Am 31. Mai 2014 steht die neue V-Klasse beim Händler. Wir konnten bereits vorab das V 250 BlueTEC-Modell  in der Ausstattungslinie “Avantgarde” probefahren. Unsere Wegstrecke ging von Hamburg über St. Peter Ording auf die Ferieninsel Sylt. Die V-Klasse zeigte sich unterwegs als angenehme, langstreckentaugliche Großraumlimousine.

Größte Motorisierung: der V 250 BlueTEC – kein 6-Zylinder geplant
Die neue V-Klasse von Mercedes-Benz steht Ende Mai 2014 beim Händler -und tritt dann gezielt gegen den VW Bus aus Wolfsburg an. Die Motorisierung für die neue V-Klasse wird  von 136 bis 190 PS mittels OM 651 Diesel-Motor angeboten. Ein V6 Diesel ist ebenso nicht geplant, wie aktuell keine Benzin-Varianten (zumindest für den deutschen Markt).  Die Spitzenmotorisierung des V 250 BlueTEC leistet 190 PS bzw. kurzzeitig bis zu 204 PS (150KW) auf den vorhandenen Heckantrieb. Das Drehmoment steigt  von 440 auf 480 Newtonmeter. Geschaltet wird, je nach Motorisierung, mittels 6-Gang Schaltgetriebe oder 7G TRONIC Automatik.

Unser Testfahrzeug, eine V-Klasse V 250 BlueTEC von Mercedes-Benz mit 190 PS, ist mit serienmäßigen 7-Gang Automatikgetriebe ausgestattet. Der Grundpreis der Motorisierung startet ab 56.917,70 Euro. Eine 9-Gang Automatik (9G-TRONIC) ist in der V-Klasse (BR 447) dabei nicht geplant, was uns der Produktmanager des Modells auch im direkten Gespräch bestätigte.

Die Großraumlimousine – eine Alternative für die R-Klasse
Die V-Klasse wurde von Mercedes-Benz komplett überarbeitet und unterscheidet sich von dessen direkten Vorgänger des Vianos zum Teil recht deutlich. Der Hersteller hat nicht nur das Außendesign umfassend überarbeitet, sondern setzt im Interieur jetzt deutlich hochwertigere Materialen ein. Um das Fahrzeug näher in den PKW-Sektor anzusiedeln, wird außerdem von einer “Großraumlimousine” gesprochen, die als Allzweckmobil für Platz von bis zu 8 Passagieren dienen soll. Optisch wurde das bis zu 5,14 m lange Fahrzeug durch zwei gen Heck aufsteigende Karosseriefalze optisch gestreckt, die Heckklappe ist dabei weiterhin steil abfallend (wobei sich die Heckscheibe nun gesondert öffnet lässt).

Im Interieur bietet Mercedes-Benz nun endlich bessere, hochwertigere Materialen – die Aufpreisliste ist hier jedoch weiterhin entsprechend lang. Die optionale edle Gestaltung des Innenraums kann sich durchaus sehen lassen: Leder mit gesteppten Nähten, eingepasstes Holzdesign (kein Echtholz), ein geschwungenes Armaturenbrett – wie es bereits in der C-Klasse bekannt ist.

Optisch auffallend ist das freistehende Display mit großen Rahmen (angeblich aufgrund besserer Innenraumcrashwerte). Mittig findet man das Touchpad, welches bereits aus der neuen C-Klasse bekannt ist, sowie u.a. der AGILITY SELECT Schalter, worüber der Fahrer zwischen 4 Fahrprogrammen wählen kann: Eco, komfortabel, sportlich und manuell – hier wird das Ansprechverhalten von Fahrpedal, Getriebe und Motor angepasst (der Overtorque von 10kw steht hier nur bei Sport, Comfort und Manuell zur Verfügung).

Nur 7G TRONIC – aktuell kein 9G in der V-Klasse geplant
Technisch bietet die V-Klasse nun fast alle Assistenzsysteme der neuen C-Klasse. Aktive Systeme der Limousine, wie der Spurassistent oder der Totwinkelassistent, bekommt die V-Klasse jedoch leider nur als passive Variante. Distronic PLUS ist in der neuen Großraumlimousine nun vorhanden, jedoch wurde der Lenkassistent sowie der Staufolgeassistent für ein späteres Facelift des Modells aufgespart – aus unserer Sicht eher unverständlich, hatten wir diese Funktionen eigentlich erwartet. Als Getriebe gibt es nun endlich das gut schaltende 7G TRONIC Automatikgetriebe. Für unsere Ansprüche sind die 7 Gänge  übrigens absolut ausreichend, wenn auch 2 zusätzliche sicherlich ein wenig für die Spritersparniss  beigetragen hätte.

Unser Fahrtest im V 250 BlueTEC
Wir übernahmen die neue V-Klasse direkt am Hamburger Flughafen: 190 PS verpackt im V 250 BlueTEC. Das Wetter in Hamburg zeigte sich dafür eher unpassend: teils starker Wind mit Regen, was sich auf der Wegstrecke nach St. Peter Ording im größten Teil durchzog. Unschön, so richtig Glück hatten wir hier nicht.

Im Ersteindruck zeigte sich die V-Klasse zuerst ungewohnt, was auch dem Gewicht und den Maßen des Fahrzeuges geschuldet war. Das Fahrgefühl in der V-Klasse möchte Mercedes-Benz möglichst nahe an die PKW-Modelle gebracht haben – Pkw-ähnlich ist es durchaus, wie wir feststellen konnten. Trotzdessen bleibt die V-Klasse ein großes Fahrzeug mit hohen Schwerpunkt und verhält sich in Punkto Fahrdynamik auch noch teilweise noch so. Der Einstieg ist jedoch bequemer den je, die Sitzposition ist fahrzeugtypisch erhöht, das größere Lenkrad erinnert jedoch noch ein wenig an den Transporter-Sektor. Beinfreiheit bietet die V-Klasse jedoch grundsätzlich überall mehr als ausreichend.

Die Memory-Funktion der Sitze – bekannt aus den anderen PKW-Modellen mit Stern – fanden wir im Interieur passend angeordnet, die mechanische Verstellung der Lenksäule trotz vollelektrischer Sitze wunderte uns jedoch. Die Taste für Sitzheizung und Sitzbelüftung ist in den Türen untergebracht – an dessen Position wollten wir uns aber irgendwie nicht so richtig gewöhnen konnten, auch wenn das Bedienkonzept ansonsten sich intuitiv bedienen lässt.

Vom Sitzkonzept lässt sich das Fahrzeug als 6-, oder gegen Aufpreis als 7-, oder 8-Sitzer variabel nutzen. Serienmäßig sind im Fond 4 Einzelsitze platziert, optional lassen sich 3er Sitzbänke in der ersten und in der zweiten Fondreihe verbauen (somit Platzerhöhung im Fond auf fünf oder 6). Dank Sitzschienensystem mit Schnellverriegelung können die Sitze variabel platziert oder komplett ausgebaut werden, falls der Laderaum benötigt wird. Einzelsitze lassen sich hingegen nicht direkt drehen – und müssen hierzu ausgebaut werden.

Der Laderaum der V-Klasse umfasst bis zu 5.010 Liter (in der extralangen Variante – für Kompakt 4.200 und Lang 4.630 Liter) , aufgrund der reduzierten Innenraumhöhe- und Länge ist dieser gegenüber dem Viano jedoch reduziert.  Sind im Fond Einzelsitze eingebaut, beträgt das Laderaumvolumen 610, 1.030 bzw. 1.410 Liter. Via Sonderausstattung ist eine Laderaumunterteilung mit 2 Einkaufsboxen (bislang nur Limousinen aus München bekannt), die EASY-PACK Heckklappe für elektrisches Öffnen und Schließen oder mit herausnehmbare Zurrösen für die Sitzschienen zur Befestigung von Ladegut noch komfortabler nutzen.

Beschleunigung: 9.1 Sekunden auf 100km/h
Bei der Beschleunigung merkt man die Maße des Fahrzeugs hingegen: Der V 250 BlueTEC erreicht zwar 206 km/h Spitzengeschwindigkeit, das aber nach unserer Erfahrung eher schleppend. In 9.1 Sekunden überschreitet man die 100 km/h – bis 160 km/h geht dies auch noch recht flott, bis zur Höchstgeschwindigkeit muss man danach jedoch erhebliche Geduld mitbringen. Der Motor ist weniger zu hören, als zuvor im Vorgänger – er “heult nur selten auf”, die Dämmung ist nun deutlich verstärkt.

Die V-Klasse soll kein Sportwagen sein, dafür sind die 2.2 Tonnen das Fahrzeuges auch sehr komfortabel abgestimmt. Unser Testfahrzeug hatte das Sportfahrwerk verbaut, was das Fahrzeug 15 mm tieferlegt (Federrate angepasst, Stabilisatoren verstärkt). Die Dämpfung aller Federelemente sind in der Zug- und Druckstufe gegenüber dem serienmäßigen Komfort-Fahrwerk verstärkt. Durch das Fahrwerk hatten wir einen niederigeren Schwerpunkt und eine sehr gute, optimierte Straßenlage – die Auslegung auf hohe Fahrdynamik bemerkte man.

Die Lenkung der V-Klasse war angenehm leichtgängig und in Verbindung mit der limousinenähnlichen Charakteristik des Fahrwerks mehr als Langstreckentauglich. So soll das auch sein! Querfugen oder schlechter Fahrbahnbelag bügelt das neue Modell meistens problemlos weg, das sah beim Viano-Vorgänger noch eindeutig schlechter aus, welcher insbesondere auf der Hinterachse immer etwas hart und star wirkte.  Ein neuer serienmäßiger Seitenwindassistent (via ESP-Sensoren) sorgt für mehr Spurtreue bei starken Seitenwindböen (für einen Seitenwindtest fehlte uns jedoch die entsprechende Windstärke,  so dass wir keine Eingriff feststellen konnten).

Ablageflächen für die vorderen Insassen: Mangelware?
Nicht ganz so gut gelöst hat man im neuen Modell die Ablageflächen für Fahrer- und Beifahrer. Die Ablagen unterhalb der Mittelkonsole lagen uns zu tief, – und sind für den Fahrer während der Fahrt schlecht einsehbar. Ablagen vorne sind eher Mangelware, wäre hier nicht das Handschuhfach für größere Gegenstände. Wir wünschten uns eigentlich noch kühl bzw. heizbare Getränkehalter, wie aus GL- oder ML gewohnt, doch auch das ist nicht erhältlich. Gut gelöst zeigten sich hingegen die Flaschenhalter im Fond, welche sich jedoch noch im Prototypenstatus befanden. Die Serie erhält hier noch zusätzliche Halterungen für die dort vorgesehenen Getränkeflaschen.

Bei den Ablagen ist neben den abschließbaren Handschuhfach ein Brillenfach in der Dachbedieneinheit untergebracht, links vom Multifunktionslenkrad ist ein Karten- und Münzhalter angebracht – sofern keine Assistenzsysteme verbaut sind. In die Türablagen passen Verbandkasten und Warndreieck, jedoch auch jeweils eine 1.5 Liter Getränkeflasche. Ein offenes Ablagefach in der Mittelkonsole mit 2 Getränkehalter (sofort die optionale Mittelkonsole Luxus mitbestellt wird) ist vorhanden – für uns, wie bereits erwähnt, jedoch zu tief.

Die Bedienung der V-Klasse selbst, ist man andere Modelle von Mercedes-Benz gewohnt, problemlos. An die Größenverhältnisse des Fahrzeuges muss man sich hingegen gewöhnen, hier helfen jedoch die optionale Assistenzsysteme und die optionale 360-Grad-Kamera. Richtig gut gelöst ist die elektrische Heckklappe und die dort optional – separat zu öffnende Heckscheibe, hier finden problemlos Personen darunter Platz. Gefallen hat uns die Sprachverstärkungsfunktion für den Fahrer, um mittels Mikrofon und Lautsprecher die hinteren Mitfahrer anzusprechen. Warum man die Verstärkungsfunktion jedoch nur für eine Richtung integriert hat, von Fahrer zu Mitfahrern im Fond – bleibt aber ebenso fraglich – das kann die Konkurrenz leider noch besser. An der gefühlten Qualität im Interieur und den extrem hochwertigen Materialien wird die Konkurrenz jedoch eine Zeitlang zu knabbern haben.

Unser Fazit:
Die V-Klasse ist für uns *der* Begleiter auf längerer Strecke – auch gerne als Sport-Funktionsmobil oder Shuttle zu Veranstaltungen. Entspannt mittels V-Klasse von A nach B, auch ohne Luftfahrwerk, sind eine der Stärken des Fahrzeuges.  Das neue Modell hat Kleinigkeiten, die uns nicht gepasst haben, wie tiefe Getränkehalter oder fehlende aktive Assistenten,  in der Summe ist das aber verschmerzlich. Der 190 PS-Diesel lässt uns im Durchzug keinen 6-Zylinder vermissen, auch wenn dieser klangmässig die Oberhand hätte. Die Automatik ist bewährt.

Übrigens: Beim Spritverbrauch lagen wir übrigens rund 1,5 Liter über den Herstellerangaben, wobei der rechte Fuß auf der Rückfahrt nach Hamburg einfach zu schwer war.

Auf unserer “umbedingt mitbestellen”-Liste steht übrigens nicht nur die neue automatische Heckklappe, sondern auch der klappbare Tisch für den Fond und das neue LED Intelligent Light System. Ebenso die Assistenz-Systeme mit DISTRONIC PLUS und die Belüftung/Sitzheizung der Vordersitze sind fix zu ordern. Das Fahrzeug steht am 31. Mai 2014 beim örtlichen Händler.

  • V 250 BlueTEC AVANTGARDE lang 2.800kg          56.917,70 €
  • Bergkristallweiß Metallic 1.018,64 €
  • AVANTGARDE Sport-Paket Exterieur 850,00 €
  • AVANTGARDE Design-Paket Interieur 2.380,00 €
  • Sportfahrwerk mit Tieferlegung 0,00 €
  • Leder NAPPA schwarz 0,00 €
  • Innenhimmel Stoff schwarz 297,50 €
  • LED Intelligent Light System 0,00 €
  • Fahrassistenz-Paket 1.428,00 €
  • Sitzklimatisierung für Fahrer und Beifahrer 1.285,20 €
  • Fahrersitz und Beifahrersitz elektrisch 2.375,24 €
  • Elektr. Betätigung für Schiebetür rechts 880,60 €
  • Elektr. Betätigung für Schiebetür links 880,60 €
  • Klimatisierungsautomatik THERMOTRONIC 709,24 €
  • Klimaautomatik TEMPMATIC im Fond 859,18 €
  • Warmwasser-Zusatzheizung 1.137,64 €
  • Funkfernbedienung für Warmwasser-Zusatzheizung 437,92 €
  • COMAND Online inklusive Verkehrszeichen-Assistent 3.510,50 €
  • Burmester Surround-Soundsystem 922,25 €
  • Mittelkonsole mit Rollo 113,05 €
  • Tisch-Paket 767,55 €
  • Colorverglasung im Fond 456,96 €
  • Spiegel-Paket 535,50 €
  • Park-Paket mit 360°-Kamera 1.606,50 €
  • EASY-PACK Heckklappe elektrisch 702,10 €
  • Kraftstofftank mit größerem Volumen 70 l 0,00 €
  • 2 Cupholder aufsteckbar in Armlehnen hinten 47,60 €

Der Gesamtpreis des V 250 BlueTEC Avantgarde (lang, 2.800kg) kommt mit genannten Zubehör auf 80.119,47 €.

Bilder: Dirk Weyhenmeyer / Markus Jordan (Canon 6D)
Mit freundlicher Unterstützung von Canon Deutschland


Werbung: