Mercedes-Benz zeigte im Jahr 1996 auf der Mondial de l´AUtomobile in Paris mit dem F 200 Imagination Concept ein Konzeptfahrzeug, welches Innovationen bei Design und Technik aufzeigte, was teils erst viel später in die Serienfertigung übernommen worden ist.

Der Mercedes-Benz F 200 Imagination diente auf sehr konsequente Weise der Erprobung eines neuen Ergonomiekonzepts und ist das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit von Technikern und Designern. Angetrieben wurde das Fahrzeug, welches zur Erprobung neuer Ergonomiekonzepte auf Basis von Drive-by-Wire-Technik und Cockpitdesign aufgebaut worden ist, durch einen Viertakt-Ottomotor mit 12 Zylindern, 6 Liter Hubraum und 394 PS. Das Fahrzeug mit Hinterradantrieb, wurde durch ein 5-Gang Automatikgetriebe mit elektronischer Steuerung angetrieben.

Sidesticks – kleine Steuerknüppel in den Türen und in der Mittelkonsole, mit denen gelenkt und gebremst wird – ersetzten das Lenkrad. Die Signale wurden dazu ausschließlich mithilfe der Elektronik an die entsprechenden Komponenten übertragen. Dort, wo bisher mechanische Elemente vorhanden sind, die direkt von den Kraftimpulsen des Fahrers angesteuert werden, sind sie jetzt mit elektrischen und hydraulischen Stelleinrichtungen verknüpft, denen Elektronikimpulse die gewünschte Aktion vorgeben. Durch die Drive-by-Wire Lenkung konnte der Fußraum und das Cockpit anders gestaltet werden.

Vernetzung der elektronischen Systeme
Im Forschungsfahrzeug F 200 Imagination war eine sehr konsequente Vernetzung der elektronischen Systeme verwirklicht. Ein Ergebnis ist seine zukunftsweisende Fahrdynamikregelung. Dabei erkennt die Elektronik die Kommandos des Autofahrers als Wunsch für einen bestimmten Fahrzustand – Beschleunigen, Bremsen, Lenken und Rückwärtsfahren – und entscheidet dann blitzschnell, auf welche Weise sie den Befehlen am besten und am sichersten nachkommen kann. Dies geschieht im F 200 situationsabhängig, denn der Computer nutzt die Informationen verschiedener Sensoren, die ihm unter anderem Auskunft geben über Geschwindigkeit, Rad- und Motordrehzahlen, Fahrbahnzustand und Karosseriebewegungen.

Auf Basis dieser Daten entscheidet der Rechner beispielsweise, wie weit die Räder bei Kurvenfahrt eingeschlagen werden oder mit welcher Motordrehzahl auf nasser Fahrbahn gefahren wird. Das System ist mit der Fahrdynamikregelung Active Body Control [ABC] verknüpft. Auch in kritischen Fahrsituationen hält die Elektronik den Wagen durch blitzschnelles Eingreifen in Lenkung, Bremse, Motor- oder Getriebesteuerung sowie die Fahrwerksregelung sicher auf Kurs. So kann der Autofahrer die technische Leistungsfähigkeit seines Autos voll ausnutzen, ohne die fahrphysikalischen Grenzen zu überschreiten – ein echtes Plus an Sicherheit zu seiner Zeit. Dafür sorgte auch das elektronisch gesteuerte Heckspoilersystem des F 200 Imagination, das sich für eine bessere Verzögerung blitzschnell in den Fahrtwind stellt, wenn eine Notbremssituation erkannt wird.

Frontscheinwerfer mit variabler Lichtverteilung
Die Frontscheinwerfer des F 200 – mit variabler Lichtverteilung – sind eine weitere innovative Technik im F 200 Imagination. Sechs Einzelreflektoren in jedem Modul mit jeweils einer separaten Glühlampe werden je nach Fahrsituation und Geschwindigkeit ein- oder ausgeschaltet. Das garantiert optimales Fahrlicht, ohne den Gegenverkehr zu blenden. In Kurven folgt das Licht dem Lenkeinschlag des Fahrers und sorgt so für bessere Sicherheit bei der Nachtfahrt. Bei schneller Autobahnfahrt schaltet sich ein zusätzlicher Spot-Reflektor ein und leuchtet die Ferne besser aus. Am Heck befindet sich eine kompakte Rückleuchteneinheit mit neun Einzelfunktionen: Blinker, Schlusslicht, Nebelschlussleuchte, Bremslicht, Rückfahrlicht, Rückfahrstrahler, Seitenstrahler, Seitenmarkierungslicht und Umgebungslicht. Der unauffällige Blinker ist eine schmale, gebogene Neonröhre, die sich durch hohe Lichtleistung und lange Lebensdauer auszeichnet.

Erster Window-Airbag entlang der Seitenwänden
Beim F 200 Imagination gab es ebenso den ersten Window-Airbag, der sich entlang den Seitenwänden aufbläst und die Gefahr von Kopfverletzungen bei einem Seitenaufprall und beim Überschlag erheblich reduziert. Da die Coupé-Studie kein Lenkrad hat, befinden sich die vorderen Airbags in einem Kniepolster unterhalb der Instrumententafel.

5 fest eingebaute Minikameras im F 200
Anstelle der gewohnten Rückspiegel setzten die Fachleute ein Videosystem mit fünf fest eingebauten Minikameras ein. Vier davon verstecken sich auf beiden Seiten unauffällig in den Dachholmen und haben während der Fahrt ständig die Bereiche neben und hinter dem Fahrzeug im Blick. Die fünfte Kamera ist im Heckstoßfänger untergebracht und schaltet sich automatisch bei Rückwärtsfahrt ein. Die Bilder erscheinen auf verschiedenen Monitoren im Fahrzeuginneren, wo sich normalerweise die Rückspiegel befinden.

Übernahme von Innovationen in die Serie
So besaß der F 200, der heute im öffentlichen Bereich des Mercedes-Benz Museum in der Nähe der Cafeteria zu besichtigen ist, Scherentüren, dessen Serieneinführung erst 2003 im Mercedes-Benz SLR McLaren eingesetzt worden ist. Eine weitere technische Neuheit – das elektrotransparentes Glasdach, wurde 2002 im Maybach 62 in die Serie übernommen, die Window-Airbags kamen mit der S-Klasse der Baureihe 220 im Jahre 1998 in die Serienproduktion. Das dazumal neue Active Body Control – eine aktive Radaufhängung – erhielt erst der Mercedes-Benz CL der Baureihe C 215 im Jahre 1998. Die Spracherkennung für das Mobiltelefon erhielt im Jahre 1996 – dann unter dem Namen Linguatronic – die S-Klasse der Baureihe 140, das Scheinwerfersystem mit variabler Lichtverteilung kam mit Serieneinführung des Bi-Xenon Scheinwerfer mit aktivem Kurvenlicht in die E-Klasse der Baureihe 211 im Jahre 2003.

Bilder: Daimler AG