Sie sind stolz auf ihre noblen Klassiker: Die 1.300 Mitglieder des Mercedes-Benz S-Klasse Club e. V., weltweit der einzige offiziell von Mercedes-Benz Classic anerkannte Club mit Ausrichtung auf die Oberklasse-Fahrzeuge mit dem Stern.

Ansässig ist er in Deutschland, doch die Mitgliederschaft ist international. Was sie an der S-Klasse begeistert? Zeitlose Eleganz, Kraft, Sicherheit und Komfort – seit jeher die Tugenden der Oberklasse-Automobile der Stuttgarter Marke.

Dass sich mit den faszinierenden Fahrzeugen und seinen Werten mühelos ein reges Clubleben gestalten kann, das zeigt der S-Klasse Club in seinen breit gefächerten Aktivitäten. Ein alljährliches Highlight ist das Club-Jahrestreffen. 2012 war Dresden der Ort der Zusammenkunft edler Fahrzeuge und ihrer Besitzer; in diesem Jahr werden sie sich in Hamburg versammeln. Beim Schlendern durch die Fahrzeugreihen in Dresden fällt immer wieder der Ausspruch: „Die S-Klasse ist für die Ewigkeit gebaut.“ Und niemand mag widersprechen. Die Prachttypen der automobilen Oberklasse schmücken nicht nur die Szenerie um Schloss Eckberg, wo das Treffen ausgerichtet wird. Auch während der gemeinsamen Ausfahrt lösen sie allseits große Bewunderung aus.

Club-Präsident Thomas Sterl sieht die S-Klasse als Kulturgut und ist ihr schon vor vielen Jahren verfallen. Deshalb widmet er sich hingebungsvoll seinen eigenen fünf Exemplaren, und die Clubaktivitäten nehmen bei ihm – wie bei vielen Mitgliedern – einen bedeutenden Teil im Leben ein. Der Club: Er ist ein ernsthaftes Anliegen aus Respekt zum Automobil, wie Sterl erläutert: „Wir wollen mit unserem Fachwissen dazu beitragen, dass die Faszination der S-Klasse gepflegt wird.“ Ebenso wichtig ist die lebendige Gemeinschaft, die bereits zur Zeit der Clubgründung im Jahr 2000 einen hohen Rang innehatte. Sterl spricht von einer großen Freude, die zeitweise sogar einer Euphorie gleichkam, da die Mitglieder mit Gleichgesinnten praktisch jederzeit diskutieren konnten. Zu Beginn war der Club ausschließlich auf die Mercedes-Benz Baureihe 126 (1979 bis 1991) ausgerichtet. Doch bald schon hat er sich den anderen Oberklasse-Baureihen der Marke geöffnet – vom W 187 aus den 1950er-Jahren über „Ponton“-Sechszylindermodell (W 180) und „Heckflosse“ (W 111/112) der 1960er-Jahre und der im Jahr 1972 erscheinenden Baureihe 116 über die weiteren Baureihen 126, 140 und 220 bis zur gerade auslaufenden Baureihe 221 sind alle Fahrzeuge der Mercedes-Benz Oberklasse willkommen. Und – keine Frage – ebenso Vorkriegsvertreter der Ober- und Spitzenklasse der Marke mit dem Stern.

Rund 1.000 Clubangehörige sind in Deutschland ansässig, immerhin 300 weitere leben über den gesamten Erdball verstreut. Da kommt es mitunter zu Freundschaften, die mit gegenseitigen Besuchen über das bloße Fachsimpeln via Internet hinausgehen.

Jedoch: Um Mitglied zu sein, muss man nicht unbedingt eine S-Klasse besitzen. Interessierte, Fans oder zeitweilige Nutzer haben ebenfalls die Möglichkeit, am Clubleben teilzunehmen – aber früher oder später steigen nahezu alle ins eigene Objekt der Begierde ein, weiß Sterl.

Ein Jahresprogramm der gelebten Faszination
Die Clubmitglieder stellen ihre Passion auf vielfältige Weise dar. Professionelle Auftritte auf den Klassiker-Messen in Essen, integriert in den Stand von Mercedes-Benz, sowie auf eigene Initiative in Stuttgart und Bremen gehören zu den alljährlichen und publikumswirksamen Maßnahmen der Clubs. Darüber hinaus finden sich immer wieder Teilnehmer, die sich für Klassiker-Veranstaltungen im In- und Ausland zusammentun – hier stehen zur Freude aller Beteiligten jedes Jahr mehrere Dutzend Termine zur Wahl.

Für zwei Treffen klopfen die Mitglieder des S-Klasse Clubs ihre Jahreskalender mit besonderer Aufmerksamkeit ab: zum einen für die sogenannten Sterntage, zum anderen für das jeweilige Jahrestreffen: „Das Jahrestreffen ist für mich stets der erste unumstößliche Eintrag in meiner Agenda“, meint bei der Zusammenkunft in Dresden ein W126-Fahrer aus dem Rhein-Main-Gebiet und fügt schmunzelnd hinzu: „Davon könnte mich nicht mal meine Traumfrau abhalten.“ Muss sie auch nicht, denn sie kann ja mitkommen.

Worin der Unterschied zwischen den Sterntagen und dem Jahrestreffen liegt? Die Sterntage sind technischer, dort werden Workshops zu Themen wie Fahrzeugbewertung, Blechbearbeitung, Lackpflege und Fahrzeug-Fehlerdiagnose angeboten. Das Jahrestreffen erhält stets eine touristische Komponente, mit Stadtrundgängen oder Bootsausflügen. Ausfahrten mit den mitgebrachten rollenden Schätzen stehen freilich immer auf dem Plan.

Zufrieden verkündet der Clubpräsident am Abend der Prämierungen, dass beim Dresdner Treffen 126 Teilnehmer und Teilnehmerinnen anwesend sind – ein netter Anlass, um die Baureihe 126 ins Rampenlicht zu rücken. Keineswegs überraschend, aber mit herzlichem Applaus unterlegt, wird ein Norweger für die weiteste Anreise nach Dresden ausgezeichnet. Der Osloer ist zum siebten Mal mit seinem 560 SEL dabei, passenderweise der Baureihe 126, und schwärmt: „Mein großer Schwarzer ist als Meilenfresser für längere Ausfahrten einzigartig.“ Seit der Norweger in den 1980er-Jahren als Fahrer bei einem skandinavischen Limousinenservice Kontakt mit der S-Klasse hatte, ist sie ihm nie mehr aus dem Kopf gegangen: „Bei dem Auto stimmt einfach alles.“ Bis zum Jahr 2002 hat der eigene Erwerb dann aber noch gedauert. Seitdem hegt und pflegt er sein Fahrzeug, das er nach einer bekannten norwegischen Pferderasse benennt: „Großer Schwarzer“. Frei nach dem Motto: „Schnell, aber materialschonend und vorausschauend“ nutzt er seine S-Klasse besonders gern für Fahrten aufs europäische Festland, aktueller Tachometerstand: 260.000 Kilometer. Lebhaft in Erinnerung bleibt ihm eine Ausfahrt während des Berliner Jahres-Clubtreffens im Jahr 2005, als sieben schwarze Clublimousinen in Kolonne durch die Hauptstadt zogen: Rasch bildete sich für die Gäste entlang der großen Einfallstraßen eine Gasse – die Berliner vermuteten wohl einen Staatsbesuch. Aber nur kurz und in Gedanken war der norwegische Besucher versucht, sich ein Blaulicht für sein Autodach zu besorgen, wie er verschmitzt erzählt.

Alle Fahrzeuge der S-Klasse Historie sind willkommen
Apropos Berlin: Von dort meisterte ein weiterer Hingucker spielend den Weg nach Dresden – ein „Ponton“-Typ 220a mit Erstzulassung am 5. Mai 1955. Sein Eigner hat ihn vor 20 Jahren am Straßenrand mitten in Berlin parken sehen. Ihn zierte ein dezent platziertes handschriftliches Schild hinter der Windschutzscheibe: „Dieses Auto können Sie fahren, auch wenn Sie keine Zigarre rauchen.“ Der jetzige Eigner, ein Berliner Rechtsanwalt – bis dahin autolos – griff zu und begutachtet sich selbst: „Von dem Zeitpunkt an hatte ich einen Klassikertick.“ Natürlich mit Stern. Er sorgt seiner Meinung nach dafür, dass Werkstattaufenthalte denkbar selten stattfinden. Im Übrigen hat er dank Mercedes-Benz Vertragswerkstatt auch keinerlei Ersatzteil-Beschaffungsprobleme zu beklagen. Den Ponton-Originalzustand zu erhalten, ist ihm ein großes Anliegen, wobei er kurz zögert und einräumt, dass einzig ein neuzeitliches Radio der Ur-Harmonie einen kleinen Stich versetzt. Gute Tipps, Hilfestellung und ein fachlich anregender Austausch sind für ihn die Hauptgründe, warum er die Clubmitgliedschaft hoch schätzt. Welches Prachtauto ihn noch reizen könnte? „Ein ‚Ponton‘ als Cabriolet. Aber nur zusätzlich, denn meine Limousine gebe ich nie mehr her – auch wenn sich sein Wert mittlerweile verdoppelt hat.“

Aus Österreich kommt ein Typ 380 SEC der Baureihe 126, dessen Eigentümerin schmunzelnd die Anekdote von der Farbwahl erzählt, die einst ihr Vater traf. Als er 1983 das Oberklasse-Coupé bestellt und in der Kolorierungsübersicht auf eine Farbe zeigt, legt der Auto-Berater Widerspruch ein: Dies sei die Taxifarbe, die sich für ein Privatfahrzeug nicht eignen würde. Der Kunde zuckte mit den Schultern und tippte lässig auf das Feld daneben – Taiga-Beige. So steuert die Tochter seit geraumer Zeit ihr Erbstück durch die Lande und erregt mit der eleganten, aber höchst ungewöhnlichen Couleur allseits Aufmerksamkeit. Wie alle S-Klasse Lenker, die beim Clubtreffen in Dresden weilen, betont sie, dass man ihrem Oberklasse-Klassiker stets wohlgesonnen begegnet – ohne jeglichen Neidfaktor. Oft bekommt sie zu hören, „welch eine Augenweide mein Auto ist – und ich tue alles für seine weiteren 30 Lebensjahre“. Übermäßig schonen will sie das besondere Coupé mit inzwischen 295.000 abgespulten Kilometern nicht, „es ist schließlich ein Fahrzeug und kein Stehzeug, da schiebt sich die Tachonadel auf der Autobahn durchaus mal auf Tempo 210“.

Über Lack und Leder diskutiert eine kleine Gruppe nach der Stadtrundfahrt und sieht viele Parallelen zwischen der umfangreich wiederaufgebauten Dresdner Altstadt und ihren mitgebrachten mobilen Traditionsskulpturen. Dabei bleibt die Jugend nicht außen vor. Aus dem Schwäbischen sind beispielsweise Vater und Sohn angereist – getrennt in ihren Oberklasse-Coupés der Baureihe 126: Der Senior fährt einen 420 SEC des Baujahrs 1985 und der Sohn einen 500 SEC aus dem Jahr 1989. Im jungen Gespann sind Fahrer und Fahrzeug nahezu gleichen Alters.

Gepflegte Klassiker mit Stern
Das schneeweiße Coupé des Vaters steht brav zwischen seinen Artgenossen, und sein Inhaber erlaubt gern einen Blick unter die Motorhaube: Wo man hinschaut, blitzt einem der tadellose Zustand bis ins Detail entgegen. Der Schwabe gesteht ein, dass er schon öfter gefragt werde, ob er mit der Zahnbürste zugange sei: „Ich bin penibel und habe schon an der Pflege so viel Spaß wie andere am Fahren.“ Der Sohn sieht das naturgemäß etwas lockerer, aber auch er bemüht im Zweifel eine Pinzette, um die elektrische Sitzverstellung wieder in Gang zu bringen: Staub hatte die entsprechenden Kontaktstellen voneinander getrennt. Von seinem Großvater weiß er zu erzählen, dass dieser seine S-Klasse heimlich fuhr – aus Bescheidenheit, um nicht damit zu prahlen. Das ist für den jungen Mann in heutiger Zeit undenkbar: Stolz ist er auf seinen Wagen und genießt nicht nur während der Clubtage die Parade der Luxuskarossen. Solche Freude ist nicht nur auf die Veranstaltungen beschränkt, denn die S-Klasse der verschiedenen Generationen bereichert das Straßenbild in aller Welt.

Quelle: Mercedes-Benz Classic