1, 2 oder 3 – ob man wirklich richtig steht, sieht man, wenn das Licht angeht! Diese TV-Sendung aus den frühen 1980er Jahren kennen sicherlich noch viele, doch wie viel Wahrheit eigentlich in dieser Aussage steckt, dessen sind sich vielleicht nicht alle wirklich bewusst.

Für Licht gilt nämlich selbiges wie für Hubraum – man kann niemals genug davon haben. Aus diesem Grund forschen und entwickeln die Automobilhersteller und Zulieferer seit Jahrzehnten an immer neuen Ideen für mehr Licht auf der Straße. Denn Licht soll nicht nur helfen dass man für andere Verkehrsteilnehmer besser zu erkennen ist, nein es soll auch für ausreichende Erkennbarkeit der Straße und der Situation vor dem Fahrzeug in der Nacht wie auch bei schlechtem Wetter sorgen.

Immerhin fast 30% aller Unfälle auf den Straßen ereignen sich bei Nacht – dramatisierend kommt hinzu dass über 30% aller getöteten Verkehrsteilnehmer ebenfalls bei Nacht zu beklagen sind. Die meisten Unfälle ereignen sich Nachts nicht innerorts sondern vielmehr außerorts, auf Landstraßen und auf Autobahnen. Mit Bi-Xenon Scheinwerfern haben Autos heute schon eine sehr gute Ausstattung wenn es um Lichttechnik geht – sie kann derzeit auch noch nicht von den neuen Voll-LED Scheinwerfern übertrumpft werden. In Preis-Leistung ist Bi-Xenon momentan noch State-of-the-Art, etwas besseres gibt es nicht! Übrigens wurde Bi-Xenon erstmals in einem Mercedes CL (BR215) im Jahre 2001 verbaut.

Das Besondere an Xenonbrennern ist, dass es keine Glühwendel gibt, das Licht wird hier durch einen Lichtbogen erzeugt – man könnte es laienhaft mit einer im Glas “gefangenen” Sonne vergleichen. Deshalb benötigt man auch den sehr hohen Zündstrom von 25.000 Volt und eine Betriebsspannung von rund 85 Volt um den Lichtbogen aufrecht zu erhalten. Man merkt es auch immer sehr schön dass die Brenner nach dem Einschalten ein paar Sekunden benötigen bis sie ihre volle Helligkeit und Lichtfarbe erreicht haben.

Was Viele aber nicht wissen: auch Xenon-Brenner altern, die Lichtstärke nimmt mit steigender Betriebsdauer stärker ab als bei einer Halogenlampe, jedoch ist die Leuchtkraft dann immer noch doppelt so hoch wie die einer Halogenlampe. Im Detail heisst das: während sich die Lichtstärke bei Glühlampen am Lebensdauerende nach ca. 450 Stunden bei einer H7-Birne auf etwa 80 % Leuchtkraft reduziert (bei einer H7 von etwa 30 auf 24 Mcd/m²), fällt sie bei Xenonbrennern nach und nach auf ca. 50-60 % ab (von ca. 90 auf 50 Mcd/m²), ehe die Lampe typischerweise nach ca. 2000 Stunden ausfällt.

Da der Ruf nach immer mehr Licht auch unter Xenon-Licht Fahrern aufkommt (aufkommen kann), hat Osram zur IAA 2011 eine neue Variante präsentiert: die Xenarc Silverstar. Ihre Merkmale im Vergleich zu herkömmlichen Brennern liegen auf der Hand: bis zu 30% mehr Lichtabgabe und bis zu 20 Meter längerer Lichtkegel bei dennoch normaler blau-weisser Lichtfarbe (ca. 4.200°K).

Wir vergleichen heute einmal diesen neuen Brennertyp mit der schon seit rund 2 Jahren angebotenen CoolBlue Intense (CBI) Variante, die zwar nicht unbedingt mehr Licht auf die Straße bringt -als normale Standardbrenner-, dafür aber eine sehr weisse Lichtfarbe (ca. 5.000°K) aufweist und deshalb gerne für Tuningzwecke verwand wird.


CoolBlue Intense Abblendlicht


CoolBlue Intense Fernlicht


CoolBlue Internes vor einer silber-weissen Wand


Silverstar Abblendlicht


Silverstar Fernlicht


Silverstar vor einer silber-weissen Wand

Beide Brenner wurden von uns in der gängigen D2S Variante getestet (für die D1S Brenner ergeben sich aber nahezu identische Werte). Als Testfahrzeug wurde ein Mercedes der Baureihe 169 verwendet, er verfügt über aktuelle Lichttechnik von AL (Automotive Lighting – einem Zusammenschluss diverser Lichtexperten u.a. Bosch, Magneti Marelli). Dieses Projektions-Scheinwerfersystem wird in vielen Fahrzeugen von Mercedes, Porsche, BMW und Audi verbaut und ist deshalb absolut vergleichbar bzw. ideal für einen solchen Test. (im Übrigen ist das Xenonlicht eine A-Klasse nicht unbedingt schlechter als das in einer E- oder S-Klasse, die Unterschiede liegen hier im Detail, denn die größeren Baureihen verfügen häufig über eine Kurvenlichtfunktion oder aber über ILS und können so mehr aus den Brennern herausholen, der technische Aufbau der Scheinwerfer ist identisch!)

In Ausgabe 3/2012 der AutoBild wurden die beiden Brenner u.v.a. im HELLA-Lichtlabor nach der ECE-Norm R99 für Gasentladungslampen mit Standardbrennern verglichen. Die Silverstar brachte hierbei 49 Prozent mehr Licht auf die “Straße” als ein herkömmlicher Brenner – ein starker Wert!

Dieses Ergebnis kann ich subjektiv bestätigen: mit den Silverstar Brennern hat man deutlich mehr Licht vor dem Fahrzeug, schaltet man nun auf Xenon-Fernlicht um, ist es fast schon mit Flutlichtanlagen in Fussballstadien vergleichbar.

Das Fazit: Wer ein z.B. 3-4 Jahre altes Auto mit Bi-Xenon Scheinwerfern besitzt und gerne wieder soviel Licht haben möchte wie bei Fahrzeugauslieferung, der sollte unbedingt neue Brenner erwerben und diese in sein Fahrzeug einbauen lassen – Betonung liegt hierbei ganz klar auf einbauen lassen, denn Xenon-Brenner sind hochvolt-technische Einrichtungen am Fahrzeug, man sollte wissen was man macht.

Die Xenarc Silverstar sind m.M.n. interessanter, da sie soviel Licht auf die Straße zaubern, wie man sonst nur bei Mercedes-Modellen mit ILS (Intelligent Light System) erfahren kann. Die CoolBlue Intense sind für jeden empfehlenswert der so viel Licht wie bei einem Standardbrenner haben möchte, dafür aber legales (!) extrem bläuliches Licht nicht missen möchte. (ich selbst habe sie anderthalb Jahre verbaut gehabt um mich an ihnen erfreut)

Wichtig zu wissen: Xenonbrenner mögen es gar nicht wenn man mit der sogenannten AUTO-Licht (Lichtsensor) Funktion durch die Gegend fährt, häufiges ein- und ausschalten im Minutentakt ist schädlich, nicht nur für die Brenner selbst, sondern auch für die Zünd- und Steuergeräte. Ausserdem ist wichtig zu wissen, dass sich neue Brenner erst “einbrennen” müssen, erst nach 10-20 Betriebsstunden erzielen sie ihre maximale Lichtleistung und ihre Lichtfarbe. Grundsätzlich kann man anmerken, je bläulicher das Licht desto weniger Lichtstrom (Helligkeit) wird abgegeben, ausserdem ist es eigentlich sinnvoller etwas “gelblich-weisses” Licht zu haben, da sich hierbei mehr Kontrast in der Nacht zeigt, dies ist besonders bei nasser Straße ein nicht zu unterschätzender Vorteil.