Mario De Rosa besuchte am vergangenen Wochenende die “Sternennächte” im Mercedes-Benz-Museum, welche noch bis einschließlich 11.03.2012 stattfinden – der ideale Zeitpunkt, dies im Rahmen eines Gastartikels aufzubereiten.

Ein Hauch Noblesse weht durch das Mercedes-Benz-Museum, anlässlich der vom 28.02.-11.03.2012 stattfindenden Sternennächte: Parkmöglichkeit direkt auf dem Museumshügel samt Einweiser und ausgerolltem roten Teppich für die Anhänger von Gaumenfreuden bis zum Aufzug inklusive. Das Mercedes-Benz-Museum hatte eine kleine Gruppe Blogger für den 04.03.2012 eingeladen und um 19 Uhr sollte es losgehen – ich bin pünktlich und freue mich auf den Abend. Als Italiener liegt mir das Ritual des Essens ja quasi im Blut. Überwiegend Fisch soll es geben. Umso besser, denn als Italiener, der überdies vom Meer stammt, liegt auch dieser Genuß in meinen genetischen Anlagen. Zunächst schreite ich also über den roten Teppich zum Aufzug und lasse mich sanft gleitend nach oben fahren, wo jeder Museumsrundgang seinen Beginn findet. Doch diesmal schreite ich nicht in die gewohnte Richtung, wo der Benz-Patentmotorwagen und die Daimler-Motorkutsche in friedlicher Eintracht sich tagein, tagaus beruhigend im Kreise drehen, sondern in die genau entgegengesetzte, um mich im sog. Casino wiederzufinden. Jenem Raum, der sich offenbar problemlos jeder Metamorphose unterwerfen kann und es trotzdem noch schafft, gut auszusehen; je nach Anlaß der Veranstaltung. Diesmal hat sich das Casino mächtig in Schale geworfen. Doch davon später mehr, denn zunächst werden die Gäste in der Cocktailbar empfangen.

In der Cocktaillounge werden kleine Häppchen kredenzt. Ich koste von diesen, deren Namen so fremd wie ausgefallen sind. Geschmacklich aber sind sie unübertroffen und passen hervorragend zum dazu angebotenen Champagner. Gereicht werden Persische Kräutertarte mit Topfen und kandierter Walnuß, Focaccia mit Kichererbsenmousse sowie Geschmelzter Biolachs mit Apfel-Kardamon-Chutney.

Bis die Anwesenden zur Führung durch das Museum gebeten werden, bleibt noch etwas Zeit, um sich auf der Besucherterrasse ein wenig zu unterhalten oder einfach nur den Ausblick über Stuttgart zu genießen. Auch hier haben die Dekorateure des Abends Geschmack bewiesen und Laternen auf der Dachterrasse verteilt, deren Kerzen eine gemütliche und beruhigende Stimmung verbreiten.

Die Führung durch das Museum war interessant, führte sie doch auch in die aktuelle Sonderausstellung „Zeitlos – 60 Jahre Mercedes-Benz SL“. Mancher mag über die etwas nüchterne Art der Ausstellung die Nase rümpfen, doch die Exklusivität der ausgestellten Exponate spricht für sich. Allein der 300SL mit der Chassisnummer 11, der sog. „Hobel“, das 300SL-Einzelstück mit Kunststoffkarosserie oder der 190SL von David Scott, dem fünften Mann auf dem Mond, um nur drei Fahrzeuge exemplarisch hervorzuheben, lohnen den Besuch der Ausstellung.

Doch jetzt wird’s „ernst“, denn sowohl Aperitiv als auch Museumsführung sind zu Ende und die Gäste werden ins festlich dekorierte Casino geführt, wo Kristall-Lüster von der Decke hängen und die Zweiertische elegant dekoriert sind. Wir Blogger sind zu sechst und nehmen am gemeinsamen Tisch Platz. Der Star des Abends, Michelin-Stern-Koch Mansur Memarian, verlässt für ein paar Minuten sein Reich um sich uns vorzustellen. Er wirkt auf Anhieb sympathisch, kommt er doch ohne jegliche Überheblichkeit und mit einem gewinnenden Lächeln auf uns zu und stellt sich geduldig den zahlreichen Fragen der Kollegen.

Mansur Memarian ist zwar in Teheran geboren, doch in Deutschland aufgewachsen, was die Konversation mit ihm nicht nur spielend leicht, sondern zu einem ausgesprochenen Vergnügen macht. Deutsch ist übrigens nur eine von vier Sprachen, die der Deutsch-Iraner beherrscht. Seine Karriere beginnt er in Krefeld, wo er eine Lehre im Hotelrestaurant des Villa Medici absolviert. Weitere Stationen sind unter anderem Düsseldorf, München und Bad Laasphe. Im Ars Vivendi in Bad Laasphe wird Mansur Memarian dann 2005 mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Aktuell hat ihn seine Kunst nach Dubai verschlagen. Seit August 2010 ist Memarian Sous-Chef im Gourmetrestaurant des „Shangri-La“ Hotels in Abu Dhabi. Nach seinen Vorlieben befragt, antwortet der umgängliche Starkoch, daß seine Lieblingsprodukte aus dem Meer stammen. Das deckt sich mit der heutigen Speisekarte, die ein Fest für die Sinne verspricht. Trotzdem gibt sich Mansur Memarian nie zufrieden. 250 Gerichte habe er kreiert, verrät er uns, doch er gibt gleichzeitig zu, diese immer weiter verbessern zu wollen. 100%-ige Zufriedenheit scheint dem Kochtalent fremd zu sein. Eine selbst auferlegte Fessel, wie ich am Ende des Abends konstatieren werde.

Nach dieser ausgesprochen angenehmen Plauderei geht es los! Serviert werden zunächst dreierlei Brotsorten: Trockenfrüchte-Buchteln mit Rosinen, Schwäbisches Stangenbrot und Ciabatta. Drei völlig unterschiedliche Geschmacksrichtungen. Während die Buchteln süßlich daherkommen, weist das Stangenbrot eine angenehm knusprige Rinde auf. Die Ciabatta geht eher in Richtung Weißbrot mit einer rundum knusprigen Hülle. Dazu werden selbstgeschlagene Salzbutter und Kräuter-Hüttenkäse-Quark gereicht.

Als treuer Begleiter des Abends wird sich Sommelier Christian Watzek erweisen. Seinem kenntnisreichen Urteilsvermögen haben wir die Weine zu verdanken, welche die jeweiligen Speisen geschmacklich abrunden. Begonnen hat Herr Watzek mit einem leichten, filigranen Sauvignon Blanc aus Württemberg. Ein Hauch Lychee nebst eleganter Zitrusnote passten sehr gut zu den unterschiedlichen Brotsorten und Aufstrichen.

Als nächstes überraschte Mansur Memarian die Gäste mit einem originellen Gruß aus der Küche: Langustinencarpaccio auf Tomaten-Honig-Gelee mit Gurken-Kaffir-Relish. Die Abwechslung zwischen süß und herb geriet anfangs zur sprichwörtlichen Geschmackssache, doch auch hier perfektionierte der gereichte Wein das Gericht.

Nach einer kurzen Pause, die von uns zum regen Austausch untereinander genutzt wurde, reichten die stets aufmerksamen Damen und Herren des Service den ersten Gang. Als bekennender Freund von Krustentieren war es mir ein besonderes Vergnügen, den Maine-Hummer mit Sesam-Krokant, Honigmelone sowie Madras-Curry-Emulsion verkosten zu dürfen. Bereits ausgelöst, bereitete der Verzehr des Hummers ein großartiges kulinarisches Vergnügen. Besonders die Madras-Curry-Emulsion gab dem Gericht eine orientalische Note. Sommelier Watzek verstand es zusätzlich gekonnt, dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, indem er einen im Stahltank ausgebauten 2010er Riesling Wehlener Sonnenuhr Spätlese anbot. Dieser harmonierte durch einen Hauch Minze und feinen Noten von Zitronenmelisse perfekt mit dem Hummer.

Nach dem ersten Gang war die Spannung groß, ob sich dieses Geschmackserlebnis noch intensivieren ließe und ich sage es vorweg: es ließ sich intensivieren. Was anschließend als Gang zwei serviert wurde, zählt mit zu den besten Gerichten, die ich je versuchen durfte. Norwegische Jakobsmuscheln mit Kräutersaitlingen, Maronen, Salatherzen und Périgord-Trüffel in Cognac-Velouté. Wer sich so was einfallen lässt, muß als Meister seines Faches gelten. Diese Geschmacksexplosion, nein, das Feuerwerk, das dieses Meisterwerk in meinem Gaumen ausgelöst hat, lässt sich nur schwer beschreiben. Hier traf der Orient auf wunderbare Weise auf den Okzident. Dazu noch den 2007er Morillon „Zieregg“ und man hätte den Abend gemütlich auslaufen lassen können. Der Wein unterstrich die latente Süße des Gerichts durch einen Hauch von Karamell und einer eigenen feinen Süße auf vorzügliche Art. Ein Gericht, an das ich mich noch sehr lange erinnern werde.

Was konnte nun Gang drei Überraschendes bieten? Es war nicht an der Zeit, Skepsis zu zeigen, denn Meisterkoch Memarian ließ bei den Gästen keinen Zweifel an seiner Kunst aufkommen. Er zauberte einen Weißen Heilbutt in knusprigem Waldpilzmantel mit Rote-Bete-Schupfnudeln und Bouillabaise-Vongole-Sphere. Auch diese Komposition überzeugte restlos und Christian Watzek war mit einem Gelben Traminer zur Stelle. Mit 14,00 % der stärkste aller angebotenen Weine, doch durch seine zarten Anklänge nach Rosenholz und Orangenschalen sowie seinem feinem Honigton hat der Sommelier ein gutes Händchen bewiesen.

Beim vorletzten Gang verließ der Meister seines Fachs die bislang eingeschlagene Linie und bewies allen, daß er auch mit Fleisch vorzüglich umzugehen vermag. Das Peters Farm Milchkalbsfilet mit Zucchinipüree, Auberginenlasagne und Gremolatasauce zwang uns zu einer geschmacklichen Kehrtwende um 180 Grad. Trotzdem es sich hart anhört, folgten wir dem neuen Kurs nur allzu bereitwillig. Das Filet war der gelungene Abschluß eines bis dato bunten Reigens an unterschiedlichen Geschmäckern, Düften und Gerichten. Auch beim Fleisch verließ uns Weinkenner Watzek nicht. Der aus den Rebsorten Spätburgunder, Lemberger und Regent gekelterte und in Barriquefässern gereifte Cuvee I aus dem heimischen Württemberg bildete die ideale Ergänzung zum Milchkalbsfilet und der Auberginenlasagne.

Kein Menü ohne Dessert, so die allgemeine Menüformel! Auch hierbei hat sich Mansur Memarian etwas Besonderes einfallen lassen. Joghurt-Sorbet in Catalana-Schaum mit Erdbeer-Rhabarber-Ragout und Vanillekorallen. Letztere sahen aus wie getrocknetes Brotinneres, schmeckten aber um Längen besser. Dazu reichte Sommelier Watzek einen 2007er Pfälzer Chardonnay-Eiswein. Kein Wunder, weist dieser doch Aromen von Erdbeere und Rhabarber auf und unterstützt so geschmacklich die Exotik des Nachtischs.

Bevor sich die Gruppe Blogger nach Espresso und Pralinen sowie einem in allen Belangen gelungenen Abend auf den Nachhauseweg machte, konnte noch die Bekanntschaft des zweiten Michelin-Stern-Kochs gemacht werden: Sebastian Frank, Küchenmagier des „Horvath“ in Berlin erwies uns die Ehre und setzte sich zu einem kurzen Plausch an unseren Tisch. Er wird vom 06.-11.03.2012 Mansur Memarian ablösen und die Gäste der „Sternennächte“ mit seinen modernen Interpretationen traditioneller Küche verwöhnen.

Auch wenn der Preis für das 5-Gänge-Menü mit 127 EUR pro Person (incl. Aperitiv und Führung, jedoch ohne Getränke – die Weinbegleitung kostet 59 EUR extra) auf den ersten Blick innehalten lässt, so kann ohne Übertreibung behauptet werden, daß man sich dafür einem unvergesslichen Gourmetgenuß unterwirft. Auch als Abende für besondere Anlässe sind die Mercedes-Benz Sternennächte aufgrund ihrer Exklusivität uneingeschränkt zu empfehlen.

Autor: Mario De Rosa

Wir von MBpassion bedanken uns bei Mario für den ausführlichen Bericht des 5-Gänge-Menüs im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart.