Der Mercedes-Benz F 600 HYGENIUS setzte im Oktober 2005 die Reihe der faszinierenden und zukunftsweisenden Forschungsfahrzeuge von Mercedes-Benz fort. Ausgestattet mit einem emissionsfreien Brennstoffzellenantrieb, verbrauchte der familiengerecht konzipierte Kompaktwagen mit einer Länge von 4.300 mm umgerechnet nur 2,9 Liter je 100 Kilometer und fuhr mit einer Tankfüllung Wasserstoff (welches bei 700 Bar Druck gespeichert wurde) mehr als 400 Kilometer weit. Auch die Leistungscharakteristik und das Kaltstartverhalten des zukunftsweisenden Antriebs hat Mercedes-Benz entscheidend verbessert.

Die Brennstoffzelle des Forschungsfahrzeugs war bereits – zu seiner Zeit – deutlich weiterentwickelt: Sie war rund 40 Prozent kleiner als bisher, arbeitet noch effizienter und zeichnet sich durch eine gute Kaltstartfähigkeit aus. Die Dauerleistung des Brennstoffzellenantriebs betrug 60 kW [82 PS]. Da nicht benötigte Energie in einer leistungsstarken Lithium-IonenBatterie gespeichert wird, arbeitete das System ähnlich wie ein Hybridantrieb und nutzt in jeder Fahrsituation die jeweils beste Energiequelle. Das üppige Energieangebot der Brennstoffzelle wird auch zum Wohl der Passagiere genutzt. Beispielsweise kühlen oder wärmen die Cupholder die Getränke mit dem Strom aus dem umweltfreundlichen Aggregat.

Über eine normale Steckdose ließen sich Elektrogeräte auf normalem Spannungsniveau betreiben. Bei Bedarf diente die Brennstoffzelle auch als mobiles Kraftwerk: Ihre elektrische Leistung von 66 kW reichte angeblich sogar aus, um mehrere Einfamilienhäuser mit Strom zu versorgen.

Kompakte Karosserie
Trotz der kompakten Karosserie übertraf das Platzangebot im Innenraum des viertürigen F 600 HYGENIUS die Dimensionen der Oberklasse. Der Abstand zwischen den Vorder- und Fondsitzen beträgt großzügige 95 Zentimeter und lässt sich dank verschiebbarer Fondeinzelsitze nochmals um bis zu 40 Zentimeter vergrößern. Mit vielen durchdachten Detaillösungen war der F 600 HYGENIUS zu seiner Zeit ein perfektes Familienauto.

Zum Beispiel waren die Sitze kind- und familiengerecht konstruiert: Dank einer neuen Technik sind die Rückenlehnen des Beifahrersitzes und der Einzelsitze im Fond beidseitig nutzbar; sie lassen sich so nach vorn schwenken, dass auf den Sitzpolstern ISOFIX-Kindersitze entgegen der Fahrtrichtung eingeklinkt werden können. Der Fahrersitz hat ein zweiteiliges Rückenpolster, das sich mithilfe von Elektromotoren in Höhe, Breite und Neigung exakt der Form der Körperkontur anpassen lässt und vor allem im Bereich der Taille sehr guten Halt bietet. Die Lehne war so gelagert, dass sie den Bewegungen des Oberkörpers folgt und die Bandscheiben in jeder Sitzposition optimal entlastet.

Kameras in den Außenspiegel
Kameras in den Gehäusen der Außenspiegel beobachteten das Verkehrsgeschehen neben und hinter dem F 600 HYGENIUS auch, wenn das Forschungsfahrzeug parkt. Näherte sich ein anderes Auto oder ein Zweiradfahrer von hinten, blockierte das System automatisch für kurze Zeit die Türen, um beim Öffnen eine Kollision
zu verhindern. Gleichzeitig ertönte im Innenraum ein Warnsignal und im Spiegelglas erscheint ein rotes Gefahrensymbol. Während der Fahrt überwachten die Kameras den „toten Winkel“ der beiden Außenspiegel und warnten den Fahrer beim Spurwechsel, wenn sich von hinten ein Fahrzeug näherte. Die Darstellungen auf den beiden hochauflösenden Farbdisplays in der Instrumententafel wurden dazu über zwei Spiegel umgelenkt und so projiziert, dass sie optisch in einer Entfernung von 1,40 Metern vor dem Fahrer erscheinen. Mit dieser neuartigen virtuellen Anzeigetechnik leistete Mercedes-Benz einen wichtigen Beitrag zur Konditionssicherheit, denn sie verkürzt die Zeit des Blickwechsels vom Verkehrsgeschehen vor dem Auto auf das Display im Cockpit.

Kam später in Serie: Blinkende Bremsleuchten in Notbremssituationen
Große Aufmerksamkeit hatten die Ingenieure auch der Lichttechnik gewidmet. Scheinwerfer mit Hochleistungsleuchtdioden [LED] verbessern die Sicht des Fahrers bei Dunkelheit und helfen, Unfälle zu vermeiden. Die LEDs sind auf drei Projektionsmodule verteilt, die für eine breite und gleichmäßige Verteilung des Fahrlichts sorgen. Das mittlere Lichtmodul wird je nach Fahrsituation geschaltet und übernimmt zusätzliche Aufgaben wie Fern-, Kurven- oder Abbiegelicht. Für die verschiedenen Lichtfunktionen werden einzelne Leuchtdioden direkt angesteuert – bewegliche Bauteile sind nicht mehr erforderlich. Auch für das Rück- und Bremslicht setzte Mercedes-Benz bereits Leuchtdioden ein. In Notbremssituationen warnten blinkende Bremsleuchten nachfolgende Autofahrer und verringern das Risiko von Auffahrunfällen.

Präventiver PRE-SAFE®-Schutz
Das präventive Insassenschutzsystem PRE-SAFE®, das 2002 in der Mercedes-Benz S-Klasse Weltpremiere gefeiert hat, sollten die Ingenieure in Zukunft kontinuierlich erweitern. An Bord des F 600 HYGENIUS zeigten sie zwei weitere vorsorgliche Schutzfunktionen: einen aktiven Knieschutz, der den Beifahrer abstützt, und Kopfstützen mit automatisch ausfahrbaren Seitenwangen, die den Kopf fixieren. Diese und andere PRE-SAFE®-Maßnahmen werden vor einem drohenden Unfall aktiviert, um Insassen und Fahrzeug auf die Kollision vorzubereiten. Kommt es zum Crash, können Gurte und Airbags ihre Schutzwirkung bestmöglich entfalten; wird der Unfall im letzten Moment verhindert, lassen sich die reversiblen PRE-SAFE®-Systeme wieder zurückstellen.

Die technische Basis des F 600 Hy Genius war übrigens eine modifizierte A-Klasse von Mercedes-Benz, dessen Optik man teils noch erkennen konnte.

Bilder: Daimler AG