Spazierenfahren in der Sonne, – offen – und dabei noch runde 650.000 Euro an Wert dabei ist wohl… selten – Fahrer eines entsprechend restaurierten Mercedes-Benz 300 SL Roadsters können das jedoch problemlos. Wir testeten das Fahrzeug vor einigen Tagen im sonnigen Spanien – im Rahmen einer kurzen Ausfahrt zum Hafen von Marbella.

Die offene Variante des legendäre Flügeltürer kam im Jahre 1957 erstmals auf den Markt – intern W 198 II genannt – und bot dazumal in seiner Klasse der Hochleistungssportwagen offenes Fahren, wenn auch mit rund 100 Kilogramm Mehrgewicht. Mit 215 PS (158 kW) war – und ist – der Roadster durchaus gut motorisiert. Der Roadster bietet nicht nur einen bequemeren Einstieg, die Hinterachse wurde zur Eingelenk-Pendelachse mit Ausgleichsfeder umgerüstet, – so das das der offene Roadster nicht nur verbesserte Fahreigenschaften und erhöhten Komfort bietet.

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Es ist durchaus eine Ehre, einen 300 SL Roadster aus der werkseigenen Sammlung von Mercedes-Benz Classic fahren zu dürfen – und würden wir jederzeit wieder tun. Unser Fahrtest geht durch Spanien, genauer durch die Hafenstadt Marbella – eine ideale Umgebung für den Klassiker.

Schon beim Einstieg und den ersten Leerlauf des Fahrzeuges merken wir den “alten Benzinduft”, was ältere Fahrzeuge gerne noch verbreiten. Das Fahrzeug hat im bereitgestellten Erhaltungszustand einen aktuellen Wert von rund 650.000 Euro, – durchaus das bislang wertvollste Fahrzeug, welches wir bislang bewegt haben – und genauso auffällig auch am Hafen in Marbella. Kaum geparkt, stehen mehre Personen um das Fahrzeug, um den edlen Wagen zu bestaunen. Aufmerksamkeit bekommt man im SL weiterhin, – wohl heutzutage noch mehr, als dazumal.

Das Fahrzeug mit der dazumal bereits serienmäßigen Lederausstattung und seinen manuellen Stoffverdeck fährt sich, trotz seines Alters, unproblematisch. Faszination macht sich bereits beim Türgriff breit, der hier schon – scheinbar aus aerodynamischen Gründen – größtenteils in der Karosserie verschwindet, und “aufgeklappt” werden kann. Im Hauptblickfeld des Fahrers liegen Drehzahlmesser und Tachometer. Die Motorleistung mit 215 PS ist ausreichend, der Abzug ist sogar ausgesprochen gut – an Leistungsverlust zwecks des Alters ist rein gar nichts zu spüren. Man kann regelrecht spüren, wie das Fahrzeug – das dazumal schon eine Faszination verbreitete – regelrecht gut auf der Straße liegend nach Kilometern schreit , – lediglich die fehlende Servelenkung trübt heutzutage – hauptsächlich beim rangieren – ein wenig den Fahrspaß.

Eine Umgewöhnung ist die Handbremse, die sich mittig unterhalb des Armaturenbrettes befindet – aber typisch klassisch ist. Die Schaltung selbst ist in wenigen Minuten gut zu handhaben, nachdem man zumindest jeden Gang einmal durchprobiert hat. Lediglich die Frage nach den Rückwärtsgang – wohl obligatorisch – und die Art des Anlassens mussten wir stellen.

Schon dazumal äußerte sich die Presse über das Fahrzeug mehr als lobend – und auch uns hat die Ausfahrt mit den Fahrzeug fasziniert. Der 300 SL Roadster, – er verströmt nach seiner ersten Vorstellung in den 1950er Jahren immer noch die Faszination, – “ja, er kann es immer noch”. Eine Ikone auf Rädern, dabei ist es egal, ob mit oder ohne Flügeltüren. SLS fahren kann man wohl öfters, die Faszination Mercedes lebt im klassischen 300 SL Roadster…

Technische Daten:

– M-198-Reihensechszylinder, 2996cm3, 215 PS bei 5800/min
– 4-Gang Schultgetriebe, Antrieb auf Hinterräder
– 1-Scheiben Trockenkupplung
– 1420 kg Wagengewicht, 11,5 Meter Wendekreis
– Reifen: 6,50-15 Supersport 185VR15
– Bremsen: hydraulisch mit Unterdruck-Bremskraftverstärker, Trommel-Duplexbremsen

Bilder: MBpassion.de