Mercedes-Benz war bereits 1996 mit der ersten Generation des SLKs Vorreiter im Marktsegment – war doch ein Variodach verbaut, das in wenigen Sekunden das offene Fahrzeug in ein Coupé mit festen Dach verwandelte. Nun steht die dritte Generation des Fahrzeuges in Kürze beim Händler. Wir haben uns vorab die 4-Zylinder-Motorisierung genauer angeschaut.

Fans des Roadsters müssen sich noch ein wenig gedulden, steht der SLK doch erst am 26. März – zeitgleich als Doppelpremiere mit dem C-Klasse Facelift – für die kommende Freiluft-Saison bei den Händlern. Starten wird der Roadster erstmal mit zwei 4-Zylinder-Motorisierungen sowie einer 6-Zylinder-Variante (SLK 200 und 250 BlueEFFICIENCY, sowie SLK 350 BlueEFFICENCY mit 184, 204 bzw. 306 PS). Die Diesel- mit 204 PS (OM651 Motor) sowie die AMG-Version folgt im Laufe des Jahres.

Gewohnt gibt es in neuen Generationen Neuheiten, – hier z.B. als Weltpremiere Magic Sky Control, ein Panorama-Variodach, welches sich auf Knopfdruck hell oder dunkel schalten lässt. Die wohl größte Neuerung ist, neben des neuen Exterieurdesign, wohl die Einführung der Sicherheitsassistenten der größeren Klassen, die bereits von der E-Klasse bzw. der neuen Generation des CLS bekannt sein sollte. Der Hersteller möchte mit den Modell in jeder Hinsicht und ohne halbherzige Kompromisse die Spitzenstellung einnehmen, – sowie Spaß am Autofahren bieten. Demnach, so kann man aus der Pressemappe entnehmen, soll der “Spagat zwischen exzellenten Komfort und hochwertiger Ausstattung mit ausgesprochenen sportlichen Temperament vereint werden”. Hohe Ziele, – die wir uns bei einer Fahrmöglichkeit auf der spanischen Vulkaninsel Teneriffa, vor wenigen Tagen genau anschauen konnten.

Bei der Motorisierung wählten wir absichtlich – auch wenn wir einen 350 BE hätten wählen konnten – einen 4-Zylinder. Hier alldering die große 204 PS Ausführung. Aus 1796 cm3 Hunraum kommen knackige 150kW bzw. 204 PS bei 5500/min, und ein Spitzendrehmoment von 310 Nm bei 2000-4300/min. Mercedes-Benz gibt den Kraftstoffverbrauch mit 6,2-6,6 Liter auf 100 km/h an. Einen realen Wert konnten wir aufgrund der unüblichen Strecken auf Teneriffa leider nicht einfahren (unser Verbrauch lag bei knapp 12 Liter auf 100 km).

Die Spitzengeschwindigkeit des 250 BE liegt bei 243 km/h nach Werksangabe mit 7G-Tronic Plus – im Vergleich zur kleineren Variante mit 184 PS mit 237 km/h (mit 6-Gangschaltung 240km/h) nur einige wenige km/h schneller. Die große Variante des 4-Zylinders wird ausnahmslos mit Automatikgetriebe ausgeliefert. Der SLK hat einen Tankinhalt von 60 Liter, inkl. 8 Liter Reserve – auf Wunsch gibt es jedoch auch die 70-Liter-Tankvariante für längere Touren.

Alle Motorisierungen des SLKs, auch die kommende Diesel- und AMG-Variante, haben serienmäßig das ECO Start/Stopp-System an Bord. Das heißt: Motor aus im Stillstand, Motor an beim Lösen der Bremse, was in der Praxis auch tadellos funktioniert. Im Test auf den Bergstrecken in Teneriffa haben wir die Funktion jedoch schnell abgeschaltet, da diese durchaus auch mal stören kann. Das Siebengang-Automatikgetriebe passt übrigens vorzüglich zum Fahrzeug, die Schaltvorgänge erfolgen flüssig und mit geringer Verzögerung. Mittels Fahrprogramm “E” ist eine komfortbetonte und kraftstoffsparende Schaltstrategie gewählt, d.h. es wird frühstmöglich in den nächsten Gang hochgeschaltet und auf niedrigeres Drehzahlniveau geachtet. Das Fahrprogramm “S” ist für die eher sportliche Gangart vorgesehen, die Gänge werden entsprechend höher ausgedreht und es wird später hochgeschaltet. Im “S”-Modus wird erheblich eher zurückgeschaltet, wie im E-Fahrmodus.

Das Exterieur:

Der SLK hat die klassischen Roadsterproportionen behalten, die Motorhaube ist gewohnt lang – das Heck ist kurz, – das Design wurde komplett neu designt: Mittig folgt ein nach hinten versetztes, kompaktes Passagierabteil.

Betrachtet man das Fahrzeug von vorne, fällt die im Wind stehende Kühlermaske auf, die nun mittig den Stern dreht – eingerahmt von einer mittigen Lamelle. Die “Formel-1-Nase” der zweiten Generation ist vollkommen verschwunden. Betrachtet man die Scheinwerfer des Fahrzeuges, vergleicht Mercedes das ganze gerne mit den “Ur-SLK”, den legendären 190 SL der 1950er Jahre – eine Enge Verwandschaft mit den Flügeltürer SLS AMG und zum neuen CLS ist aber auch gegeben. Vor allen die Kühlerfront erinnert verstärkt an die zweite Generation des CLS. Trotz allen erstaunlich: Der cw-Wert des Roadsters sank, gegenüber der 2. Generation von 0,32 auf 0,30 – was durchaus beachtlich ist.

Neu auch: Lüftungsgitter mit verchromter Finne ala Roadster der 50er Jahre an den Seiten der vorderen Kotflügel. Am Heck selbst fallen die neuen, breiten Heckleuchten mit interessanter Leuchtengrafik auf, die erstmals in reiner LED-Technik produziert werden. Das Lichtdesign vorne und hinten ist ansprechend geschmackvoll ausgefallen. Ein wenig störend: die Antenne am Heck, die mittig am Deckel befestigt worden ist (und durchaus im Rückspiel zu erkennen ist) – entfällt aber bei Nicht-Mitbestellung der Ausstattungsdetail DAB Radio bzw. Komforttelefonie.

Interieur:
Der Innenraum wirkt, und das bereits auf den ersten Blick, – hochwertig und edel. Beim Einstieg in das Fahrzeug bemerkt man die komplett geänderte Mittelkonsole sowie das Lenkrad, beides vom Design des neuen CLS entnommen. Was nach Aluminium aussieht, ist es auch. Vier in die Instrumententafel eingelassene galvanisierte runde, formal dem SLS entlehnte Belüftungsdüsen betonen die Zugehörigkeit zur Sportwagenfamilie, – von der Bedienung liegen diese erstaunlich gut in der Hand. Für den Fahrer gibt es ein Multifunktionsdisplay für die Informationen des Bordcomputers, was entgegen des C-Klasse-Facelifts jedoch keine Farbdarstellung ermöglicht.

In der Mitte der Instrumententafel ist das Color-Display gewohnt wie in der aktuellen E-Klasse verbaut und problemlos für alle Insassen einsehbar. Erstmals verbaut Mercedes-Benz auch das neue Comand Online-System, was den Abruf von Internetseiten über das Bordsystem ermöglicht (teils jedoch nur im Stillstand). Als Lenkrad gibt es ein – bereits vom CLS bekanntes – von unten abgeflachtes. Die Form des Lenkrades erleichtert den Einstieg und verschafft den Fahrzeug desweiteren eine zusätzliche sportliche Note.

Als Weltpremiere verbaut Mercedes ein einzigartiges Ausstattungsdetail: Magic Sky Control, was unser Fahrzeug jedoch leider nicht hatte. Das neue Dach lässt sich, mittels Bedienknopf am Himmel, hell oder dunkel schalten und ist somit entweder komplett durchsichtig oder eben nicht. Die ganze Option sollte man sich jedoch gut überlegen, sind doch 2368 Euro dann mit auf der Bestellliste aufgeführt.

Hinter den Einzelsitzen gibt es erneut keinerlei Ablagefläche, es folgt – wie beim Vorgänger – eine direkte Wand. Lediglich zwischen den Sitzen finden sich die gewohnten Ablagen sowie ein Fach, welches parallel das Mobiltelefon mit Halterung aufnimmt. Zwischen den Überrollbügeln passt das Windschott. Optional gibt es dort auch die aus den Überrollbügeln herausdrehbare, transparante Doppel-Windschott “Airguide”, was beim Testfahrzeug leider nicht verbaut war – wir uns aber sehr gerne angeschaut hätten. Andere vorhandene Fahrzeuge hatten das Ausstattungsdetail ebenfalls nicht verbaut.

Ein Pflichtprogramm beim SLK bleibt der warme Luftschal “Airscarf”, eine Option die man beim SLK auf alle Fälle mitbestellen sollte. Im direkten Vergleich zum Vorgänger ist uns die Wärmeleistung des Systems hier aber eher als “jetzt weniger” aufgefallen – hier hätte man nochmals ein wenig nachlegen können: selbst bei geschlossenen Fenster ist der Nackenfön für unsere Ansprüche noch zu schwach. Das System selbst ist wieder, wie gewohnt, in 3 Stufen aktivierbar, die Düse selbst ist jedoch leider fixiert.

Was wir bei den Testwagen, als auch in der Optionsliste vergeblich suchten: Klimatisierte Sitze, – diese Option aus der Oberklasse hält auch in der dritten Generation des SLKs keinen Einzug – eigentlich schade.

Das Fahrverhalten:
Kurzum: der neue SLK macht Spaß, – auch wenn man sich vielleicht erst an die neue Optik gewöhnen muss. In der Gesamtheit passt das Fahrzeug, was sich auch bei der Fahrt sehr schnell bemerkbar macht. Der Roadster fährt einwandfrei, das Einlenkverhalten ist so, wie man es sich vorstellt. Optional gibt hier sogar das neue “Torque Vectoring Brake”, was im Paket des variablen Fahrwerks für 1416 Euro enthalten ist: Hier wird das kurveninnere Hinterrad leicht abgebremst, was das Fahrzeug zum Kurvenräuber macht.

Mercedes-Benz hat beim Motor ganze Arbeit geleistet: Die Fahrleistungen mit 204 PS aus knapp 1,8 Liter Hubraum überzeugen – und, dank verbauten “Soundgenerator” kommt sogar klangmässig annähernd viel Spaß auf, als ob man mehr Zylinder unter der Haube hätte – auch wenn man es nicht mit einen 6-Zylinder-Motor 1:1 vergleichen darf und kann. Die 7G-Tronic Plus Schaltung passt zum Fahrzeug, auch wenn die Schaltung Durchdrücken des Gaspedals doch erstmal eine Sekunde “überlegen” muss, – das Gas reagiert erst mit einer kleinen Verzögerung, – die bei uns verbauten Schaltpaddles am Lenkrad (gegen Aufpreis) helfen hier aber komplett ab und sorgen für noch mehr Sportlichkeit. Da nach unserer Meinung der Mehrzahl der Käufer wohl zur 4-Zylinder-Variante greifen wird – wie uns Verantwortliche der Daimler AG vor Ort auch bestätigten – ohne hier Zahlen zu nennen – war es genau die richtige Entscheidung, einen solchen Motor zu testen. Wir wurden nicht enttäuscht, der Fahrspaß ist durchaus vorhanden – was wir aber auch dem “Soundgenerator” zuschreiben. Ohne richtigen Sound ist der Roadster wohl kein richtiger Roadster – hier blicken wir gespannt auf den kommenden (ersten) Diesel-SLK, – den wir uns zu passender Zeit, definitiv auch vorab anschauen werden.