Für Mercedes-Benz ist ein Fahrzeuginnenraum erst dann gelungen, wenn sich der Kunde auch dort wohlfühlt. Dazu sind Optik, wie auch die Haptik wichtig – aber nicht die einzig entscheidenden Kriterien. Am Ende müssen sich die Materialien auch im Alltag bewähren. Unangenehm riechen oder gesundheitlich bedenklich darf hier kein Material sein – wir blicken dazu mal hinter die Kulissen.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, nach welchen Kriterien Materialien von Mercedes-Benz ausgewählt werden, damit diese im Fahrzeuginnenraum eingesetzt werden können? – und wie werden diese getestet, damit der Kunde damit auch „sicher“ sitzt ? Sicherlich – wenn auch nur kurz.

Hohe Belastungen im Interieur
Materialien im Interieur müssen hohen Belastungen standhalten – anders, als ein immer angenehm temperierter Wohnraum. Ob Sitzbezüge in Ledernachbildung ARTICO oder Mikrofaser DINAMICA – von Instrumententafeln in Leder Nappa bis zu den Zierelementen aus offenporigem Holz. Alle Stoffe und Materialien müssen nicht nur zum Beginn optisch und haptisch überzeugen, sondern auch möglichst ein Autoleben lang. Täglich, wöchentlich – und das in jedem Temperaturbereich. Auch bei starken Temperaturschwankungen im Winter oder Sommer, hoher UV-Strahlung oder täglichen Nutzung. Widerstandsfähigkeit ist hier ein Kriterium von vielen. Dazu gehört aber auch, das die Materialien bei einem Unfall sicher sein müssen- d.h. auch schwer entflammbar und splitterfrei. Parallel sind auch die Umwelt- und Gesundheitsaspekte entscheidend – es reicht also nicht, wenn es nur angenehm riecht, die Luft- und Oberflächenqualität muss auch möglichst noch schadstofffrei sein. Schwierig – die Anforderungen sind dazu immens.

Veredelte Materialien
Ob Leder, Holz, Kunstfasern – oder Kunststoffe – vor dem Einsatz im Fahrzeug werden die Materialen meist noch chemisch veredelt. Ob Leder, Holz, Kunstfasern oder Kunststoffe – vor dem Einsatz werden die Materialien je nach Platzierung dazu gefärbt, lackiert oder beschichtet, damit sie widerstandsfähig sind und im Fahrzeug verbaut werden können.

Luftqualität: Tests seit 1992
Bereits seit 1992 musst Mercedes-Benz in der Entwicklung die Luftqualität im Innenraum des Fahrzeuges – bereits seit 1996 gibt es interne Emissionsgrenzwerte für Materialien in Bauteilen, die im Fahrgastraum – aber auch im Kofferraum verwendet werden. Dazu werden in einer Datenbank mittlerweile über 8.000 freigegebene Interieursmaterialien erfasst, auf die Entwickler und Designer frei zugreifen können, um diese wieder neu zu kombinieren.

Testkammer in Sindelfingen
In einer 300 m³ großen Testkammer bei Mercedes-Benz in Sindelfingen wird jedes neue Modell auf Herz und Nieren für Innenraumemissionen geprüft. Dazu durchläuft das Fahrzeug eine Woche lang genau definierte Testzyklen – dabei werden mehrere hundert Substanzen genauestens geprüft. Dazu simulieren große Wärmestrahler die Sommer und heizen den Fahrzeuginnenraum auf, da das Emissionsverhalten bei Hitzeeinwirkung am stärksten ist. Bei einer Lufttemperatur von 65 Grad Celsius werden hier Luftproben aus dem Innenraum gezogen. Ein unabhängiges Analyselabor ermittelt dazu die chemische Zusammensetzung der ausgedünsteten Substanzen. Gemessen wird dabei nicht nur im Stand, sondern auch bei der simulierten Fahrt. Parallel ermitteln Messträger u.a. das Foggingverhalten, d.h. den Niederschlag von kondensierbaren Stoffen auf den Oberflächen im Interieur.

Als derzeit einziger Fahrzeughersteller lässt Mercedes-Benz auch die Allergikerfreundlichkeit seiner Fahrzeuge nach den Kriterien der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) wissenschaftlich überprüfen. Dafür werden im Innenraum alle Oberflächenmaterialien mit potenziellen Hautkontakt getestet. Selbst „Livetests“ gibt es, bei denen Asthma- und Allergiepatienten unter Aufsicht eines Facharztes im Fahrzeug mitfahren und das Innere des Mercedes-Benz auf sich wirken lassen. Hierbei wird eine Vielzahl medizinischer Parameter erfasst und von Experten bei der ECARF ausgewertet. Sämtliche Bauteile des Fahrzeugs werden zudem einzeln auf Verträglichkeit geprüft. Ob Türverkleidungen, Sitze, Zierelemente, verwendete Klebstoffe oder Dämmmaterialien – alles wird zunächst bei verschiedenen Temperaturen und Feuchtigkeitsgraden gelagert und anschließend analysiert. Bei Auffälligkeiten werden Werkstoffe oder Herstellungsprozesse umgestellt.

Ohne Geruch geht nichts
Doch alles wäre nichts, wenn der Geruch nicht passen würde. Wenn ein Geruch stört, werden alle anderen positiven Sinneseindrücke nicht mehr richtig wahrgenommen. Um das zu verhindern, werden die eingesetzten Materialien im Innenraum nicht nur auf Schadstoffe, sondern auch auf ihren Geruch getestet. Dazu zuständig sind die Spezialisten für Olfaktorik, die alle Bauteile und Materialen bewerten, die neu im Innenraum verbaut werden. Vor der Serienproduktion „stecken“ die Experten dafür ihre Nasen auch ins fertige Fahrzeug. Zu viert nehmen sie Platz, schließen die Türen und schnuppern. Dabei soll man am Ende nur einen Geruch wirklich gewusst wahrnehmen: den von Leder.

Quelle: Daimler AG