Bei schönen Wetter gibt es wohl nichts, was man besser machen kann, als zum Bodensee zu segeln. Wir für unseren Teil starten ab Stuttgart und segeln Richtung Konstanz – im E 300 BlueTEC HYBRID.

Ein wenig verwirrend ist es schon: Bezieht man sich auf den E 300 BlueTEC HYBRID, der ab den dritten Quartal bei den Mercedes-Benz Händlern steht, kommt oft das “Segeln” zusätzlich in den Sprachgebrauch. Und das Oberklassen-Modell kann es, – ohne Segel oder Wasser: “segeln” auf der Straße, dank intelligenter Technik.

Der E300 BlueTEC HYBRID, erstmals in Detroit 2012 vorgestellt, setzt neue Maßstäbe und verfügt als Limousine oder T-Modell über einen 4-Zylinder-Dieselmotor (OM651) und 204 PS / 500 Newtonmeter Drehmoment.

Zusätzlich zum Dieselmotor hat das Fahrzeug einen 20kW-Elektromotor mit 250 Nm, der zwischen Verbrennungstriebwerk und 7-Gang-Automatikgetriebe angeordnet ist – der den Dieselmotor beim Beschleunigen (Boost-Effekt) unterstützt, und parallel im Generatorbetrieb zur Bremsenenergierückgewinnung (Rekuperation) genützt werden kann. Der Elektromotor eignet sich aber auch zum rein elektronischen Fahren – bis zu 2 km Reichweite.

Die Batterie wird anstelle der Starterbatterie verbaut, und dient nicht nur als Energiespeicher für den Elektromotor, sondern ist über den Spannungswandler auch mit dem 12-Volt-Bordnetz verbunden, das Standardverbraucher – wie Scheinwerfer und die Komfortfeatures – versorgt.

Unser Fahrtest
Wir starten unsere Fahrt bei der Daimler AG in Stuttgart-Möhringen, – mit Tagesziel Konstanz. Als Testfahrzeug haben wir uns ein T-Modell zum Grundpreis von 55.007,75 Euro ausgewählt (Limousine ist zum Preis von 51.794,75 Euro erhältlich). Als Aufpreis für das Hybrid-Modell sind so, bei vergleichbarer Ausstattung rund 3.570 Euro zu rechnen. Ein erster Blick auf das Fahrzeug, – keine Einschränkungen im Interieur oder Exterieur bemerkbar, was uns durchaus positiv stimmt.

Nachdem wir uns den Motorraum betrachtet haben, starten wir den Motor – und bekommen eine einfache “Ready”-Anzeige, der eigentlich erwartete Start des Diesel-Motors bleibt aus. Wir starten mit der Fahrt mit den E-Motor und dessen 20 Kw Motor, der uns eine maximale Höchstgeschwindigkeit von 35 km/h erlaubt. Eine Effizienz-Anzeige rechts im Kombi-Instrument gibt uns dabei Informationen über unseren Energieverbrauch. Drücken wir das Gaspedal tiefer herunter, läuft der Diesel-Motor mit an und schiebt unser Fahrzeug auf eine höhere Geschwindigkeit.

Der Hersteller vergleicht das Fahrzeug, welches 15 % weniger Spritverbrauch verspricht, im direkten praktischen Fahrbetrieb mit dem E 300 CDI (170 kW/540Nm), dessen Verbrauch und CO2-Emissionen jedoch widerrum um 35 % unterschritten werden – das Fahrzeuggewicht bleibt hier jedoch nahezu gleich. Das Fahrzeug verfügt u.a. über eine nasse Anfahrkupplung, die 65 mm mehr Bauraum als die 7G-TRONIC benötigt, nur so ist eine rein elektronische Fahrt sowie ein “Segelbetrieb” mit Verbrauchssenkung erst möglich.

Der Komfort durch den Elektromotor macht sich bei uns positiv bemerkbar: das Hybridmodul dämpft parallel nicht nur etwaige Vibrationen des Verbrennungsmotors, es verschafft parallel noch ein lautlose Anlass- und Anfahrverhalten, – nicht nur angenehm für die Umwelt, sondern auch für den Lärmpegel.

Bei unserer Testfahrt sind wir schnell auf der Autobahn – und sind natürlich auf unser besonderes Fahrerlebnis gespannt: “Segeln”, – worunter wir uns erstmal nicht alle Details vorstellen konnten. Das sogenannte Segeln ist bei Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h möglich, wobei der Verbrennungsmotor abschaltet wird. Dabei rekuperiert der E-Motor und lädt den Akku wieder auf. Diese Funktion geschieht nicht nur im Tempomat-Betrieb, der Fahrer kann das Segeln auch mittels Drücken am “+”-Schaltpaddle am Lenkrad “erzwingen”. Ein nochmaliges ziehen am Paddel koppelt den Motor aus, was das segeln ohne rekuperieren länger möglich macht.

Alle notwendige Betriebsvorrichtungen am Fahrzeug bleiben erhalten, so selbstverständlich neben den Lenkunterstützungen auch die Klimatisierung oder sonstige Systeme am System. Sollte entsprechender Schubbetrieb wieder von Nöten sein, springt der Diesel-Motor sofort wieder an und leistet die entsprechende Kraft (dabei äußerst schnell und nahezu geräuschlos).

Rekuperation
Das Fahrzeug wandelt die Bewegungsenergie im Schubbetrieb oder beim Bremsen um. Beim Schubbetrieb (Verzögerung durch Gaswegnehmen) wird die E-Maschine als Generator und speist die Energie in die Hochvoltbatterie (19 kW, Lithium-Ionen Batterie). Wir das Bremspedal betätigt, wird die Generatorleistung zunächst proportional für eine höhere Verzögerung erhöht – bei stärkeren Bremsen werden zusätzlich die Radbremsen eingesetzt, die speziell auf Energierückgewinnung angepasst worden ist.

Rangieren rein elektrisch
Hat man das Fahrzeug “im Griff, ist Wenden oder Einparken zumeist rein elektronisch möglich – zusätzlich zur geräuschlosen Anfahrt. Im Stadtverkehr bei Stop & Go-Verkehr ist das Anfahren, solange die Batterieleistung entsprechend vorliegt, ebenfalls elektronisch möglich.

Unser Test zeigte uns eines: Kraftstoffsparen kann durchaus Spaß machen, als Fahrer bemüht man sich schnell, die Vorteile eines solchen Hybriden hinzugeben. Mercedes-Benz gibt für das Fahrzeug einen NEFZ-Verbrauch von 4.2 bis 4.3 Liter für die Limousine, und 4.4-4.5 Liter für das T-Modell (mit 109-112 bzw. 116-119 CO2) an, die gar nicht so weltfremd sind – Laborwerte, die man sogar erreichen kann, wenn man den will. Ist eine gewisse Eingewöhungszeit am Fahrzeug gelaufen, kann man die Vorteile des Fahrzeuges auch komplett auskosten. Gibt man zuviel Gas, läuft natürlich auch beim Start schnell der Diesel-Motor mit – daran muss man sich ebenso gewöhnen, wie das Segeln auf der Autobahn (was jedoch keinen Komfortverlust aufzeigte). Eine maximale Fahrstrecke von 2 Kilometern, die wir uns eigentlich vorab einbildeten, zurückzulegen, ist in der Realität fast unrealistisch – da es der Verkehr nicht zulässt. Die Vorteile der Energierückgewinnung, Anfahrt & Rangieren mit Elektromotor (incl. Stop & Go-Verkehr) sind jedoch ungeschlagen, – das “Segeln” im E macht zumalen noch Spaß und verleitet den Fahrer, möglichst wenig Treibstoff zu verbrauchen.

Die Testfahrt über rund 180 km erbrachte bei uns, nahezu problemlos , einen Verbrauch von 4.6-4.8 Liter Diesel, mit Tendenz nach unten. Interessant bleibt: Mercedes schafft es hier spielend, den Fahrer zum “sparen” zu animieren – ob dies dann der Dauerzustand ist, kommt jedoch auf die einzelne Persönlichkeit selbst an. Wir sind jedoch begeistert. Mitte des Jahres können auch normale Kunden mit der E-Klasse “segeln”.

Der Mehrpreis für den Hybrid-Antrieb liegt bei rund 3.500 Euro – dabei wiegt der Hybrid rund 100 kg mehr, als der Serien-Diesel – bei Beschleunigung und Topspeed liegen die beiden Modelle knapp gleichauf.

Die Ausstattung des Testfahrzeuges im Detail:

  • E 300 BlueTEC HYBRID 55.007,75 €,
  • Lackierung Iridiumsilber metallic 1.035,30 €
  • Polsterung Leder schwarz 2.034,90 €
  • Design- und Ausstattungslinie ELEGANCE 1.921,85 €
  • Multikontursitz-Paket 618,80 €
  • Memory-Paket 1.487,50 €
  • Sitzklimatisierung vorne 1.285,20 €
  • Automatische Kindersitzerkennung im Beifahrersitz 59,50 €
  • COMAND online mit 6-fach DVD Wechsler 3.474,80 €
  • Komfort-Telefonie 464,10 €
  • Media Interface 261,80 €
  • Wärmedämmendes Glas dunkel 464,10 €
  • Licht-Paket 1.487,50 €
  • Fahrassistenz-Paket PLUS 2.677,50 €
  • Geschwindigkeitslimit-Assistent 351,05 €
  • Rückfahrkamera 476,00 €
  • Leichtmetallräder 5-Speichen-Design 981,75 €
  • Reifendruckkontrolle (RDK) 362,95 €
  • DIRECT CONTROL-Fahrwerk sportlich abgestimmt und tiefergelegt 499,80 €
  • Ascher vorne und hinten 53,55 €
  • Doppelcupholder in Mittelkonsole und Bottleholder im Beifahrerfußraum 77,35 €
  • Fußmatten Velours 107,10 € Spiegel-Paket 464,10 €

Gesamtpreis: 75.654,25 €

Bilder: MBpassion.de