Von der Rennstrecke in den Nationalpark – so hieß es für uns zum Test des neuen Michelin Pilot Sport 4 S, den der Reifenhersteller in Kalifornien vorstellte. Dazu konnten wir vor Ort nicht nur die Details zum neuen Reifen erfahren & erleben, sondern fuhren parallel auf unterschiedlichen Sportwagen durch den Joshua Tree National Park im Westen der USA – als Teilnehmer beim „Michelin Pilot Experience 2017“.

Thermal Club unweit von Palm Springs
Zusammen mit Michelin machten wir Anfang Februar Station auf der Rennstrecke des Thermal Club in der Nähe von Palm Springs. Da, wo in Deutschland im Februar noch Schnee lag und die Temperaturen entsprechend oftmals nicht mehr als 0 Grad anzeigten, war die Teststrecke Anfang des Jahres mehr als ideal. So konnte man auf trockener Straße am Steuer eines Sportwagens sich von den Handling-Qualitäten des Reifens überzeugen. Zwar war die Anreise bis Los Angeles – bei schlechten Wetter und Regen vor Ort – lang und durchaus ein wenig beschwerlich, das Wetter besserte sich am Ende jedoch noch zum Vorteil. Beim Bustransfer von Los Angeles nach Palm Springs war jedoch noch mehrmals Starkregen angesagt.

Der Thermal Club – als Veranstaltungsort von Michelin – ist ein mehr als exklusiver Club für eher betuchte Petrol Heads: auf rund 140 Hektar Land baute hier der Tankstellen-Magnat Tim Rogers für mindestens 125 Millionen US-Dollar eine Rennstrecke, nebst Fahrdynamik-Flächen mit passenden Unterkünfte und Funktionsgebäude. Für den Hobby-Rennfahrer somit wohl ähnlich interessant, wie der Ascari Race Resort in Spanien – obwohl das Gelände am Thermal Club sich für uns noch ein wenig interessanter zeigte.

#PS4S: der Pilot Sport 4 S von Michelin
Bei geführten Runden auf der Rennstrecke des Thermal Clubs stand hier nicht nur die Querdynamik des Reifens im Fokus, der Hightech-Sportreifen aus Frankreich konnte sich hier auch bei hohen Kurvengeschwindigkeiten beweisen – wo der Pilot Sport 4 S auch seine Stärke zeigte. Der Ultra-High-Tech Performance Reifen bietet nun dabei schon Technik-Features, die bislang oft noch Motorsport-Reifen vorbehalten waren. Die Lauffläche des Reifens ist hierzu mit Nylon- und Aramid-Fasern verstärkt, was bei extremer Beanspruchung die notwendige Stabilität sicherstellt.

Technologie des Reifens
Auch die Hybrid-Cord Technologie ist ein Teil der guten Performance des PS4S: hierbei ist die Gummimischung nicht einheitlich, sondern besteht aus 2 verschiedenen Elastomeren. Unterschiedliche Bereiche der Aufstandsflächen können so auf verschiedenen Eigenschaften optimiert werden. Aufgrund eines geringeren Negativanteils des Profils – welcher bei 23,9 Prozent liegt (Pilot Super Sport 25,4 Prozent) dient der Reifen auch für Supersportler. Alle Ausführungen des neuen Reifens verfügen über den Geschwindigkeitsindex ZR (Y) für Höchstgeschwindigkeiten über 300 km/h, – in der Topvariante 275/30 ZR 19 (96Y) EL und 345 / 30 ZR 19 (106 Y) sollen für den Pilot Sport 4 S Geschwindigkeiten bis zu 400 km/h kein Problem darstellen.

Kurzum: auch wenn der Reifen auf maximalen Trocken-Grip optimiert worden ist – zumindest der Großteil – kann der Pilot Sport 4 S auch bei Nässe überzeugen und sich von der Konkurrenz dazu klar abgrenzen. Dies beweist auch ein von Michelin in Auftrag gegebener Test vom TÜV Süd, wo der PS4S nicht nur mit besten Rundenzeiten auf trockener Strecke punktet, sondern dies auch mittels kürzesten Bremswege bei Nässe bewies.

Brems & Handling-Test
Im Brems- und Handling-Test des TÜV Süd aus dem Sommer 2016 zeigte der französische Reifen gegenüber Continental Sport Contact 6, Bridgestone Potenza S001, Dunlop Sport Maxx RT 2, Goodyear Eagle F1 Asymmetric 3 und Pirelli P Zero Nero GT sein Potenzial. Im Test in Kalifornien zeigte unser Vergleich zwischen Continental und Michelin im 2er BMW tatsächlich weniger Untersteuern auf flotten Kurven, als der Conti. Auch der Bremsweg zeigte sich beim Michelin Reifen kürzer – aus 175 km/h kam der BMW so bereits nach 115,1 Metern zum Stillstand, statt die 116,2 Metern beim Continental. Dabei mussten wir kurz einen kritischen Blick auf den Conti-Reifen werfen, der von der Abnutzung für uns im direkten Vergleich optisch keinen schlechteren Zustand aufwies.

Durch das von Michelin im Rennsport gewonnene Know-How wurde der Reifen auf einen möglichst breiten Arbeitsbereich der Performance ausgelegt – gerade im Langstrecken-Sport muss der Reifen nicht nur in einem engen Fenster möglicher Rahmenbedingungen funktionieren. Dazu bietet der PS4S zusätzlich über seine komplette Laufdauer eine konstante Performance.

Ultra-High-Tech Performance für sportliche Fahrzeuge
Wie auch immer zur Technik: Michelin zeigte uns bei der Vorstellung des Fahrzeuges nicht nur die Fähigkeiten auf der Rennstrecke, sondern auch auf normalen Straßen und Highways. Und ja: der Reifen passt natürlich nicht nur auf Fahrzeuge mit Stern – hier von Mercedes-AMG, sondern auf eine Vielzahl von Modellen allerlei Supersportwagen und Hersteller. Kurvengeschwindigkeiten & Fahrspaß gab es dazu definitiv auch bei anderen Modellen, sodass wir nicht nur im Fahrzeug aus Affalterbach Platz nehmen konnten – und durften – sondern auch u.a. im California-Modell aus Maranello oder im R8 aus Ingolstadt. Auf der Rennstrecke selbst fuhren wir zum Vergleich einen aktuellen M4 aus Münchner Produktion, was wir parallel als guten Blick über den Tellerrand der einzelnen Automarken nutzen konnten. Obwohl: dass man außerhalb von Stuttgart leistungsstarke Fahrzeuge baut, war uns durchaus schon vorab bewusst. Das zeigte Michelin aber auch am Thermal Club in Kalifornien am Parkplatz des „Michelin Pilot Experience“, wo so zahlreiche Supersportwagen aufgereiht waren.

Wüstenlandschaft im Südosten von Kalifornien
Durch gut asphaltiert Straßen ging unsere Ausfahrt in der Kolonne mit verschiedenen Sportwagen durch die Wüstenlandschaft im Südosten Kaliforniens, welche den Übergang zwischen der Colorado-Wüste und der Mojave-Wüste bildet – überwacht durch 2 US-Cops der „US Highway Patrol„, die dazu nicht nur ein ziemlich zügiges Tempo vorlegten, sondern parallel die Tempolimits offiziell außer Kraft setzten. Kann man wohl machen, musste aber auch sein 🙂 die Umweltbilanz erwähnen wir an dieser Stelle vorsorglich mal nicht.

Unsere Strecke ging u.a. durch den bekannten Joshua-Tree Nationalpark, selbstverständlich entsprechend mit Pilot Sport 4 S Bereifung und im Wechsel durch die einzelnen Fahrzeuge bzw. Marken. Zuletzt sind wir hier im Rahmen unseres Roadtrips im GL 450 4MATIC im Jahr 2015 durchgerollt.

Unser Hauptaugenmerk war jedoch diesmal ein guter automobiler Bekannter: ein blaues C 63 S Coupé aus Affalterbach, dessen Fahrverhalten und Bedienung uns wenigstens gut bekannt war. Schwieriger war es dann schon im Ferrari, wobei wir im California vorab eine kurze Einweisung für die Schaltung und Schalter benötigten. Fahrgefühl und die direkte Lenkung im „Roten“ war hierbei schon stark anders, als im gewohnten Affalterbacher Modell.

Für extreme Wetterbedingungen sorgte parallel die Natur: so gab es neben Sonne in der Wüste auch Regen und kurzzeitig auch Schnee – was selbst für die Einheimischen ein äußerst seltenes Schauspiel war. Gut jedoch für unsere Bereifung, die aufgrund der unterschiedlichen Gummimischungen auf der Innen- und Außenseite der Lauffläche solche wechselnden Bedingungen gut im Griff hat. Im Trockenen setzt Michelin dazu auf eine Elastomer-Mischung auf der Außenseite des Reifens, bei Regen und Schnee soll die Mischung aus Elastomeren und Silika auf der Reifeninnenseite maximale Kontrolle gewährleisten. Um Aquaplanung vorzubeugen, sorgen zudem einige breite und tiefe Längsrillen im Profil für entsprechenden Grip.

Die Wegstrecke durch den Joshua Tree National Park sorgte dafür für einen ganz praktischen Eindruck vom Potenzial des Sportreifens, wobei sowohl enge als auch langgezogene Kurven zu fahren waren. In einer Gruppe mit exklusiven Sportwagen, wo alle Fahrer auf der Suche nach der idealen Kurvengeschwindigkeit und Fahrspaß waren, ein durchaus angenehmer Moment. Der Reifen zeigte sich dabei gutmütig, wobei auch der Wechsel zwischen den Fahrzeugen innerhalb von wenigen Kurven das notwendige Vertrauen zum Reifen vorhanden war, um sich dem Grenzbereich immer weiter anzunähern. Unerwartet Grip zu verlieren war hier Mangelware, stattdessen verleitet das passende Schuhwerk dazu, immer schneller die Kurven absolvieren zu müssen. Für die passende Geschwindigkeit wählten wir parallel den entsprechenden zeitlichen Abstand zum Vordermann, um gezielt die Reifen fordern zu können.

Fazit zum Michelin Pilot Sport 4 S
In der Summe zeigte sich der Reifen bei der „Michelin Pilot Experience“ bestens, wenn auch die auf der Rennstrecke hohen Kurvengeschwindigkeiten nur ein Teil der Übung waren. Seine Stärke zeigte der Reifen besonders mit der sehr frühen Ankündigung des (hoch angesiedelten) Grenzbereiches, was es für geübte Fahrer durchaus leichtmacht, in jeder Kurve das Maximum aus dem Reifen herauszuholen. Die Kombination des Michelin Pilot Sport 4 S von Alltagstauglichkeit und Performance verspricht definitiv Fahrspaß, egal auf welchen Sportwagen der Reifen montiert ist. Wenn die lange Laufdauer der Reifen – für die Michelin bislang immer stand – dann auch noch gewährleistet ist, ist den Franzosen erneut ein gutes rundes Ding gelungen.

Der Pilot Sport 4 S ist aktuell in 44 Varianten – von 225 bis 345 Millimetern Breite – in Deutschland verfügbar – beginnend bei 19 Zoll. Der Labelwert für den Nassgrip liegt – je nach Ausführung – bei „A“ oder „B“, der Rollwiderstand zwischen „C“ und „E“. 2018 folgen dann größere Varianten des PS4S in der Dimension von 21 sowie 22 Zoll.

Disclaimer: Die Kosten für An- und Abreise sowie die Unterbringung in Palm Springs wurde von Michelin übernommen. Unsere Meinung zum Reifen bleibt davon unberührt und wäre ebenso,  wenn wir den Reifen auch in Deutschland gefahren hätten.

Bilder: Michelin | Meg McCarthy | Jordan Pay | Rick Dole