Erinnern Sie sich noch an den Elchtest ? Vor über 20 Jahren entwickelte Anton van Zanten zusammen mit seinen Entwicklerkollegen von Bosch den Schleuderschutz, der weltweit bereits in 64 Prozent aller neuen Fahrzeuge zum Einsatz kommt. Neben dem Sicherheitsgurt ist ESP aktuell das wichtigste Sicherheitssystem im Auto. Für die Erfindung des Elektronishcen Stabilitätsprogramms – kurz ESP – ist Anton van Zanten in Lissabon vom Europäischen Patentamt (EPA) nun mit dem Europäischen Erfinderpreis 2016 in der Kategorie Lebenswerk ausgezeichnet worden.

Der gebürtige Niederländer hat das Anti-Schleudersystem während seiner mehr als 25-jährigen Karriere bei Bosch als Leiter einer 35-köpfigen Forschungsgruppe entwickelt, welches 1995 im Mercedes-Benz S 600 erstmals in Serie kam.

ESP gehört in immer mehr Fahrzeugen zur Standardausstattung
ESP vergleicht mit Hilfe intelligenter Sensoren 25-mal pro Sekunde, ob das Auto auch dahin fährt, wo der Fahrer es hinlenkt. Weichen die Werte voneinander ab, greift das Schleuderschutzsystem ein und reduziert zunächst das Motormoment. Reicht das nicht aus, bremst es zusätzlich einzelne Räder ab und erzeugt damit die notwendige Gegenkraft, um ein Fahrzeug sicher in der Spur zu halten. Bis zu 80 Prozent aller Schleuderunfälle könnten mit ESP verhindert werden, wenn alle Fahrzeuge das Antischleudersystem an Bord hätten. Seit dem 1. November 2014 ist ESP innerhalb der Europäischen Union für alle neuzugelassenen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen Pflicht. Neben der EU ist der Schleuderschutz auch in Australien, Kanada, Israel, Neuseeland, Russland, Südkorea, Japan sowie in der Türkei und den USA gesetzlich vorgeschrieben. Weltweit sind auch deshalb bereits 64 Prozent aller neuen Fahrzeuge mit ESP ausgestattet. Bosch hat dafür bis heute mehr als 150 Millionen ESP-Systeme gefertigt.

Laufbahn mit vielen Erfindungen und zahlreichen Auszeichnungen
Mit der Erfindung des Elektronischen Stabilitätsprogramms haben Anton van Zanten und sein Bosch-Entwicklerteam nicht nur den Grundstein für mehr Sicherheit im Straßenverkehr gelegt. Das System ist auch die Basis für heutige Fahrerassistenzsysteme und des automatisierten Fahrens. Die zunehmende Automatisierung bietet die Chance, die Unfallzahlen weiter zu senken allein in Deutschland um bis zu einem Drittel. Für Anton van Zanten ist ESP der größte, aber bei weitem nicht der einzige Erfolg. Der 75-Jährige ist ein Tüftler, wie er im Buche steht. Während seiner Laufbahn als Automobilingenieur ist er Urheber von rund 180 erteilten Patentfamilien gewesen. Neben ESP gehören dazu Erfindungen wie ein elektronischer Überschlagschutz und eine Anhängerstabilisierung. Seit 2003 befindet sich Anton van Zanten im Unruhestand. Bis zum heutigen Tag hält er Vorträge an Hochschulen über Fahrzeugsysteme und berät Automobilunternehmen. Für seine Beiträge zur Fahrzeugsicherheit ist Anton van Zanten bereits mehrfach ausgezeichnet worden. Dem Europäischen Erfinderpreis kommt als Würdigung des Lebenswerks jedoch eine besondere Bedeutung zu.

Elfte Verleihung des Europäischen Erfinderpreises in fünf Kategorien
Der Europäische Erfinderpreis wird seit 2006 verliehen. Damit würdigt das Europäische Patentamt Forscher, Wissenschaftler, Techniker und Tüftler, deren Erfindungen vom EPA patentiert worden sind und die einen außerordentlichen Beitrag zum wirtschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Fortschritt geleistet haben. Das Besondere: Jedermann kann einen Erfinder für den Preis nominieren. Von den fast 400 Nominierten, die 2016 aus insgesamt 13 Ländern stammen, hat eine unabhängige, internationale Jury die 15 Finalisten ausgewählt. Die Jury entscheidet auch über die Preisvergabe in den fünf Kategorien Industrie, Kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Forschung, Außereuropäische Staaten und Lebenswerk. Die Gewinner des Erfinderpreises erhalten eine Trophäe in Form eines Segels als Symbol für Entdeckertum und menschliche Genialität. Die Trophäe wird dafür jedes Jahr aus einem anderen Material hergestellt.

Bilder/ Quelle: Bosch