Mercedes-Benz bringt mit der „EQ Ready“ App, welche ab heute verfügbar ist, eine durchaus spezielle App auf den Markt – gezielt dafür, den Autofahrer dabei zu unterstützen, ob ein Umstieg auf ein Elektroauto oder Hybridmodell persönlich bereits jetzt praktikabel wäre. Wir haben die App bereits letzte Woche erstmals – vorab – testen können. Ein Selbstversuch von uns, nicht nur virtuell.

App für Android sowie iOS verfügbar
Die von Mercedes-Benz kostenlos bereitgestellte „EQ Ready“ App, hilft genau bei der Frage der Reichweitenangst beim Umstieg auf den Elektroantrieb. Die App prüft dazu das persönliche Nutzungsverhalten – und zeichnet dazu mittels Smartphone des Nutzers die gefahrenen Strecken auf, die er mit seinem Pkw zurücklegt. Dabei erkennt die App nicht nur automatisch den Fahrbeginn – sondern auch das Fahrende. So erstellt die App ein realistisches Nutzungsprofil mit einer deutlich besseren Aussagekraft, als es je ein Verkäufer bei einer kurzen Probefahrt mittels E-Auto tätigen könnte. Die Geschwindigkeit und Beschleunigung werden dabei ebenso erfasst, wie Stopps oder längere Pausen. Faktoren, wie Temperatur und Höhenprofil laufen ebenso in die Ermittlung der Reichweite und des notwendigen Energieverbrauches mit ein. Zugängige Ladestationen bzw. Lademöglichkeiten – ob zu Hause oder am Arbeitsplatz – können vom Nutzer aktuell manuell hinzugefügt werden.

Ermittlung des individuellen Mobilitätsverhaltens
Das ermittelte individuelle Mobilitätsverhalten wird an die Mercedes me-Server übermittelt, die alle relevanten Parameter von Elektro- sowie von Hybridfahrzeugen von Mercedes-Benz und smart hinterlegt haben. Bei der Auswertung werden die Hybridmodelle ausschließlich auf die Nutzungsmöglichkeiten der rein elektrischen Fahrt berücksichtigt. Soll eine Fahrt nicht ausgewertet werden, kann der Nutzer die Tracking-Funktion jederzeit deaktivieren, ansonsten wird der Nutzer regelmässig erinnert, das Daten aufgezeichnet werdne.

Das der App zugrunde liegende, von Mercedes-Benz entwickelte Softwaremodell verwendet viele fahrzeugspezifische Daten wie Energieverbrauch, Reichweite, cw-Wert, Gewicht und Rollreib-Koeffizient. Die daraus abgeleiteten Wirkungsgrade der Fahrzeuge wurden mit Fahrversuchen evaluiert. Ergebnis war eine sehr hohe Übereinstimmung von Simulations- und Realwerten.

Referenzfahrzeug für direkte Auswertung wählen 
Bei den in der App hinterlegten Fahrzeuge sind u.a. des smart fortwo electric drive, forfour eletric drive, sowie der GLC 350 e 4MATIC sowie der GLE 500 e hinterlegt. Anhand des vom Nutzer ausgewählten Referenzfahrzeuges werden dazu die ermittelten individuellen Werte für Reichweite und Energieverbrauch ermittelt und das tatsächliche Mobilitätsverhalten ausgewertet. Passt alles, gratuliert die App automatisch: „Herzlichen Glückwünsch! All deine Fahrten sind elektrisch ohne zusätzliches Zwischenladen möglich.

Unser Test mit der EQ Ready App
Bei unserer Fahrt mit der App testeten wir eine Wegstrecke von knapp 50 Kilometer ab Nürnberg – „virtuell“ im smart fortwo electric drive der Baureihe 453. Das wir uns im 177 PS starken A 220 d 4MATIC befanden, war dazu relativ unrelevant – aber am Ende bei der Berechnung des Energieverbrauches durchaus ausschlaggebend. Unsere Fahrt ging so vom Startpunkt auf einer ersten Etappe über 35 km, wobei wir – bei durchaus sehr flotter Fahrt – bereits 67 % Energie der „virtuellen Batterie“ verbraucht hatten. Virtuell gönnten wir uns zwar zum Fahrtbeginn eine volle Ladung für unseren Energiespeicher, unter der Fahrt aber auch einen mehr als schweren Gasfuß.

Mit Blick auf die Details unsere 1. Etappe würden wir für zurückgelegten 35,2 km satte 11,3 kWh benötigen – ganz klar: hier wäre noch Einsparpotential für die Umwelt. Nachdem wir unsere Fahrt in der Summe auf insgesamt 3 Etappen absolvierten, kamen wir am Tagesende nach 58,5 km Gesamtstrecke auf einen Verbrauch von 13,5 kWh – ohne Zwischenladung. Durch eine Lademöglichkeit am Zielort wäre theoretisch so auch die Rückfahrt möglich – wenn auch nicht sofort – zum persönlichen Profil aber ohne längeren Aufenthalt am Ziel unrealistisch. Die zurückgelegte Strecke war zumindest kein Problem, aber auch nur, weil wir beim Start bereits über eine „volle Batterie“ verfügten.

Berücksichtigt man mögliche Lademöglichkeiten, wäre für die einfache Wegstrecke der Energiegehalt der Batterie des smart fortwo electric drive also klar ausreichend und für unser Profil auch passend. Ohne voller Batterieladung am Start würde – und das zeigt die App auch klar – der smart fortwo electric drive aber auch nicht zu uns passen (was uns aber davor schon klar war :-). Aussagekräftiger wird die App jedoch deutlich bei mehreren Tagesetappen, wo der Energieverbrauch vorab nicht eindeutig ist.

Ähnliche Aufzeichnungen gelingt der App übrigens auch im reinen Stadtverkehr – um so mehr Zwischenstopps dabei eingelegt werden, um so aussagekräftiger. Passt das gewählte Fahrzeug nicht, ist das virtuelle Fahrzeug zum Vergleich jederzeit wechselbar.

Die Idee von Daimler, eine App gegen die Reichweitenangst aufzulegen, – ist auf alle Fälle mehr als förderlich und zeigt die wahren Fakten, wo sich Elektromobilität bereits jetzt umsetzbar ist – und wo nicht. Ein Selbstversuch ist es wert.

Die EQ Ready App ist ab sofort für Apple iOS sowie Android kostenlos erhältlich.

Bilder: Daimler AG / MBpassion.de