In feierlichem Rahmen wird die Daimler AG am 25. Juni 2009 für ihr Ausbildungsengagement im Mercedes-Benz Werk Gaggenau ausgezeichnet. Die Industrie- und Handelskammer Karlsruhe würdigt damit die seit 90 Jahren bestehende Ausbildungstradition. Seit 1919 bildet das Unternehmen am Standort Gaggenau Nachwuchsfachkräfte aus.
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Gerwin Kohlbecker, Ausbildungsleiter Werk Gaggenau: „Das Daimler-Werk in Gaggenau ist der größte Ausbildungsbetrieb in der Region. Wir arbeiten traditionell eng mit der IHK Karlsruhe zusammen. Insbesondere in den Prüfungsausschüssen und Ausbildungsgremien engagieren sich unsere Ausbilder ehrenamtlich. Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung, die wir als Anerkennung für diese ehrenamtliche Tätigkeit und als Würdigung unserer langjährigen Ausbildungsaktivität sehen.“

Werkzeugmacher, Blechner und Schlosser waren in den Anfangsjahren die ersten Berufsbilder, in denen junge Menschen ausgebildet wurden. Der Schwerpunkt der Ausbildung lag auf der fachlichen und theoretischen Qualifizierung. Die Komplexität der Produkte war schon damals ausschlaggebend für das starke Interesse, eigene Nachwuchsfachkräfte auszubilden. So lag die Zahl der Auszubildenden in den Anfangsjahren bei rund 10 % der Arbeiterschaft. Die Lehrzeit betrug 4 Jahre wovon bereits damals zwei Jahre in der Fabrik stattfanden.

Im 2. Weltkrieg wurde das Werk schwer zerstört. Die Ausbildung wurde nach dem Wiederaufbau fortgesetzt und vom Wirtschaftswunder beflügelt. Steigende Lehrlingszahlen waren die Folge.

Seit 1950 hat sich das Daimler Werk Gaggenau durch die Entwicklung und Implementierung von richtungweisenden Ausbildungsmodellen deutschlandweit einen Namen gemacht. Mitte der 50er Jahre gewann die Integration der Sozialkompetenz in die Ausbildung an Bedeutung. Zu diesem Zweck bauten die Lehrlinge gemeinsam mit ihren Meistern im Gernsbacher Stadtteil Lautenbach ein Haus für sozialpädagogische Aktivitäten, das heutige Haus Lautenbach, Seminarzentrum für Mitarbeiter der Daimler AG. Zweimal im Jahr analysierten die Lehrlinge ihr Verhalten und ihre Persönlichkeit. Der richtige Benimm, Frühsport und allgemein bildende Themen standen ebenfalls auf dem Lehrplan. Das soziale Lernen ist in weiterentwickelter Form bis heute einer der Eckpfeiler der Gaggenauer Lernorganisation.

1960 wurde die kaufmännische Ausbildung am Standort integriert. In den technisch orientierten Ausbildungsberufen rückte die Dampfmaschine in den Vordergrund. Das ehrgeizige Ziel der Ausbilder war, jedem Lehrling die Fähigkeit zu vermitteln, eine Dampfmaschine in Eigenregie zu fertigen. Diese Tradition hatte bis 1995 Bestand. Das Lernprojekt „Dampfmaschine“ wurde weit über die Werksgrenzen hinaus bekannt.

Ende der 60er Jahre entstand in der Berufsausbildung eine experimentierfreudige Ära mit vielen didaktischen Neuerungen. Die Selbstbestimmung des Menschen rückte in den Vordergrund und führte zum selbst gesteuerten Lernen in Projekten. Lerninhalte wurden auf Dia fotografiert und die Erläuterungen des Ausbilders auf Tonband aufgezeichnet. Die Lerngeschwindigkeit konnte von nun an von jedem Auszubildenden selbständig bestimmt werden. Lernfortschritt und Lernerfolg wurden vom Ausbilder beobachtet. Das „Gaggenauer Modell“ fand große Beachtung in der Fachwelt. Vertreter des Deutschen Industrieinstituts und des Berufsbildungsausschusses Gesamtmetall wählten das Werk als Standort für den Modellversuch „Berufsgrundbildungsjahr in kooperativer Form“ aus.

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Die 70er und 80er Jahre standen unter dem Einfluss mehrerer Modellversuche im Auftrage der Bundesinstitutes für betriebliche Bildung BiBB. Mitte der 80er Jahre waren die räumlichen Ausbildungskapazitäten im Werk Gaggenau erschöpft. Der Bau des neuen Ausbildungszentrums außerhalb der Werksgrenze und die Ausbildung von Fachkräften für das neue A-Klasse Werk in Rastatt stellten den Übergang in die „Werkstatt des Wandelns“ dar. Ziel dieses Modellversuchs war es, Konzepte für Ausbilder und Ausbildungsleiter zu erstellen und umzusetzen, die projektorientierte Lernphasen im Betrieb ermöglichen. Mit dem Modelversuch DELTA, „dezentrales lernen in Teamarbeit“ entstanden Lerninseln in der Fabrik in denen, zeitgleich mit der Einführung von Gruppenarbeit am Standort, Teamarbeit trainiert werden konnte.

2002 wurde der Standort Gaggenau mit der Verlagerung der Unimog Produktion an den Standort Wörth strategisch neu ausgerichtet. Heute ist in Gaggenau das gesamte Konzern Knowhow im Bereich automatisierte Schaltgetriebe angesiedelt. Gearbeitet wird an technologisch sehr anspruchsvollen und komplexen Produkten was Fach- und Prozessexpertise erfordert. Deshalb ist der Bedarf an qualifizierten Nachwuchsfachkräften weiter sehr hoch.

Derzeit befinden sich mehr als 400 junge Menschen in Gaggenau in der Ausbildung. 2009 ist der Einstieg von 124 neuen Auszubildenden in neun Berufen geplant. Darunter sind technische Berufe (Elektroniker Automatisierungstechnik, Fertigungsmechaniker, Mechatroniker, Werkzeugmechaniker und Zerspanungsmechniker), kaufmännische Berufe (Bürokaufleute, Informatikkaufleute) und Studenten der dualen Hochschule (Maschinenbauingenieure und Wirtschaftsingenieur).

Quelle: Daimler AG