Der Typ 190 wirkt bei seiner Vorstellung im Dezember 1982 nicht wie ein Revolutionär. Doch die Mittelklasse-Limousine, von Mercedes-Benz intern als „Kompaktklasse“ unterhalb von E-, S- und SL-Klasse angeordnet, ist ein Markstein für die künftige Entwicklung der Stuttgarter Modellpalette. Ihre Linien sind so streng und klar gezeichnet wie der Anspruch an die Zukunft: Hier steht ein echter Mercedes-Benz, der die Luft des Fortschritts atmet und den Schritt in eine neue Fahrzeugkategorie unternimmt.

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Klare Keilform mit feinen Lichtkanten: Die Baureihe versteckt sich nicht, sondern zeigt stolz ihr neues Gesicht in der Mercedes-Familie. Verantwortlich für das frische, geradlinige Design zeichnet Bruno Sacco. Der W 201 tritt zunächst mit den Typen 190 und 190 E an. Er wird schnell zum Erfolg und Vorbild gleichermaßen. Denn aus dem 190er entwickeln sich nicht nur die nächsten Generationen der C-Klasse. Sondern die freundschaftlich „Baby-Benz“ gerufene Limousine steht auch am Anfang der Modelloffensive von Mercedes-Benz.

Die Mercedes-Benz Kompaktklasse, die erst von der Folgebaureihe W 202 an im Rahmen der dann üblichen Nomenklatur C-Klasse heißen wird, orientiert sich in Sachen Fahrverhalten, passiver Sicherheit und Zuverlässigkeit kompromisslos an den Tugenden ihrer größeren Verwandten. Zugleich bringt der neue Mercedes-Benz bei kompakteren Maßen ein geringeres Gewicht auf die Straße und zeigt eine große Wirtschaftlichkeit.

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Um den Verbrauch konsequent zu senken, setzen die Mercedes-Ingenieure einerseits auf eine aerodynamische Optimierung der Karosserie. Andererseits werden hochfeste Stahlbleche und andere innovative Materialien verwendet, die das Gewicht des Fahrzeugs reduzieren. Der Typ 190 bringt schließlich nur 1180 Kilogramm auf die Waage, ohne Abstriche bei der passiven Sicherheit zu machen. Dafür, dass die Modelle der neuen Baureihe den Limousinen der S-Klasse bei der passiven Sicherheit nahezu ebenbürtig sind, sorgt unter anderem die Gabelträgerstruktur des Vorderwagens. Diese Konstruktion stammt aus der S-Klasse der Baureihe 126. Sie sorgt nun dafür, dass auch der Typ 190 das Kriterium des asymmetrischen Frontalaufpralls mit 40 Prozent Überdeckung bei 55 km/h erfüllt.

Die Raumlenker-Hinterachse setzt Maßstäbe
Das Fahrwerk des Typs 190 ist dagegen eigens für den neuen Mercedes-Benz entwickelt worden und erweist sich als umwälzende Neuerung. Sein Kernstück ist die Raumlenker-Hinterachse. In dieser Konstruktion wird jedes Hinterrad von fünf unabhängigen Lenkern geführt, was für eine optimal kontrollierte Radführung sorgt, die Seiten- und Längskräfte in allen Fahrzuständen weitgehend ausgleicht. Das vermeidet unerwünschte Lenkbewegungen des Rades und sorgt damit für ein sehr ausgeglichenes Fahrverhalten. Gegenüber älteren Hinterachsvarianten überzeugt die innovative Raumlenker-Lösung zudem mit einem niedrigen Gewicht und einem geringen Raumbedarf. Als Pendant dieser Hinterachse arbeitet vorn eine an einzelnen Dreiecks-Querlenkern geführte Dämpferbein-Vorderachse mit Bremsnick-Abstützung. Sie garantiert den guten Geradeauslauf des W 201 und schafft aufgrund einer geringen Bauhöhe viel Platz unter der Motorhaube.

Während das hochmoderne Fahrwerk sich erst auf der Straße bemerkbar macht, fällt jedem Mercedes-Fahrer noch vor dem Motorstart eine Änderung gegenüber S-Klasse und mittlerer Baureihe auf: Der 190er hat keine Feststellbremse im Fußraum mehr, wie alle seit 1968 vorgestellten Stuttgarter Personenwagen-Modelle. Vielmehr wird die Baureihe W 201 mit einer üblichen Handbremse arretiert, deren Hebel zwischen den Vordersitzen liegt. Die Ingenieure entscheiden sich zum einen aus Platzgründen im Fußraum für diese Lösung, außerdem ist für die Kompaktklasse aufgrund ihres geringeren Gewichts ein geringeres Anzugmoment notwendig.

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Gebaut wird der Typ 190 in Sindelfingen und Bremen. Die Produktion beginnt zunächst im süddeutschen Werk. Fast ein Jahr nach dem Verkaufsstart der Limousine rollt schließlich im November 1983 auch das Band im Werk Bremen an. Ein umfangreicher und teurer Umbau hat die Anlage fit gemacht für die Produktion der Mercedes-Benz Kompaktklasse. Seit Anfang 1978 werden hier bereits die T-Modelle der mittleren Baureihe (S 123) gefertigt.

Die Herstellung der neuen Kompaktklasse verläuft als Produktionsverbund zwischen beiden Standorten, der erstmals in der Geschichte des Unternehmens in diesem Umfang praktiziert wird. Typisch für diese Zusammenarbeit über mehrere hundert Kilometer hinweg ist der Austausch von Karosserie-Komponenten. So stellt Bremen Motorhauben, Bodenanlagen, Kraftstoffbehälter und Türen her, aus Sindelfingen kommen alle übrigen Blechteile. Diese Elemente tauschen die Werke untereinander aus, zusätzlich erhalten beide Standort aus Untertürkheim Motoren, Getriebe und Achsen sowie Lenkgetriebe aus Düsseldorf.

Start mit den Typen 190 und 190 E
Mercedes-Benz geht 1982 zunächst mit den Typen 190 und 190 E an den Start, 190 D und 190 E 2.3-16 erweitern 1983 sowie 1984 die Modellpalette. Die beiden Premieren-Benziner sind mit Vierzylinder-Motoren von 1997 Kubikzentimeter Hubraum ausgerüstet, die 90 PS (66 kW) sowie 122 PS (90 kW) leisten. Die Triebwerke aus der Motorenfamilie M 102 sind vom Aggregat des Mercedes-Benz 200 (W 123) abgeleitet. Dessen 1980 vorgestellter Motor wird für den Typ 190 durch Verkleinerung der Ein- und Auslasskanäle und den Einbau einer geänderten Nockenwelle sowie kleinerer Ventile von 109 PS (80 kW) auf nunmehr 90 PS (66 kW) gedrosselt. Deutlich kräftiger fällt der Antrieb des 190 E aus, der dank Benzineinspritzung 122 PS (90 kW) erreicht. Erstmals setzen die Mercedes-Benz Ingenieure hier die mechanisch-elektronisch gesteuerte Einspritzanlage Bosch KE-Jetronic ein. Damit spurtet der kompakte 190 E immerhin bis auf 195 km/h und zeigt „Temperament auf Mercedes-Niveau“, so beschreibt 1982 der Katalog.

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Ein Jahr später begeistert der 190 D durch einen vollkommen neu entwickelten Vierzylinder-Dieselmotor mit 1997 Kubikzentimeter Hubraum. Vor allem seine vorbildliche Kapselung macht dieses Aggregat zum Wegbereiter moderner Dieseltechnologie in den Personenwagen von Mercedes-Benz: Der sogenannte „Flüsterdiesel“ ist weniger als halb so laut wie vergleichbare Antriebe. Zusammen mit einer respektablen Leistung von 72 PS (53 kW) und einem wirtschaftlichen Kraftstoffverbrauch zeigt sich der neue Diesel als rundum gelungene Innovation, die große Nachfrage erzeugt: In zehn Jahren Bauzeit entstehen insgesamt 452 806 Exemplare des 190 D.

Vom vernünftigen Diesel unterscheidet sich 1984 der 190 E 2.3-16 als neues Spitzenmodell der Baureihe schon äußerlich. Hier kommt ein kompakter Sportler, das macht unter anderem der Flügelspoiler auf dem Heck unmissverständlich klar. Wieder haben die Ingenieure für den Motor in das Arsenal der Baureihe W 123 gegriffen. Der Vierzylinder-Motor mit 2299 Kubikzentimeter Hubraum erhält im 190 E 2.3-16 einen neu konstruierten Zylinderkopf mit jeweils zwei Ein- und Auslassventilen. Diese und weitere Optimierungen steigern die Leistung der Maschine von 136 PS (100 kW) auf 185 PS (136 kW) und lassen den Wagen in 7,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h spurten. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h.

Langstreckenweltrekorde in Nardo
Was er leisten kann, beweist der 190 E 2.3-16 bereits 1983. In jenem Jahr wird er auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt/Main (IAA) präsentiert. Schon vier Wochen vorher fahren drei Prototypen des Modells auf dem Rundkurs im süditalienischen Nardo mehrere Langstreckenweltrekorde über 25 000 Kilometer, 25 000 Meilen und 50 000 Kilometer. Die Durchschnittsgeschwindigkeiten liegen bei fast 250 km/h. Damit gibt der Typ 190 einen ersten Vorgeschmack auf seine kommende Karriere als Sportwagen. Seine Rennpremiere hat der neue Mercedes-Benz Bolide beim offiziellen Eröffnungsrennen des neuen Nürburgrings am 12. Mai 1984. Die Straßenversion des Sechzehnventilers geht im September 1984 in Serie, als Farben stehen die beiden Metallic-Lackierungen Blauschwarz und Rauchsilber zur Wahl.

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Zwei weitere Modelle der Kompaktklasse entstehen 1983 ausschließlich für den Export nach Nordamerika. Diese US-Versionen sind der Diesel 190 D 2.2 und der Benziner 190 E 2.3. Beim Selbstzünder wird der Hubraum durch Verlängerung des Kolbenhubs auf 2197 Kubikzentimeter vergrößert. So lassen sich die Leistungsverluste kompensieren, die aus dem Einbau einer Abgasrückführanlage entstehen. Diese Anlage ist für den US-Export nötig, besonders die strengen kalifornischen Emissionsgrenzwerte machen die Abgasreinigung unumgänglich. Die Leistung des modifizierten Dieselmotors bleibt mit 73 PS (54 kW) weitgehend jener der Standardversion gleich.

Der Benziner 190 E 2.3 verliert durch die geregelte Abgasreinigungsanlage zunächst besonders deutlich an Leistung gegenüber dem 230 E (W 123): Mit 113 PS (83 kW) statt 136 PS (100 kW) bleibt die hubraumstarke Export-Version sogar unter dem herkömmlichen 190 E. 1984 wird das Defizit durch einen modifizierten Ansaugkrümmer, eine schärfere Nockenwelle sowie eine neu abgestimmte Einspritzanlage behoben. Jetzt erreicht der 190 E 2.3 mit 122 PS (90 kW) immerhin das Leistungsniveau des Zweiliter-Modells.

Nicht ganz zwei Jahre nach seiner Markteinführung wird auch der Typ 190 mit Vergasermotor einer Leistungskur unterzogen. Anstelle der gedrosselten Ausführung kommt der Motor jetzt ohne Leistungseinschränkung zum Einsatz, außerdem erhöhen die Mercedes-Benz Konstrukteure die Verdichtung des Aggregats. Das intern Typ 190/1 genannte Basismodell der Baureihe bietet nun 105 PS (77 kW) und damit 15 PS (11 kW) mehr als zuvor. Nur die stärker gedämpfte Auspuffanlage des Kompaktmodells verhindert, dass sein Motor die Leistung des entsprechenden W 123 erreicht.

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Im Rahmen der Modellpflege erhalten der 190 und auch der 190 E Einriementrieb, hydraulischen Ventilspielausgleich sowie hydraulische Motorlager. Mit Markteinführung der neuen Mittelklasse-Baureihe W 124 im Januar 1985 bekommen die Kompaktklasse-Modelle außerdem 15-Zoll-Räder, elektrisch beheizte Scheibenwaschdüsen und hubgesteuerte Panorama-Scheibenwischer mit deutlich vergrößertem Wischfeld. Darüber hinaus gehören von September 1985 an Servolenkung und elektrische Außenspiegelheizung zur Serienausstattung aller Modelle. Die Präsentation der mittleren Baureihe W 124 bringt der Kompaktklasse aber nicht nur technische Verbesserungen, auch die Wahrnehmung des Typs 190 ändert sich. Hat sich die Limousine nämlich bisher stilistisch vom Auftreten der restlichen Mercedes-Benz Modelle deutlich unterschieden, wird mit der Vorstellung des ähnliche Züge tragenden W 124 klar, dass die kleinere Baureihe Trendsetter gewesen ist für eine neue Designsprache der Stuttgarter Automobile.

1985 stellt Mercedes-Benz als neue Modelle der Baureihe zunächst den 190 D 2.5 vor. Die Diesel-Limousine trägt das Fünfzylinder-Aggregat des Typs 250 D unter der Motorhaube, das aus 2497 Kubikzentimeter Hubraum 90 PS (66 kW) schöpft. Wie schon der 190 D überzeugt das neue Modell mit geringem Kraftstoffverbrauch, bei 174 km/h Spitzengeschwindigkeit erreicht der kompakte Diesel zudem ansehnliche Fahrleistungen.

Mit Sechszylinder-Motor zu neuen Qualitäten
Nach dem Fünfzylinder-Selbstzünder packt Mercedes-Benz im Herbst 1985 sogar einen Reihensechszylinder in den 190er: Auf der IAA zeigen die Stuttgarter im September den 190 E 2.6. Aus 2566 Kubikzentimeter Hubraum leistet die Maschine 166 PS (122 kW) und bringt den mit Fünfgang-Schaltgetriebe ausgerüsteten Wagen in 8,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h, das Spitzentempo liegt bei 215 km/h. Für Aufsehen sorgt auf der IAA die feinfühlige Integration des großen Sechszylindermotors im beengten Motorraum des Typ 190: Hier ist den Mercedes-Benz Ingenieuren ein Stück automobile Maßschneiderei gelungen. Seine erstarkte Leistung zeigt der 190 E 2.6 nach außen mit einer Doppelrohr-Auspuffanlage sowie der tiefer und steiler nach unten gezogenen Bugschürze mit breiteren Lüftungsschlitzen. Wenige Wochen nach dem Debüt des 190 E 2.6 rollt der 500 000. Typ 190 vom Band. Das neue Modell mit Benzineinspritzung ist noch nicht darunter. Denn die Serienproduktion des 190 E 2.6 läuft erst im April 1986 an, in den Handel kommt das Modell schließlich im Oktober 1986 zusammen mit dem 190 E 2.3. Diese Variante des W 201 unterscheidet sich von der gleichnamigen Exportversion durch einen normal verdichtenden Vierzylindermotor, der 136 PS (100 kW) leistet.

Zu diesem Zeitpunkt kann für alle Benziner der Baureihe eine geregelte Abgasreinigungsanlage mit Dreiwege-Katalysator bestellt werden. Eine Ausnahme bildet nur der Typ 190 mit Vergaser. Alternativ liefert Mercedes-Benz, ebenfalls als Sonderausstattung, die sogenannte „RÜF-Version“ (Rückrüstungsfahrzeug). Dabei kommt das Fahrzeug ohne Katalysator und Lambdasonde, aber mit dem multifunktionalen Gemischaufbereitungs- und Zündsystem. Eine Nachrüstung mit dem geregelten Katalysator ist ohne Probleme möglich. Das Angebot macht eine flexible Entscheidung darüber möglich, wann der Besitzer des Fahrzeugs dieses auf geregelte Abgasreinigung umstellen will. Von September 1986 an ist dann auch das Vergasermodell mit Abgasreinigungsanlage erhältlich, und der geregelte Katalysator gehört bei allen Mercedes-Benz Pkw-Modellen mit Otto-Motor zur Serienausstattung. Die Rückrüstfahrzeuge gibt es bis August 1989 auf Wunsch allerdings weiterhin. Ihr Kauf ist nun mit einem entsprechenden Preisabschlag gegenüber der Katalysator-Version verbunden.

Ein sportlicher Diesel debütiert
Die Kompaktklasse geht 1987 den Weg zum sportlichen Diesel weiter: Auf der IAA stellt Mercedes-Benz im September den 190 D 2.5 Turbo vor. Der aufgeladene Selbstzünder ist mit einem 122 PS (90 kW) starken Fünfzylinder-Turbodiesel-Aggregat ausgerüstet, das auf dem bewährten Saugmotor basiert. Die Leistungssteigerung mit Hilfe des Abgas-Turboladers ist für ein Plus von 32 PS (24 kW) gut und ermöglicht 192 km/h Spitze sowie eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 11,5 Sekunden. Erkennungsmerkmal des neuen Typs, der bereits seit Herbst 1986 in die USA exportiert wird, sind sechs zwischen Blinkleuchte und Radausschnitt angeordnete Lufteinlassschlitze im rechten Vorderkotflügel. Das ist keine martialische Zier, sondern notwendiger Atemweg für den Turbolader, der an dieser Stelle seine Ansaugluft bezieht. Vom Schwestermodell mit Saugmotor unterscheidet den Turbodiesel außerdem ein zweiflutiger Endschalldämpfer.

Im März 1988 läuft in Bremen der millionste W 201 vom Band: Die Kompaktklasse hat sich erfolgreich als dritte große Baureihe der Marke etabliert. Mercedes-Benz überarbeitet in diesem Jahr den 190er gründlich. Sechs Jahre nach der Präsentation des ersten Typs 190 stellen die Stuttgarter im September 1988 auf dem Pariser Automobil-Salon das Ergebnis dieser Modellpflege für die Kompaktklasse vor. Im Vordergrund stehen die stilistische Überarbeitung der Karosserie und die Neugestaltung des Innenraums. Auffälligstes Erkennungsmerkmal der modellgepflegten Typen sind die seitlichen Flankenschutz-Leisten mit integrierten Längsschweller-Verkleidungen, wie sie in ähnlicher Form auch an den Coupés der Baureihe 124 zu finden sind.

Die Bug- und Heckschürzen werden weiter nach unten gezogen und mit voluminöseren Stoßfängern versehen, die dank neuer Trägerteile und geänderter Pralldämpfer eine höhere Energieaufnahme erlauben. Die neue Burgschürze stammt ursprünglich aus dem 190 E 2.6 und reduziert nun bei allen Modellen den Auftrieb an der Vorderachse. Am Heck optimiert die neue Schürze hingegen die Luftabströmung. Der rechte Außenspiegel wird mit der Modellpflege Bestandteil der Serienausstattung. Fahrer und Passagieren zeigt sich der Typ 190 aufgrund eines neu gestalteten Innenraums großzügiger und komfortabler. Dazu tragen auch die größere Knie- und Kopffreiheit im Fond sowie verbesserte Sitze vorn und hinten bei.

Pünktlich zur Modellpflege stellt Mercedes-Benz das neue Spitzenmodell der Kompaktklasse vor: Der neue 190 E 2.5-16 löst nach vier Jahren den ersten Sechzehnventiler mit 2,3-Liter-Motor ab. Das Aggregat entsteht allerdings aus der Maschine des Vorgängers, möglich macht das die Verlängerung des Kolbenhubs. Der neue Motor mobilisiert mit Katalysator eine Höchstleistung von 195 PS (143 kW). Das sind 25 PS (18 kW) mehr als beim Vorgänger. Auch mit Katalysator entsprechen die Fahrleistungen des neuen Modells jenen des 190 E 2.3-16 ohne Abgasreinigung. Äußerlich zeigt sich der neue Sechzehnventiler ebenfalls als Erbe des Nardo-Rekordwagens. Allerdings stehen nun zwei neue Lackierungen zur Auswahl: Die Metallic-Farben „Almandinrot“ und „Astralsilber“ ergänzen den bisherigen Auftritt in „Blauschwarz“ und „Rauchsilber“.

Der 190 E 2.5-16 als Motorsportler
Der 190 E 2.5-16 ist auch die Basis für die bei der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) eingesetzten Rennsport-Tourenwagen der Gruppe A. Als homologiertes Ausgangsmodell entsteht der Mercedes-Benz 190 E 2.5-16 Evolution mit dem Motor M 102 E 25/2, der für die Renneinsätze noch weiter modifiziert wird. Mit dem Typ 190 E 2.5-16 Evolution II kommt ein Jahr später die nächste Entwicklungsstufe. Der wieder auf dem Genfer Automobil-Salon vorgestellt Serienwagen leistet jetzt 235 PS (173 kW) und erlaubt nochmals verbesserte Fahrleistungen.

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Mercedes-Benz rüstet seit Februar 1989 im Rahmen der Initiative „Diesel ’89“ alle Pkw-Dieselmodelle mit überarbeiteten Motoren aus, deren Partikelemission durch Verbesserung des Verbrennungsablaufs um 40 Prozent reduziert worden sind. Damit arbeiten die verbesserten Dieselmodelle praktisch rauchfrei und erfüllen auch ohne Rußfilter die strengen Partikelgrenzwerte der Vereinigten Staaten. Möglich wird dieser Fortschritt durch eine neu konstruierte Vorkammer mit Schrägeinspritzung, die eine effizientere Verbrennung gewährleistet. Zusätzlich erhalten die Einspritzpumpen aller Diesel-Saugmotoren eine Höhenkorrekturdose, um die Emissionen auch bei Höhenbetrieb niedrig zu halten. Angenehmer Nebeneffekt der neuen Diesel-Technik ist eine Leistungssteigerung von 3 PS (2 kW) beim 190 D und von 4 PS (3 kW) beim 190 D 2.5. Die Diesel-Pkw mit Turbomotoren erhalten bereits im September 1988 Motoren, die mit einer vergleichbaren Technik ausgestattet sind – der 190 D 2.5 Turbo mobilisiert seither 126 PS (93 kW).

Eine aufwändige Abgasreinigungsanlage reduziert von 1990 an die Schadstoffemissionen weiter. Dazu setzt Mercedes-Benz auf einen speziell für Dieselmotoren entwickelten Oxidationskatalysator, der mit einer Abgasrückführung kombiniert wird. Das sehr effiziente System ist als Sonderausstattung von Oktober 1990 an zunächst für Diesel-Pkw mit Saugmotor zu haben, ein halbes Jahr später dann auch für die Turbodiesel-Typen.

Als neue Ausstattungsvariante kommt im Juni 1989 das SPORTLINE-Paket für den Typ 190 auf den Markt. Erhältlich ist diese Ausrüstung für alle Modelle mit einer um 21 Millimeter tiefergelegten Karosserie, straffer abgestimmten Federn und Stoßdämpfern, Leichtmetallrädern der Dimension 7 J x 15 mit Breitreifen im Format 205/55 R 15 sowie der Sitzanlage des Sechzehnventilers. Eine Ausnahme bildet der schon serienmäßig sehr sportlich aufgebaute Typ 190 E 2.5-16.

1990 endet die Epoche der Benzinmotoren mit Vergaser bei Mercedes-Benz. Das gilt auch für die Baureihe W 201, wo der Typ 190 E 1.8 den mehr als sieben Jahre lang gebauten Typ 190 ablöst. Das neue Aggregat hat einen Hubraum von 1797 Kubikzentimeter und leistet mit Katalysator 109 PS (80 kW). Der neue Motor wird aus der Zweiliter-Maschine des 190 E durch Verringerung des Kolbenhubs abgeleitet und besitzt wie dieser eine mechanisch-elektronisch gesteuerte Einspritzanlage Bosch KE-Jetronic.

Eine letzte Modellpflege
1991 erhält der Typ 190 noch einmal eine Modellpflege. Unter anderem haben jetzt alle Typen Anti-Blockier-System (ABS), mit Ausnahme der Einsteigermodelle 190 D und 190 E 1.8. Der 190 E heißt nun 190 E 2.0 und ist in der Leistung um 4 PS (3 kW) erstarkt. Möglich macht das der Einsatz einer widerstandsärmeren Abgasanlage.

Im letzten Produktionsjahr 1992 stellt Mercedes-Benz noch drei Sondermodelle des W 201 vor: Die AVANTGARDE-Ausführungen von 190 E 1.8, 190 E 2.3 und 190 D 2.5 setzen vor allem jugendliche Akzente, unter anderem mit Perlcolor-Lack in kräftigen Farben. Von allen Sondermodellen entstehen zusammen 4 600 Einheiten.

In Sindelfingen endet die Produktion des Typs 190 im Februar 1993, in Bremen stoppt das Band im August. Insgesamt sind 1 879 629 Fahrzeugen des Typs gebaut worden. Das unterstreicht den großen Erfolg der Kompaktklasse und ist gleichzeitig Beleg für den Erfolg der Idee, das Angebot der Marke Mercedes-Benz nach unten hin zu erweitern.

Quelle: Daimler AG