Heute ist der Mercedes-Benz Sprinter der Lieferwagen des täglichen Lebens – doch wie war das früher? Bereits vor 80 Jahren hatte man die unterschiedlichsten Sachen zu transportieren, aber welches Fahrzeug benutzte man damals ? Die Antwort lautet: den Mercedes-Benz 170 V, welchen man als den Urvater der Lieferwagen bezeichnen kann.

Der 170 V wurde intern als Baureihe W 136 bezeichnet und ging 1936 erstmalig in die Serienproduktion. Von Anfang an wurde der 170 V neben der reinrassigen Pkw-Variante auch als Kasten und Pritschenwagen in verschiedenen Varianten angeboten.

Das gezeigte Ausstellungsfahrzeug ist ein durch die Fahrzeugwerke LUEG in Bochum zum Lieferwagen umgebauter 170. Ziel des LUEG Konzepts war es, mit einem Aufbau einer Vielzahl von Nutzeranforderungen gerecht zu werden. Der Aufbau durch LUEG ermöglichte es, mit vielen Gleichteilen auf Basis des 170 V Kastenwagens, diese zu Krankenwagen, Lieferwagen, Pritschenwagen und sogar als Pullmann Limousine umzubauen.

Der 170 Da rollte zu Beginn des Jahres 1951 in Untertürkheim vom Band und wurde als reines Fahrgestell an die Fahrzeugwerke LUEG in Bochum ausgeliefert. Dort wurde er dann nach dem LUEG Mehrzweckfahrzeug Konzepts als Krankenwagen aufgebaut. Nach Fertigstellung wurde das Fahrzeug auf dem Turiner Auto Salon 1951 ausgestellt und ging anschließend im gleichen Jahr zum italienischen Roten Kreuz, wo das Fahrzeug bis 2005 in den Abruzzen im Dienst war.

Der 170 V wurde als einziges Pkw-Vorkriegsmodell auch nach dem Krieg (ab 1946) weiterproduziert und im Jahr 1953 durch den Nachfolger 170 S der Baureihe W 120 abgelöst. Insgesamt wurden vom Mercedes-Benz 170 V rund 140.000 Einheiten produziert. Die Karoserie des Modells bestand aus einem Holzskelett, in der Baureihe kam 1936 mit dem 260 D der erste Serien-Pkw mit Dieselmotor – der OM 138 mit 45 PS – zum Einsatz. Die hohe Laufkultur des Vorkammer Diesels fand hohen Anklang, so das die Daimler Entwickler bereits während des Krieges den Vierzylinder-Benzinmotor M 136 in eine Dieselversion umkonstruierten. Dieser neue Motor feierte 1949 als OM 636 Geburtsstunde und galt lange Zeit als der Inbegriff der Unverwüstlichkeit – und treibt sogar noch heute den ein oder anderen Unimog an.

Übrigens: Das 170 V Ausstellungfahrzeug ist quasi ein „Scheunenfund“….Mitarbeiter der Daimler AG entdeckten im Frühjahr 2012 in einer staubigen Garage durch reinen Zufall den historischen Wagen.

Bilder: Philipp Deppe / MBpassion.de