Seit 1894 bietet Benz seine Motorwagen wahlweise auch als Landauer an: Kutschen für maximal acht Personen, die entweder ein Klappverdeck oder ein verglastes Oberteil mit festem Dach besitzen. Vor allem Hotels bedienen sich dieser Landauer, um ihre Gäste vom Bahnhof abzuholen oder sie zum Zug zu bringen.

Den ersten motorisierten Linienverkehr initiieren die Stadtväter der Städte Netphen und Siegen, die ihre beiden Orte mit einer Omnibuslinie verbinden wollen und Benz den Auftrag erteilen, zwei motorgetriebene Busse zu bauen. Die Überlandbusse liefert Benz im März 1895. Zur Bewältigung der 15 Kilometer langen Strecke Siegen–Netphen–Deuz, die fünf Haltestellen und 80 Meter Höhenunterschied parat hält, brauchen die Busse eine Stunde und 20 Minuten. Gottlieb Daimler nimmt 1898 ebenfalls den Bau von Omnibussen auf.

Es folgt die Einrichtung vieler Omnibuslinien im In- und Ausland. Den großen Durchbruch schafft der Bus in Deutschland, als die Württembergische und die Bayerische Post in großem Stil Kraftwagen sowohl für die Paket- als auch (ein wenig später) für die Personenbeförderung ordern. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs liefert die Daimler-Motoren-Gesellschaft ungefähr 350 Omnibusse. Hauptabnehmer ist die Königliche Bayerische Postverwaltung, die insgesamt 250 Einheiten abnimmt. Mit 43 Prozent Marktanteil ist Daimler Marktführer. Platz zwei nimmt Benz mit 18 Prozent Marktanteil ein, den dritten Rang belegt Büssing mit 12 Prozent. In der Folgezeit ist Daimler-Benz dann ein Pionier bei der Einführung des Dieselmotors in Omnibussen.

Als die Reichsautobahnen gebaut werden, entstehen von 1935 an extravagante, futuristische Entwürfe für neue Reisebusse in bisher nicht gekannter Dimension. Der Zweite Weltkrieg lässt hochtrabende Träume allerdings schnell platzen. Bereits im März 1948 aber schafft es Daimler-Benz, den neuen Omnibus O 4500 vorzustellen, dessen Karosserie nicht durch Sparzwänge vereinfacht ist. Der O 3500 ist dann von 1949 bis 1954 Marktführer seiner Klasse, der 1951 erscheinende O 6600 H ist der erste Frontlenker- und Heckmotorbus von Mercedes-Benz – Vorstufen zum äußerst erfolgreichen O 321 H. Dieser 1954 vorgestellte Omnibus erreicht in seiner 16-jährigen Laufbahn weltweit eine Stückzahl von annähernd 30.000 Exemplaren – mehr als jeder andere Omnibus zuvor.

Die Geschichte des modernen Omnibusbaus in Deutschland und Europa beginnt mit der Vorstellung des ersten Setra Omnibusses vom Typ S 8 im April des Jahres 1951. Die Präsentation findet während der IAA auf dem Gelände des Kässbohrer-Generalvertreters Kahl in Frankfurt am Main statt. Mit dem Setra wachsen die vormaligen Karl Kässbohrer Fahrzeugwerke zu einem Unternehmen von internationalem Rang, dessen Omnibusse sehr schnell weltweite Anerkennung finden und das in Europa und in den USA Tochtergesellschaften aufbaut und Lizenzpartner bis hin nach China hat.

1995, hundert Jahre nach der der Erfindung des Omnibusses durch Carl Benz, übernimmt die damalige Daimler-Benz AG die Marke Setra, gliedert Mercedes-Benz Omnibusse aus und fügt beide Marken zum neuen Tochterunternehmen EvoBus GmbH zusammen. Die beiden traditionsreichen Busmarken können ihre unterschiedlichen Stärken einbringen. Das Konzept geht auf: Nach relativ kurzer Zeit erreicht EvoBus die Gewinnzone. Der Rohbau aller Omnibusse beider Marken wird dem Werk Mannheim zugeschlagen, dann erfolgt der Transfer per Bahn direkt vom Mannheimer Werk ins Anfang der 1990er-Jahre frisch errichtete Werk nach Neu-Ulm. Dort werden die Busse fertig montiert und lackiert.

Auch bei umweltfreundlichen Stadtbussen in Nordamerika setzen die Stuttgarter auf einen strategischen Kauf. Im Jahr 2000 übernimmt Daimler den Hersteller Ontario Bus and Truck Inc., der 1975 in Mississauga, Ontario/Kanada, gegründet und zwei Jahre später in Ontario Bus Industries umbenannt wird. Mehr als 230 Städte und Metropolen in den Vereinigten Staaten verlassen sich seit Jahrzehnten auf Busse der Marke Orion. Das Produktportfolio umfasst „City Transit“ Busse. Mit der Hybridtechnologie ist die Marke Orion Weltmarktführer bei Hybridbussen. Die umweltfreundlichen Busse werden von Metropolen wie New York City, Ontario oder San Fransisco eingesetzt.

Das Angebot des Bereichs Daimler Buses, des weltweit führenden Herstellers von Omnibussen von mehr als 8 Tonnen mit den Marken Mercedes-Benz, Setra und Orion, umfasst im Jahr 2009 Reise-, Stadt- und Überlandbusse sowie Fahrgestelle. Die wichtigsten der insgesamt 15 Produktionsstandorte liegen in Deutschland, der Türkei, Brasilien und in den Staaten des nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA (North American Free Trade Agreement), also den USA, Kanada und Mexiko. 48 Prozent des Umsatzes erzielt die Sparte Daimler Buses 2008 in Westeuropa, 15 Prozent in den NAFTA-Märkten und 19 Prozent in Lateinamerika ohne Mexiko.

Quelle: Daimler AG


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