Im Jahr 1984 stellt Mercedes-Benz die Baureihe 124 vor, die erste Fahrzeugfamilie, die den Namen E-Klasse tragen wird. Allerdings passiert die Umbenennung erst im Juni 1993. Beim Debüt, bei dem traditionsgemäß zunächst nur die Limousine vorgestellt wird, folgt die Typenbezeichnung noch dem klassischen Muster.

Baureihe 124 - T-Modell

Die Geschichte der Baureihe 124 ist geprägt von einer bisher unerreichten Vielfalt der Modelle, Karosserieformen und Innovationen. Einen wichtigen Schritt dabei markiert die Präsentation des T-Modells im September 1985 auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt/Main. Diese zweite Generation des sportlichen Lifestyle-Kombis von Mercedes-Benz entspricht technisch und stilistisch weitgehend den Limousinen: Abgesehen von der abweichenden Heckgestaltung, dem höheren Dach und den daraus resultierenden Änderungen gibt es keine Unterschiede in der Karosserie. Auch Aggregate, Bremsanlage und Fahrwerk sind lediglich der höheren Nutzlast angepasst, sonst aber nahezu unverändert von den Limousinen übernommen.

Auch den in den Limousinen erreichten Sicherheitsstandard übernehmen die Konstrukteure für die T-Modelle weitmöglich. Insbesondere in die Entwicklung des hinteren Karosserieüberhangs, eines bei Vollheck-Limousinen besonders kritischen Bereichs, fließen dabei neueste Erkenntnisse der Sicherheitsforschung ein.

Ein Beispiel dafür ist der Kraftstofftank, bei den T-Modellen konstruktionsbedingt unter dem Fahrzeugboden aufgehängt. Er erhält eine spezielle Form mit schrägen Anlaufflächen auf der Tankoberseite und dem Fahrzeugboden. Das gewährleistet, dass der Tank bei einem Heckaufprall mit Längsträgerverformung nach unten weggedrückt und dabei von Fangseilen gehalten wird, ohne auf die Fahrbahn aufzuschlagen.

Schon bei der Kompaktklasse der Baureihe 201 sind hochfeste Stahlbleche sowie andere gewichtsreduzierende Materialien zum Einsatz gekommen. In der Baureihe 124 verbessern die Mercedes-Benz Ingenieure trotz dieses Leichtbaus die Fahrzeugsicherheit weiter, als Messlatte dient die Baureihe 201 und die S-Klasse der Baureihe 126. Der Fahrgastraum der Baureihe 124 zeichnet sich durch hohe Seitenaufprall- und Überschlagfestigkeit aus und ist mit ausgeklügelten Deformationszonen im Vorbau und im Heck versehen. Das Kriterium des asymmetrischen Frontalaufpralls mit 40 Prozent Überdeckung und 55 km/h wird jetzt auch von den Limousinen der mittleren Baureihe erfüllt. Außerdem sind mögliche Kontaktzonen zum Schutz von Fußgängern und Zweiradfahrern stoßnachgiebig konzipiert.

Individualist mit stilistischen Familienmerkmalen
Die Gestaltung der Baureihe 124 zeigt eine Familienähnlichkeit zur Kompaktklasse. Insgesamt präsentiert sich die neue Typenreihe aber mit eigenständigen Design-Elementen, die erstmals verwendet werden und sachlich-funktionale Hintergründe haben. Für diese Formgebung zeichnen Bruno Sacco, Joseph Gallitzendörfer und Peter Pfeiffer verantwortlich. Die Heckgestaltung sowohl von Limousine als auch
T-Modell wirkt sich besonders günstig auf den Luftwiderstand aus und geht auf Versuche im Windkanal zurück. Aus solchen aerodynamischen Optimierungen resultiert eine deutliche Senkung des Kraftstoffverbrauchs gegenüber dem Vorgängermodell.

Der aufgrund der Karosseriegestaltung erheblich geringere cW-Wert im Vergleich zum Vorgänger bringt eine deutliche Verbesserung vor allem des Treibstoffverbrauchs. Gegenüber dem T-Modell mit der internen Bezeichnung S 123 sinkt der Wert von cW=0,42 auf cW=0,34 bis 0,35, je nach Motorisierung.

Ein zunächst wenig auffälliges, aber bemerkenswert innovatives Konstruktionsdetail ist der hubgesteuerte Panorama-Scheibenwischer. Er wischt 86 Prozent der Windschutzscheibe sauber – das ist zur Vorstellung der Baureihe 124 das weltweit größte Wischerfeld eines Pkw. Durch eine der Drehbewegung überlagerte Hubbewegung sind die oberen Ecken der Windschutzscheibe weitaus effizienter freizuwischen als mit einem konventionellen Einarmwischer. Elektrisch beheizte Scheibenwaschdüsen gehören bei allen Modellen der Baureihe zur Serienausstattung.

Fahrgestell und Motoren
Die schon aus der Kompaktklasse bekannten Vorder- und Hinterachskonstruktionen sorgen für hervorragende Fahreigenschaften. Dazu gehören eine an einzelnen Dreiecks-Querlenkern geführte Dämpferbein-Vorderachse mit Bremsnick-Abstützung sowie eine Raumlenker-Hinterachse, bei der jedes Hinterrad an fünf unabhängigen Lenkern geführt wird. Die Hinterachse der T-Modelle hat serienmäßig eine hydropneumatische Niveauregulierung.

Die ursprüngliche Modellpalette des T-Modells der Baureihe 124 umfasst sieben Typen mit unterschiedlicher Motorisierung. Der OM 601 des Typ 200 TD (53 kW) arbeitet mit gleichen Leistungsdaten auch im Typ 190 D der Kompaktklasse. Weitere Dieselmodelle sind die Typen 250 TD (OM 602, 2,5 Liter Hubraum, 66 kW) und 300 TD mit einem Dreiliter-Sechszylinder (OM 603, 80 kW). Im Typ 300 TD Turbo feiert der 105 kW starke Dreiliter-Sechszylinder-Turbodiesel OM 603 A sein Debüt, den die Mercedes-Benz Ingenieure aus dem Saugmotor der Limousine entwickeln. Die T-Modelle mit Ottomotor sind die Vierzylindertypen 200 T (80 kW) und 230 TE (100 kW) sowie der Sechszylindertyp 300 TE (138 kW).

1985: 4MATIC ist Allradkultur auf Mercedes-Benz Niveau
Gleichzeitig mit den T-Modellen stellen die Stuttgarter im Rahmen des „Mercedes-Benz Fahrdynamik-Konzepts“ den automatisch schaltenden Vierradantrieb 4MATIC vor. Dieses Allradsystem steht für die Sechszylindertypen der Baureihe 124 zur Verfügung, bei den T-Modellen sind die Typen 300 TE 4MATIC und 300 TD Turbo 4MATIC erhältlich. Neben der komplexen Regelungselektronik besteht die 4MATIC aus einem kompletten zusätzlichen Vorderradantrieb mit Verteilergetriebe und Differenzial; letzteres ist wegen der Einbauverhältnisse im Motorraum in die Ölwanne integriert.

Der hohe technische Aufwand dieses perfektionierten Vortriebssystems schlägt sich im Verkaufspreis nieder, die 4MATIC-Typen, deren Auslieferung 1987 beginnt, sind fast 12 000 DM teurer als ihre hinterradgetriebenen Pendants. Zum „Mercedes-Benz Fahrdynamik-Konzept“ gehören neben dem automatisch zuschaltenden Vierradantrieb 4MATIC auch das Automatische Sperr-Differenzial ASD und die Antriebs-Schlupf-Regelung ASR – insgesamt bietet Mercedes-Benz damit in diesem Paket drei abgestufte elektronisch-automatische Fahrdynamik-Systeme; sie nutzen alle die Signale des Anti-Blockier-Systems.

1986: Katalysator bei allen Mercedes-Pkw serienmäßig
Bereits von September 1985 an steht für alle benzingetriebenen Modelle der Baureihe, ausgenommen den vergaserbestückten Typ 200, auf Wunsch eine geregelte Abgasreinigungsanlage mit Dreiwege-Katalysator zur Verfügung. Alternativ ist die sogenannte „RÜF-Version“ erhältlich, bei der das Fahrzeug ohne Katalysator und Lambdasonde, aber mit dem multifunktionalen Gemischaufbereitungs- und Zündsystem (MF-System) ausgeliefert wird. So ist eine Nachrüstung mit geregeltem Katalysator jederzeit und ohne Probleme möglich. Diese Regelung gestattet dem Kunden größtmögliche Flexibilität, was den Zeitpunkt der Umrüstung betrifft. In den 1980er Jahren ist das ein erheblicher Vorteil, denn die Versorgung mit bleifreiem Kraftstoff ist noch nicht flächendeckend gesichert. Die Sechszylindermodelle werden serienmäßig in RÜF-Ausführung geliefert. Die Leistung sinkt durch die Umstellung auf das MF-System geringfügig. Beim den Typen mit 2,3-Liter-Motor gibt es die RÜF-Version zunächst nur als Sonderausstattung.

Von September 1986 an ist dann auch das Vergasermodell mit Abgasreinigungsanlage erhältlich. Somit gehört zu diesem Zeitpunkt der geregelte Katalysator bei allen Mercedes-Benz Pkw-Modellen mit Otto-Motor zur Serienausstattung. Die Rückrüstfahrzeuge sind jetzt (mit entsprechendem Preisabschlag) nur noch auf Wunsch lieferbar. Dieses Angebot endet im August 1989.

Wie in der Mittelklasse-Baureihe von Mercedes-Benz seit Jahrzehnten üblich, sind von der Baureihe 124 auch Fahrgestelle mit Teilkarosserie lieferbar, die von Aufbauherstellern im In- und Ausland zu Krankenwagen, Bestattungswagen oder anderen Sonderausführungen ausgebaut werden. Ein Novum ist, dass diese Fahrgestelle nun erstmals auf dem T-Modell basieren und zusammen mit diesem auch in Bremen gefertigt werden. Neben der Variante mit normalem Radstand, von der die Typen 250 D und 230 E verfügbar sind, gibt es zusätzlich auch wieder eine verlängerte Ausführung, die als Typen 250 D, 230 E und 260 E angeboten wird. Krankenwagen-Aufbauten auf diesen Fahrgestellen entstehen vornehmlich bei Binz in Lorch, Miesen in Bonn und Visser in Leeuwarden/Niederlande. Zu den bekanntesten Herstellern von Bestattungswagen auf 124er-Basis gehören die Karosseriebau-Unternehmen Pollmann in Bremen, Rappold in Wülfrath, Stolle in Hannover und Welsch in Mayen.

1988: Sauberere Turbodiesel
Ein weiteres T-Modell folgt im September 1988 auf dem Pariser Automobil-Salon, der Typ 200 TE (90 kW) mit dem bewährten Zweiliter-Einspritzmotor des Typ 190 E. Weitere ab September 1988 wirksame Änderungen bei den T-Modellen betreffen zunächst den aufgeladenen Dieselmotor der Typen 300 TD Turbo und 300 TD Turbo 4MATIC, bei ihnen steht eine Verringerung des Partikelausstoßes durch Verbesserung des Verbrennungsablaufs im Vordergrund. Erreicht wird dieses Ziel mittels Verwendung einer neu konstruierten Vorkammer mit Schrägeinspritzung, die eine effizientere Verbrennung gewährleistet. Angenehmer Nebeneffekt der neuen Diesel-Technologie ist eine Leistungssteigerung von 2,9 kW.

Alle Typen der Baureihe erhalten im September 1988 eine erweiterte Serienausstattung, zu der nun auch das Anti-Blockier-System ABS und ein beheizter rechter Außenspiegel gehören. Die aus der S-Klasse übernommene Scheibenwaschanlage wird bei dieser Gelegenheit mit einem beheizten Waschbehälter sowie beheizten Düsen und Schläuchen versehen.

1989: Initiative Diesel ’89
Im Rahmen der Initiative „Diesel ’89“ werden im Februar 1989 auch die nicht aufgeladenen Diesel-Pkw mit überarbeiteten Motoren ausgerüstet: Sie erhalten ebenfalls die neuen Vorkammern mit Schrägeinspritzung. Auch bei den Saugmotoren wirkt sich die neue Diesel-Technologie in einer Leistungssteigerung von 2,2 kW beim Typ 200 TD, beziehungsweise 2,9 kW bei den Typen 250 TD und 300 TD aus. Außerdem bekommen die Einspritzpumpen aller Diesel-Saugmotoren eine Höhenkorrekturdose, um die Emissionen auch bei Höhenbetrieb niedrig zu halten. Die verbesserten Typen, deren Partikelemission um 40 Prozent sinkt, erfüllen auch ohne Rußfilter die strengen in den USA geltenden Partikelgrenzwerte und arbeiteten nahezu rauchfrei. Noch weiter reduziert werden die Schadstoffemissionen mit Hilfe einer aufwändigen Abgasreinigungsanlage, bei der ein speziell für Dieselmotoren entwickelter Oxidationskatalysator mit einer sorgfältig abgestimmten Abgasrückführung kombiniert wird. Dieses sehr effiziente System ist von Oktober 1990 an für Diesel-Pkw mit Saugmotor, ein halbes Jahr später dann auch für die Typen mit Turbomotor als Sonderausstattung erhältlich.

1989: Modellpflege für die mittlere Klasse
Im September 1989 zeigt Mercedes-Benz auf der Frankfurter IAA ein komplett überarbeitetes Modellprogramm der mittleren Klasse. Im Vordergrund der Modellpflege stehen die stilistische Überarbeitung der Karosserie und die Neugestaltung des Innenraums. Auffälligstes Erkennungsmerkmal der modellgepflegten Typen sind die seitlichen Flankenschutz-Leisten mit integrierten Längsschweller-Verkleidungen, die in analoger Form zweieinhalb Jahre zuvor schon die Coupé-Modelle erhalten hatten. An ihrer Oberkante sind nun zusätzlich schmale Zierleisten aus poliertem Edelstahl angebracht, die sich auf der Oberseite von Bug- und Heckschürze fortsetzen und den vielfach vermissten Chromglanz nach langer Enthaltsamkeit in dezenter Form zurückbringen. Dazu kommen verchromte Zierstäbe an den Türgriffen und geänderte Radzierblenden, bei denen der Mercedes-Stern und ein schmaler Zierring am Umfang ebenfalls verchromt sind. Eine weitere Neuerung stellen die in Wagenfarbe lackierten Außenspiegelgehäuse dar. Neu gestaltet präsentiert sich auch der Innenraum, der vorn und hinten verbesserte Sitze erhält und mit zahlreichen Detailverbesserungen aufgewartet.

Für alle Typen der Baureihe 124 mit Ausnahme der 4MATIC-Varianten steht von September an das bereits von den Kompaktklasse-Modellen bekannte Sportline-Paket als Sonderausstattung zur Verfügung. Äußere Merkmale sind das Sportfahrwerk mit Breitreifen der Dimension 205/60 R 15 auf Leichtmetall- oder Stahlfelgen 7 J x 15 und eine deutlich tiefergelegte Karosserie. Zum weiteren Ausstattungsumfang gehört neben straffer abgestimmten Federn und Stoßdämpfern eine modifizierte Innenausstattung mit Lederlenkrad und -schalthebel sowie Einzelsitze vorn und hinten.

Vierventiltechnik in der Baureihe 124
Das überarbeitete Typenprogramm der Baureihe 124 bietet auch fünf gänzlich neue Modelle, darunter den Typ 300 TE-24 mit Dreiliter-Sechszylindermotor, Vierventiltechnik und verstellbarer Einlassnockenwelle. Das Aggregat stammt aus dem Sportwagentyp 300 SL-24. Freilich kann in der Mittelklasse-Baureihe aufgrund der abweichenden Einbauverhältnisse aber nicht der gleiche Katalysator-Querschnitt wie im SL verwendet werden. Deshalb fällt die Nennleistung von 162 kW um 8,1 kW niedriger aus als im Sportwagen (170 kW).

Im Juni 1992 läuft das 2 000 000. Fahrzeug der Baureihe 124 vom Band. Nur wenige Wochen später erhält die mittlere Klasse erneut eine große Modellpflege. Diesmal legt Mercedes-Benz den Schwerpunkt auf Motor und Ausstattung. Die Benziner präsentieren sich mit einer gründlich überarbeiteten Motorenpalette, die komplett auf Vierventiltechnik und – beim 2,2-Liter-Aggregat – auf zwei obenliegende Nockenwellen mit verstellbarer Einlassnockenwelle umgestellt ist: Aus der neuen Motorenfamilie M 111 kommen die Vierzylinder-Aggregate mit zwei und 2,2 Liter Hubraum, die in den Typen 200 TE (100 kW) und 220 TE (110 kW) arbeiten. Die neuen Motoren zeichnen sich durch gesteigerte Leistung und höheres Drehmoment über den gesamten Drehzahlbereich aus; der Kraftstoffverbrauch wird dennoch reduziert. Durch Anheben des Katalysatorvolumens verringert sich außerdem die Schadstoff-Emission.

Als Nachfolger der Zweiventil-Sechszylinder und des Dreiliter-Vierventilers treten die Vierventil-Aggregate mit 2,8 und 3,2 Liter Hubraum in den Typen 280 TE (145 kW) und 320 TE (162 kW) an. Diese Motoren sind zwar wie der seitherige Dreiliter-Vierventiler der Baureihe M 104 zugeordnet, weisen aber ein geändertes Verhältnis von Bohrung/Hub auf. Alle Vier- und Sechszylinder haben jetzt die gleiche Bohrung. Das erleichtert eine flexible und wirtschaftliche Fertigung. Der neue 2,8-Liter-Motor übertrifft die bewährten Zweiventiler der Typenfamilie M 103 hinsichtlich Leistung und Drehmoment, ohne einen höheren Kraftstoffverbrauch zu haben. Bei der 3,2-Liter-Variante, die sich bereits in der S-Klasse bewährt, bleibt die Nennleistung im Vergleich zum seitherigen Dreiliter-Vierventiler zwar gleich, wird aber früher erreicht. Trotz der offenkundigen Vorzüge des neuen Aggregats bleibt der Dreiliter-Motor bei den 4MATIC-Typen und auch dem Cabriolet zunächst weiter im Programm.

Außer der neuen Motorenpalette für die Benziner umfasst die Modellpflege eine deutlich aufgewertete Serienausstattung für alle Modelle der mittleren Klasse. Zum serienmäßigen Lieferumfang gehören von Oktober 1992 an Airbag, Zentralverriegelung sowie elektrisch verstellbare Außenspiegel links und rechts. Außerdem werden nun auch die Vierzylindertypen ohne Aufpreis mit Fünfgang-Getriebe ausgerüstet.

1993: Vierventil-Diesel
Als Weltneuheit kommt 1993 die Vierventiltechnik auch bei den Dieseltypen zum Einsatz. Die neue Technologie gewährleistet nicht nur ein erhöhtes Drehmoment- und Leistungsangebot über einen deutlich erweiterten Drehzahlbereich, sondern senkt auch den Kraftstoffverbrauch bei Volllast um bis zu 8 Prozent. Dazu wird die Partikelemission im Abgas durch den optimierten Verbrennungsablauf um rund 30 Prozent verringert. Mercedes-Benz rüstet nur die Fünfzylinder- und Sechszylinder-Saugmotoren auf Vierventiltechnik um, beim Zweiliter-Vierzylinder und den beiden Turbomotoren bleibt es dagegen bei zwei Ventilen pro Zylinder. Die Frischluftansaugung erfolgt bei den Vierventil-Dieseltypen wie schon bei den Turbo-Varianten über fünf Luftschlitze im rechten Vorderkotflügel. Um die Umweltverträglichkeit weiter zu verbessern, werden von Juni 1993 an alle Dieseltypen der Baureihe 124 serienmäßig mit Abgasrückführung und Oxidationskatalysator ausgestattet.

Im Rahmen der Modellpflegemaßnahmen wird auch der 2,8-Liter-Sechszylindermotor des Typ 280 TE noch einmal im Detail verändert. Diesmal geht es aber nicht in erster Linie um die Technik. Vielmehr wird die Nennleistung um 3 kW auf 142 kW reduziert. Das führt innerhalb Deutschlands zu einer günstigeren Einstufung in der Haftpflichtversicherung.

Stilistische Aktualisierung
Von Juni 1993 an überarbeiten die Mercedes-Benz Designer die Karosserie aller Modelle der Baureihe 124, aktualisieren sie stilistisch und passen sie den anderen Typenreihen an. Auffälligstes Kennzeichen der modifizierten Fahrzeuge ist die nach dem Vorbild der S-Klasse umgestaltete Kühlermaske. Dieser sogenannte Plakettenkühler zeigt einen im Vergleich zur bisherigen Ausführung wesentlich schmaleren Chromrahmen, und der Mercedes-Stern sitzt wie bei den S-Klasse Limousinen auf der Haube. Verändert sind auch die Leuchteinheiten: farblose Deckgläser an den vorderen Blinkleuchten und bichromatische Abdeckungen an den Heckleuchten.

Änderungen gibt es außerdem an der Form des Kofferraumdeckels, bei den Rädern und den Stoßfängern. Unter anderem bekommen die Stahlscheibenräder neue Radzierblenden im Sechsloch-Design, und die Schutzleisten der Stoßfänger sind nun in der Farbe der Anbauteile lackiert. Die Schutzleiste des Heckstoßfängers wird außerdem bis zu den Radausschnitten verlängert.

Von der mittleren Klasse zur E-Klasse
Mit dem Verkaufsbeginn der überarbeiteten Modelle tritt im Juni 1993 für die Baureihe 124 eine neue Nomenklatur in Kraft. Analog zur S-Klasse und zur neuen C-Klasse heißt die mittlere Klasse jetzt E-Klasse. Auch die Typenbezeichnungen folgen damit nun einem modifizierten System, bei dem ein Buchstabenkürzel die Klassenzugehörigkeit dokumentiert. Darauf folgt eine dreistellige Zahl, die nach wie vor auf dem Hubraum basiert. Das früher übliche E als Zusatzkennzeichnung für Ottomotoren mit Einspritzung würde vielleicht verwirren. Aber dieses Kürzel entfällt, da es keine Vergasermotoren mehr im Programm gibt. Auch auf eine Verschlüsselung am Fahrzeug der ohnehin ersichtlichen Karosserievarianten wie T-Modell und Coupé wird künftig verzichtet.

Bei den dieselgetriebenen Modellen ersetzt beim Typenschriftzug ein nachgestelltes „Diesel“ oder „Turbodiesel“ die bisher gängigen Kürzel. So erhält beispielsweise im T-Modell der 300 TD durch Anwendung der neuen Regeln die Bezeichnung E 300 Diesel. Der rechts auf dem Kofferraumdeckel angebrachte Schriftzug „DIESEL“ kann allerdings, wie überhaupt das gesamte Typenschild, auf Wunsch weggelassen werden.

Sportlichen Nachdruck verbreitet das neue T-Modell vom Typ E 36 AMG, das der Haustuner mit dem 3,6-Liter-Sechszylindermotor M 104 anbietet und das ebenfalls 1993 auf den Markt kommt. Seine Leistung beträgt 200 kW bei 5750/min.

Abschied von der ersten E-Klasse
Im Juni 1995, zwei Jahre nach den letzten umfassenden Modellpflegemaßnahmen, stellt Mercedes-Benz die E-Klasse-Limousinen der Baureihe 210 vor, die Nachfolger der Baureihe 124. Die Produktion der Limousinen der Baureihe 124 endet kurze Zeit später, je nach Typ zwischen Juni und August 1995. Das T-Modell wird noch bis 1996 gebaut. Insgesamt entstehen in dem gut elfjährigen Produktionszeitraum 340 503
T-Modelle und 6398 Fahrgestelle für Sonderaufbauten. Das sind zusammen 346 901 Fahrzeuge – im Vergleich zu 2 213 167 Limousinen zwar wenig, doch es reicht, um die Kombivariante der mittleren Baureihe von Mercedes-Benz nachhaltig auf der automobilen Landkarte zu verankern.

Quelle: Daimler AG


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