Bei einem Besuch des Daimler Entwicklungszentrums für Brennstoffzellen und Batterie-Antriebe in Nabern bei Kirchheim unter Teck hatten wir Gelegenheit die verschiedensten Entwicklungsfahrzeuge von Mercedes-Benz zum Thema alternative Antriebe zu Besichtigen. Die komplette Bilderserie dazu gibt es hier.

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Vom NECAR 1 (New Electric Car) bis hin zum aktuellsten Modell, der „B-Klasse F-Cell“, standen uns alle Fahrzeuge ihm Rahmen einer Ausstellung zur Verfügung. Von den Qualitäten der „A-Klasse F-Cell plus“ und der „B-Klasse F-Cell“, konnten wir uns zudem selbst, im Anschluss bei einer Probefahrt auf öffentlichen Straßen überzeugen. Einzelne Fahrberichte dazu, werden demnächst folgen.

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Der Beginn unseres Rundgangs führte uns zum ersten Brennstoffzellen-Fahrzeug, dem NECAR 1. Dieses Fahrzeug wurde der Öffentlichkeit am 13. April 1994 vorgestellt. Mit dieser Machbarkeits- und Konzept-Studie zeigte die Daimler AG, erstmals das es möglich war ein Fahrzeug mit alternativem Antrieb zu bauen und damit auch wirklich zu fahren. Der gesamte Laderaum des NECAR 1, welches auf dem MB 100-Transporters basiert, war mit rund 800 Kilogramm schweren Komponenten der Brennstoffzelle zur Energieerzeugung ausgefüllt. Einzig Fahrer- und Beifahrersitz blieben frei.

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Weiter ging es mit dem NECAR 2. Eine V-Klasse, welche am 14. Mai 1996 vorgestellt wurde. Sie ist mit sechs Sitzplätzen ausgestattet und hat die Wasserstofftanks oben auf dem Dach, so dass der Fahrgastraum nicht eingeschränkt wurde. Das Fahrzeug hat eine Reichweite von 250 Kilometern und eine Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h. Die Brennstoffzellentechnik ist inzwischen schon deutlich kleiner geworden und passt nun unter die Hecksitzbank.

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Mit dem NECAR 3 wurde erstmals dargestellt, dass sich der Wasserstoff für die Brennstoffzelle auch direkt an Bord eines Fahrzeugs, aus einem Flüssigkraftstoff herstellen lässt. Der NECAR 3 tankt Methanol und wird damit bis zu 120 km/h schnell. Neben dem Brennstoffzellen-System, samt zugehöriger Technik, passen in das Testfahrzeug auf Basis der A-Klasse (168) zwei Fahrgäste. Der Kofferraum und der Bereich hinter den Vordersitzen, wird vom Brennstoffzellen-System komplett ausgefüllt.

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Beim, am 16. März 1999, vorgestellten NECAR 4 gelang es den Ingenieuren erstmals den Brennstoffzellen-Antrieb komplett im Sandwichboden einer A-Klasse unterzubringen. Das Fahrzeug fährt nicht wie das NECAR 3 mit Methanol sondern mit flüssigem Wasserstoff. Dabei wird eine Höchstgeschwindigkeit von 145 km/h und hat eine Reichweite von 450 Kilometern erreicht. Auf Grund der nun kompakten Brennstoffzellentechnik und der Nutzung des Sandwichsbodens, stehen fünf Personen mit Gepäck ausreichend Platz zur Verfügung.

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Ein einsatztaugliches Brennstoffzellen-Auto in Form des NECAR 5, wird im November 2000 vorgestellt. Der NECAR 5 wird nun wieder mit dem mit dem Wasserstoffträger Methanol als Kraftstoff betrieben wird. Das komplette Antriebs-system samt Methanol-Reformer steckt auch hier, wie beim NECAR 4, im Unterboden der A-Klasse. Der technologische Nachfolger des NECAR 3 hat 50 Prozent mehr Leistung und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h. Die Antriebstechnik ist halb so groß wie im NECAR 3 und zudem rund 300 kg leichter. Somit stehen auch hier fünf Personen mit Gepäck, ausreichend Platz zur Verfügung.

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Nachfolger des NECAR 5, ist die 2002 vorgestellte „A-Klasse F-Cell“, welche uns später dann auch zur Testfahrt zur Verfügung stand. Diese Fahrzeuge sind die weltweit ersten in Kleinserie gebauten PKWs mit Brennstoffzellenantrieb, welche bei Kunden in Europa, USA und Japan eingesetzt werden. Das gesamte Brennstoffzellensystem findet auch hier wieder im Sandwichboden der A-Klasse Platz. Erstmals wird dazu die A-Klasse (Baureihe 168) mit langem Radstand eingesetzt. So bekam man ohne größeren Mehraufwand Platz für die aufwändige Brennstoffzellen-Technik.

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Mitte 2008 wurde die A-Klasse F-Cell dann von der 350 auf die 700 bar-Technologie in den Wasserstofftanks umgerüstet. Fortan lief die A-Klasse unter der Bezeichnung „F-Cell plus“

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Im Jahre 2001 startete die Daimler AG zusammen mit dem Hamburger Hermes Versand eine Kooperation, um den Sprinter mit Brennstoffzellenantrieb im Alltagsbetrieb zu testen. Das Fahrzeug hatte eine Reichweite von 150 Kilometern, bei einer Leistung von 75 PS sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Die Brennstoffzellen-Technik an Bord schränkte dabei den Laderaum des Transporters nicht ein. Im ersten Jahr seines Praxiseinsatzes spulte der Sprinter über 16.000 Kilometer ab und belieferte dabei gut 4200 Kunden. Zwei Jahre später, im Jahr 2003 wurde eine Kooperation mit dem Paketdienst UPS geschlossen. Auch hier stand der Mercedes Sprinter mit 75 PS Brennstoffzellen-Antrieb wieder im Fokus der Alltagserprobung.

Neben den verschiedenen Brennstoffzellen-PKWs, werden und wurden aber auch die Brennstoffzellen Busse, wie den 2002 vorgestellten Citaro Stadtbus dort im Entwicklungszentrum entwickelt. 36 Citaro Stadtbusse sind inzwischen mehr als zwei Millionen Kilometer gefahren und haben etwa sieben Millionen Fahrgäste befördert. Dabei haben sich die Fahrzeuge bei nordischer Winterkälte wie zum Beispiel in Stockholm oder Reykjavik ebenso bewährt wie in spanischer Sommerhitze. Mit über 100 Testfahrzeugen und nach mehr als 4,5 Millionen gefahrenen Testkilometern verfügt Daimler und Mercedes-Benz über die weltweit umfassendste Erfahrung mit Brennstoffzellenfahrzeugen. All diese Entwicklungsschritte führen am Ende dazu, dass Brennstoffzellen-Antriebe immer kleiner, leichter und effizienter werden und so den Antrieb von morgen darstellen können.

Bilder: Passion Blog