Der neue Mercedes-Benz Vito greift die Konkurrenz an: mit gesenkten Einstiegspreis von unter 18.000 Euro netto soll der neu designte Transporter der Stärkste, Effizienteste, Sicherste und Robustete seiner Klasse sein. Clever durchgedacht ist es: das Fahrzeug gibt es in 3 Längen, zwei Radständen und 3 Antriebssystemen. Zeit, das Fahrzeug am Entstehungsort in VITOria in Spanien probe zufahren.

Vito Gruppe, Bilbao & Vitoria, Spanien 2014

Vito Gruppe, Bilbao & Vitoria, Spanien 2014

Der neue Vito von Mercedes-Benz ist als einziger seiner Art nun in drei Längen, zwei Radständen und 3 Antriebssystemen bereit. Als “Vito Mixto” kombiniert er zwei Sitzreihen mit einem großen, fensterlosen Laderaum – als “Vito Tourer” bietet er einen Kleinbus mit bis zu 8 Sitzplätzen. Als Vito Kastenwagen bietet er maximalen Stauraum. Die Zuladung des neuen Vitos liegt bei bis zu 1369 Kilogramm, die Anhängelast bei bis zu 2.5 Tonnen.

Vito Gruppe, Bilbao & Vitoria, Spanien 2014

Vito Gruppe, Bilbao & Vitoria, Spanien 2014

Neben den bekannten Versionen von Heck- oder Allradantrieb gibt es das neue Modell auch mit kleinen Motoren und Frontantrieb, was durch den Wegfall der Kardanwelle nicht nur Produktionskosten spart, sondern auch noch reichlich Gewicht. Ideal für viel Platz und Nutzer, die eher keine schwere Lasten bewegen müssen gibt es das Modell mit 1.6 Liter mit 88 oder 114 PS. Nur die Motorisierungen für die Fronttriebler (quer eingebaut) kommen dabei aus der Zusammenarbeit mit Renault.

Heckantrieb von 136 bis 190 PS
Für schweres Transportgut oder Anhängerbetrieb stehen die Hecktriebler (136 bis 190 PS, OM651) bereit – dessen mittlere Leistungsstufe mit 163 PS mit 5.7 Liter auf 100 Kilometer nach NEFZ-Messung der sparsamste Neuling ist – und genau diesen haben wir uns als Testfahrzeug ausgesucht. Bevor wir uns die OM651-Motorisierung ausgesucht hatten, fuhren wir jedoch auch den kleinen 88PS-Motor in der Innenstadt und Überland – und selbst für solche Zwecke reicht das von den Pferdestärken.

Auch die Basismotorisierung mit 1.6 Liter Hubraum zieht ordentlich durch und läuft für ein reines Nutzfahrzeug sehr angenehm leise und kultiviert. Fährt man hingegen auf bergigen Strecken, tut sich das Fahrzeug hier schwerer – wirkt aber nicht überfordert (wohl auch an Hand der besseren Dämmung gegenüber dem Vorgänger). Interessant, der Wendekreis: 11.8 Meter für die Heckantriebs-Varianten, 12.9 Meter für  den Vito mit Frontantrieb können sich sehen lassen!

Interieur mit Anleihen an die neue V-Klasse
Das Interieur des neuen Vitos ist, auch wenn das Exterieur sehr an die V-Klasse (BR 447) von Mercedes-Benz erinnert, stärker als Nutzfahrzeug zu erkennen – deutlich nüchterner und einfacher, jedoch durchaus funktionell und robust. Das Radio ist dabei ebenso aus dem größeren Sprinter bekannt, als optionale Navigation dient der Becker MAP Pilot, ein COMAND-System ist hingegen nicht erhältlich. Neben den Radiogerät findet sich nun eine Smartphone-Ablage mit USB-Anschluss (wo problemlos selbst ein iPhone 6 Plus geladen und ebenso abgelegt werden kann!.

Breitere, größere Ablagen
Der neue Vito bietet jedoch größere Ablagen, breitere Sitzflächen, sowie bessere Verstellmöglichkeiten der Sitze. 1.5 Liter-Flaschen passen problemlos in die Türen, der Kaffeebecher hat eine Halterung auf der Instrumententafel, wo auch Fächer für Klemmbrett & Co vorhanden sind. Die Instrumente sowie die Bedienelemente sind stark an einen PKW angelehnt, das Multifunktions-Lenkrad, Navigation, oder die Audio-Systeme gibt es optional gegen Aufpreis.

Serienmäßig sind bereits Seitenwind-Assistent und ESP an Bord, optional sind Spurhalte-, oder Toter-Winkel-Assistent ebenso orderbar, wie Rückfahrkamera, intelligentes Lichtsystem ILS mit LED-Licht, oder Parksystem (dabei automatisch lenkt und – mit Automatikgetriebe – auch noch selbstständig bremst!).

Positiv sind breite Sitzflächen mit guten Verstell-Optionen sowie hohen Seitenwangen der Rückenlehnen, die bei den Insassen für einen guten Komfort Sorgen. Bei der Länge der Transportgegenstände der Ladefläche ist übrigens im neuen Vito bei 3.06 Meter Ende, erst ab der zweiten verfügbaren Fahrzeuglänge passen 3 Euro-Paletten in den Laderaum. Der Laderaum ist 1.685 mm breit, der Abstand von 1.270 mm zwischen den Radkästen erlaubt problemlos die grundsätzliche Beladung mit Europaletten quer zur Fahrt­richtung. Aus den Laderaummaßen des neuen Vito ergibt sich ein Lade­volumen von 5,5 m³ für den Vito Kompakt, 6,0 m³ für den Vito Lang bzw. 6,6 m³ für den Vito Extralang.

Unser Fahrtest
Der Vito fällt im Fahrtest durch ein sehr gutes Fahrwerk auf, gewöhnungsbedürftig ist hingegen die neue elektromechanische Lenkung, die zumal sehr leichtgängig abgestimmt ist. Der Kastenwagen ist straff und hart ausgelegt, um Lasten bis 1369 Kilogramm zu transporieren (der Tourer ist hingegen eher sanfter abgestimmt).

Die Motorisierung mit 163 PS des OM651-Selbstzünders zeigt sich dabei sehr souverän. Unser Testfahrzeug hatte zwar leider nicht die 7G TRONIC Wandlerautomatik verbaut, die für die stärkeren Motoren im Angebot ist, aber auch die 6-Gang-Handschaltung fuhr sich überraschend angenehm. Hatten wir eigentlich zuvor eine Abneigung gegenüber den Handschalter, weil wir einfach bequemer fahren wollten, war dies eigentlich total unbegründet. Die Handschaltung zusammen mit den OM651 Dieselmotor fuhr sehr sanft und bequem, was wir eigentlich so gar nicht erwartet hatten. Nach einigen Kilometer Wegstrecke war die Handschaltung aber für uns auch unrelevant.

Was sich eher bemerkbar machte, war das zusätzliche Ladegewicht, das uns die Verantwortlichen von Mercedes-Benz mit auf den Weg gegeben hatten – “leer fahren kann jeder, das Fahrzeug soll schon zeigen, was es unter Last kann”. So fuhren wir mit rund 450 Kilogramm Gewicht auf der Ladefläche durch das Baskenland und wünschten uns kurzzeitig die Spitzenmotorisierung mit 190 PS – angesichts der Bußgelder vor Ort passten die Umstände aber so, wie es ist. Unsere zusätzliche Last im Laderaum machte sich im bergigen spanischen Baskenland durchaus bemerkbar und forderte uns einige male doch auf, zurückzuschalten – aber alles im passenden Rahmen. Die uns bekannte “HOLD”-Funktion des PKW-Bereiches gibt es aktuell aufgrund des maximalen Gesamtgewichtes im Vito noch nicht, “aber wir arbeiten bereits daran”, so hieß es vor Ort. Bequem wäre es gewesen, geht aufgrund des notwendigen Halten der Bremskraft im Stand aktuell technisch jedoch noch nicht.

Funktionell und zweckmässiges Interieur
Im Interieur zeigt sich das Innenleben des neuen Vitos aus örtlicher spanischen Produktion als funktionell und zweckmässig – die Tasten sind da, wo diese für uns hingehören. Wir hatten vorab eigentlich das Interieur der V-Klasse inkl. Zierelement erwarten. Aber halt – wir haben ein Nutzfahrzeug, welches vor allen robust und zweckmässig sein soll, und das zeigt sich neben unlackierten Stoßstangen (für niedrige Kosten bei Unfällen) ebenso, wie das fehlende Angebot eines COMAND-Systems für die Navigation. Als Navigation dient das BECKER Map Pilot System zusammen mit dem Audio 15 Radiogerät, welches bereits aus der aktuellen Sprinter-Generation bekannt ist. Zweckmässig für ein Arbeitstier und im Preis-Leistungs-Vergleich absolut ausreichend, auch wenn man ab und an mit der besseren Bilddarstellung des großen COMAND Displays wohl besser bedient wäre. Einige Elemente sind jedoch trotzdem aus der V-Klasse bekannt, sei es der Schalter für die Sitzheizung, Spiegel, oder die Leiste der Assistenzsysteme links vom Lenkrad.

Der Vito wird übrigens im Mercedes-Benz Werk im spanischen Vitoria produziert, – daher auch sein Name, was uns bislang aber so nicht bekannt war.

Vito Gruppe, Bilbao & Vitoria, Spanien 2014

Wartungsintervalle nun bei 40.000 Kilometer
Die Grundvariante des Vitos ist aktuell rund 1.000 Euro günstiger als der Vorgänger, die Wartungsintervalle wurden von 30.000 auf 40.000 Kilometer erhöht – und für die Gewerbekunden soll es auch noch einen 24-Stunden-Service bei Pannen geben. Der Vito als Nutzfahrzeug ist in der neuen Generation also eine Attacke Richtung Wolfsburg, wenn diese mit dessen aktuellen Angebot wohl schon überrannt wurden. Mit dem Vito möchte Mercedes-Benz einen Alleskönner etablieren, dabei einen hohen Nutzwert bei geringen Kosten – als Transportmeister in der Klasse der Mid-Size-Vans. Wir denken, der Vito kann es so durchaus schaffen.

Blick auf die wichtigsten Ausstattungen des Testfahrzeuges:

Vito Kastenwagen 116 CDI, 2.143 cm3, 163 PS, 378 Nm, 6-Gang Schaltgetriebe, Hinterradantrieb

Grundpreis: 34.236,30 Euro inkl. MwSt, Laderaumlänge 2.831mm (Radstand 3.200 mm)

  • indiumgrau  metallic Lackierung 856,00 Euro
  • Stoff Tunja schwarz, 0,00 Euro
  • Länge/Breite/Höhe in mm: 5.140 / 1.928 / 1.911
  • Leichtmetallräder 7.5Jx18 glanzgedreht mit 245/45 R18  1.612,00 Euro
  • Dachreling 370,00 Euro
  • Multifunktionslenkrad mit Reiserechner 370,00 Euro
  • Kraftstoffbehälter groß 80,00 Euro
  • Audio 15 596 Euro
  • Becker MAP PILOT 515,00 Euro
  • Außenspiegel beheizbar und elektrisch verstellbar 214,00 Euro
  • Aktiver Park-Assistent, Rückfahrkamera
  • Dachbedieneinheit mit 2 Lesespots
  • LED Lichtband im Laderaum 90,00 Euro
  • COLLISION PREVENTION Assist 0,00
  • Thorax-Pelvis-Sidebag Fahrer 199,00 Euro
  • Windowbag Fahrer und Beifahrer 436,00 Euro
  • LED Intelligent Light System 1.550,00 Euro

Gesamtpreis des Testfahrzeuges: 36.942,00 Euro zzgl. 7.018,98 Euro MwSt = 43.960,98 Euro inkl. 19 % MwSt.

Das Fahrzeug steht übrigens seit wenigen Tagen bereits beim Händler – wir freuen uns über Eindrücke via Kommentar von den eigenen ersten Probefahrten!

Bilder: Andreas Lindlahr / sowie MBpassion.de


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