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    Der neue SL 500 Roadster: 8-Zylinder mit 435 PS und 700 Newtonmeter im Fahrtest in Andalusien

    von Markus Jordan | 27.März 2012

    Der Mercedes-Benz SL ist und bleibt schon seit 1954 ein Zeichen für Luxus – das zeigt nun auch die neueste Generation des SLs auf, den wir bei unserer Testfahrt im spanischen Marbella fahren konnten.

    Unser Fahrtest des neuen großen Roadsters SL fand diesesmal Mitte März im spanischen Malaga und Marbella statt, – also einige Tage vor der Showroompremiere beim örtlichen Händler in Europa Ende dieses Monats. Pünktlich zum 60. Geburtstag legt der Hersteller aus Stuttgart den Sportwagen neu auf, welcher vom Projektleiter Jürgen Weissinger als “S-Klasse unter den Roadstern” bezeichnet wurde – und definitiv: die schwäbischen Autobauer legen in dessen Segment eindeutig den Benchmark vor.

    Ein erster Blick auf unseren Testwagen zeigen die üblichen Roadster-Proportionen, – das Fahrzeug hat auch weiterhin eine typisch lange Haube, schmale Flanken und ein weiterhin, durchaus knackiges und sportliches Heck. Von der Größe ist der neue SL der Baureihe R231 rund 5,7 Zentimeter in die Breite, – aber auch 5 cm in die Länge gewachsen – was sich entsprechend auf den Innenraum (und direkt auch auf die Schulterfreiheit auswirkt). Aufgrund der veränderten Außenmaße zeigt sich der Kofferraum mit einen Ladevolumen von 504 Litern, – mit Stauraum hinter den Sitzen. Mit geöffneten Dach verfügt der Roadster noch auf 364 Liter.

    Optisch ist das Fahrzeug – im direkten Vergleich zum Vorgänger – kantiger geworden. Das Design wirkt, auch wenn die Front mutig designt worden ist, durchaus stimmig. Die leicht gepfeilte Front verfügt über Anleihen des Sportwagens SLS aus den gleichen Hause, – aber auch einige Optiken des kleineren SLKs zeigen sich in der Front. Ohne Zweifel: Die Frontansicht mit den neu gezeichneten Scheinwerfern sorgte bereits schon bei der Weltpremiere in Detroit in zahlreichen Medien für Diskussionen. Der vordere Überhang wirkt gewachsen, die seitlichen Entlüftungs-Kiemen an den vorderen Kotflügeln sind dabei jedoch reine Optik bzw. Designelement. Das Auftreten des SL Roadsters ist jedoch maskuline, die Linienführung ist dynamisch. Die Designer haben das Kunststück vollbracht, ein Zusammenspiel aus Fortschritt und Tradition im neuen SL fortzuführen, bei ausbalancierten Proportionen.

    Entgegen anderen Baureihen verfügt der SL ebenso über Tagfahrlicht unterhalb der eigentlichen Leuchteneinheit, – die in Form einer länglichen Chromspange verbaut wurden. Die sehr dominant wirkenden Blinkleuchten der Frontscheinwerfer in LED-Technik sowie der “Leuchtbogen” des Standlichts wirken auf den ersten Blick ggf. befremdlich, – auf Bildern ist das Design jedoch teils anders, als in der Realität.

    Das Heck des Fahrzeuges ist ebenso komplett neu designt, – die zweiflutige Auspuffanlage wurde direkt in die Heckstoßstange integriert – mittig dabei eingefasst zeigt sich eine LED-Leiste, die Rückfahrscheinwerfer und Nebelschlussleuchte in LED-Technik beinhaltet. Die neuen Heckleuchten wurden ebenso neu gezeichnet.

    Das Interieur zeigt ein neue, geschwungene Instrumententafel, die mit den Bordkanten der Türen eine fließende Einheit bildet – ergonomisch auf den Fahrer ausgerichtet. Auffällig dabei sind die 4 Lüftungsauslässe auf der Stirnfläche, die – wie im SLS und SLK – im “Turbinenlook” gehalten sind. Das Design im Innenraum intepretiert die emotionale Anlehnung an die Sportwagenhistorie, so heißt es von Seiten der Verantwortlichen von Mercedes-Benz. Im SL Roadster findet man ebenso ein neues 3-Speichen Multifunktions-Sportlenkrad wieder, das mit galvanisierten Speichen unten abgeflacht ist. Ein Farbdisplay findet man im Kombiinstrument zwischen zwei klassischen Rundinstrumenten, inklusive dreidimensionaler Skalenringe sowie durchleuchteter Skalen.

    Mercedes-Benz bietet im Innenraum zahlreiche Zierelemente aus Holz- aber wahlweise auch aus Aluminium an. Serienmäßig verfügt der SL bei der Sitzanlage über eine Polsterung in der Kombination Stoff/leder schwarz – sonnenlichtreflektierend. Ambientebeleuchtung im Testfahrtzeug ist ebenso optional, wie das nicht verstellbare Airscarf. Ein Aircap-System, wie im E-Klasse Cabriolet bekannt, ist in einen 2-Sitzer nicht notwendig.

    Unter der Haube des für uns bereitgestellten Mercedes-Benz SL 500 BlueEFFICIENCY arbeitet ein mit zwei Turboladern arbeitender V8-Zylinder mit 435 PS, der über eindrucksvolle 700 Nm Drehmoment (bei 1.800-3.500 U/min) verfügt. Der Motor verfügt über einen Hubraum von 4.7 Liter und beschleunigt das Fahrzeug, nach Werksangabe in 4.6 Sekunden von 0 auf 100 km/h, die VMax des 1.785 kg schweren Fahrzeuges liegt bei abgeriegelten 250 km/h – der Verbrauch nach EU-Zyklus liegt bei 9.2 Liter auf 100 km /(SuperPlus), CO2-Ausstoß des Euro5-Fahrzeuges liegt bei 214 Gramm. Die Rohkarosserie des SLs ist erstmals überwiegend aus Aluminium, ausgenommen Teile der A-Säule und des Scheibenrahmens – dieser übrigens wieder hartgelötet, wie zuletzt beim SL der Baureihe R107.

    Unsere Testfahrt des neuesten Roadsters von Mercedes-Benz fand rund um Malaga und Marbella im spanischen Andalusien statt. Der SL selbst, der ab Ende März beim Händler Verkaufsraumpremiere feiert, verströmt bereits im ersten Anblick einen Hauch von Luxus. Egal, ob nun das Exterieur oder das Interieur betrachtet wird – luxuriös ist nicht nur das Design selbst, sondern auch die verwendeten – wie immer, edlen Materialen.

    Beim Einstieg in das Fahrzeug fällt vor allen der sehr kleine Automatikschalthebel auf, der sich jedoch sportlich in das Interieur einpasst. Das Leder im Farbton Exklusiv Nappa ingwerbeige / espressobraun passt sehr gut zur weißen Außenfarbe des Fahrzeuges – ist jedoch beides entsprechend pflegebedürftig. Sehr angenehm ist das automatische Windschott, das man per Knopfdruck – auch unter der Fahrt öffnen oder schließen kann. Das Verdeck selbst öffnet in wenigen Sekunden – und ist bis 8 km/h auch bei der Fahrt bedienbar. Ein Rundumblick im Interieur zeigt die üblichen Designelemente, die Mercedes-Benz bereits bei den anderen Baureihen eingeführt hat – die Belüftungsdüsen im Innenraum zeigen sich erneut in Form von Flugzeugtriebwerke.

    Die Sitze im Fahrzeug im Testfahrzeug, incl. AIRSCARF und Memory-Paket sorgt für einen guten Sitz – und guten Seitenhalt. Das AIRSCARF selbst ist für unsere Begriffe jedoch ein wenig zu schwach – auch wenn es zum Pflichtprogramm im offenen Fahrzeug gehört. Die Lamellen am Ausströmgitter im SL sind jedoch fix, und lassen sich selbst nicht verstellen – die Kopfstütze selbst kann entsprechend automatisch eingestellt werden. Die Außentemperatur in Spanien lag bei rund 16 Grad, – trotz Sonne gerade so aushaltbar.

    Das Fahrgefühl des Fahrzeuges selbst , – mit 8 Zylindern und 435 PS und satten 700 Newtonmeter Drehmoment ist jedoch satt, – der Abzug ist vollkommen mangellos, die Beschleunigung von 80 bis 180-200 km/h ist perfekt – und hat uns begeistert. Der Motor, der aus einer zweiflutigen Auspuffanlage seinen Klang verbreitet, – macht sich jedoch im unteren Drehzahlbereich wenig bemerkbar. Die 700 Nm Drehmoment zerren bei Vollgas jedoch sehr stark an der Hinterachse, sorgt aber in entsprechenden Fahrsituationen für eine Art Gänsehautfaktor, der einfach zu einen Sportwagen gehört – und hier möchte der SL ja auch mitspielen. Der 8-Zylinder ermöglicht dynamische Beschleunigung, problemlose schnelle Zwischenspurts mit viel Fahrspaß. Problemloses Gleiten im Alltag, sei es auf der Autobahn oder spanischen Hinterland, ist problemlos möglich.

    Die Schaltvorgänge im SL der 7-Gang-Automatik erfolgen nahezu unbemerkt – in der “S”-Einstellung, für sportlichere Fahrweise, wird entsprechend kürzer geschaltet. Unsere Tour, die sich über mehrere hunderte Kilometer im Mix zwischen Stadtverkehr, Landstraße mit Bergstraßen und Autobahn lief, war hier entsprechend 20 % höher, als die Werksangabe – die hier bei 9.1 bis 9.2 Liter lag – unser Wert wurde jedoch schon aufgrund mehrere Zwischensprints höher. Uns hätte der direkte Vergleich mit den Einstiegs-SL 350 BlueEFFICENCY interessiert, jedoch stand uns hier nur die größere Variante zur Verfügung.

    Neue Innovationen, wie das neue Front-Bass-System sorgt im neuen SL, sort mit der Nutzung des freien Bauraums in den Aluminium-Hohlstrukturen vor dem Fußraum als Resonanzvolumen für die Basslautsprecher: unser Fazit, neben eingesparten Bauraum in den Türen: knackige Bässe in nahezu Konzertsaalatmosphäre, die selbst unsere Nasenflügel vibrieren ließen. Die Neuentwicklung, die uns jedoch am meisten interessierte: MAGIC VISION CONTROL, ein neues Wisch/Wasch-System, das neben den Verzicht auf direkten Spritzdüsen auf der Motorhaube, für eine bessere Wischleistung sorgen soll. Über 100 Düsen im Wischerblatt direkt verteilen das Reinungswasser direkt, computergesteuert, auf die Frontscheibe. Mehrere Vorteile mussten wir hier feststellen: Die Sicht war weiterhin gut erhalten, trotz Reinungseinsatzes der Scheibenwischer. Leider findet es Mercedes-Benz nicht notwendig, das System serienmäßig zu beheizen – dies ist jedoch optional mitbestellbar (und für uns auch mehr als empfehlenswert). Kosten für einen Scheibenwischeraustausch steigen hier natürlich – hier sind rund 120 Euro einrechenbar.

    Ebenfalls neu ist der HANDS-FREE ACCESS, was den SL-Kofferraumdeckel per angedeutetem Fusstritt öffnen – aber auch schließen lässt. Der Clou dabei: bei offenen Verdeck hebt sich das Dach im Kofferraum leicht schräg an, um einen besseren Zugang in den Kofferaum für Ladegut zu ermöglichen.

    Unser Fazit: Der Roadster hat sich gemacht – auch wenn sein neues Äußerstes polarisiert. Durchaus, das Design des neuen Luxusroadsters ist mutig, aber gekonnt. Sportliche Linienführung, ein knackiges Heck – weniger Gewicht im Gegensatz zum Vorgänger – mehr Durchzugskraft bei weniger Verbrauch ist eine Vorlage, an dessen sich nicht nur die Konkurrenz halten kann. Der 8-Zylinder zerrt regelrecht an der Hinterachse, – der Fahrspaß des voll alltagstauglichen Roadsters bleibt erhalten. Ein sportlicher Roadster, – ein Sportwagen ist er für uns aber nicht, in dieser Kategorie rangiert eher der SLS AMG aus gleichen Hause.

    Ein Blick auf den Grundpreis – aber auch auf die Aufpreispolitik – zeigt jedenfalls eines: das Fahrzeug bleibt für viele unerreicht, aber demnach auch weiterhin exklusiv, so wie gewünscht.

    Unser Testfahrzeug verfügt beim Grundpreis von 117.096 Euro über das Automatikgetriebe 7G-TRONIC PLUS – die Ausstattungsteils im Detail:

    SL 500 Roadster 117.096,00 €
    Lackierung diamantweiß metallic BRIGHT 1.428,00 €

    Gesamtpreis: 136.897,60 €

    Weitere Autoblogger berichten übrigens ebenso über den neuen SL Roadster:

    Auto-Geil.de mit eindrucksvollen Video, – oder auto-diva.de mit den Blick einer Frau. rad-ab.com zeigt weitere Bilder vom SL, und Kult-Blogger Robert Basic spricht vom Sieg der Unvernunft.

    Bilder: MBpassion.de / Dirk Weyhenmeyer

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