Das Laderaummanagement von Lieferfahrzeugen für die letzte Meile ist häufig ineffizient. Im Vergleich zu den vorgelagerten Logistikprozessen wie in modernen Lagerhäusern hat die Automatisierung in diesem Bereich noch nicht Einzug gehalten. Waren werden unstrukturiert verladen. Relevante Parameter wie Auslieferungsreihenfolge oder Anzahl der Sendungen pro Kunde sowie gegebenenfalls Bündelungen werden dabei nur sehr begrenzt berücksichtigt. Das verlangsamt in der Folge die Be- und Entladung. Häufig müssen Sendungen im Laderaum gesucht bzw. umsortiert werden. Weitere beeinträchtigende Faktoren sind die wiederholten Ein- und Ausstiege ins Fahrzeug und der meist nicht ergonomische Warenzugriff für den Zusteller. Durch den bei gängigen Regalsystemen üblichen Mittelgang können Nutzfläche und -volumen des Fahrzeugs nicht optimal genutzt werden.

Das intelligente Regalsystem vom Mercedes-Benz Vans
Als Lösung entwickelt Mercedes-Benz Vans aktuell automatisierte, intelligente Regalsysteme, die die Be- und Entladung deutlich beschleunigen und effizienter gestalten. Das sogenannte Slider-System ist ein komplett entnehmbares Fahrzeugregal und fungiert somit gleichzeitig als Kommissionierregal (2 in 1 System). Am Kommissionierplatz im Hub werden die Waren zunächst gescannt und die Sendungsinformationen in einer Datenbank erfasst. Anhand intelligenter Algorithmen werden die Sendungen in eine optimale Auslieferungsreihenfolge gebracht, nach Kunden gebündelt und den Slider-Regalen zugewiesen. Dem Kommissionierer wird mittels aufleuchtender LEDs an den Regalfächern (Put-by-Light) signalisiert, wo die jeweilige Sendung im Regal abgelegt werden muss. So wird eine schnelle und effiziente Beladung ermöglicht.

Anschließend transportiert ein führerloses Förderfahrzeug die Regalsysteme als Ganzes automatisch ins Fahrzeug. Dieses Verfahren wird Swift Loading genannt. Am Auslieferort öffnet sich automatisch die Heckklappe des Fahr­zeugs, das Regal gleitet heraus und ermöglicht ungehinderten Zugriff auf die Regalfächer. Lichter zeigen an (Pick-by-Light), welche Sendungen zugestellt werden müssen und nach Entnahme fährt das Regal automatisch zurück in den Laderaum. Die Heckklappe schließt sich, sobald der Zusteller eine gewisse Distanz zum Fahrzeug erreicht und macht ein manuelles Verriegeln unnötig.

Warenfluss automatisiert
Das Conveyor-System ermöglicht einen durchgängigen, automatisierten Warenfluss vom Hub bis ins Fahrzeug. Die auf Ladungsträgern befindlichen Sendungen werden auf dem Weg zum Fahrzeug gescannt und in einer Daten­bank erfasst. Nach dem First in, First out Prinzip werden diese durch einen intelligenten Algorithmus den einzelnen Regalfächern zugeordnet und in die richtige Reihenfolge für die Auslieferung gebracht.

Intelligente Sendungsentnahme vom Zusteller möglich
Die höhenverstellbare Fördervorrichtung dockt an das festverbaute Conveyor-Regalsystem im Fahrzeugheck an. Die Ladungsträger fahren automatisch in das Regal ein. Durch die Beladung von hinten und Entnahme von vorne, entfällt der Mittelgang im Laderaum. Für die Sendungsentnahme am Ausliefer­ort muss der Zusteller das Fahrzeug nicht verlassen. Er geht von der Fahrer­kabine durch eine rückwärtige Tür in den Laderaum, Lichter an den Regal­fächern zeigen die aktuell auszuliefernden Sendungen. Der Zusteller entnimmt sie und verlässt das Fahrzeug durch die automatische Seitentür. Die Lauf­funktion des Conveyor-Systems transportiert automatisch die nächsten Sendungen an die jeweilige Entnahmeposition des Regalfachs, sodass nur ein kleiner Bereich des Laderaums für die Entnahme notwendig ist.

Slider- und Conveyor-System bieten Transporterkunden viele Vorteile: Fahrzeuge können schneller und strukturierter beladen werden, das Suchen und Umsortieren von Sendungen am Auslieferort wird ebenso überflüssig wie wiederholte Ein- und Ausstiege ins Fahrzeug. Damit sinkt die Parkzeit des Fahrzeugs pro Auslieferungsstopp erheblich. Nutzfläche und –volumen des Fahrzeugs werden bestmöglich ausgenutzt, Fehler bei der Zustellung auf ein Minimum reduziert. Zudem wird der ergonomische Warenzugriff ermöglicht und der Zusteller vor Gesundheitsschäden geschützt. Beide Systeme können auch rein manuell – ohne automatisierte Beladung und selbsttätige Regale – betrieben werden.

Bilder: MBpassion.de / Philipp Deppe