Welcher Kleinwagenfahrer hat sich nicht schon einmal mehr Leistung in seinem Fahrzeug gewünscht, und das im besten Fall ohne Mehrverbrauch und einhergehende erhöhte Umweltbelastung? Bislang war jedoch das Eine ohne das Andere unmöglich und daher blieben solche Wünsche unerfüllt. Auf der Essen Motorshow 2010 präsentiert der Sportservice Lorinser nun Easybrid® als innovative Lösung: Einen nachrüstbaren elektrischen Radnabenmotor mit 30 kW zusätzlicher Nennleistung, exemplarisch verbaut in einem Smart Fortwo.

Bereits am Anfang des 20 Jahrhunderts experimentierten Autohersteller mit Radnabenmotoren und rüsteten ihre Fahrzeuge damit aus – unter ihnen auch Ferdinand Porsche. Allerdings verschwand diese Entwicklung bald in den Schubladen, da die Allgemeinheit auf den Verbrennungsmotor setzte. Aufgrund der immer weiter steigenden Benzinpreise und der aktuellen Umwelt-, Klima- und CO2-Debatten machen sich jedoch vermehrt Firmen Gedanken um die Zukunft der Individualmobilität und zeigen auf diversen Messen Elektro- und Hybridfahrzeuge, die jedoch in absehbarer Zeit den Status von Konzeptautos nicht verlassen werden. Speziell die deutschen Automobilhersteller scheinen hier den Trend verschlafen zu haben und bringen Hybridtechnik allenfalls in der Luxusklasse zum Einsatz.

Wie wäre es aber, wenn man Hybridtechnik als Nachrüstlösung auch in die Fahrzeuge bringen könnte, die sich Jedermann leisten kann? Kann man Kleinwagen überhaupt umrüsten? Ist solch ein Umbau nicht viel zu aufwändig und damit zu teuer? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die sonst für sportliche Mercedes-Benz-Veredelungen bekannte Manufaktur Sportservice Lorinser aus dem schwäbischen Waiblingen eingehend. Projektleiter Martin Oberdörfer-Schmidt kam zu dem Schluss: „Der Umbau ist möglich und das sogar auf verhältnismäßig einfache und damit günstige Art und Weise.“

Voraussetzung ist vorerst, dass der umzurüstende Wagen über Trommelbremsen an der Hinterachse verfügt, was bei Klein- und Kleinstfahrzeugen jedoch häufig der Fall ist. An die Bremsankerplatten werden die so genannten Statoren adaptiert. Hierbei handelt es sich um eine Ansammlung von elektrischen Spulen, in die durch eine Steuerungselektronik gezielt Strom gegeben wird, um sie zu magnetisieren und damit den auf der Radnabe angebrachten Rotor, der rundum in Laufrichtung mit Permanentmagneten bestückt ist zum Drehen zu bringen. Somit fallen jegliche Arten von Getrieben, Differentialen und Antriebswellen weg, da der Motor direkt auf das jeweilige Rad einwirkt und dieses beschleunigt. Das bedeutet zusammengefasst, dass die Nennleistung des Elektromotors nahezu reibungsverlustfrei auf der Straße ankommt. Mittels eines Steuergeräts wird die Kraft der Radnabenmotoren zur eigentlichen Leistung des Verbrennungsmotors dazugeschaltet. Da der Einbau grundsätzlich an der Hinterachse stattfindet, werden viele der umrüstbaren Fahrzeuge somit auf Allradantrieb aufgerüstet, was im Winter zusätzliche Traktionsvorteile bietet.

Easybrid® unterstützt die vorhandenen Benzin- oder Dieselantriebe der umgerüsteten Fahrzeuge und sorgt mit rund 30 kW (rund 41 PS) zusätzlicher Leistung für verbesserte Beschleunigungs- und Endgeschwindigkeitswerte. Gleichzeitig sinken die Verbrauchs- und CO2-Werte. Da Elektromotoren sehr kraftvoll sind und ihr maximales Drehmoment direkt ab der ersten Umdrehung erreichen, ist es ebenfalls möglich die umgerüsteten Fahrzeuge rein elektrisch zu bewegen. Somit erreicht Lorinser mit dieser Nachrüstlösung nicht nur alle Vorteile eines modernen Hybridantriebes, sondern ermöglicht dem Fahrer auch selbst den Betriebsmodus zu wählen. Mit dem Wahlhebel kann er sich, neben der Kombination aus beiden Antrieben, auch für den rein elektrischen oder auch rein verbrennungsmotorischen Antrieb entscheiden. Er hat damit die Wahl, ob er Kraftstoff oder Strom oder eine Kombination aus beiden verbrauchen möchte.

Um die Lithium-Ionen-Akkus des E-Antriebes, die Platz sparend je nach Modell entweder in der Reserveradmulde oder unter dem Fahrzeug verbaut werden, wieder aufzuladen, kann man das Fahrzeug entweder an eine handelsübliche Steckdose anschließen oder während der Fahrt die so genannte Rekuperation nutzen. Hierbei wird Energie, die beim Bremsen und Bergabfahren entsteht, wieder in die Batterien eingespeist. Somit liegt die Reichweite zwischen rund 30 Kilometern im rein elektrischen Betrieb und je nach Modell weit über 500 Kilometern im kombinierten Hybridmodus. In Kombination mit modernen Turbodieselmotoren sind sogar noch höhere Reichweiten denkbar.

Auf der Essen Motorshow 2010, die am 27. November ihre Pforten öffnen wird, stellt Lorinser einen ersten fahrbaren Prototypen auf Basis eines Smart Fortwo vor, der über den Nachrüst-Radnabenmotor verfügen wird. Weitere in Betracht kommende Modelle für eine Nachrüstung wären der Volkswagen Polo, der Renault Twingo oder der Fiat 500. Auch ältere Modelle eignen sich durchaus und werden auf lange Sicht von Lorinser ebenfalls abgedeckt. Bereits seit Mai 2009 arbeiten die Lorinser-Techniker in Zusammenarbeit mit externen Entwicklungspartnern am Nachrüst-Radnabenmotor und damit ausgerüsteten Prototypen-Fahrzeugen. Bis Mitte 2011 soll die Testphase abgeschlossen sein, so dass ab dann erste Kundenfahrzeuge umgerüstet werden können.

Eine solche Umrüstung lohnt sich gerade für Kleinwagenfahrer natürlich nur, wenn sie finanziell im Rahmen bleibt und den Wert des Fahrzeugs nicht übersteigt. Daher hat Sportservice Lorinser das Gesamtprojekt gut durchdacht und es um eine innovative Idee ergänzt: Wie bei Mobiltelefonen könnte man Verträge einführen, mit denen sich die Kunden langfristig an Energieversorger binden, denen die Akkus des Fahrzeugs gehören. Das Energieversorgungsunternehmen könnte somit seine eigene Batterie als Energiespeicher für Vehicle-to-grid-Konzepte nutzen und der Autofahrer würde über einen erhöhten Strompreis die Akkus langsam abbezahlen. Dabei bedenkt Lorinser den Fakt, dass Mobilität auch in Zukunft nicht günstiger werden wird, die Batteriepreise aber deutlich fallen werden und die Benzinpreise sicher steigen. Somit ist es sowohl für Fahrer von Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen, als auch für die Energiekonzerne interessant, sich gegenseitig etwas bieten zu können. Die Anbieter könnten zum Beispiel eine Strom-Flatrate für Großabnehmer mit einer Elektrofahrzeug-Flotte anbieten. Entsprechende Konzepte werden den Stromanbietern zurzeit präsentiert.

Mittels eines solchen Batteriefinanzierungskonzeptes zwischen Anbieter und Verbraucher könnten sich die Kosten für eine Umrüstung eines Kleinwagens auf rund 5.000,- € einpendeln. Sollten die vom Staat geforderten Sonderzahlungen für zu hohe CO2-Ausstöße in Verbindung mit höheren Steuersätzen für schlechtere Abgasnormen wirklich kommen, könnten sich die tatsächlichen Kosten für die Radnabenmotor-Nachrüstung abermals reduzieren.

Bilder: Lorinser Sportservice


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