Die neue B-Klasse feiert auf der IAA 2011 in Frankfurt Premiere – ab November kommt das Fahrzeug zu den Händlern. Wir haben uns vergangenen Dienstag schonmal im Advanced Design Center in Como im Interieur umgesehen.

Mercedes-Benz möchte mit der zweiten Generation der B-Klasse einiges ändern – nicht nur am äußeren Design: Auch am Interieur gibt es einen neuen Anspruch auf Material, Anmutung und Wertigkeit. Die Verantwortlichen im Design-Center reden von “hochwertigen Materialien und fein strukturierten Oberflächen, edele Details und präzise Verarbeitung und eine neue Großzügigkeit”. Nach Angaben der Presseverantwortlichen verschiebt sich der Maßstab im Kompaktklasse-Segment nach oben – und genau das wollten und haben wir uns beim Kurztrip nach Italien angeschaut.

Beim Blick auf den durch und durch, komplett neu gestalteten Innenraum fällt das große, dreidimensionale gestaltete Zierteil auf, das sich über die gesamte Instrumententafel ersteckt: Es ist in 4 Varianten erhältlich und soll die Bereiche von modern über sportlich bis hin zu klassisch abdecken. Im Basismodell ist das Zierteil im Strukturmuster “Matrix” aus thermoplastischen Kunststoff verarbeitet. Das Zierteil im Sportpaket ist ebenso, wie das Basismodell, mittels IMD-Technik gefertigt (In-Mold-Decoration), die Zierfolie wird hierbei jedoch beidseitig bedruckt: So entsteht mehr Tiefenwirkung und ein 3D-Effekt. Im Exklusivpaket ist das Zierteil mit Echtholz-Furnier Wurzelnuss matt – oder auf Wahl in Esche schwarz glänzend – bestellbar. Im Exklusivpaket sind parallel auch Vollledersitze bestellbar.

Was auf den Bildern eigentlich noch extremer – und viel dominanter – auffällt, sind die drei großen Runddüsen in der Mitte der Instrumententafel und die einzigartig gestalteten Düsenkreuze – in Anlehnung an den SLK oder gar SLS. Sie wirken allerdings beim realen Blick auf das Interieur jedoch nicht so extrem wie auf den Bildern.

Die Außenringe der Runddüsen sind aus “Aluminium poliert” in seidenmatt. Oberhalb der Düsen steht der fixe Bildschirm, der je nach Ausstattung in 6″ oder 7″-Variante (147 bzw. 178 mm Diagonale) verbaut wird. Der Zierrahmen des Screens hat eine galvanisierte Oberfläche und steht im Kontrast mit dem piano-black der Frontblende. Der Bildschirm selbst ist dabei weder einklappbar – nach abmontierbar – passt sich aber nach unseren Eindruck gut in den Innenraum ein. Der Screen ist kein Touchscreen, die Bedienung erfolgt über einen Controller in der Mittelkonsole.

Neu auch: Das Lenkrad, welches unter anderem aus der aktuellen CLS-Baureihe bekannt ist. Das 3-Speichen-Lenkrad hat eine silberchrome Spange in der mittleren Speiche (in jeder Ausstattungsvariante), das Kombiinstrument verfügt über 4 analoge Rundinstrumente, die Zeiger hängen in 6-Uhr-Stellung.

Auf einen Handbremshebel wird in der neuen B-Klasse komplett verzichtet – jede Ausstattungslinie verfügt über eine elektronische Parkbremse. Mit der Bestellung des neuen Doppelkupplungsgetriebes 7G-DCT sitzt der Wählhebel sowie die Schaltwippen für den manuellen Modus grundsätzlich am Lenkrad – ein Novum in dieser Klasse – und sorgt gleichzeitig für einen großzügigen Eindruck und zusätzliche Ablagen in der Mittelkonsole.

Beim Interieur erlauben drei Interieur-Pakete eine Individualisierung: Exklusiv-, Chrom-, und Sportpaket. Die Instrumententafel ist auf Wunsch (optional im Exklusivpaket) mit der Ledernachbildung Artico bezogen – mit farblich abgesetzten Ziernähte. Dabei wurde übrigens auf eine Naht um den Airbag verzichtet, das Leder bzw. das Plastik wird hier bei der Produktion mit Lasern “angeritzt”, um eine Bruchstelle zu verursachen – eine sichtbare Naht oder Reiskante ist beim Airbag in der Instrumententafel nicht zu sehen.

Im Innenraum setzt die neue B-Klasse durchaus neue Maßstäbe: Im Fond gibt es eine Kniefreiheit von 87 cm – das übertrifft sogar die S und E-Klasse. Die Rücksitzlehne ist 60:40 teil- und klappbar, auf Wunsch ist das Easy-Vario-Plus-System erhältlich: Mit wenigen Handgriffen kann der Innenraum noch flexibeler umgestaltet werden, zum Beispiel sind dann die Fondsitze um bis zu 140 Millimeter getrennt Längsverstellbar.

Nachts ist beim Licht- und Sichtpaket eine Ambientebeleuchtung erhältlich: Ein Lichtleiter an der Unterkante des Zierteils sorgt für eine Beleuchtung im Farbton “amber” – parallel ist eine Fußraumbeleuchtung vorne sowie die Beleuchtung der Griffschalten sämtlicher Türen verbaut. Der Grundträger der Türtafel besteht ebenso wie die Instrumententafel aus einer weichen, haptisch angenehmen Folie, das Mittelfeld und die Armauflage sind separat aufgesetzt. Die Türtasche wird von hinten eingesetzt und bietet anders als ein herkömmliches Spritzguss-Bauteil eine weiche und dennoch verschmutzungsunempfindliche Oberfläche im Bereich des Einstiegs.

Auch die Armauflagen in der Tür und der Mittelkonsole sind bereits beim Basismodell weich hinterschäumt. Das Türmittelfeld besteht aus gewebtem Textil, die Armauflage aus Ledernachbildung ARTICO. Bei den Topversionen wird die aufwendig verarbeitete Armauflage mit farblich abgesetzten Doppel-Ziernähten versehen.

Im Design Center in Como haben wir uns, neben einzelnen Interieur Bauteilen und Baugruppen im Vergleich zum ersten B-Klasse Generation, auch das komplette Interieur an einen Vorserienmodell der künftigen B-Klasse angeschaut.

Was uns dabei sofort in das Auge gesprungen ist, ist das Wertigkeitsgefühl. Gerade im Vergleich zur ersten Generation hat Mercedes hier seine Hausaufgaben wirklich gut gemacht. Das neue Lenkrad liegt perfekt in der Hand – wie wir es auch schon vom CLS oder beim Facelift der C-Klasse gewohnt waren. Kennt man den Vorgänger – fühlt man sich auch im Innenraum der neuen B-Klasse schnell zuhause.

Einige Änderungen bedürfen wohl einige Gewohnheit: Der Tempomatenhebel bleibt links – wandert jedoch von einer Position oberhalb, nach unterhalb des Kombischalters. Der Wählhebel der Automatik findet sich rechts am Lenkrad und zeigt nochmals klar den Vorteil, der zusätzliche Ablagen in der Mittelkonsole welche entsprechend tief sind und ausreichend Platz bieten. So haben wir uns das vorgestellt! Durchaus: Die stylischen Lüftungsdüsen haben uns zuerst optisch auf den vorab verteilten Pressebildern mit einer gewissen Skepsis entgegen gewirkt – in der Realität nehmen die Düsen jedoch keine sehr dominante Stellung ein.

Der Blick auf das Kombiinstrument passt – welches selbst zwar monochrom bleibt, dafür aber im Vergleich zur ersten B-Klasse Generation deutlich größer geworden ist.

Im Allgemeinen: Der B bleibt ein B, auch wenn viele Elemente aus den größeren Baureihen übernommen worden sind. Das Sitzgefühl bleibt hochsitzend – wie gewohnt. Die Bedienelemente sind allesamt funktionell, die Materialanmutung erhöht sich deutlich und erreicht problemlos C-Klasse Facelift-Niveau.

Ein Detailbild des Interieurs haben wir in höherer Auflösung hier bereitgelegt – knappe 3.5 MB groß.

Auf die ersten kompletten Infos zum Exterieur müssen wir noch einige Wochen warten – genauer bis zum 25. August. Ein erstes “Probesitzen” in der neuen B-Klasse noch lange vor der Händlerpremiere, ist für Mitglieder des “B-Klasse-Club´s” bereits am 26. August in Sindelfingen möglich. Weitere Details dazu gibt es hier.

Bilder: Daimler AG