„Schwester: Skalpell bitte!“ Dieser Satz könnte künftig nicht nur im OP-Saal eines Krankenhauses fallen, sondern auch in einem der drei neuen Großraumrettungsfahrzeuge, die an das Centre of Ambulance Services of the Government of Dubai übergeben wurden.

714951_1294107_3072_2048_09a499
Denn in Dubai kommt ab sofort das Krankenhaus zu den Verletzten. Angeschafft wurden die drei Mercedes-Benz Klinik-Busse, um bei so genannten Groß­schadenslagen, also Unfällen oder Katastrophen mit vielen Verletzten, schnell medizinische Hilfe leisten zu können. Schließlich hängen die Überlebenschancen von Schwerstverletzten nicht zuletzt von einer zügigen Erstbehandlung ab. Hier kommen die Großraumrettungs­fahrzeuge zum Einsatz. Gerade die chaotische Verkehrslage im Umfeld von Katastrophengebieten verzögert häufig den Transport in Krankenhäuser. Oft fehlt es auch an der notwendigen Anzahl von Kranken­wagen. Während normalerweise eine zwei Mann-Besetzung nur einen Patienten in einem Rettungswagen betreuen kann, ist in dem Mercedes-Benz Großraumrettungswagen eine Versorgung von bis zu 20 Personen durch vier medizinische Fachkräfte gewähr­leistet. Die neuen Großraumrettungswagen bieten nun die einzigartigen Möglich­keiten einer voll ausgestatteten mobilen Klinik mit Intensivstation und Operations­saal.

Der größte Krankenwagen der Welt

Was ab sofort auf den Straßen rund um Dubai zum Einsatz kommt, sind rollende Superlative. Auf der Basis des Linienbusses Mercedes-Benz Citaro und Citaro G entwickelte der Um- und Ausbauspezialist Gebr. Heymann GmbH, in Zusammen­arbeit mit dem internationalen Forschungs- und Beratungsunternehmen „Von Bergh Global Medical Consulting“, Fahrzeuge, die höchsten medizinischen Anforderungen gerecht werden. Nicht ohne Stolz sprechen die beteiligten Firmen auch vom größten Krankenwagen der Welt. Bei einem Rundgang durch die Busse wird schnell deutlich, das nicht übertrieben ist. Drei Varianten wurden hergestellt:

Die Busvariante A ist eine intensivmedizinische Versorgungseinheit, Variante B ist für die Massenversorgung und den Transport von mittel bis leicht verletzten Unfallopfern vorgesehen, Busvariante C ist die Kombination der beiden vorher­gehenden Fahrzeuge. Allein diese Variante bietet Behandlungs- und Transport­kapazitäten für über 80 Patienten.

Modernste medizinische Ausrüstung

Im Inneren des intensivmedizinischen Busses befinden sich drei Überwachungs­betten. Eines davon kann zu einem voll funktionstüchtigen Operationssaal umge­wandelt werden. Dabei wird auf die gesamte Bandbreite der medizintechnischen Überwachung zurückgegriffen. Dazu zählt neben einem EKG eine echte Welt­neuheit: Ein InSpectra Schock-Monitor, mit dem einfach über einen auf die Handfläche aufgelegten Sensor die Gewebesauerstoffsättigung überwacht werden kann. Diese bahnbrechende Entwicklung warnt die Ärzte bereits Minuten vor einem Schock des Patienten, so dass entsprechende Gegenmaßnahmen einge­leitet werden können. Auch lassen sich innere Blutungen mit diesem Gerät erken­nen und deren Verlauf überwachen.

714952_1294110_5972_3981_09a500

Zur weiteren Diagnostik können zudem Röntgen und Ultraschall hinzugezogen werden. An Bord der Mercedes-Benz Großraumrettungsfahrzeuge befindet sich das weltweit kleinste Röntgengerät, welches durch seine geringe Leistung Strahlen­schutz­maßnahmen wie Bleiabdeckungen überflüssig macht. Die Röntgenbilder werden in Echtzeit auf einem Computermonitor angezeigt. Der Patient liegt während der Behandlung auf einem OP-Tisch, der mit vollwertigem OP-Licht ausge­leuchtet wird. Mit Einmalinstrumentensets können die unterschiedlichsten Operationen und Behandlungen durchgeführt werden. Gut gerüstet ist man an Bord der Mercedes-Benz Großraumrettungswagen auch für den Fall einer Entbindung per Kaiserschnitt. Nicht nur die entsprechenden Entbindungsbestecke sind an Bord, die Neu- oder Frühgeborenen können zudem in einem Inkubator sicher versorgt werden.

Eine besondere Herausforderung war die Sauerstoffversorgung der Patienten an Bord, stellt diese doch gerade bei Verletzten eine wesentliche Behandlungs­maßnahme dar. In den drei Bussen befinden sich jeweils 12.000 Liter Sauerstoff, die eine Sauerstoffversorgung bis zu drei Tage gewährleisten. Dabei wird das Gas über separate Leitungen zu den Sitzgruppen geleitet. Per Knopfdruck fallen aus speziellen Halterungen Sauerstoffmasken, von denen bei jeder einzelnen die Sauerstoffmenge geregelt werden kann.

714953_1294113_4255_2848_09a501

Über einen Operator-Platz im vorderen Bereich der Fahrzeuge kann mit der Außenwelt per Telefon, Funk, Internet und Fax kommuniziert werden. Ein Laptop gehört dabei genauso zur Ausrüstung wie ein großer LCD-Monitor, über den die einzelnen Bereiche im Großraumrettungswagen überwacht werden können.

Etwa 700 Stunden dauerte der Umbau der Mercedes-Benz Citaro Busse zum Großraumrettungswagen. Dabei wurde neben einer möglichst großen medi­zinischen Funktionalität auch Wert auf perfekte handwerkliche und optische Umsetzung gelegt. So wurden die Medi-Boards, also die Wände, an denen die medizinischen Geräte befestigt sind, in Karbon-Optik ausgeführt, gebürsteter Edel­stahl findet an zahlreichen Stellen Verwendung. Als weltweit einzige Großraum­rettungswagen verfügen die Busse zudem über Roll-In-Systeme für die Kranken­tragen, wie sie auch in Rettungswagen verwendet werden, um die Patienten liegend in den Bus rollen zu können.

Zusätzlich können die Busse mit einem Versorgungskoffer am Heck ausgerüstet werden. Hier befinden sich Stromerzeuger, Zelte, in denen weitere Verletzte behandelt werden können, Dekontaminationssysteme mit den zugehörigen Schutzausrüstungen sowie ein Sauerstoffkonzentrator. Mit diesem System lässt sich über mehrere Wochen Sauerstoff herstellen, ohne von Gaslieferanten abhän­gig zu sein.

Mercedes-Benz Citaro ist die perfekte Plattform

Als Basis für die Großraumrettungswagen wurden der Mercedes-Benz Linienbus Citaro und Citaro G verwendet. Dieser Bus steht für eine Erfolgsgeschichte. Er fährt in den Metropolen Europas genauso wie im Wallfahrtsort Lourdes, im deutschen Überlandverkehr wie auf der Tropeninsel Réunion, Japan, China, Mexiko, Dubai oder Australien. Er transportiert Tag für Tag in Europa und weit darüber hinaus Millionen von Fahrgästen. Er fährt mit sauberen Dieselmotoren, Erdgasmotoren und als Brennstoffzellenbus mit dem Antrieb von morgen. Er ist Rückgrat des städtischen Nahverkehrs und als Großraumbus CapaCity eine Alternative zu Light-Rail-Systemen. Der modulare Aufbau des Citaro gemäß einem Baukastensystem ergibt eine hohe Flexibilität hinsichtlich seiner Einsatzmöglichkeiten sowie im Herstellungsprozess. Dies erlaubt nicht nur unterschiedliche An­triebs­systeme, sondern bildet auch die Grundlage für zahlreiche Sonder­aus­führung­en. So sind Sonderausbauten zu Feuerwehr-Einsatzzentralen, Polizei­bussen, mobilen Fernseh­studios, oder Groß­raum-Rettungswagen für Veran­stal­tungen keine Seltenheit. In Polen ist der Citaro als mobiles Energie-Beratungs­zentrum für die Bevölkerung unterwegs.

Für die Großraumrettungswagen in Dubai kommen zwei Busse in einer Länge von 12 Metern und ein Gelenkbus in einer Länge von 18 Metern zum Einsatz. Einen lückenlosen Korrosionsschutz auch unter den extremen Einsatzbedingungen im mittleren Osten garantiert die Kathodische Tauchlackierung (KTL). Angetrieben werden die beiden Solofahrzeuge von einem OM M 457 (h)LA mit einer Leistung von 220 kW (299 PS)bzw. einem OM 457 (h)LA mit einer Leistung von 260 kW (354 PS). Speziell für die heißen Anforderungen in Dubai verfügen beide Busse über leistungsstarke Heißland-Klimaanlagen, vor den Türen verhindern Luft­vorhänge, dass warme Luft nach innen und kühle Luft nach außen gelangt. Die Fahrzeugsicherheit gewährleisten das Elektronische Brems-System (EBS), Scheibenbremsen rundum, ABS und ein Seitenaufprallschutz.