeigen, meistens wird das Fahrzeug deutlich unterfordert. Die Fahrt geht mit 60 bis 80 km/h und einem satt tiefen Grummeln des Achtzylinders voran, die Umdrehungen pro Minute des AMG-Aggregates liegen nie mehr als 2.500. Die Motorsteuerung aktiviert teils sogar den “Segel”-Modus: dieses erfolgt, wenn der Fahrer das AMG GLE Coupé rollen lässt und im Schiebebtrieb die Motordrehzahl auf Leerlauf fällt. Ab diesem Moment schiebt das Fahrzeug dann kraftfrei und nutzt die eigene Schwungmasse aus. Mittels kleinen “Segelboot”-Piktogramm im Display des Kombiinstrumentes zeigt sich der Segelmodus als aktiviert, was aber ausschließlich im Comfort-Modus mit aktivierter Start/Stopp-Funktion funktioniert.

Vorbei an Trondheim und Lillehammer nach Oslo
Understatement-Test bestanden. Langeweile? Auf keinen Fall! Dafür ist der Sound des Powertriebwerks aus Affalterbach trotz der kaum vorhandenen Lastanforderung zu gut. Parallel sorgen kurzen Hoch-Momente, um ein oder mehrere Wohnmobile zu überholen, für Abwechselung. Freudig gieren Fahrer und Fahrzeug danach danach: Blinker links – rausziehen – Vollgas und zack ..vorbei. Es ist dieser kurze Augenblick, in dem man als Fahrer wiederholt die geballte Kraft und den Sound des GLE 63 S Coupés verspürt und leicht andeutet, was bei freier Fahrt möglich wäre… wenn man dürfte. Die virtuelle Handbremse bremst, auch wenn die Versuchung groß ist. Egal – wir fahren weiter vorbei an unzähligen Fjorden und absolvieren zahlreiche Städtebesuche, darunter in Narvik, Trondheim, Lillehammer sowie in der Hauptstadt Oslo mit dessen legendären Wahrzeichen: der Holmenkollen-Skisprungschanze.

Relaxed auf der schwedisch/dänischen Autobahn
Zwischenzeitlich in Schweden angekommen, darf das Coupé nach langer Zeit endlich wieder – erstmals – auf einer Autobahn rollen: vorbei an Göteborg und Malmö zur großen Öresund-Brücke. Doch Eile ist weiterhin ein Fremdwort….bei maximal 120 km/h geht es – unterstützt durch DISTRONIC Plus samt Lenkungsassistent –  entspannt mit Kurs auf Dänemark vorwärts. Der V8-Motor brabbelt lässig und unaufgeregt bei etwas über 2.000 Touren.

Wir stellen wir fest, dass das AMG GLE Coupé auch für die Langstrecke gemacht ist und sich das Fahrzeug auch nach weiter über 1.500 gefahrenen Kilometern nicht als “Krawallkiste” zeigt. Ein nerviger Motorsound oder gar Rückenschmerzen aufgrund eines harten Fahrwerkes, sind für den AMG GLE definitiv ein Fremdwort. Relax-Massage der optionalen Multikontursitze sei dank, können wir bequem Dänemark durchqueren und wenig später die Grenze nach Deutschland überschreiten. Zurück in der Heimat!

Schnelle Kilometer: Vollgas auf deutscher Autobahn
Deutschland – Autobahn und Zeit, das “andere Gesicht” des Mercedes-AMG GLE 63 S Coupés kennenzulernen. Waren wir bislang nur im Comfort-Modus von DYNAMIC SELECT unterwegs, wird nun auf SPORT-Modus geschaltet, wobei das Fahrzeug auch sofort reagiert und um zwei Gänge zurückschaltet. Das AMG-Aggregat erwacht, das Akustik-Schauspiel des V8-Motors zeigt sich sofort aggressiver und präsenter. Kurz die Bedingungen auf der Straße geprüft: kaum andere Verkehrsteilnehmer und kein Tempolimit – also: 3-2-1, Vollgas!

Der 5,5 Liter große AMG Biturbo schiebt mit aller Kraft aus seinen Achtzylindern das massige SUV-Coupé dermaßen brachial an, als würde es um Leben und Tod gehen. Die Insassen werden in den Sitz gedrückt und – trotz sportlicher Fahrwerksabstimmung – geht das GLE Coupé an der Hinterachse unter der Kraftlast deutlich spürbar in die Knie.

2.350 Kilo Fahrzeuggewicht bis 280 km/h beschleunigt
In wenigen Sekunden katapultieren wir uns zusammen mit den 2.350 Kilo Fahrzeuggewicht – über die 100 km/h-Marke, um nach einer gefühlten Winzigkeit später bereits die 200 km/h zu überschreiten.  Das AMG SPEEDSHIFT PLUS 7G-TRONIC schaltet dabei blitzschnell die Gänge hoch, so dass mit jedem Gangwechsel ein richtiger Schlag durch das ganze GLE 63 S Coupé einhergeht. Erst bei 280 km/h (in Verbindung mit dem aufpreispflichtigen AMG Drivers Package) stoppt unser Drang nach mehr Beschleunigung und werden sanft durch die Elektronic eingebremst.

MBPolarSun

Auf Wunsch: ein akustischer Gewittersturm
Ein beeindruckendes Schauspiel! Doch damit nicht genug: das Mercedes-AMG GLE Coupé präsentiert diese Fahrleistungen mit einer Soundkulisse, die nicht minder spektakulär ist. Wie ein regelrechter Gewittersturm donnert und grollt der V8 zwischen 3.500 und 6.000 Umdrehungen lautstark unter der Motorhaube und lässt – nicht weniger leise – auch das Umfeld über seine vier Endrohre im Heck daran teilhaben. Mit jedem Hochschalten der AMG 7G-TRONIC (unter Last) knattert und knallt es dermaßen laut aus dem Heck, das man als Fahrer fast den Eindruck bekommen könnte, die Abgasanlage würde explodieren. Herunterschaltungen werden genauso mit einem akustischen Feuerwerk aus gezielten Zwischengasstößen und einem ebenfalls lautstarken “rotzen” aus den Endrohren untermalt.

Jetzt im Sport-Plus-Modus fährt sich das GLE 63 S Coupé richtig messerscharf, deutlich ist eine sehr direkte Gaspedalkennlinie, die straffere Lenkung sowie die knallharten Schaltvorgänge der AMG SPEEDSHIFT PLUS 7G-TRONIC zu bemerken. Vor allem die zum Teil – für unseren Geschmack sehr ruppigen Schaltvorgänge- fallen an dieser Stelle auf.

So spektakulär die Fahrleistungen des GLE 63 S 4MATIC Coupés auch sind, ein Punkt hat uns bei ambitionierter Gangart dann doch nicht richtig überzeugen können: Bei Autobahngeschwindigkeit und langen Kurven neigt sich das Fahrzeug einfach zu sehr, der Aufbau hat zuviel Bewegung. Wenig Veränderung bringt daran auch nicht die serienmäßige Wankstabilisierung. Man bemerkt, wie das Fahrzeug mit seinem Gewicht und der Größe – im Zusammenspiel mit hohen Geschwindigkeiten, an den hohen Kräften zu arbeiten hat. In Summe wirkt sich das Verhalten leicht nachteilig auf die Spurführung aus.

Auch wenn in Sport und Sport+ die Luftfederung AIRMATIC eine deutliche Härte ins Fahrwerk bringt, die Kräfte bleiben spürbar. Zugleich zeigt sich hier ein leicht hölzernes Abrollverhalten, welches ziemlich starke Stöße in den Innenraum zulässt.

Norddeutschland passieren wir aufgrund der höheren Geschwindigkeiten regelrecht im Flug, mit einem kurzen Zwischenstopp bei Dämmerung in der Speicherstadt Hamburg. Via Hannover und Fulda geht die Reise danach weiter nach Stuttgart, zum Endpunkt des langen Roadtrips in Stuttgart-Möhringen.

Immer dabei im Ohr den kraftvoll bollernden AMG V8, der Kilometer um Kilometer immer wieder aufs Neue mit seinem Leistungsvermögen und seiner Charakteristik begeistern kann.

Nach 8 Tagen, rund 4.500 Kilometer Wegstrecke und unzähliger Fahrfreude im Mercedes-AMG GLE 63 S 4MATIC Coupé erreichen wir somit unser Ziel in Stuttgart-Möhringen, der “Piazza” auf dem Daimler AG-Gelände. Eine beeindruckende Fahrt im Topmodell des GLE Coupés aus Affalterbach ist zu Ende – und uns auch ans Herz gewachsen. 

GLE 63 S Coupé: Schick und Schnell
Nach den unterschiedlichen Straßenverhältnissen und zahlreichen Kilometern vom Nordkap zurück nach Stuttgart zeigte sich für uns, das richtig schnelles Fahren im GLE 63 S 4MATIC Coupé am besten nur in der Geradeaus-Fahrt absolviert wird. Sucht man nach sportlichen und dynamischem Kurvenfahrten (was das Luxus SUV-Coupé definitiv gut kann), sollte dies doch eher im mittleren Geschwindigkeitsbereich auf einer Landstraße getan werden: unter diesem Fahrprofil hat uns das GLE 63 S 4MATIC Coupé, auf den verschlungenen Straßen in Mittel-Norwegen, dann doch deutlich besser und handlicher gefallen und mehr Freude am Fahren vermittelt.

Luftfahrwerk und Wankstabilisierung hatten im mittleren Geschwindigkeitsbereich weniger Mühe, mit der Masse und dem hohen Aufbau des GLE Coupés zurechtzukommen, so dass sich das Fahrzeug für uns viel ausgeglichener präsentierte. Ein Punkt muss jedoch nicht diskutiert werden: die Traktion, die mit dem Allradantrieb im Verhältnis 40:60 nahezu immer vorhanden ist und die Kraft optimal auf die Straße bringt. Die extrem breiten Reifen – insbesondere an der Hinterachse – tragen für den positiven Gesamteindruck viel bei. Die breiten Reifen des Fahrzeuges mögen jedoch weniger tiefe Spurrillen, welche wir oft in Norwegen vorfinden konnten.

Unser Gesamteindruck vom Fahrzeug bleibt in der Summe jedoch: groß, schnell, gut – und für uns auch richtig schick!

Übrigens: Den Normverbräuche von 11,9 Liter auf 100 km haben wir auf unserer Tour fast problemlos erreichen können, ohne große Mühe konnten wir das Fahrzeug auf mehreren Etappen mit 12-13 Liter (SuperPlus) bewegen. Spielerisch lässt sich der Schnitt aber auch verdoppeln: bei freier Fahrt, meldet der 93-Liter Tank bereits nach rund 300 Kilometer den Reservestand.

Der Testwagen im Detail:
GLE 63 S 4MATIC Coupé 125.485,50 €
Cavansitblau metallic 1.047,20 €
22″ AMG Leichtmetallräder im Kreuzspeichen-Design titangrau lackiert 0,00 €
Leder Exklusiv Nappa AMG espressobraun/schwarz 0,00 €
AMG Driver‘s Package 892,50 €
AMG Performance Lenkrad in Leder Nappa schwarz/Mikrofaser DINAMICA 0,00 €
AMG Abrisskante in Wagenfarbe 0,00 €
AIRMATIC-Paket 0,00 €
ACTIVE CURVE SYSTEM 0,00 €
Fahrassistenz-Paket Plus 2.677,50 €
Park-Paket mit 360°-Kamera 1.654,10 €
Innenhimmel designo Mikrofaser DINAMICA schwarz 1.904,00 €
Holz Esche braun offenporig 499,80 €
Memory-Paket 1.059,10 €
Multikontursitze für Fahrer und Beifahrer 1.309,00 €
Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer 0,00 €
Klimatisierungsautomatik THERMOTRONIC 797,30 €
Ionisierung der Innenluft mit Luftfilter 339,15 €
Wärmedämmend dunkel getöntes Glas 464,10 €
Verbundsicherheitsglas 1. Sitzreihe 731,85 €
Ambientebeleuchtung 416,50 €
Spiegel-Paket 642,60 €
COMAND Online 3.510,50 €
Digitales Radio (DAB) 487,90 €
Bang & Olufsen BeoSound AMG 4.938,50 €
TV-Tuner 1.178,10 €
Komfort-Telefonie 476,00 €
Media Interface Kabel Kit 59,50 €
Cupholder temperiert für Fahrer und Beifahrer 249,90 €
Gesamtpreis 150.820,60 €

Bilder: ©Philipp Deppe / MBpassion.de


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