Nachdem wir das Facelift des CL 65 AMG bereits getestet haben, war es nur eine logische Konsequenz, auch einmal den kleinen Bruder CL 63 AMG zu versuchen, um die direkten Unterschiede zu “erfahren” – und ja der 63er machte uns dabei durchaus mehr Fahrfreude!

Der CL 63 AMG, ein typischer 8-Zylinder, wurde von AMG komplett neu entwickelt und hat jetzt einen Hubraum von nur noch 5.461 cm3, leistet dafür jedoch ganze 544 PS. Im Gegensatz zum davor getesteten CL 65 AMG verfügt der “kleinere” AMG über kein 5-Gang-Automatikgetriebe AMG Speedshift, sondern über das AMG Speedshift MCT 7-Gang Sportgetriebe.

Der Grundpreis des Fahrzeuges beträgt laut aktueller Preisliste 160.769,00 Euro – somit sollten wohl auch AMG-Fahrer des CLs weiterhin sehr exklusiv bleiben. Zum Vergleich: Der kleinste normale CL 500 BlueEFFICIENCY hat einen Grundpreis von 118.345,50 Euro und bietet 435 PS – aus 4.663 Liter Hubraum.

Neben der Serienausstattung verfügt der CL 63 AMG über Polsterung in Leder mit AMG-spezifischer Sitzgrafik, Aktiv-Multikontursitze vorne incl. Massagefunktion, 4-Wege Lordose, Fahrdynamik-Sitzen sowie Sitzklimatisierung vorne. Die Sitze selbst sind nun AMG Sportsitze, desweiteren gibt es ein Sportlenkrad mit silberfarbenen Aluminium-Schaltpaddles, Analoguhr im IWC-Design – sowie das Kombiinstrument mit AMG Racetimer und 320 km/h-Skala. Weiteres AMG-Interieur: Andere Einstiegsleisten, Sportpedalanlage aus Edelstahl mit Gumminoppen, sowie die üblichen AMG-Fußmatten aus Velours.

Im Exterieur verfügt das Fahrzeug über AMG Styling mit geänderter Front- und Heckschütze, sowie das AMG-eigene Tagfahrlicht, welches sich von der Serienversion schon von der Positionierung unterscheidet. Das hier ein AMG kommt, erkennt man aber auch an der eiinzelnen verchromten Lamelle im Kühlergrill und an der Hochleistungs-Bremsanlage mit Verbundbremsscheiben.

Unser Testfahrzeug rollt auf AMG Triple-Speichen-Design-Felgen in titangrau, glanzgedreht. Auf der Vorderachse 8x5Jx19 ET43 auf 255/40, sowie 9,5Jx19 ET 43 mit 275/40er Bereifung auf der Hinterachse. Für die eine optimale Straßenlage ist das ABC Sportfahrwerk an Bord. Für einen sportlichen Sound sorgt die AMG Sportabgasanlage mit zwei verchromten Doppelendrohren.

Daten hin oder her – im direkten Vergleich des “kleinen” AMG CL-Modells zum großen 12-Zylinder fiel uns schnell auf, das der Kleinere doch erheblich mehr Spaß bietet. Von den technischen Daten geben sich die Fahrzeuge an der Endgeschwindigkeit nichts, bei 250 km/h ist erstmal elektronisch abgeregelt – lediglich den CL 63 AMG kann man mittels optionalen AMG Performance Package auf 300 km/h “beschleunigen”. Dann liegt die Beschleunigung des 8-Zylinders auch auf den Werten des 12-Zylinders: 4,4 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h für beide Modelle. Ohne Performance-Package liegt der Wert beim CL 63 AMG bei gaaaanz mageren, 4,5 Sekunden. Den Unterschied wird wohl in der Realität kaum jemand merken. Bei Motorleistung und Drehmoment sieht das ganze schon anders aus: 900 Nm statt normalen 800 Nm und 20 kW-Mehrleistung (mit AMG Motorabdeckung in Carbon) – jedoch für 9.401 Euro Mehrpreis – sind schon eine deutliche Marke.

Für uns war der CL 63 AMG eher der Sportler, wenn nicht gar der “Krawallbruder”. Seine Leistung zeigt der 63er lautstarker, wo der 12-Zylinder sich lieber gediegen zurückhält. Fahrspaß ist im 544 PS-Fahrzeug für uns eher zu finden, als im großen CL 65. Auch wenn der 12-Zylinder ganze 1000 Nm Drehmoment bietet, der Klang des 8-Zylinders hat uns schnell überzeugt. Fazit: Sollte man im CL eher eine Art “Sportlichkeit” suchen, sollte man lieber zum günstigeren AMG-Modell greifen. Schaut man sich das Interieur unseres Testwagens an, sucht man Sportlichkeit wohl eher länger: designo-Klavierlack in champagnerweiß für 2.439,50 Euro extra leuchtet uns entgegen, woran wir uns aber nicht so schnell gewöhnen konnten. Angenehmes bringt das AMG-Modell eh schon serienmäßig mit. Da wären zum Beispiel die fahrdynamischen Sitze, dessen Sitzwangen sich je nach Fahrrichtung kurzzeitig aufblasen (eine Funktion, die wir in dieser Klasse nicht missen möchten).

Individualisieren kann man jedes Auto – auch den CL – der grundsätzlich jedoch schon extrem gut ausgestattet ist. Was im CL 65 AMG bereits serienmäßig ist, kostet im 8-Zylinder aber dann doch noch Aufpreis: Entertainment-Paket mit Harman-Kardon Logic 7 Soundsystem – 2.142 Euro – dann aber mit Splitview-System für das Navigationssystem.

Wie auch immer: Könnte man aus der Palette des neuen CLs wählen, muss man wissen, was man sucht: Preis-Leistung reicht im Grunde schon beim Grundmodell CL 500 BlueEFFICIENCY. Sucht man jedoch Sportlichkeit in Perfektion, muss man die 63er AMG-Variante wählen. Der 8-Zylinder zeigt seine Kraft viel offener, als jeder andere 12-Zylinder im CL. Der 8-Zylinder fällt im Gegensatz zum 12-Zylinder-Kollegen zwar lautstarker auf, beschert den Fahrer aber auch viel mehr Fahrspass und hängt – gefühlsmässig – viel besser am Gas als die größere Variante. Das Kurvenverhalten im CL braucht man in der AMG-Variante eigentlich nicht ansprechen: Ein Kurvenräuber schlechthin, dessen strafferes Fahrwerk die Fahrt zum Erlebniss machte.

Als Fazit gibt es beim CL nicht viel zu sagen: Perfekt, edel – und weiterhin exklusiv – wie erwartet. Das der Altersdurchschnitt der Käufer jedoch sinkt, wie die Verantwortlichen von Daimler hoffen, bezweifeln wir aber..

Bilder: MB Passion