Nach oben offen, optisch knackig und dann noch einen Vierliter-V8 unter der Haube, – mit über 500 PS – und dass in der Mittelklasse? Da bleibt die Wahl eng und man kommt am C 63 S Cabriolet von Mercedes-AMG so schnell nicht vorbei – und das gilt nicht nur für die Mitbewerber aus Ingolstadt oder München.

Auch wenn man das C Cabrio als C 180 mit 156 PS und 6 Gang Schaltgetriebe bereits ab 42.726,95 Euro bekommt, spielt der „große“ AMG mit 510 PS und 700 Nm Drehmoment definitiv in einer ganz anderen Liga. Natürlich auch beim Preis, der aktuell bei 92.284,50 Euro Grundpreis startet. Wer es ein wenig „kleiner“ im V8-Bereich haben möchte, greift zur kleineren LeistungLeisstufe des C 63 mit immerhin noch stattlichen 476 PS für 84.014,00 Euro – und legt das gesparte Geld lieber bei der Ausstattung an. Beim Verbrauch liegen die beiden AMG V8-Varianten dabei gleich, bei 8.9 Liter auf 100 km/h (nach Werksangabe) – auch die V-Max liegt identisch, wenn auch die Beschleunigung und die Ausstattung – vor allen technisch – unterscheidet.

Bei der Konkurrenz in München leistet das M4 Cabriolet nur 431 PS bzw. 450 PS (mit M Performance Paket) aus 6 Zylindern – sowie jeweils 550 Nm Drehmoment. Der Mitbewerber Audi schickt hierzu das Audi A5 Cabriolet mit aktuell maximal 252 – dann jedoch auch als quattro-Model – in den Wettbewerb.

Differenzierung der 8 Zylinder AMG-Modelle
Die optischen Differenzierungsmerkmale des C 63 bzw. C 63 S Cabriolet sind dabei gering, zumindest auf den ersten Blick. Während die kleinere Variante in Serie 18“ Leichtmetallräder erhält, rollt das „S“-Modell hier bereits mit 19“ Rädern vom Band. Die Doppellamelle des 476 PS-Modells ist hier in Iridiumsilber matt ausgeführt, während die 510 PS-Variante diese in Silberchrom trägt. Unterschiede gibt es auch am Frontsplitter und am A-Wing, welche der C 63 in Wagenfarbe trägt – das „S“-Modell in Hochglanzschwarz. Ganz anders ist es bei der Zierleiste in der Heckschürze, welche beim C 63 in Hochglanzschwarz ausgeliefert wird, das „S“-Modell in Iridiumsilber matt. Nur das „S“-Modell erhält zusätzlich bei der Seitenschwellerverkleidung einen Einleger in Iridiumsilber matt. Bestellt man die Typenbezeichnung des Modells also ab, bleibt zumindest der optische Unterschied gering.

Technische Abgrenzung zum C 63
Technisch unterscheiden sich die Modelle jedoch stärker, was schon ein Blick auf die Bremsanlage zeigt. Hier hat das kleinere Modell die Bremsanlage mit 360 x 36 mm bzw. hinten 360 s 26 mit grau lackierten Bremssätteln, das „S“-Modell vorne 390×36 mm – bzw. einteilige Bremsscheiben hinten in der Dimension 360 x 26 mm – mit rot lackierten Bremssätteln. Nur das Topmodell erhält ein zusätzliches Fahrprogramm „RACE“ bei AMG DYNAMIC SELECT sowie dynamische Motorlager mit elektrisch geregeltem AMG Hinterachs-Sperrdiffenzial. Optional kann hier och die Keramik-Hochleistungs-Verbundbremsanlage mitgeordert werden.

Im Interieur erhält nur die 510 PS-Variante ein AMG Performance Lenkrad in Leder Nappa schwarz / Mikrofaser DINAMICA und AMG Wappen in den Kopfstützen (bei Lederausstattung). Das AMG Kombiinstrument hat hierbei rote Applikationen und die Sicherheitsgurte sind in Kristallgrau. Zusätzlich erhalten Türe und Sitze Zierstreifen im Interieur.

Der Fahreindruck mit 510 PS
Mit dem Mercedes-AMG C 63 S treibt es der Hersteller ganz klar richtig wild – wobei hier nicht nur das Gefühl aufkommt, in einem Cabriolet zu sitzen: es ist eher wohl ein offener Sportwagen mit mehr als guten Leistungswerten. Alleine dies ist eigentlich schon untertrieben. Die Kraft des Fahrzeuges wird mittels der serienmäßigen Klappenauspuffanlage akustisch untermalt. 510 PS – passender Sound mit abgestimmter Technik- was will man also mehr?

Bereits beim Starten des 8-Zylinders lässt sich die Kraft des Fahrzeuges erahnen, wobei man bereits ein aggressives Fauchen des Triebwerks vernehmen kann. Doch kennt man die 4 Liter V8 Maschine bereits aus anderen Modellen, ist dies auch hier unverändert.

Um den Vortrieb des Fahrzeuges nicht zu stören, ist unser Testwagen passend mittels AMG Drivers Package mit einer Tempo-Freischaltung auf 280 km/h V-Max ausgestattet. Das verschafft dem Cabrio mit speziell breiterer Achskonstruktion – für bessere querdynamische Fahrleistungen – die idealen Voraussetzungen, die querdynamischen Fahrleistungen auf Sportwagenniveau auch mal auf der Rennstrecke erfahren zu können. Ein Punkt, den man auf der Aufpreisliste nicht vergessen sollte – zumal das Fahrzeug den Sprint auf 250 km/h viel zu schnell absolviert, als der Fahrer dies realisiert.

Dabei bleibt das Fahrzeug bereits auf kurvigen Strecken beim Einlenken selbst bei starken Einlenken im Kurvenverhalten schön neutral. Untersteuern bleibt meist ein Fremdwort in Kurven – und so wünschen wir uns das auch. Im „Sport“-Fahrprogramm mit runtergeregeltem ESP schwenkt das Heck schnell mit, im „Sport+“-Modus kommt es verstärkt – zumal im „RACE“-Programm es für „Anfänger“ eher schwierig bleibt, das Fahrzeug zu beherrschen. Hier gilt grundsätzlich die Regel: umso feuchter die Straße, umso stärker sollte man das Fahrprogramm auch zurücknehmen – oder der Pilot kann dies durch sein Fahrkönnen gezielt ausgleichen. Aber für Fahranfänger ist das Auto auch nicht gedacht.

Der DYNAMIC SELECT Schalter für die Fahrprogramme regelt aber u.a. auch die Steuerung der Auspuffklappen, die vor allen im „RACE“ Modus mehr als knackig – und gar laut – klingt. Die Sucht des Fahrers nach Klang, Zwischengas und Kurven steigert sich so schnell – ebenso aber auch der Kraftstoffverbrauch. Leiser und weniger dramatisch kann man zwar auch am Reiseziel ankommen, ein sanfter Begleiter wird der C 63 S jedoch nicht. Ein Luftfahrwerk sucht man bekanntlich weiterhin in der Preisliste – für C 63 – Fahrer bekanntlich nicht verfügbar.

Beim Fahreindruck zeigte das Cabriolet mit seinem Leergewicht von 1.925 kg eine sehr gute Rückmeldung von der Straße. Beim mehrmaligen Einsatz des verbauten AIRCAP-Systems und des ausfahrenden Windschotts hinter den Hintersitzen verzichteten wir aber schnell auf dieses, da wir es einfach für nicht notwendig erhielten. Nimmt man im Fond hingegen Passagiere mit, ist das System wohl durchaus ratsam, – auch wenn sich bereits ein leichter Druck auf das Gaspedal durchaus negativ auf manche Frisur auswirkten könnte.

Stört der Wind, ist das Akustikverdeck aber auch schnell geschlossen – wobei die Fenster wahlweise auch weiterhin komplett heruntergefahren werden können. Gut für die Haare, und gut für die Ohren, da man die Akustik der Auspuffgeräusche am Heck genügend mitbekommen kann. Schließt man die Scheiben, bleibt die Soundkulisse der 4 Auspuffrohre (solange nicht im C-Fahrmodus unterwegs) noch teils erhalten. Bedient kann das Verdeck übrigens bis rund 50 km/h.

Traktionsprobleme zeigen sich kaum, der Schlupf im kurveninneren Rad wird spürbar reduziert, wodurch der Fahrer auch in engen Kurven viel früher auf das Gaspedal drücken kann (und tut..). Das ESP ist 3-stufig ausgelegt und lässt im Sport-Handlung dazu bewusst leichte Driftwinkel zu. Passend dazu ist das 7-Gang Schaltgetriebe optimiert, welches die Gänge extrem schnell in jede Richtung schaltet. Manuell lassen sich die Gänge bis in den Begrenzer ziehen, ohne das eine automatische Schaltung erfolgt.

Leistung hat das C 63 S Cabrio in jeder Situation – so zeigte es sich auch beim Fahrtest. Da das offene C Modell auch optisch ein Leckerbissen ist – „und das Staunen zurückbringt“ (so die Werbung), bestätigten uns zahlreiche Passanten sogar mit vielerlei Handyfotos. Die Kombination des Lacks mit den roten Verdeck macht sich jedoch bereits gut, das es sich dann noch um das Modell aus Affalterbach handelt, bleibt und ist ein besonderer Leckerbissen.

Fazit:
Das C 63 S Cabriolet ist durchaus nicht für jeden Nutzer das ideale Fahrzeug – zumindest nicht, wenn man auf den Kraftstoffverbrauch achtet und angenehm von A nach B gleiten möchte. Unter 11 Liter bewegt sich wenig, unbeachtet sind es schnell 15.  Der C 63 (S) möchte dazu eigentlich immer auch sportlich und verzichtet leicht auf die höchste Bequemlichkeit – liefert seine Kraft (im Überfluss) aber dann auch jederzeit auf Abruf in jeglicher Situation.

Offen – mit bester Rundumsicht – wohl so die schönste Variante der aktuellen C-Klasse der Baureihe 205. Auch wenn der Motor wohl reine Unvernunft ist, bleibt der Wagen in dieser Kombination ein Traum – und zaubert mehr als einmal ein Grinsen in das Gesicht.

Übrigens: das schönste Element am Fahrzeug bleibt für uns der Heckflügel.

Ausstattung unserers Testfahrzeuges: Mercedes-AMG C 63 S, Grundpreis: 92.284,50 €

  • Selenitgrau metallic 928,20 €
  • Stoffverdeck dunkelrot 297,50 €
  • AMG Night-Paket 654,50 €
  • AMG Carbon-Paket Exterieur I 3.510,50 €
  • AMG Carbon-Paket Exterieur II 2.082,50 €
  • AMG Keramik Hochleistungs-Verbundbremsanlage 4.998,00 €
  • AMG Performance-Abgasanlage schaltbar 1.190,00 €
  • AMG Driver‘s Package 892,50 €
  • AMG Performance Sitze 2.320,50 €
  • Polster Leder Nappa AMG schwarz 3.034,50 €
  • Instrumententafel und Bordkanten in Ledernachbildung ARTICO in Nappaoptik schwarz 999,60 €
  • AMG Zierelemente Carbon/Aluminium mit Längsschliff hell 1.071,00 €
  • LED Intelligent Light System 696,15 €
  • Adaptiver Fernlicht-Assistent Plus 119,00 €
  • AIRCAP 821,10 €
  • Fahrersitz elektrisch einstellbar mit Memory-Funktion 1.190,00 €
  • Beifahrersitz elektrisch einstellbar mit Memory-Funktion 833,00 €
  • Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer 386,75 €
  • Fahrassistenz-Paket Plus 2.499,00 €
  • Park-Pilot mit 360°-Kamera 1.606,50 €
  • Fondsicherheits-Paket 404,60 €
  • Spiegel-Paket 535,50 €
  • COMAND Online 3.510,50 €
  • Digitales Radio 487,90 €
  • Auto-Telefonie 833,00 €
  • Ambientebeleuchtung 261,80 €
  • Ablage-Paket 77,35 €
  • Media Interface Kabel Kit 59,50 €
    Gesamtfahrzeugpreis 128.585,45 €

 

Bilder: Mbpassion.de