Unimog, das vielseitigste Produkt in der Mercedes-Benz Nutz­fahrzeugpalette, ist sichtbarer Beweis für die schöpferische Wachsamkeit der Automobilingenieure bei der Daimler AG.

Schon der erste Unimog-Entwurf vom September 1945 sah Aufbauräume für Mähgeräte, Pfluganbau, eine Ladefläche für Transporteinsätze und eine Vorrichtung für Anhänger­betrieb vor. Heute ist die Unimog-Fahrzeugtechnologie mit drei Baureihen für Kommunal- und Baueinsätze, für die Energiewirtschaft, den Brand­schutz- und das Rettungswesen, für die Anwendung Straße/Schiene, für Pflegearbeiten in der Landwirtschaft sowie für die Transport­wirtschaft sowie, oder als Basisfahrzeug für unterschiedlichste Geräteanwendungen, auf einem weltweit einmaligen Niveau angekommen. Die schon von Anfang an eindeutig beabsichtigte Universalität dieser Fahrzeugbaureihe machen heute noch die beiden Old­timer U 2010 – erste Mercedes-Benz Unimog-Baureihe – und der U 30 Pullman aus der Baureihe 411 (im Werk Gaggenau produziert von 1956 – 1974) deutlich. Diese Oldtimer verkörpern zusammen beachtliche über 100 Jahre Unimog-Leben!

Lebensdauer durch Leistungsbegrenzung des Motors erhöht – ältester Unimog im gewerblichen Einsatz
Vor 20 Jahren kaufte das Bauunternehmen Hans Kammerdiener GmbH & Co. KG in Gersfeld in der Rhön, einem kleinen Städtchen nahe deren höchstem Berg, der Wasserkuppe, den U 2010 aus dritter Hand für den Baustelleneinsatz. Der Vorbesitzer nutzte den Oldie zum Holztransport und als Jagdfahrzeug. Christof Kammerdiener, Chef der 130 Mitarbeiter zählen­den Baufirma, hat ein Faible für Oldtimer und musste bis heute nur in neue Reifen und notwendigste Lackausbesserungen investieren. Der U 2010 wird bei Kammerdiener heute ausschließlich mit Vorbaukehrbesen von Schmidt eingesetzt, um die Baustraßen zu reinigen. Es dürfte dies der älteste Unimog sein, der sich noch im gewerblichen Einsatz befindet.

Der Veteran hat wahrscheinlich noch im Jahr 1952, also knapp eineinhalb Jahre nach der Aufnahme der Unimog-Produktion durch Mercedes-Benz, die Gaggenauer Werkshallen verlassen hat und wurde am 7. Januar 1953 vom ersten Besitzer, einem Forellenzuchtbetrieb in Altenfeld/Rhön, zugelassen. Als Motor diente der 1,7-Liter-Mercedes-Benz-Vierzylinder Diesel aus dem Pkw-Motorenprogramm. Dieser Motor stand dem U 2010 nur in gedrossel­ter Form mit 25 PS zur Verfügung. Durch die Begrenzung der Leistung um etwa 50 Prozent wurde die Lebensdauer des Triebwerks wesentlich erhöht. Und dies wirkt sich bis heute aus: Mit dem immer noch ersten Motor, der damals für 50 km/h zugelassen war, leistet der 56 Jahre alte Unimog (als Arbeits­gerät zugelassen, Höchstgeschwindigkeit 6 km/h) immerhin noch etwa 200 bis 300 Betriebsstunden im Jahr.

Der Wunschtraum einer bequemen und den wachsenden Verkehrs­anfor­derungen entsprechenden, gefahrlosen Alpenüberquerung vom Land Salz­burg und Nordtirol nach Osttirol, Kärnten und Oberitalien, reifte schon vor gut 80 Jahren. Im Jahr 1961 wurde dann die Felbertauernstraße AG ge­grün­det, die Planung und Bau der heutigen 36 km langen Verkehrs­ver­bindung von Mittersill (Land Salzburg) nach Matrei in Osttirol sowie die dafür not­wendigen 30 km Nebenwege zum Unterhalt der bekannten und stark fre­quen­tierten Nord-Süd-Achse in den Alpen realisierte. Seit 1963 ist sie auch einer der treuesten Unimog-Kunden in Österreich.
Am 5. September 1963 wurde der Unimog U 30 Pullman aus der Baureihe 411 mit großem Westfalia-„Pullmann“-Fahrerhaus (Fahrgestell.-Nr. 411.120-024397) und 32 PS-Motor (OM 636) auf die Felbertauernstraße AG in Mitter­sill zugelassen. Als weitere technische Details des U 30 ist dem öster­rei­chi­schen „Typengenehmigungs-Bescheid“ für die Erstzulassung u. a. zu ent­nehmen: „Zweiachsige Zugmaschine mit geschlossenem Führerhaus, 1 Lenker­sitz, 1 Mitfahrersitz, beschränkte Ladefläche mit umlegbaren Bord­wänden, Druckluftanlage zum Betrieb von Hebeinrichtungen, Eigengewicht 1900 kg, zulässige Belastung 1340 kg, zulässiges Gesamtgewicht 3290 kg und Nutzlast 1200 kg. Schaltgetriebe mit 6 Vorwärtsgängen und 2 Rück­wärts­gängen.“ Insgesamt nutzte die Felbertauernstraße AG ihren ersten Unimog sieben Jahre, bevor sie ihn an ein Wiener Handelshaus verkaufte. Als Kunden blieb das Unternehmen dem Mercedes-Benz Unimog aber treu. „Seit dem Jahr 1967 haben wir immer zwei Unimog als Geräteträger für die vielfältigsten Anforderungen im Einsatz“, bestätigt heute Michael Köll, Betriebs­leiter der Felbertauernstraßen AG. Für ihn sind die universellen Ein­satzmöglichkeiten dieser Fahrzeuge mit Hydrostat und Leistungs­hydrau­lik der logische Hintergrund für den Einsatz dieser Nutzfahrzeug­baureihe. Der­zeit sind ein Unimog U 300 und ein U 400 mit Mähtür als Geräte­träger für die Leitplanken- und Tunnelreinigung sowie Winterdienst- und die um­fang­reichen Mäharbeiten entlang der insgesamt nahezu 70 Straßen­kilo­meter im Einsatz.

Der heute schmucke Oldtimer wurde von dem österreichischen Unimog-Fan Erwin Tuller aus St. Kathrein (Steiermark) in 490 Arbeitsstunden, die er in zwei Jahren und sieben Monaten geleistet hat, gründlich überholt und mit Ori­ginal-Ersatzteilen restauriert. Der nochmalige Auftritt an der Felber­tauern­straße nach 46 Jahren war für den enthusiastischen Besitzer und die Mitarbeiter der Felbertauernstraße AG ein echter Höhepunkt. Ansonsten beteiligt sich Erwin Tuller mit seinem U 30 von Zeit zu Zeit an Oldtimer-Fahrten.

Mit Produktionsbeginn im Werk Gaggenau von Mercedes-Benz, am 3. Juni 1951, kamen auch für den Unimog modernste Fertigungsmethoden zur Anwendung. Insgesamt wurden in Gaggenau in 50 Jahren über 320 000 Ein­heiten gefertigt. Mit der Verlagerung der Unimog Produktion ins Mercedes-Benz Lkw-Montagewerk in Wörth am Rhein – im August 2002 – verließ der Unimog zwar sein angestammtes Werk, doch mit der Einbringung in das größte Lkw-Werk der Welt behält er seine Wurzeln im Nutzfahrzeuggeschäft des Konzerns. Bis heute sind 25 Baureihen mit unzähligen Baumustern ent­standen. Beweise der in 60 Jahren nie stillstehenden Innovations­fähigkeit des Unimog sind die heute aktuellen geländegängigen Geräteträger U 300 bis U 500, die hochgeländegängigen Transportfahrzeuge U 3000 bis U 5000 sowie die im Jahr 2008 im Markt eingeführte dritte Unimog-Baureihe U 20. Letzterer weist als kompakter Geräteträger in der Gewichtsklasse bis 8,5 t die gleiche Systemkompetenz auf wie die größeren Brüder.