Auto fahren dürfen und Auto fahren können, ein bisweilen doch großer Unterschied. Wir kennen das doch sicherlich alle: Man hat den Führerschein und glaubt mit diesem Dokument gut und sicher Auto fahren zu können – doch eigentlich sagt der „Lappen“ nur das man die Verkehrsregeln beherrscht und ein Fahrzeug bewegen kann, nicht aber das man sicher fährt.

Seien wir also mal ehrlich und stellen uns folgende zwei Fragen: Wie reagiere ich in einer Gefahrsituation richtig, wenn zum Beispiel plötzlich ein Hindernis auftaucht und wie verhält sich ein (mein) Auto dank moderner Fahrsicherheitssysteme im Grenzbereich? Und beides gewusst……? Vermutlich nicht, denn so geht es einem Großteil der Autofahrer auf unseren Straßen.

Genau hier setzen Fahrsicherheitstrainings wie die Mercedes-Benz Driving Events an: Bei den Fahrsicherheitstrainings lernen die Teilnehmer auf 14 Onroad- und Offroad-Locations in ganz Deutschland typische Gefahrensituationen kennen und üben angemessene Reaktionen darauf. Um hautnah zu erleben und natürlich auch selbst noch was zu lernen, haben wir das Basic Training in Groß Dölln auf dem ehemaligen Flugplatzgelände Templin besucht.

Im Rahmen des eintägigen Basic Trainings bei Berlin konnten wir unter der Anleitung des erfahrenen Instruktor Klaus Dieter Waldmann in anspruchsvollen Übungen hautnah „erfahren“, wie man Gefahrensituationen mit Unterstützung der aktiven Regelsysteme sicher und souverän meistert. Zeitig am Morgen ging es nach der Begrüßung in die Fahrzeuge – sie werden grundsätzlich von Mercedes-Benz gestellt. Die Palette der Modelle reichte dabei von der C-Klasse Limousine, dem T-Modell und dem Coupé über die E-Klasse Limousine, dem Coupé, der S-Klasse, bis hin zum CLS, SLK und SL.

In den Autos angekommen, kann es dann auch schon losgehen….nein nicht ganz, denn sicheres Auto fahren beginnt bereits bei der richtigen Sitzposition: Der Sitz so immer so weit nach vorn geschoben sein, dass beim Tritt auf das Bremspedal die Knie immer noch leicht angewinkelt sind. Nur so kann der Bremsdruck optimal auf das Pedal gebracht werden. Ebenso sollte die Rückenlehne in einer aufrechten Position eingestellt sein, so dass wenn der Fahrer das Handgelenk oben auf den Lenkradkranz legt, die Schultern immer noch Kontakt zur Lehne haben. Optimal sitzend konnte es nun mit dem Fahrsicherheitstraining losgehen.

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Die erste Übung: Slalom. Hier galt es sowohl mit 50 als auch mit 70 km/h und aktive ESP eine Reihe von in den Boden gesteckten Gummistangen im Slalom zu umrunden. Mit geschultem Blick erkannte Instruktor Waldmann schnell die ersten Fehler, wie reißerisches oder zu spätes Einlenken aber auch falsche Blickführung. Warum Blickführung? Ganz einfach: immer dahin, wo man seinen Blick richtet, lenkt und fährt man auch sein Auto. Soll heißen: richte ich meinen Blick beim Slalom auf die Gummistangen, fahre ich sie zwangsläufig um. Schaue ich dagegen immer auf die Lücke zwischen den Gummistangen, fahre ich zielgerichtet um sie herum. Man muss quasi immer den „Fluchtweg“ anvisieren, erst dann klappt es auch mit der Ideallinie.

Nach mehreren Slalom Runden wurden die Fahrzeuge gewechselt und so Unterschiede im Fahrverhalten der verschiedenen Modell erlebbar. War man beispielsweise vorher im sportlichen SLK oder SL – die beide eher leichtfüßig im Slalom wirkten – unterwegs und stieg auf die S-Klasse um, so war deutlich die Größe und das Gewicht spürbar. Im Vergleich zum Roadster schiebt und wankt die Luxuslimousine viel stärker und rascher, was als Konsequenz dann auch ein viel schnelleres Eingreifen des elektronischen Stabilitätsprogramms zur Folge hatte. Ebenso wichtig wie die richtige Blickführung, ist aber auch die Lenktechnik. Lenke ich zu hart ein, wird der Reifen schnell überfordert und verliert an Haftung und Seitenführung, lenke ich stattdessen leicht und gefühlvoll, baut der Reifen optimale Haftung auf und ich kann flüssig und gleichmäßig die Slalomstanden umfahren.

Die zweite Übung: Vollbremsung. Bremsen in Gefahrsituationen, wer so etwas schon mal erlebt hat, der weiß das oftmals Zentimeter entscheidend sein können ob es zum Unfall kommt oder nicht. Deshalb ist es wichtig auch das richtige Bremsen zu trainieren, denn immerhin müssen bei einer Vollbremsung rund 80 Kilogramm Druck auf das Bremspedal gegeben werden. Alle modernen Fahrzeuge sind inzwischen mit ABS ausgestattet, dass ein Blockieren der Räder verhindert und zugleich die Lenkfähigkeit des Autos sicherstellt. Bei Mercedes geht man sogar noch einen Schritt weiter, neben dem ABS sind die Pkws serienmäßig auch mit dem Bremsassistenten BAS ausrüstet. Wird das Bremspedal schnell (mindestens 75% Pedalweg) und hart getreten erkennt BAS die Gefahrsituation und baut automatisch den maximalen Bremsdruck auf. Mit diesem Grundwissen hieß es anschließend auf gewässerten und unterschiedlich griffigen Bodenbelägen sowohl mit 50 als auch mit 70 km/h mehrere Vollbremsungen zu absolvieren. Im ersten Durchgang erfolgten die Bremsungen mit beiden Geschwindigkeiten auf griffigem Untergrund.

Im zweiten Durchgang ging es auf glatten Untergrund der Schnee- und Eisglätte simulieren sollte. Eindrucksvoll zeigte sich dabei was Geschwindigkeit und Untergrund für Auswirkungen auf den Bremsweg haben. Fast schon schockierend Lang war der Bremsweg auf glattem Belag und mit eigentlich noch normalen Fahrgeschwindigkeit von 70 km/h. Stand man bei 50 km/h noch relativ zügig, hatte man dagegen bei nur 20 km/h mehr , das Gefühl überhaupt nicht zum Stehen kommen zu wollen und schoss über die komplette Gleitfläche hinweg. Im dritten Durchgang wurde zum Abschluss auf gemischtem Belag gebremst. Links griffig und rechts glatt. Dank moderner ABS Technik die innerhalb von wenigen Millisekunden den Bremsdruck an jedem Rad individuell regeln kann, bremst es sich egal ob man in einer C-, E-, S-Klasse oder im SLK sitzt, sehr Spurstabil ohne das größere Lenkeingriffe und Kurskorrekturen vom Fahrer notwendig gewesen wären. Fazit der Übung, egal auf welchem Untergrund man auch bremste, für eine optimale Bremsleistung war es immer entscheidend, den sogenannten Bremsschlag richtig zu setzen und zügig in den Regelbereich der Assistenzsysteme ABS und BAS zu kommen – nur so ist eine maximale Verzögerung möglich. Beim ersten Mal noch ungewohnt und deshalb gerade wichtig es im Rahmen eines Fahrsicherheitstrainings mal selbst erlebt zu haben, ist das minimale vibrieren des Bremspedals wenn das ABS regelt und das leichte wegtauchen des Pedals wenn der Bremsassistent (BAS) eingreift. Hier also nicht erschrecken und aus Reflex den Fuß vom Pedal nehmen, sondern drauf bleiben und weiter kräftig treten….bis zum Stillstand.

Übung drei: Handlingparcour. In der dritten Einheit stand auf dem weitläufigen Übungsgelände die Fahrt auf einem gewässerten Handlingparcours mit glattem Untergrund auf dem Programm. Schwerpunkt hier ist das Erlernen der richtigen Kurvenfahrtechnik. Jede Kurve muss gelesen/interpretiert werden und die Ideallinie gefunden werden, ohne dabei das Auto zu Über- oder Untersteuern. Wie bei der Slalomfahrt, sind auch hier ein gefühlvolles Lenken und die richtige Blickführung wichtig um gut durch die Kurvenkombinationen zu kommen. Das Gaspedal sollte dabei natürlich ebenso harmonisch betätigt werden. Trickreich machte die Übung der rutschige und nasse Bodenbelag. Lenkte man zu viel ein und war außerdem noch am Kurveneingang viel zu schnell, untersteuerte es bisweilen stark und schob kräftig über die Vorderachse zum Kurvenrand. Doch keine Panik, das Untersteuern ist ein Fahrzustand der gut und eigentlich auch leicht zu beherrschen ist. Einfach den Fuß vom Gaspedal und die Lenkung wieder ein Stückchen auf machen…..und schon beginnt der Reifen wieder Haftung aufzubauen und das Auto meistert die Kurve. Viele Leute denken, sie müssten bei einem untersteuernden Fahrzeug noch stärker einlenken, doch das ist genau der Fehler den man nicht machen sollte. Lenkt man nämlich noch mehr, führt das nur dazu dass das Fahrzeug noch stärker über die Vorderachse schiebt. Weniger ist hier also mehr! Optimal in die Kurve rein gesteuert sollte man nun versuchen möglichst nah und dicht den Scheitelpunkt der Kurve zu treffen. Ab diesem darf dann auch wieder Gasgegeben werden, denn steht der Fuß zu früh auf dem Gas kommt es Ruckzuck zum Übersteuern und das Heck bricht aus. Im Vergleich zum Untersteuern, ist das Übersteuern ist ein Fahrzustand der zwar viel Fahrspaß bereitet – mehr dazu in der letzten Übung – aber auch viel schwerer zu kontrollieren ist. Beginnt das Heck zu Schleudern hilft nur schnelles und beherztes Gegenlenken, aber das will gelernt sein ansonsten endet es im Dreher.

Die vierte Übung: ABS Ausweich-Haken. In diesem Teil des Fahrsicherheitstrainings ging es darum auf nassem Belag mit einer Geschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde auf ein Hindernis zufahren, voll zu Bremsen und dabei um das Hindernis herum zu lenken. Wie wir ja bereits gelernt haben, ermöglicht uns die ABS-Technik selbst bei einer Vollbremsung, die Lenkbarkeit des Fahrzeugs. Gesagt getan…der erste Versuch ist jedoch nicht sehr erfolgreich. Instruktor Klaus Dieter Waldmann analysierte rasch, dass wir fast alle zu spät gelenkt haben und uns darum der Platz vor dem Hindernis ausging. Also auf ein neues und dieses Mal passte es wesentlich besser und wir zirkelten Zielstrebig um das Hindernis herum und kamen auf der ursprünglichen Fahrspur zum Stehen. Natürlich standen auch hier, wie bereits bei den Übungen zuvor, wieder verschiede Modelle zum Fahren bereit. Auf diese Weise konnte jeder Teilnehmer ein wirklich gutes Gefühl davon bekommen, wie sich die unterschiedlichen Fahrzeugtypen – beispielsweise das C-Klasse T-Modell oder der SLK Roadster – beim ABS Ausweich-Haken anfühlen und reagieren.

Fünfte Übung: Doppelter Spurwechsel. Der schnelle doppelte Spurwechsel gern auch als Elchtest bezeichnet ist eine dynamische Fahrübung die schnelle und gezielte Lenkbewegungen verlangt. Blicken wir aber zuerst noch einmal kurz zurück in das Jahr 1997. Damals wenige Tage nach der Markteinführung kippte die damalige A-Klasse (W168) mit einem schwedischen Auto-Journalisten am Lenkrad bei “Elchtest” auf die Seite. Rückblickend betrachtet ein Glücksfall, denn Mercedes-Benz reagierte mit der serienmäßigen Einführung in alle Baureihen – von der A-Klasse bis zur S-Klasse. Zurück in die Gegenwart, wir sind bereit für die Übung und sollen laut Anweisung unseres Instruktors auf 70 bis 80 km/h beschleunigen dann in der Pylonengasse reflexartig vom Gaspedal gehen, nicht bremsen und per doppeltem Spurwechsel das Hindernis aus Gummistangen umfahren und anschließend wieder in der folgenden Gasse geradeaus weiterfahren. Das Fahrmanöver findet auf trocknem Belag und mit aktivem ESP statt. Im ersten Versuch schaffen wir die Umfahrung vom Hindernis, verfehlen aber die nachfolgende Fahrgasse. Es folgen weitere Versuche in denen wir von Mal zu Mal zielsicherer werden wir besser, bis es uns dann schlussendlich gelingt den doppelten Spurwechsel fehlerfrei zu meistern. Wow, einfach beeindruckend was ein modernes Auto mit Hilfe des elektronischen Stabilitätssystems leisten kann. Was haben wir bei dieser Übung gelernt? Ein schnelles Ausweichen mit bis zu 70-80 Kilometern pro Stunde hat einen großen Teil von seinem Schrecken verloren. Das Fahrzeug blieb nahezu Stabil und konnte mit kleineren Gegenlenkbewegungen sicher und gut auf Kurs gehalten werden.

Das große Finale: Driften. Nach einem langen Tag mit vielen Runden durch die einzelnen Übungseinheiten, sollte zum Abschluss ein echter Höhepunkt bereitstehen – die Fahrt auf der Kreisbahn mit verschiedenen hochmotorisierten AMG-Modellen wie dem C 63 AMG T-Modell oder dem SLK 55 AMG. Driften, die Kunst gleichmäßig konstant quer durch eine Kurve zu fahren – ein Fahrzustand der höchste Emotionen auslöst. Da ist es dann auch kein Wunder das wir und die anderen Training-Teilnehmer, nachdem uns Instruktor Klaus Dieter Waldmann auf eine „Einführungsrunde“ auf die gewässerte Kreisbahn im C 63 AMG mitgenommen hatte, mit einem breiten Grinsen aus dem Auto ausgestiegen sind. Anschließend durften wir alle selbst hinters Lenkrad und unser Glück versuchen. Ein Mercedes-AMG erzeugt ja bekanntlich schon beim Starten des Motors eine Gänsehaut mit seinem typischen V8-Sound, doch so richtig kalt den Rücken runter läuft es einem wenn man den vielen Pferdchen unter der Haube die Sporen geben darf. Doch wie driftet man denn nun? Das ist eigentlich ganz einfach….man nehme ein Fahrzeug mit Heckantrieb und jeder Menge Motorleistung (so wie ein AMG), fährt langsam eine Kurve an, schlägt das Lenkrad ein und gibt dann blitzschnell Vollgas bis das Heck übersteuert. Jetzt steuert man mit dem Gaspedal den Driftwinkel und „stabilisiert“ das Ganze mit schnellen Lenkbewegungen. Kein Problem oder? Ganz im Gegenteil! Üben, üben, üben, lautet hier das Motto. Es braucht schon eine ganze Menge an Übung und Erfahrung um leichtfüßig und locker driften zu können. Dank den gezielten Anmerkungen unseres Instruktors Klaus Dieter Waldmann, stellten sich aber trotzdem bereits nach wenigen Runden auf der Kreisbahn erste Erfolge ein. So ist es beim Driften wichtig schnell zu lenken. Dreht man nicht schnell genug am Volant, führt dieses unweigerlich zu einem Dreher. Ein toller Abschluss für einen durchweg spannenden Tag beim Fahrsicherheitstraining, der sich mit dieser allerletzten Übung-Einheit leider auch dem Ende neigte.

Unser Fazit nach diesem intensiven Tag in Groß Dölln beim Mercedes-Benz Driving Event: Daumen hoch für das Basic Training! Eine ganz klare Empfehlung an jeden Autofahrer. Neben jeder Menge an neuen Erfahrungen und neuem Wissen rund um eine sichere Fahrzeugbeherrschung macht so ein Fahrsicherheitstraining auch noch enorm viel Spaß. Das Basic Training kostet aktuell 425,- Euro – eine Summe die es lohnt in seine eigene Sicherheit zu investieren. Wer es für den Einstieg lieber es was günstiger mag, kann alternativ für 195,- Euro auch das halbtägige Compact Training buchen. Weitere Angebote rund um die vielfältigen Mercedes-Benz Driving Events findet man online unter: http://www.mercedes-benz.de/content/germany/mpc/mpc_germany_website/de/home_mpc/passengercars/home/world/news/driving_events/overview.html.

Weitere Artikel, Eindrücke und Erfahrungsberichte zum Mercedes-Benz Driving Event/rund um das Basic Training in Groß Dölln gibt es auf den Seiten von Jan und Lisa, sowie Reisebloggerin Heike und Designblogger Kim.

Bilder: MBpassion.de / Mercedes-Benz Driving Events

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