Vor zehn Jahren eröffnet Mercedes-Benz eine neue Ära des Dieselantriebs in Personenwagen: Common-Rail Direct Injection (CDI) heißt die Technik, die 1997 in der Mercedes-Benz C-Klasse der Baureihe 202 Premiere hat. Kennzeichen von CDI ist eine als gemeinsamer Druckspeicher ausgelegte Kraftstoffleitung (Common Rail), aus der durch Magnetventile der Kraftstoff je nach Bedarf in die Zylinder abgegeben wird. Die Common-Rail-Technologie ist Grundlage eines emissionsarmen, drehmomentstarken und kultivierten Dieselantriebs, der sich schnell durchsetzt. So wird CDI zum Maßstab für Pkw-Dieselantriebe.

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Auf CDI-Motoren bauen auch die aktuellen BLUETEC-Personenwagen von Mercedes-Benz auf. Premiere hat der besonders saubere und effiziente BLUETEC-Antrieb für Personenwagen 2006 in Nordamerika. Dort wird der Mercedes-Benz E 320 BLUETEC auch zum „World Green Car of the Year 2007“ gewählt. Ende 2007 kommt das erste Pkw-Modell mit dieser Technologie auf den europäischen Markt, der E 300 BLUETEC. In diesem Fahrzeug gelingt es Mercedes-Benz, die Emissionen des CDI-Motors noch weiter zu senken, während der Verbrauch gleichbleibend günstig ist. Mit Hilfe von BLUETEC wird der Selbstzünder zu einem der saubersten und effizientesten Antriebe der Welt – bereits heute erfüllt der E 300 BLUETEC die Grenzwerte der Euro-5-Norm, die im September 2009 in Kraft treten wird.

Zur IAA in Frankfurt stellt Mercedes-Benz im September 1997 den neuen C 220 Turbodiesel als T-Modell vor. Der Wagen trägt zunächst noch den schon länger bekannten Namen. Doch die Antriebstechnik des neuen „Turbodiesels“ unterscheidet sich grundlegend von den bisher üblichen Stuttgarter Turbodiesel-Modellen: Es ist der spätere Mercedes-Benz C 220 CDI, der auf der Frankfurter Automesse zu sehen ist. Er hat – gemeinsam mit der entsprechenden Limousinen-Variante – als weltweit erster Serien-Pkw einen Dieselmotor mit Direkteinspritzung nach dem Common-Rail-Prinzip. Sein 92 kW (125 PS) starker Vierzylindermotor OM 611 entwickelt bereits ab 1800/min ein beachtliches Drehmoment von 300 Newtonmeter. Der C 220 CDI ist damit nicht nur das drehmomentstärkste Diesel-Automobil seiner Hubraumklasse, sondern setzt auch in den Disziplinen Kraftstoffverbrauch und Schadstoffemissionen neue Maßstäbe.

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Für die ungewohnt kultivierte und sportliche Charakteristik des Dieselmotors ist vor allem die neuartige, gemeinsam mit Bosch entwickelte Common-Rail-Technik verantwortlich. Sie unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von der klassischen Ausführung des Vorkammer-Dieselmotors, aber auch von anderen Methoden der Diesel-Direkteinspritzung. Während nämlich herkömmliche Systeme den Druck für jeden Einspritzvorgang neu erzeugen, arbeiten CDI-Motoren mit einer gemeinsamen Kraftstoffleitung (Common Rail), in der der Druck kontinuierlich durch eine separate Hochdruckpumpe auf einem hohen Niveau gehalten wird. Aus diesem Druckspeicher wird der Kraftstoff über Magnetventile an die Einspritzdüsen verteilt. Die im Vergleich zu älteren Dieselmotoren sehr viel bessere Gemischaufbereitung resultiert aus den hohen Einspritzdrücken von bis zu 1350 bar, die bereits bei niedrigen Drehzahlen zur Verfügung stehen, sowie der variablen Steuerung des Einspritzvorgangs: Die Motorelektronik berechnet kontinuierlich den Kraftstoffbedarf jedes einzelnen Zylinders separat und abhängig von der Fahrsituation. Ergebnis des Einsatzes von CDI sind ein niedrigerer Kraftstoffverbrauch und geringere Abgas-Emissionen im Vergleich zu anderen Motortechniken, während die Leistung steigt.

Der CDI-Motor überzeugt außerdem mit ungewöhnlichem Laufkomfort, den vor allem die sogenannte Piloteinspritzung ausmacht. Dabei wird wenige Millisekunden vor der eigentlichen Kraftstoffeinspritzung eine kleine Menge Dieselöl in die Zylinder eingespritzt, die sich entzündet und für eine Vorwärmung der Brennräume sorgt. Durch diese Vorwärmung steigen bei der Haupteinspritzung Druck und Temperatur nicht mehr so sprunghaft an, und der Motor läuft leiser. Neben der Common-Rail-Technologie setzen die Motorenentwickler von Mercedes-Benz bei den neuen CDI-Aggregaten auf weitere Elemente der modernen Motorentechnik. So ist der Vierzylindermotor des C 220 CDI mit Vierventiltechnik ausgestattet.

Im Dezember 1997 führt Mercedes-Benz den C 220 CDI als Limousine und T-Modell in den Markt ein. Ein Vergleich zum Vorgängermodell beeindruckt: 30 Prozent mehr Leistung, doppeltes Drehmoment, zehn Prozent weniger Verbrauch. Dank CDI-Technik gilt der Selbstzünder nicht mehr nur als starkes Sparwunder, sondern auch als agiler und leistungsfreudiger Sportler. Ein halbes Jahr später folgt als weiterer CDI-Typ der C 200 CDI. Dieser löst sowohl in der Limousine wie im T-Modell den seitherigen C 220 Diesel mit Vorkammer-Saugmotor ab. Angetrieben wird die zweite C-Klasse mit CDI-Maschine von einer leistungsreduzierten Version des aus dem C 220 CDI bekannten Motors mit gleichem Hubraum. Gegenüber seinem Vorkammer-Vorgänger zeichnet sich der C 200 CDI besonders deutlich durch das hohe Drehmoment im unteren Drehzahlbereich aus. Auch insgesamt bringt der CDI-Motor deutlich verbesserte Fahrleistungen sowie reduzierte Verbrauchs- und Abgaswerte.