Mit dem Active Brake Assist 4 – kurz ABA 4 – bietet Mercedes-Benz für seinen LKW-Bereich seit 2016 ein System an, welches als erstes seiner Art auch vor einer Kollision mit bewegten Fußgängern warnt und zusätzlich dazu automatisch eine Teilbremsung einleitet. Zusätzlich kann der ABA 4 akustisch durch eine Hupfunktion warnen.

Active Brake Assist 4
Als Basis des Active Brake Assist 4 mit Fußgängererkennung dient die Radar-Technologie, welche so bereits in aktuellen Pkws mit Stern verwendet wird. Die Radarsystem arbeitet dabei unabhängig von Lichtverhältnissen und weitgehend unabhängig der Witterung. Der Radar ermittelt dabei Abstand und Relativgeschwindigkeit extrem präzise – bei Nacht, Regen oder bei Nebel.

Im Gegensatz zum Vorgänger Active Brake Assist 3 – der bereits eine Vollbremsung bis zum Stillstand auf bewegte und stehende Hindernisse innerhalb der Systemgrenzen durchführen konnte, kann die aktuelle Variante des Assistenten nun zusätzlich bewegte Fußgänger erkennen und eine Teilbremsung einleiten. Darüber hinaus besitzt der Active Brake Assist die Fähigkeit, Fußgänger in Bewegung in nahezu allen Verkehrsituationen zu erkennen. Zum Beispiel, wenn sie auf die Fahrspur des Lkw laufen, hinter einem Hindernis hervortreten oder wenn sie sich längs auf der Fahrspur bewegen. Personen werden parallel auch noch im Bereich des Radars beim Abbiegen erkannt, wobei die automatischen Warn- und Bremsreaktionen der Erkennung bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h erfolgt. Auf stehende und bewegte Hindernisse reagiert das System hingegen bis maximal 90 km/h.

Das System löst so nun eine Warnung sowie parallel eine Teilbremsung auf bewegende Fußgänger aus. Anders als bei der Bremsung auf bewegte oder stehende Hindernisse erfolgt bei der Warnung und Teilbremsung auf bewegte Fußgänger keine Warnkaskade, sodass die optische und akustische Warnung sowie die Teilbremsung zeitgleich einsetzen.

Das System kann dabei jederzeit durch den Fahrer übersteuert werden, sei es etwa durch Notbremsung oder Kick-Down. Ist die Bremsintensität des Fahrers jedoch zu schwach, dominiert die Intensität des Systems.

Der Radarsensor erfasst im Fernbereich bis 250 Meter in direkter Linie Fahrzeuge bzw. Hindernisse, Fußgänger bis 100 Meter. Das Radar im Fernbereich öffnet sich dazu bis 18 Grad, das Nahbereichsradar bis 120 Grad – was so auch Fahrzeuge und bewegte Fußgänger erfassen kann.

Abbiege-Assistent
Abbiegevorgänge nach rechts sind für Lkw-Fahrer eher unangenehm: hier muss gleichzeitig der Verkehr nach vorne, auf die Beschilderung und die Ampeln sowie den Gegen- und Querverkehr geachtet werden. Außerdem sind die seitlichen Fußgänger sowie Fahrradfahrer zu beobachten – wobei die Situation sich in Sekundenschnelle ändern kann. Als erster Hersteller im Lkw-Sektor bietet Mercedes-Benz dazu nun den Abbiege-Assistent mit Personenerkennung, welches mehrstufig arbeitet.

Zwei Nahbereichs-Radarsensoren am Rahmen der Beifahrerseite vor der Hinterachse des Lkws sind dabei das Herzstück des Abbiege-Assistenten. Dabei liegt die seitliche Überwachungszone bei einer Breite von 3,75 Metern. Das System ist dabei so ausgerichtet, dass es zusätzlich  die komplette Länge des gesamten Lastzugs abdeckt – sowohl bei Solofahrzeuge, wie auch bei einen kompletten Zug bis 18,85 Metern länge. Darüber hinaus wird der Streifen auf einem Meter über Aufliegerkante ausgedehnt.

Der Assistent reagiert dabei sowohl auf bewegliche, wie auch stehende Objekte, die sich seitlich auf der Beifahrerseite in der Überwachungszone befinden. Erkennt das System hierbei Personen oder Gegenstände, wird der Fahrer mittels einer auf der Beifahrerseite leuchtender LED-Anzeige in Dreiecksform gelb informiert.

Bei Kollisionsgefahr erfolgt zusätzlich eine optische und akustische Warnung: die LED-Leuchte blinkt mehrfach rot mit höherer Leuchtkraft, nach 2 Sekunden permanent rot. Zusätzlich ertönt parallel bei drohender Kollision seitenrichtig ein Warnton.

System auch für die Schleppkurve nutzbar
Wird in der Schleppkurve des Lkws bis maximal 36 km/h ein stationäres Hindernis ein Hindernis erkannt, wie Ampel oder Lichtmast, erfolgt ebenfalls eine optische und akustische Warnung, wodurch der Fahrer die Möglichkeit erhält, zu bremsen. Verfügbar ist der Abbiegeassistent für Actros und Antos als Linkslenker-Ausführung als 4×2 Sattelzugmaschine sowie als 6×2 Fahrgestell.

Im Test: der Active Brake Assist 4
Für eine Vorstellung des Active Brake Assist 4 sowie den Abbiege-Assistenten hat uns Mercedes-Benz nach Lissabon eingeladen. Mit vor Ort: Petro, der in einer ersten – natürlich gestellten – Situation telefonierend über den Fußgängerweg läuft. Unweit davon nähert sich der schwere Mercedes-Benz Actros Lkw auf den Portugiesen zu. Eine Situation, die durchaus im normalen Straßenverkehr vorkommen kann – und auch wird.

Notbremsung für Fußgänger: der Notbremsassistent mit Fußgängererkennung
Zeit also, die Notbremsung des Active Brake Assist für Fußgänger zu demonstrieren, welches nicht nur den Fahrer warnt, sondern parallel auch eine automatische Teilbremsung einleitet. Damit erhält der Fahrer die Möglichkeit, durch eine Vollbremsung oder durch ein entsprechendes Lenkmanöver eine Kollision rechtzeitig zu vermeiden. Die akustische Warnung sowie die Teilbremsung setzen hierzu jedoch parallel ein, wobei der Fahrer das System übersteuern kann.

Und auch hier zeigt die Demonstration des Systems, das die Fußgängererkennung funktioniert – und den Fahrer zusätzlich unterstützt, Gefahren zumindest abzumildern. Das System leistet dabei Beihilfe, die meisten Schäden und Unfälle zu verhindern – für deutlich mehr Sicherheit also auf der Straße.

Wenige Minuten später wechselt Petro auf das Fahrrad, um uns den Abbiegeassistenten zu demonstrieren. Stichwort „Toter Winkel“, der für den Fahrer oft schwer einzusehen ist. Hier hilft das System mittels seiner Radarsensoren, nicht nur Petro schnell zu entdecken – -sondern auch andere Personen oder Gegenstände.

Abbiege-Assistent
Der Abbiege-Assistent unterstützt den Fahrer per Radarsensoren und hält die komplette rechte Seite im Blick – und informiert dazu den Fahrer gekonnt mehrstufig. Hält sich ein Radfahrer oder Fußgänger in der Warnzone auf – wie hier nun Petro – , leuchtet dazu in der A-Säule auf der Beifahrerseite eine LED in Dreiecksform gelb auf. Wird daraufhin eine mögliche Kollisionsgefahr erkannt – anhand parallel aktivierten Blinkers oder entsprechenden Lenkeinschlags – blinkt die LED mit höherer Leuchtkraft rot, zusätzlich ertönt von rechts ein Warnton über einen Lautsprecher der Radioanlage. Petro auf dem Fahrrad ist also schnell erkannt, der Actros-Pilot kann rechtzeitig die Bremse betätigen.

Das System zeigt sich aber auch in der Schleppkurve  nützlich, sollte der Fahrer nicht weit genug ausgeholt haben und der hintere Teil des Lastkraftwagens droht, eine Ampel oder Autos zu beschädigen:  auch hierbei wird im Innenraum des Lkws eine entsprechende Warnung ausgegeben – und Schaden verhindert.

Der optionale Active Brake Assist 4 ist für alle Fernverkehrs-Baumuster von Mercedes erhältlich, als einzelne Sonderausstattung oder im Paket. Definitiv eine Pflichtausstattung für mehr Sicherheit im Straßenverkehr.

Bilder / Videos: MBpassion / Grafiken: Daimler AG