Die S-Klasse und ihre Vorgängertypen ist seit den Anfängen der Markengeschichte von Mercedes-Benz das beste und luxoriöseste Automobil der Welt. Das Topmodell gilt – dank innovativer Technik, höchstem Komfort und wegweisender Sicherheitssysteme in jeder Generation als Vorreiter für die Automobilentwicklung.

Die einzigartige Tradition der Mercedes-Benz S-Klasse beginnt nicht erst mit dem Typ 220 (W 187) im Jahr 1951, sondern reicht in ihren Wurzeln sehr viel weiter zurück – bis auf die Ursprünge der Marke Mercedes-Benz im 20. Jahrhundert.

Als erster Mercedes-Benz Serien-Personenwagen mit Achtzylindermotor debütierte nach der Fusion von Carl Benz und Gottlieb Daimler der 1928 eingeführte Typ Nürburg 460 (W 08) als Oberklasse-Fahrzeug. Sein Name entstand aus der spektakulären Dauererprobung, bei der ein Typ 460 auf dem Nürburgring in dreizehn Fahrtagen und -nächten 20.000 Kilometer zurückgelegt hatte.

Wir haben vor kurzem eine kleine Zeitreise durch die verschiedenen Generationen der Ober- und Luxusklasse unternommen und eine kleine Ausfahrt auf der historischen Beurteilungsstrecke rund um Friedrichsruhe  gewagt. Die in den 1960er-Jahren von den Ingenieuren ausgesuchte Testrunde auf öffentlichen Straßen liegt knapp 30 Kilometer von Heilbronn und wurde genutzt um das Fahrwerk der Fahrzeuge zu erproben. Die S-Klasse (Baureihen 116 und 126) und der SL (Baureihen R/C 107 und R 129) sind dort für die Serienreife abgestimmt worden.

Das „S“ im Namen der S-Klasse steht dabei übrigens für „Super“ oder „Spezial“ und wurde seit dem 1956 eingeführten 220 S kontinuierlich für die Oberklasse von Mercedes-Benz verwendet.

Mercedes-Benz 220 „Ponton“ (W 180), 1955
Der im Frühjahr 1954 eingeführte Typ 220, intern auch 220 a genannt, ist das erste Mercedes-Benz Sechszylindermodell in selbsttragender Bauweise. Mit seinen 85 PS brachte es der Ponton auf bis zu 150 km/h Spitzengeschwindigkeit. Die moderne und geräumige „Ponton“-Karosserie, die Mercedes-Benz ein halbes Jahr zuvor im Mittelklassemodell 180 erstmalig präsentiert hatte, bietet einen bislang nicht gekannten Raumkomfort. Für sichere Fahreigenschaften bürgt hier die Eingelenk-Pendelachse, die der Typ 220 in den Serienautomobilbau einführt und die zeitgleich im neuen Formel-1-Rennwagen W 196 R zum Einsatz kommt. Ein Techniktransfer – der heutzutage auch noch oft erfolgt.

Für ein über 60 Jahre altes Auto fährt sich der Ponton sehr modern und überraschend bequem. Die durchgängige Sitzbank vorn hat zwar etwas von Wohnzimmer-Atmosphäre – aber dafür sitzt es sich auch sehr komfortabel. Hat man sich erstmal an die nicht so kräftig zupackenden Bremsen und die 4-Gang Lenkrad-Schaltung gewöhnt, kommt man mit dem Ponton auch gut zurecht. Stilvoll rollt man auf der Straße und hier kann man dann auch noch wirklich von „Reisen“ sprechen, denn der Sechszylinder ist nicht zum rasen gemacht.

Mercedes-Benz 220 SE (W 111), 1963
Die 1959 eingeführten „Heckflossen“-Modelle der Baureihe W 111 haben ihren Beinamen nach den dezenten Heckflossen, welche die hinteren Kotflügel zieren. Wegen ihrer Funktion als „manuelle Einparkhilfe“ werden sie offiziell „Peilstege“ genannt.

Die neue Mercedes-Benz Oberklasse-Generation ist ein ganz besonderer Meilenstein der Automobilgeschichte, weil hier die von Béla Barényi erdachte Sicherheitskarosserie erstmals in einem Serienautomobil umgesetzt wird. Knautschzonen an Front und Heck nehmen bei einem Unfall erstmals gezielt Aufprallenergie auf und schützen dadurch die Insassen. Der 220 SE hat einen 2,2 Liter Reihensechszylinder mit 120 PS.

Im Vergleich zum Ponton ist die Heckflosse ein riesiger Entwicklungsschritt. Nicht nur, weil sich das Design ziemlich radikal geändert hat, sondern auch was die Fahreigenschaften betrifft. Die auch oftmals „große Flosse“ genannte Baureihe fühlt sich auch heute noch modern an und lässt bereits nach wenigen Metern, ein typisches Oberklasse-Gefühl aufkommen. Sonor und ohne jegliche Aufregung schnurrt dazu der Reihensechser unter der Haube und durch eine sehr weiche Feder-Dämpfer-Abstimmung gleitet man förmlich über die Landstraße. Die servounterstütze Lenkung ist sehr leichtgängig und auch das 4-Gang Automatikgetriebe trägt zu einem mehr als entspannten Fahren bei.

Mercedes-Benz 300 SEL 6.3 (W 109), 1969
Die Limousinen der Baureihe W 108 und W 109, die 1965 die „Heckflossen“-Sechszylindermodelle ablösen, zeichnen sich durch ein besonders zeitlos-elegantes Design und die großzügig dimensionierten Fensterflächen aus. Neben den Modellen mit konventioneller Stahlfederung – intern der Baureihe 108 zugeordnet – gibt es die Baureihe 109 mit Luftfederung, die von Beginn an mit 10 Zentimeter längerem Radstand angeboten wurden.

Ein besonderes Highlight ist das 1968 präsentierte Topmodell 300 SEL 6.3 der Baureihe, welcher den mächtigen 6,3 Liter starken V8-Motor der Highend-Limousine Mercedes-Benz 600 mit satten 250 PS unter der Haube erhielt.

Bei der Ausfahrt mit dem Fahrzeug zeigte sich diese als eine Kombination aus höchstem Komfort und luxuriöser Ausstattung – sowie Fahrleistungen auf Sportwagenniveau. Nicht umsonst zählt der 300 SEL der Baureihe 109 zu dazumal den schnellsten Serienlimousinen der Welt. Der bärenstarke Motor hat dabei zwei Gesichter: beim leichtem bis mittlerem Gas und Drehzahl ruhig und tief brummelnd und unter Volllast und hoher Drehzahl laut brüllend.

Der hubraumstarke V8 entwickelt dabei so viel Druck, das es den Fahrer in den Sitz presst. Wer heutzutage ein AMG-Fahrzeug bewegt, kennt sowas natürlich. Mit einer Gelassenheit geht es für uns von A nach B. Weil Leistung dazu einfach immer vorhanden ist, lässt es diesen Vorläufer der S-Klasse als wahrliche Luxuslimousine dastehen. Ein Klassiker – der heutzutage gesucht ist.

Mercedes-Benz 350 SE (Baureihe 116), 1979
Die Baureihe 116 erhält im Jahr 1972 erstmals die Modellbezeichnung „S-Klasse“. Fortan wurde alle weitere Oberklasse-Limousinen so benannt.

Zu den Besonderheiten und Innovationen des Typs 116 gehören der kollisionsgeschützt über der Hinterachse eingebaute Tank, das Vierspeichen-Sicherheitslenkrad, verschmutzungsarme Seitenscheiben, großflächige Scheinwerfer, auffällige Blinkleuchten sowie schmutzabweisende gerippte Heckleuchten.

Ab 1978 ist die S-Klasse als weltweit erstes Serienfahrzeug mit dem Anti-Blockier-System ABS erhältlich, damals  eine Weltsensation, was heutzutage in Fahrzeugen nahezu einfach Standard ist.

Der 3,5 Liter V8 leistet 205 PS und bietet mehr als souveräne Fahreigenschaften für die nun „richtige“ S-Klasse. Der Motor klingt dazu dumpf und satt, macht aber in Kombination mit der Automatik einen drehfreudigen Eindruck. Diese Baureihe hat Stil und ist für uns auch heute noch ein schickes Automobil. In der gute 5-Meter langen Limousine sitzt es sich dazu weich und so ist auch das Fahrwerk und die Lenkung. Nichts lässt in ihr auch nur den kleinsten Zweifel an fehlendem Komfort aufkommen. Lust auf eine Reise an das Mittelmehr ? Im 350 SE für uns durchaus vorstellbar.

Mercedes-Benz 300 SE (Baureihe 126), 1990
Die 1979 eingeführte S-Klasse der Baureihe 126 überzeugt durch ihre aerodynamisch optimierte Form und die konsequente Gewichtsreduzierung. Beim Design verzichtet diese Generation der S-Klasse als erster Mercedes-Benz Personenwagen auf die traditionellen Chrom-Stoßstangen und verfügt stattdessen über verformbare Kunststoff-Stoßfänger, die auch einen Parkrempler meist unbeschadet überstehen.

1981 hält der Airbag in der S-Klasse Einzug und ist damit das erste Fahrzeug mit Stern mit diesem Wegweisenden Sicherheitsfeature. Der Fahrer-Airbag ist dabei zunächst mit einem pyrotechnischen Gurtstraffer für den Beifahrer kombiniert. Ab 1988 bietet Mercedes-Benz dann auch einen Beifahrer-Airbag an.

Diese S-Klasse Generation ist eine konsequente Weiterentwicklung des Vorgängers und zeigt bereits im Stand sein Charme. Mit diesem Auto fährt man gern vor. Die Fahreigenschaften des 3 Liter Sechszylinders mit 188 PS sind tadellos. Bodenunebenheiten schlucken Feder und Dämpfer mit sehr viel Souveränität weg.

Mercedes-Benz 600 SEL (Baureihe 140), 1992
Die S-Klasse der Baureihe 140 ist 1991 der neue Mercedes-Benz der Superlative. Nicht nur die Abmessungen der Luxuslimousine sind groß,  sondern auch der Fahrkomfort wird auf eine ganz neue Ebene gehoben. Zum ersten Mal gibt es in der S-Klasse zudem ein Serien-Pkw mit V12-Motor. Die V12-Versionen waren dann auch die ersten Modelle die seit 1995 serienmäßig das elektronische Stabilitäts-Programm ESP hatten und durch später durch den berühmten „Elchtest“ der A-Klasse seinen Durchbruch zum automobilen Großserienstandard hatte.

Diese S-Klasse der 90er Jahre gilt als das typische Kanzlerauto, denn der damalige Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Helmut Kohl, ließ sich immer mit so einem Mercedes chauffieren. Der 400 PS starke Zwölfzylinder ist hier über jeden Zweifel erhaben.

Die gern mal liebevoll „Eisenschwein“ genannte S-Klasse ist regelrecht eine Festung und – erst einmal ins Rollen gebracht – mehr als eine Wucht. Hinter dem Lenkrad dringt die Außenwelt nur marginal zum Fahrer durch, die serienmäßige Doppelverglasung rundum und ein Fahrwerk, das selbst die schlechtesten Straßen und Schlaglöcher glatt bügelt. Nichts – aber auch gar nichts – scheint diese S-Klasse aus der Ruhe bringen zu können. Der 600 SEL verfügt übrigens über eine elektrische Verstellung des Innenspiegels – eine Spielerei über die man wirklich nur schmunzeln kann. Nur sicherheitshalber noch einmal: des Innenspiegels!

 

Mercedes-Benz S 350 4MATIC (Baureihe 220), 2004
Die S-Klasse der Baureihe 220 setzt hingegen ab dem Jahr 2004 äußerlich eher wieder auf Understatement. Deutlich kompakter und eleganter wirkt sie als der Vorgänger. Wenig verwunderlich sind, dass Gewichtseinsparung bei weiterer Steigerung von Sicherheit und Komfort zu den damals wichtigsten Entwicklungszielen gehörte. Vor allem der Komfort konnte durch die neue elektronisch geregelte Luftfederung AIRMATIC, das Bedien- und Anzeigesystem COMAND und den innovativen Abstandsregeltempomaten DISTRONIC gesteigert werden. Im Herbst 2002 folgte dann erstmalig das vorbeugende Insassenschutzsystem PRE-SAFE als neues Sicherheitssystem. Des Weiteren wird die S-Klasse zum ersten Mal mit dem intelligenten Allradantrieb 4MATIC angeboten. Aufgefallen? Viele Optionen, die dazumal in die S Klasse eingeführt worden sind, sind heute – teils optional – auch in der C-Klasse, oder oft auch in der A Klasse zu finden.


Im Fahreindruck zeigt sich beim S 350 4MATIC ein ähnliches Bild wie beim Design: im Vergleich zum W140 fährt sich diese S-Klasse viel handlicher und leichtfüßiger – ohne dabei an Ausgeglichenheit zu verlieren. Die Lenkung ist leichtgängig, aber weniger schwammig und merklich direkter im Ansprechverhalten. Der 245 PS kräftige V6 Benziner reicht dabei völlig für gute Fahrleistungen aus. Mit allem nur erdenklichen „Schnick-Schnack“ ausgestattet ist diese S-Klasse auch heute noch kein wirklicher Oldtimer – und noch in vielen Garagen zu finden.

Mercedes-Benz S 500 4MATIC (Baureihe 221), 2013
Die 2005 präsentierte S-Klasse der Baureihe 221 verbindet ein expressives Äußeres mit einem wertigen und luxuriösen Interieur. Zu den richtungweisenden technischen Innovationen gehören der aktive Nachtsicht-Assistent sowie das weiterentwickelte Abstandsregelsystem DISTRONIC PLUS und der Brems-Assistent Plus. Weitere Assistenzsysteme, wie der Totwinkel-Assistent, der Spurhalte-Assistent und der Geschwindigkeitslimit-Assistent entlasten den Fahrer zusätzlich. In dieser Baureihe kam auch erstmals ein 4-Zylinder Dieselmotor in der S-Klasse zum Einsatz, – der S 250 CDI mit 204 PS, der danach wieder gestrichen worden ist.

Der von uns gefahrene S 500 hat einen 4,6 Liter V8 und bringt 435 PS auf die Straße. Die Abgabe der Leistung ist perfekt und bietet Kraft im Überfluss wann immer der Fahrer es wünscht, dass macht die über 2 Tonnen schwere Limousine zwar noch nicht zu einem Sportwagen aber lässt die S-Klasse leichtfüßig wirken. Die Fahrwerksabstimmung ist typisch sanft und harmonisch und es gleitet sich wunderbahn über die Straße. Das von uns gefahrene Modell ist das letzte in Sindelfingen produzierte Fahrzeug der Baureihe 221. Vom Band weg fuhr es direkt in die Sammlung von Mercedes-Benz Classic – ein sogenannter „Bandabgänger“.

Mercedes-Benz S 560 4MATIC (Baureihe 222), 2017
Die modellgepflegte aktuelle S-Klasse, macht einen großen Schritt hin zum autonomen Fahren: Der Aktive Abstands-Assistent DISTRONIC und der Aktive Lenk-Assistent unterstützen den Fahrer beim Abstandhalten und Lenken nun noch komfortabler.

Zurecht ist diese aktuellste Generation unangefochten die Luxuslimousine Nummer 1 in der Welt. Mit den weiterentwickelten Assistenzsystemen geht sie – wie so oft – als Technologieführer voran und auch in Punkto Motoren bietet der neue Achtzylindermotor erstklassige Fahrleistungen. Angenehmer als in dieser S-Klasse kann man kaum unterwegs sein, toppen kann das nur die Mercedes-MaybachVariante im Portfolio des Stuttgarter Herstellers. Die Baureihe 222 umschmeichelt den Fahrer wo es nur geht – selbst mit einer entspannenden Rückenmassage.

Blicken wir zum Ende noch einmal auf alle Fahrzeuge zurück – so steht fest: Eine S-Klasse ist Perfektion bis ins kleinste Detail- seit Anfang an –  und der Stuttgarter Hersteller Mercedes-Benz gibt mit jeder Generation dieser Luxuslimousine überzeugende Antworten auf die Wünsche und Anforderungen der jeweiligen Zeit. Jede Generation der S-Klasse und ihrer Vorgängermodelle prägt mit individuellen Stärken die Automobilentwicklung ihrer Epoche.

Bilder: ©Philipp Deppe / MBpassion.de