AMG und die Mercedes-Benz E-Klasse – eine intensive Beziehung, die nunmehr schon über vier Jahrzehnte besteht. Was 2009 im neuen E 63 AMG gipfelt, hatte seinen Ursprung 1965 mit dem Mercedes-Benz 300 SE. Die Limousine wurde von den AMG Gründern Hans Werner Aufrecht und Erhard Melcher schneller gemacht und eilte auf der Rennstrecke von Sieg zu Sieg.

E-Klasse Limousine

Nachdem sich Mercedes-Benz 1955 offiziell aus dem Motorsport zurückzog, kamenin den frühen Sechzigern nur noch seriennahe Tourenwagen zum Einsatz – beispielsweise der 300 SE aus der Modellreihe W 112. Doch die ab 1965 nötige Homologation hielten die Verantwortlichen für zu aufwendig. Somit drohte Mercedes-Benz völlig aus dem Renngeschehen zu verschwinden. Hans Werner Aufrecht und Erhard Melcher, beide bei Mercedes-Benz in Untertürkheim beschäftigt, wollten dies nicht hinnehmen und bauten zusammen mit Manfred Schiek, einem Mitarbeiter der Sportabteilung, einen rennfertigen 300 SE auf.

Aufrecht und Melcher machen die liebevoll „Heckflosse“ genannte Limousine mit einem 175 kW/238 PS starken Reihensechszylinder fit für die Rundstrecke. Mit Erfolg, denn 1965 gewinnt Manfred Schiek auf Anhieb die deutsche Rundstrecken-Meisterschaft. Da die Mercedes-Sportabteilung keine Leistungssteigerung mehr anbietet, steigt bei vielen Privatfahrern die Nachfrage nach mehr PS – die nur Aufrecht und Melcher bedienen können. 1967 machen sich die beiden selbstständig und gründen AMG. Firmensitz ist die alte Mühle in Burgstall nördlich von Stuttgart.

Bekanntlich sind Siege auf der Rennstrecke die beste Werbung, und so fragen immer mehr Mercedes-Fahrer bei AMG nach leistungsstarken Motoren für ihre Straßenfahrzeuge. Für das junge Unternehmen ist dies der Startschuss für das Veredeln aller Mercedes-Benz Modelle – egal ob SL, SLC oder S-Klasse. Zunächst geht es nur um die pure Mehrleistung, doch bald darauf rücken Veränderungen an Getriebe, Fahrwerk und an den Bremsen in den Fokus.

Beim Nachfolgemodell, der W 114 oder auch „Strich 8“ genannten Mittelklasse-Limousine, geht AMG ab 1968 in die Vollen und bietet verschiedene Leistungs-stufen an. Der 96 kW/130 PS starke Reihensechszylinder des Mercedes-Benz 250 wird bis auf 114 kW/155 PS „frisiert“. Zehn PS mehr bekommt, wer eine Hubraumvergrößerung auf 2,8 Liter und zusätzliche Arbeiten am Zylinderkopf sowie der Abgasanlage in Auftrag gibt. Die Maximalstufe ist ein 147 kW/200 PS starker Motor mit Einspritzanlage.

AMG in aller Munde: Sieg beim 24-Stunden-Rennen 1971
1971 erzielt der 300 SEL 6.8 AMG beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Francor-champs den historischen Klassensieg und zweiten Gesamtrang – AMG war über Nacht berühmt. Im gleichen Jahr debütiert das neue Topmodell der Mercedes-Modellreihe W 114, der 280 CE. Den bereits 136 kW/185 PS starken Reihensechszylindermotor mit zwei oben liegenden Nockenwellen bringt AMG auf bis zu 154 kW/210 PS. Das Fahrwerk der Limousine wird an die gestiegene Leistung angepasst: Straffere Stoßdämpfer, Tieferlegung, negativer Sturz an beiden Achsen, breitere Felgen – und auf Wunsch ist auch eine Differenzialsperre möglich. Zusätzlich stehen Dekorstreifen mit AMG Schriftzug, Frontspoiler, Leichtmetallräder, Sportsitze sowie ein lederbezogenes Sportlenkrad zur Wahl. Die Kombination „kleines Auto mit starkem Motor“ kommt bei den AMG Kunden sehr gut an – und AMG wächst weiter. Bereits 1976 hat AMG 40 Mitarbeiter und zieht in neue Räume nach Affalterbach um.

280 CE 5.0 AMG: Der erste Achtzylinder seiner Klasse
Ein Jahr später erscheint die neue Mittelklasse-Baureihe, der W 123. Das Leistungsangebot von AMG präsentiert sich noch attraktiver, denn der Sechszylindermotor des 280 CE erreichte nun maximal 230 PS. Die Krönung folgt 1983, als AMG den fünf Liter großen Achtzylindermotor des 500 SE in den 280 CE einbaut.

Doch damit nicht genug. Mit Hilfe zahlreicher Neuentwicklungen legt der V8 von 231 PS auf 279 PS zu. Das Resultat: Ein dezentes Mittelklassecoupé mit Sportwagen-ähnlichen Fahrleistungen. Gleichzeitig war der 280 CE 5.0 AMG praktisch ohne Konkurrenz, denn an die Kombination aus hubraumstarkem Achtzylindermotor und vergleichsweise kompakter Karosserie hatte sich bis dato keiner gewagt. Die mutige Vision von AMG Gründer Hans Werner Aufrecht und das Motto „Ein Fahrzeug wie ein Maßanzug“ haben bis heute Gültigkeit – gilt der 280 CE 5.0 AMG doch rückblickend betrachtet als Urvater aller kraftvollen Achtzylinder-Limousinen bis hin zum aktuellen E 63 AMG mit dem 386 kW/ 525 PS starken V8-Motor.

300 E 5.6 AMG: Durchbruch der 300-km/h-Schallmauer
Als im Dezember 1984 die völlig neue Mercedes-Benz E-Klasse auf den Markt kommt, unterscheidet sich das Leistungsangebot kaum von dem des Vorgängers. Der stärkste Motor, der Dreiliter-Sechszylinder des 300 E, erreicht 138 kW/188 PS. Doch AMG weiß Abhilfe für leistungshungrige Mercedes-Fahrer: Mittels Hubraumerhöhung auf 3,2 Liter und anderer Maßnahmen entstehen 180 kW/245 PS – damit erreicht der 300 E 3.2 AMG immerhin eine Höchstgeschwindigkeit von 262 km/h. Doch AMG will mehr: 300 km/h. Diese magische Geschwindigkeitsgrenze soll der 300 E 5.6 AMG überschreiten. Im Jahr 1987 tritt der Viertürer bei einem Vergleichstest des deutschen Automobil-Fachmagazins „auto motor sport“ an. Ergebnis: 303 km/h, Rekord für eine Limousine. Amerikanische AMG Fans taufen den starken Viertürer mit dem mächtigen Achtzylindermotor ehrfurchtsvoll „The Hammer“.

Die Sportwagen-ähnlichen Fahrleistungen ermöglicht ein völlig neuer AMG Achtzylindermotor mit einer satten Leistung von 265 kW/360 PS und 5,6 Liter Hubraum. Zudem verfügt der V8 über eine eigenständig entwickelte Vierventiltechnik – schon wieder eine Pionierleistung aus der Affalterbacher PS-Schmiede. Der 300 E 5.6 AMG erreicht die Spitzengeschwindigkeit übrigens mit einem Viergang-Automatikgetriebe – unerschütterlich, unspektakulär und unbeirrt. Das war völlig neu: Erstmals dringt eine reisetaugliche Limousine mit reichlich Platz für vier Personen, großem Kofferraum, Mercedes-typischem Komfort und sicherem Geradeauslauf in Geschwindigkeitsbereiche vor, wo sich sonst nur kapriziöse Sportwagen tummeln – deren Besitzer zudem nicht selten mit zweifelhafter Dauerhaltbarkeit, anstrengendem Fahrverhalten sowie unterentwickeltem Komfort leben müssen.

Als 300 E 6.0 AMG wächst die letzte Ausbaustufe 1987 auf volle sechs Liter Hubraum, 283 kW/385 PS Leistung und 566 Newtonmeter maximales Drehmoment an. AMG schafft mit seinen V8-Modellen sozusagen die Vorgänger der späteren Serienlimousine Mercedes-Benz E 500, die erst 1990 auf den Markt kommt.

E 50 AMG: Konsequente Fortsetzung der Achtzylinder-Philosophie
Als würdigen Nachfolger der W 124-Modelle präsentiert AMG 1996 den E 50 AMG. Die Limousine der neuen Modellreihe W 210 bietet der weiter wachsenden Fangemeinde fünf Liter Hubraum, 260 kW/347 PS und 480 Newtonmeter Drehmoment. Ein Fünfgang-Automatikgetriebe überträgt die Kraft auf die Hinterräder, zur weiteren Serienausstattung zählen ein AMG Sportfahrwerk inklusive 18 Zoll AMG Leichtmetallräder und eine groß dimensionierte AMG Hochleistungsbremsanlage.

Der neue E 55 AMG erlebt seine Weltpremiere im Herbst 1997 auf der IAA in Frankfurt/Main. Neben einigen optischen Modifikationen unterscheidet sich der Nachfolger des E 50 AMG durch einen neu entwickelten 5,5-Liter-Achtzylinder-motor mit Dreiventil-Zylinderköpfen und Doppelzündung. Aus 5430 Kubik- zentimeter Hubraum entwickelt der Motor 260 kW/354 PS bei 5500/min und 510 Newtonmeter Drehmoment bei 4800/min. Das zu Beginn nur als Limousine angebotene V8-Topmodell steht ab 1988 auch als vielseitiges T-Modell zur Wahl, 1999 erscheint der E 55 AMG 4MATIC mit permanentem Allradantrieb.

E 55 AMG: Mit V8-Kompressormotor und 350 kW/476 PS
Die stärkste E-Klasse aller Zeiten – mit diesem Prädikat schmückt sich ab 2002 der E 55 AMG auf Basis der neuen Mercedes-Modellreihe W 211. Das bereits aus dem SL 55 AMG bekannte V8-Kraftpaket leistet dank Kompressoraufladung 350 kW/476 PS und entwickelt ein maximales Drehmoment von 700 Newtonmetern. Damit sind echte Sportwagenfahrleistungen möglich: Nach 4,7 Sekunden passiert der E 55 AMG die 100 km/h-Markierung, Tempo 200 ist in 16,1 Sekunden erreicht. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 250 km/h (elektronisch begrenzt). Dynamische Fahrerlebnisse garantieren das luftgefederte, semiaktive AMG Sportfahrwerk AIRMATIC DC und die AMG Hochleistungsbremsanlage mit rundum innen belüfteten und gelochten Bremsscheiben. 2003 erscheint der Mercedes-Benz E 55 AMG auch als besonders praktisches T-Modell.

E 63 AMG: Alltags-Express mit neuem Hochdrehzahl-Saugmotor
Schnelle Business-Limousine, geräumiger Sport-Kombi und dynamisches Familienauto – ab 2006 überzeugt der neue E 63 AMG wie kaum ein anderes Modell durch seine universellen Qualitäten. Mit dem zu 100 Prozent eigenständigen, völlig neu entwickelten AMG 6,3-Liter-V8-Motor kommt eine kräftige Portion Sportlichkeit hinzu. Die Verbindung aus Hochdrehzahlkonzept und großem Hubraum erzeugt 378 kW/514 PS Leistung und 630 Newtonmeter Drehmoment. Damit beschleunigt die E 63 AMG Limousine in 4,5 Sekunden von null auf Tempo 100 (T-Modell: 4,6 s); die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch auf 250 km/h begrenzt. Die AMG SPEEDSHIFT 7G-TRONIC mit drei Fahrprogrammen und AMG Lenkrad-Schalt-paddles bietet ebenso viel Individualität wie das AMG Sportfahrwerk auf Basis der semiaktiven Luftfederung AIRMATIC DC. Optimale Fahrsicherheit garantiert die neue AMG Hochleistungsbremsanlage in Verbundtechnik.

Quelle: Daimler AG


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