Im kommenden Jahr startet Mercedes-Benz eine große Motorenoffensive und bringt eine neue Generation Reihenmotoren an den Start. Neben einem neuen Reihenvierzylinder Benzinmotor kommen auch zwei neue Reihensechszylinder – als Benziner und Diesel. Gleichzeitig werden in der neuen Motorengeneration auch diverse neue Technologien wie ein 48-Volt-Bordnetz, ein Integrierter-Starter-Generator (ISG) und eine elektrische Turboausladung zum Einsatz kommen.

Als erstes Modell erhält die Modellpflege der S-Klasse die ersten Motoren der neuen Generation.

TecDay Motoren

Neuer Sechszylinder-Benzinmotor (M 256)
Der neue Reihensechszylinder-Ottomotor wurde in den letzten 4 bis 5 Jahren entwickelt und ist konsequent für Elektrifizierung ausgelegt. Das neue Aggregat wird ein Hubraum von 2.999 cm3 haben und in den Fahrleistungen über denen des aktuellen V8-Benziners (M278) mit 408 PS liegen. Das maximale Drehmoment wird bei über 500 Newtonmeter liegen.

Die Aufladung des Motors erfolgt intelligent über zwei Stufen, bis der große Abgasturbolader einsetzt wird und die Phase durch einen elektrischen Zusatzverdichter überbrückt. Der elektrische Turbolader beschleunigt binnen 300 Millisekunden auf 70.000 Umdrehungen und sorgt für jede Menge Dynamik ohne Turboloch.

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Erstmalig kommt mit diesem Motor ein 48-Volt-Bordnetz, das diverse Vorteile bietet. Der neue Reihensechszylinder-Benziner kann so komplett auf einen Riemenantrieb für Nebenaggregate an der Stirnseite des Motors verzichten. Das schafft Platz und macht den M256 fast so kompakt wie ein Vierzylinder. Die Wasserpumpe und der Klimakompressor werden komplett elektrisch vom neuen 48V-Bordnetz gespeist. Das weiterhin vorhandene 12-Volt-Netz versorgt Verbraucher wie Beleuchtung, Cockpit, Infotainment und Steuergeräte.

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Ein weiterer zentraler Bestandteil des neuen Motors ist der integrierte Starter-Generator (ISG), er wird nicht nur als elektrischer Generator genutzt, sondern übernimmt auch Hybridfunktionen und macht selbstverständlich einen konventionellen Anlasser überflüssig. Der ISG kann Boosten mit maximal 20 PS, zum Beispiel bei Kick-Down, Rekuperieren sowie Segeln.

Zu den Komfortmerkmalen des ISG gehört ein nahezu unmerkliches Starten des Motors. Für die Abgasnachbehandlung verfügt der neue Reihensechszylinder-Benzinmotor über einen serienmäßigen Partikelfilter, der Teil der Abgasanlage im Unterboden ist.

Neuer Sechszylinder-Dieselmotor (OM 656)
Ebenfalls sechs Zylinder in Reihe hat auch der neue Spitzendieselmotor. Bei einem Hubraum von 2.927 cm3 leistet der neue Selbstzünder 313 PS und über 650 Nm Drehmoment. Der große Bruder des Vierzylinderdiesel OM654 ist modular aufgebaut und wird die gleichen Merkmale wie das Stufenmulden-Brennverfahren, ein Alugehäuse und Stahlkolben die NANOSLIDE Laufbahnbeschichtung haben.

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Die Aufladung des Aggregates erfolgt über zwei hintereinander geschalteten Abgasturbolader, zudem leistet das Hochdruck-Kraftstoffeinspritzsystem im Top-Diesel bis zu 2.500 Bar Raildruck.

In Punkto Abgasnachbehandlung ist der OM656 identisch zum OM654 und nutzt auch den motornah verbauten SCR- und Partikelfilter. Zusätzlich ist der neue R6-Diesel auch mit einer schaltbaren Auslassnockenwelle versehen. Die variable Ventilsteuerung CAMTRONIC unterstützt das Aufheizen der Abgasanlage zusätzlich.

Neuer Vierzylinder-Benzinmotor (M 264)
Eine neue Motoren-Generation wird es in 2017 auch im Bereich der Reihen-Vierzylinder geben. Der neue 2-Liter Top-Benziner wird sich bei einer Leistung in der Größenordnung von 136 PS pro Liter bewegen. Um die entsprechende Leistung generieren zu können, ist der neue R4 über einen Twinscrollscroll-Abgasturbolader ausgestattet, wie er auch bereits heute schon zum Beispiel im Motor des Mercedes-AMG A 45 oder CLA 45 zu finden ist.

Bei der Twinscroll-Technologie werden die Abgaskanäle von jeweils zwei Zylindern in einem strömungsoptimierten Krümmer zusammengefasst. Zudem wir der neue M264 eine variable Ventilsteuerung CAMTRONIC auf der Einlassseite haben.

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Wie auch schon der neue Reihensechszylinder-Benziner, bekommt auch der Vierzylinder ein 48-Volt-Bordnetz. Anders als beim großen Motor, kommt hier aber weiterhin ein konventioneller Riemenantrieb zum Einsatz, der unter anderem vom neuen Starter-Generator genutzt wird.

Der neue riemengetriebene Starter-Generator (RSG), kann mit bis 14 PS eine Boost-Funktion im Drehzahlbereich bis 2.500/min bereitstellen und ist auch für Rekuperation und die Segelfunktion zuständig.

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Ein weiterer Punkt der durch den RSG realisiert werden kann ist ein intelligentes Motorabschalten bei Stopp/Start – zum Beispiel bei Ampelphasen. Mit der ECO-Funktion kann bereits im Rollen bei niedrigen Geschwindigkeiten der Motor abgeschaltet werden – und nicht erst wie heute üblich, erst im Stand.

V8-Biturbo-Benzinmotor (M 176) mit Zylinderabschaltung
Der von AMG für Mercedes-Benz entwickelte V8-Biturbo kommt bereits in der G-Klasse zum Einsatz – wurde aber nun nochmal überarbeitet und startet mit neuer Technologie nächstes Jahr (2017) als erstes in der S-Klasse Modellpflege (Baureihe 222). Der überarbeitete V8-Biturbo schöpft aus 3.982 cm3 Hubraum über 476 PS und ein maximales Drehmoment von ca. 700 Nm. Ebenso ist es neu, das der Achtzylinder künftig eine Zylinderabschaltung haben wird.

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Im Teillastbereich können künftig mit Hilfe der Ventilverstellung CAMTRONIC vier Zylinder gleichzeitig abgeschaltet. Die Zylinderabschaltung ist im Drehzahlbereich von 900 bis 3.250/min und in den Fahrprogrammen C und E aktiv.

Wird mehr Motorleistung über die Fahrpedalstellung gefordert – oder die Motordrehzahl von 3.250/min überschritten- , schalten sich automatisch die Zylinder 2, 3, 5 und 8 zu. Dieses erfolgt blitzschnell innerhalb zwei Kurbelwellenumdrehungen und ohne irgendwelche Komforteinbußen. Im Hauptmenü des Kombiinstruments erkennt der Fahrer parallel, ob der Motor gerade im Vier oder Acht-Zylinderbetrieb arbeitet.

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Die Umschaltung in den Vierzylinder-Betrieb erfolgt über acht Aktoren, die axial verschiebbare Nockenstücke der Ein- und Auslassnockenwelle über eine Umschaltkulisse betätigen. Diese Nockenstücke sind durch eine Verzahnung auf der Trägerwelle gelagert und sind in den jeweiligen Endanschlägen arretiert. Die Einlass- und Auslassventile der Zylinder werden über den Null-Hub-Nocken der Nockenstücke nicht geöffnet. Gleichzeitig sind Kraftstoffzufuhr und Zündung deaktiviert.

Zur Abgasnachbehandlung ist der M176 zudem jetzt mit einem Partikelfilter, serienmäßig als Teil der Abgasanlage im Unterboden ausgerüstet. Der Motor wird im Motorenwerk in Stuttgart-Untertürkheim produziert.

Bilder: Philipp Deppe / MBpassion