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Aufbau eines Wasserstoff-Tankstellennetzes nimmt Fahrt auf
Von Philipp Deppe | 10.Dezember 2009
Brennstoffzellenfahrzeuge von Mercedes-Benz haben ihre Alltagstauglichkeit bereits unter Beweis gestellt, unter anderem in groß angelegten Feldversuchen.

Mit über 100 Testfahrzeugen und nach mehr als 4,5 Millionen gefahrenen Testkilometern verfügt das Unternehmen über die weltweit umfassendste Erfahrung mit Elektroantrieben mit Brennstoffzelle. Um das lokal emissionsfreie Fahren im größeren Umfang Realität werden zu lassen, sind allerdings noch einige Herausforderungen zu bewältigen. Unter anderem ist ein flächendeckenes Netz von Wasserstoff-Tankstellen erforderlich.
Mercedes-Benz kann bei der Brennstoffzellentechnik auf seine umfangreiche Erfahrung zurückgreifen: Seit 1994 erforscht der Stuttgarter Automobilhersteller den Einsatz des Elektroantriebs mit Brennstoffzelle im Automobil und verfügt damit über herausragendes Know-how auf diesem Gebiet. Rund 180 angemeldete Patente im Bereich der Brennstoffzellen-Technologie unterstreichen die Pionierleistungen des Unternehmens. Im Rahmen verschiedener groß angelegter Praxistests mit Brennstoffzellenfahrzeugen sind 100 Pkws, Busse und Transporter von Mercedes-Benz im Alltagseinsatz bei Kunden unterwegs und haben bereits über 4,5 Millionen Kilometer zurückgelegt. Damit liefern sie wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung des lokal emissionsfreien Antriebs – auch im Hinblick auf das Anwenderverhalten im Umgang mit der neuen Technologie.
Kooperationen fördern Infrastruktur
Einen entscheidenden Meilenstein für eine ausreichende Wasserstoff-Versorgung hat die Daimler AG im September dieses Jahres gemeinsam mit EnBW, Linde, OMV, Shell, Total, Vattenfall und die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW GmbH) gesetzt. In einem Memorandum of Understanding haben sich die Partner auf einen Aufbauplan für ein Tankstellennetz in zwei Phasen verständigt. In Phase I sollen verschiedene Optionen für den bundesweiten Aufbau eines Wasserstofftankstellennetzes sowie die Entwicklung eines gemeinsamen, wirtschaftlich tragfähigen Geschäftskonzeptes untersucht werden. Ziel ist es zudem, Konzepte für den Aufbau von neuen, zusätzlichen Wasserstofftankstellen bis zum Jahr 2011 zu entwickeln. Bei weiterhin positiver Geschäftsentwicklung, werden die Partner in Phase II einen entsprechenden Aktionsplan umsetzen. Dieser bildet die Basis für den bundesweiten Ausbau eines Wasserstofftankstellennetzes. Gefördert werden diese Aktivitäten durch Mit-tel aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung. In einem Letter of Understanding hatten sich die Daimler AG, Ford Motor Company, General Mo-tors Corporation/Opel, Honda Motor Co., Ltd., Hyundai Motor Company, Kia Motors Corporation, die Allianz Renault SA und Nissan Motor Co. Ltd. und Toyota Motor Corporation zuvor auf die Kommerzialisierung von Brennstoff-zellenfahrzeugen ab 2015 verständigt.
Bereits seit längerer Zeit engagiert sich die Daimler AG für dieses wichtige Thema im Rahmen von Gemeinschaftsprojekten mit der öffentlichen Hand, Energieerzeugern und Mineralölindustrie beispielsweise in Hamburg und Stuttgart sowie in Kalifornien. Die Stadt Hamburg wird Zentrum für lokal emissionsfreie Mobilität auf Basis des Elektroantriebs mit Brennstoffzelle. Sie hat im Frühjahr gemeinsam mit den Unternehmen Daimler, Shell, Total und Vattenfall Europe ein Großprojekt für den Einsatz von Pkws und Bussen mit Brennstoffzellen-Technologie gestartet. Ab Ende 2010 werden die ersten von insgesamt zehn Brennstoffzellenbussen der neuesten Generation in Hamburg unterwegs sein. Hinzu kommen 20 B-Klasse F-CELL. Bis 2014 sollen dort insgesamt vier Wasserstoff-Tankstellen in Betrieb genommen werden. Ziel der Kooperation ist der verstärkte Aufbau einer emissionsfreien Fahrzeugflotte und der entsprechenden Infrastruktur. Am Stuttgarter Flughafen hat die OMV im Juni 2009 in Kooperation mit der Linde AG und der Daimler AG die erste öffentliche Wasserstoff-Tankstelle Baden-Württembergs eröffnet. In den USA engagiert sich die Daimler AG im Rahmen der California Fuel Cell Partnership für die Brennstoffzellentechnologie im Auto.
Energieträger Wasserstoff
Ein entscheidender Vorteil von Elektrofahrzeugen mit Brennstoffzellenantrieb ist, dass sie lokal emissionsfrei fahren. Wie viel CO2 bei der Gewinnung des Wasserstoffs entsteht hängt davon ab, welche Energieform beziehungsweise welches Verfahren eingesetzt wird. Ein Großteil des heute benötigten Wasserstoffs wird im so genannten Dampfreformierungsverfahren erzeugt. Hier-bei wird im Dampfreformer aus Erdgas und Wasserdampf in einem Reaktor bei hohen Temperaturen zunächst Wasserstoff, Kohlenmonoxid und -dioxid erzeugt. Im folgenden Schritt wird der Kohlenmonoxid-Anteil unter Zuführung von Dampf zu Kohlendioxid und Wasserstoff konvertiert. Aufgrund des hohen Wirkungsgrades der Brennstoffzelle liegen die CO2- Emissionen in der Gesamtbilanz bereits heute mit 20 bis 30 Prozent deutlich unter denen moderner Dieselfahrzeuge.
Darüber hinaus lässt sich Wasserstoff problemlos mit dem Einsatz regenerativer Energiequellen herstellen. Dazu gehören sowohl Wind- und Solarstrom, aus denen mittels Elektrolyse Wasserstoff produziert wird, als auch die Verwendung von Biomasse. Hierbei wird das im ersten Prozessschritt entstehende Synthesegas (im wesentlichen Kohlenmonoxid und Wasserstoff) in Kohlendioxid und Wasserstoff umgewandelt. Je größer der Anteil dieser erneuerbaren Energien wird, desto näher kommt man der vollkom-men CO2-neutralen Energiekette.
Verbrennungsmotor bleibt wichtigste Antriebsform
Mercedes-Benz sieht die Entwicklung von Elektrofahrzeugen mit Batterie- und Brennstoffzellen für das lokal emissionsfreie Fahren der Zukunft als Er-gänzung zu den bereits verfügbaren extrem sauberen und sparsamen
BlueEFFICIENCY-Modellen und Hybridfahrzeugen. Allerdings gibt es für den reibungslosen und komfortablen Betrieb noch eine Reihe von Ein-schränkungen, wie Systemkosten und Infrastruktur, speziell bei batteriebetriebenen Fahrzeugen auch Reichweiten und Leistung. Moderne Diesel und Benziner werden auch noch auf längere Sicht die treibende Kraft für das Automobil bleiben – im Individualverkehr mit Personenwagen, insbesondere auf Langstrecken, und vor allem beim Güterverkehr mit Lastwagen. Im städtischen Verkehr werden zunehmend Elektrofahrzeuge zum Einsatz kom-men. Als Konsequenz daraus hat Mercedes-Benz einen breit aufgefächerten Lösungsansatz entwickelt. Und darin spielt der Verbrennungsmotor auch weiterhin eine wichtige Rolle. Bei allen Fortschritten kann das Elektroauto – ob brennstoffzellen- oder batteriebetrieben – Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nicht kurzfristig komplett ersetzen.
Quelle: Daimler AG
Topics: Allgemein, Entwicklung, Zukunft | 1 Kommentar »


11.Dezember 2009 at 08:38
Tolles Projekt. Hoffentlich ist es bald Serienreif. Finde es persönlich richtig klasse, dass mittlerweile so viele Ideen zum Thema Ökostrom gibt. Da kann man ein wenig beruhigter in die Zukunft schauen, was die Umwelt angeht. Bitte weiter so. Gruß Stephan